Das Schreiben von ganzen Interpretationen verlangt einem viel ab. Der Interpret muss die Grundlagen der Analyse beherrschen, in der Lage sein, eigene Schwerpunkte zu setzen und nicht zuletzt auch die Gedanken zu dem Werk so formulieren, dass eine kohärente, zusammenhängende Interpretation entsteht. An dieser Stelle kann man nachlesen, wie eine solche aussehen kann. Wie immer ist diese Interpretation lediglich ein (verkürzter) Vorschlag, der einer gewissenhaften Überprüfung bedarf. 

Zum Weiterlesen

Eine Linksammlung zu abiturrelevanten Themen von Gedichtinterpretation bis Szenenanalyse findet ihr über den Link.

Eine Beispiealinterpretation zum „Goldnen Topf“ findet sich hier. 

Eine Beispiealinterpretation zum „Steppenwolf“ findet sich hier. 

Anmerkung zur Aufgabenstellung

Anmerkung zur Aufgabenstellung: Im Abitur in Baden-Württemberg wird ein Werkvergleich gefordert (ab dem Abitur 2021 ist dieser nur noch zwischen Goldnem Topf und Steppenwolf möglich). „Der Verlorene“ von Treichel und „Faust“ werden als literarische Erörterung angeboten. Das bedeutet, dass sich sowohl die Aufgabenstellung als auch die Struktur der Interpretation verändert, sobald ein weiteres Werk hinzukommt. Die vorliegende Aufgabenstellung und die dazugehörige Interpretation beziehen also noch nicht alle Teile einer kompletten Abiturklausur ein.

Anmerkung zu Zwischenüberschriften

In dieser Interpretation finden sich Zwischenüberschriften oder Anmerkungen zu Teilen in Klammern. Diese sind in einer Klausur nicht nur nicht gefordert, sondern sollten nicht genutzt werden. Sie werden an dieser Stelle eingefügt, damit die Leser eine Orientierung haben.

Achten sollte jeder Interpret darauf, Absätze zu machen. Die helfen nicht nur beim Lesen, sondern auch dabei, die eigenen Gedanken zu strukturieren.

Anmerkung zur Art und Weise dieser Interpretation

Der Außentext hat normalerweise Zeilenangaben, die auch zitiert werden müssen. Sofern es sich um ein Zitat handelt, wird dies mit Angabe des Autors zitiert. An dieser Stelle werden weder Zeilenangaben des Außentextes, noch des Primärwerkes angegeben. Dies ist zum einen dem Blogformat, zum anderen der Umsetzbarkeit geschuldet. Es sei dennoch darauf hingewiesen, dass die Angabe von Textstellen zur Verdeutlichung eines Punktes obligatorisch (also zwingend notwendig) ist. Insofern ist diese Interpretation nur beispielhaft, was die Vorgehensweise angeht, hat aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Aus diesem Grund könnte es eine sehr gute Lerngelegenheit sein, für die vom Autor dieses Textes verfassten Thesen Beispiele zu finden. Auf diese Weise erlernt man den Zusammenhang zwischen abstrakter Behauptung gegenüber dem Text und konkreter Textstelle zusätzlich. Genau dies ist später ein möglicher Grund für eine hohe Bepunktung.

Die Aufgabenstellung, wie sie hier zu finden ist, ist vom Autor „erfunden“. Der Außentext ist ein Ausschnitt aus dem Text „Sollte Faust Teil des Lehrplans sein?“, der hier auf dem Blog zu finden ist.

Achtung: Es gibt immer wieder Schülerinnen und Schüler, die ganze Passagen auswendig lernen. Das ist nicht nur nicht Sinn der Sache, sondern kann dazu führen, dass man trotz sehr vielen guten und richtigen Ausführungen eine schlechte Punktzahl bekommt. Wie? Indem man am Thema vorbeischreibt. Insofern muss besonders darauf hingewiesen werden, wie wichtig es ist, auf die Aufgabenstellung zu achten.

Aufgabenstellung

Anmerkung: Die als fett markierten Textstellen sind nicht im Originaldokument zu finden. Sie dienen dem Autor dieses Textes als roter Faden und sollen die Relevanz bestimmter Passagen deutlich machen.

Thema: Hermann Hesse (1877–1962): Der Steppenwolf/ Johann Wolfgang Goethe (1749–1832): Faust I

Außentext

Anmerkung: In dem Artikel geht es darum, ob Faust auch weiterhin in der Schule gelesen werden sollte. 

Bei einem Werk geschrieben von einem Mann, der Epochen prägte. Der die französische Revolution (kritisch) beobachtete – was man übrigens in Auerbachs Keller herausarbeiten kann. Der die Dynamiken eines entstehenden Kulturbetriebs aus den verschiedensten Perspektiven beleuchten konnte (Vorspiel auf dem Theater). Der das Selbstverständnis des Dichters als genialischer Schöpfer anderer Welten beschrieb (Zueignung). Der den psychischen Zwiespalt des Menschens, der hin- und hergerissen zwischen Lust und gedankenvoller Erkenntnis, zwischen Tun und Denken skizzierte. Der die manisch-depressiven Wirkungen einer neuen Zeit in Zeilen fasste. Das Streben nach Wissen. Die destruktive Kraft egozentrischer Leidenschaft. Und später, im zweiten Faust, sogar die dramatischen Umwälzungen einer neuen Marktwirtschaft. Und so weiter. Das ist bekannt. Oder eben (bald) nicht mehr.

Nicht zuletzt arbeitet Goethe nicht, wie viele verkürzend sagen, die Dominanz des Mannes über die naive Frau heraus. Im Gegenteil. Der gesellschaftliche Druck, der auf die Frau ausgeübt wird, wenn sie als nicht Verheiratete ein Kind bekommt, wird hier ins Zentrum gestellt. Und sie wird gerettet. Von eben jenem Gott, dem Faust nach der Gretchenfrage geschickt entgeht. Ja, die Gretchentragödie selbst nimmt eine zentrale Stellung ein in einer Reihe von Dramen über Kindsmorde und -mörderinnen von Hebbel bis Hauptmann.

Bob Blume, Sollte Faust Teil des Lehrplans sein?, https://bobblume.de, aufgerufen am 1.1.2020.

Faust: Der Tragödie Erster Teil

Nacht.

In einem hochgewölbten, engen gotischen Zimmer Faust, unruhig auf seinem Sessel am Pulte.

Faust:

Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor;
Heiße Magister, heiße Doktor gar
Und ziehe schon an die zehen Jahr
Herauf, herab und quer und krumm
Meine Schüler an der Nase herum –
Und sehe, daß wir nichts wissen können!
Das will mir schier das Herz verbrennen.
Zwar bin ich gescheiter als all die Laffen,
Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen;
Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel,
Fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel –
Dafür ist mir auch alle Freud entrissen,
Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen,
Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren,
Die Menschen zu bessern und zu bekehren.
Auch hab ich weder Gut noch Geld,
Noch Ehr und Herrlichkeit der Welt;
Es möchte kein Hund so länger leben!
Drum hab ich mich der Magie ergeben,
Ob mir durch Geistes Kraft und Mund
Nicht manch Geheimnis würde kund;
Daß ich nicht mehr mit saurem Schweiß
Zu sagen brauche, was ich nicht weiß;
Daß ich erkenne, was die Welt
Im Innersten zusammenhält,
Schau alle Wirkenskraft und Samen,
Und tu nicht mehr in Worten kramen.

Aufgabenstellung:

• Interpretieren Sie den Textauszug; beziehen Sie das für das Verständnis Wesentliche aus der vorangehenden Handlung ein.

• Schreiben Sie mit Bezug auf den vorliegenden Außentext, inwiefern sich Faust in Goethes gleichnamigen Drama und Harry Haller in Hesses „Steppenwolf“ „der psychischen Zwiespalt des Menschen, der hin- und hergerissen zwischen Lust und gedankenvoller Erkenntnis, zwischen Tun und Denken“ ist Motive der beiden Werke sind.

Interpretation

Einleitung

In Goethes „Faust, der Tragödie erster Teil“ (1808) wird die Zerrissenheit eines nach Erkenntnis strebenden Wissenschaftlers im Rahmen eines Pakts mit dem Teufel deutlich gemacht. In Fausts Drang nach ganzheitlicher Erkenntnis spiegelt sich ein Menschenbild, das erst im Streben zu seiner Erfüllung gelangt. Und das ohne dieses Streben verkümmert. (Basissatz). Im Mittelpunkt des Dramas steht die Entwicklung des Gelehrten Faust, der durch manipulativen Akte des Teufels neue Dimensionen des Lebens kennenlernt (Thema des Werkes).

In der vorliegenden Textstelle wird das grundlegende Problem Fausts deutlich, sein Nicht-Zufriedensein mit allem, was er bisher erreicht hat. (Bezug zur Textstelle). Die Textstelle kann in zwei Teile gegliedert werden. Im ersten Teil lamentiert Faust darüber, dass er trotz seines enormen Wissens bisher nicht zur Erkenntnis gelangt ist. In einem zweiten Teil erklärt er, dass er sich der Magie hingegeben hat, um die Geheimnisse der Welt kennenzulernen. (Wiedergabe der Textstelle, normalerweise mit Zeilenangabe) Diese Textstelle ist die Grundlage für alles, was folgt, da sich hier die Problematik des ewig Strebenden offenbart, der bereit ist, alles zu tun, um neue Erkenntnisse zu erlangen – vom Suizid bis hin, sich dem Teufel zu verschreiben. (Aufgabenstellung und Außentext). In Bezug auf den Außentext kann man also sagen, dass psychischen Zwiespalt des Menschen, der hin- und hergerissen zwischen Lust und gedankenvoller Erkenntnis, zwischen Tun und Denken“ zumindest angedeutet wird. Der Fokus der ersten richtigen Szene des Dramas liegt aber auf dem psychischen Zwiespalt, der „Zwei-Herzen-Problematik“, die hier dadurch angedeutet wird, dass der Protagonist zunächst einmal sein fundamentales Problem definiert. Zu fragen ist, inwiefern sich der psychische Zwiespalt, wie er hier und im weiteren Verlauf offenbar wird, mit jenem von Harry Haller in Hesses „Steppenwolf“ vergleichen lassen.

Die Szene hat eine charakterisierende und expositorische Funktion, indem sie das Problem des Faust deutlich macht und so verdeutlicht, inwiefern sein kraftvolles Streben zu einer Grenze gekommen ist. Damit deutet die Szene „Nacht“ schon sehr früh auf die Problematik des gesamten Dramas. (Deutungshypothese). Die Szene „Nacht“, in der sich die Problematik des Protagonisten schon in der Regieangabe offenbart, die das Gefangensein des Gelehrten im „engen gotischen Zimmer“ auch über die Szene selbst darstellt, ist die erste Szene des Handlungsgefüges, in dem es um Faust selbst geht. Zuvor führen drei unterschiedliche Prologe in Goethes wichtigstes Werk ein. Die „Zueignung“ ist eine persönliche poetische Reflexion der Arbeit an dem Werk. Das „Vorspiel auf dem Theater“ bettet das Drama in einen Kontext von Rezeption und Produktion ein. Und der „Prolog im Himmel“ kontextuiert das Drama in einen menschheitsgeschichtlichen Zusammenhang. All diese Einführungen sind weniger in einem Handlungszusammenhang relevant, als dass sie die gesamte folgende Handlung kontextuieren. Faust wird damit mehr als ein gescheiterter Gelehrter. Er wird ein Repräsentant der Menschheit – zumindest innerhalb des historischen Kontexts. (Kontextuierung/ Überleitung zum Hauptteil).

(Hauptteil) Die Lage Faut wird schon zu Beginn deutlich: „Habe nun, ach! Philosophie.“ Die Interjektion weist darauf hin, warum Faust, wie es in der Regieanweisung heißt, „unruhig“ ist. Er will hoch hinaus, wie es auch das „hochgewölbte“ Zimmer andeutet, muss aber feststellen, dass er, obwohl er
„Juristerei und Medizin, /Und leider auch Theologie“ studiert hat, er nicht weiter gekommen ist. Das ist umso gravierender für ihn, weil er er „durchaus“ studiert hat, also tiergehend. Er muss aber feststellen, dass er sich dennoch nicht weiter entwickelt. Dies bringt er in dem weltbekannten Zitat zum Ausdruck: „Da steh ich nun, ich armer Tor! /Und bin so klug als wie zuvor;“ Hier spricht also jemand, der nicht weiterkommt, obwohl er alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel ergriffen hat. Er hat alle Titel, die man haben kann: „Heiße Magister, heiße Doktor gar“. Und er lehrt seine Schüler. Dennoch bleibt ihm nichts anderes übrig, als zu erkennen:
„Und sehe, daß wir nichts wissen können!/Das will mir schier das Herz verbrennen.“ Hier zeigt sich die intensive Verbindung Fausts mit seinem Wunsch, alles zu verstehen. Es geht nicht um eine bloße intellektuelle Erfassung, sondern es geht um sein Herz, seine ganze Persönlichkeit. Das Problem ist, dass, obwohl er weiß, dass er „gescheiter“ ist als viele andere und er sich nicht mit den üblichen Zweifeln plagen muss, er durch sein Scheitern keine Freude mehr empfindet: „Dafür ist mir auch alle Freud entrissen,/ Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen, /Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren, /Die Menschen zu bessern und zu bekehren.“ Das ist für Faust fundamental. Hat er doch soeben gesagt, dass er alles studiert hat, was es zu studieren gibt, zeigt sich nun, dass er nicht in der Lage ist, dieses Wissen überhaupt weiterzugeben. Er ist resigniert und geradezu nihilistisch. Aus diesem Grund sucht er nach Alternativen: „Drum hab ich mich der Magie ergeben, /Ob mir durch Geistes Kraft und Mund /Nicht manch Geheimnis würde kund;“ Auch den Grund dafür, warum Faust sich der Magie widmet, zeigt sich in einem weiteren berühmten Zitat: Daß ich erkenne, was die Welt /Im Innersten zusammenhält.“ Es geht also um eine tiefgreifende Kenntnis der Welt, die nicht mehr abhängig ist von „Worten“, sondern in weitere Dimensionen fortdrängt. Wir wissen, dass Faust zahlreiche Versuche unternimmt, seinen Wissensdrang zu befriedigen. Er ruft den Mond an, beschwört den Erdgeist und hält diesem nicht Stand. Zuletzt versucht er sogar, sich selbst umzubringen. Hierin zeigt sich die tiefe Verzweiflung, die zunächst durch die Osterglocken geheilt werden kann. Jedoch: Erst „Vor dem Tor“ wird die Zwei-Seelen-Problematik, wie sie der Außentext artikuliert, relevant. In dem vorliegenden Teil der Szene „Nacht“ zeigt sich zunächst der gelehrsame Teil Faust. Vor allem aber zeigt sich seine Verzweiflung, die in eine so tiefe Melancholie übergeht, dass sie überhaupt die Grundlage für den späteren Teufelspakt sein kann. Schon in den ersten Passagen deutet sich der Teufelspakt an. Faust sagt ja, dass er den Teufel nicht fürchte. Anstatt einer Zwei-Seelen-Problematik haben wir es hier also zunächst mit dem einen, dem intellektuellen Teil Fausts zu tun. Die leidenschaftliche Seite, die bis hinein in die Zerstörung reicht, wird Faust erst durch Mephisto richtig bewusst.

(Vergleich) Der fundamentale Unterschied zwischen Faust und Harry Haller ist, dass Haller nicht unter seinen zwei Seelen leidet. Dies muss man ausführen, denn: Er meint, dass er darunter leidet. Vor dem Hintergrund einer für ihn oberflächlichen Bürgerwelt, die ihm zu konservativ ist, indem sie beispielsweise den Krieg oder neue Technik unterstützt oder schlicht zu oberflächlich, indem sie humanistische Ideale als bloße Zierde ins Zimmer stellt (Besuch beim Professor), erscheint es Harry Haller so, als leide er am Dualismus zwischen Steppenwolf und Intellektuellem.

Beide sind in gewisser Weise Außenseiter, beide sind nicht so in die Gesellschaft integriert, wie Haller es gerne hätte. Zumindest erscheint dies so, wenn Haller die Bürgerwelt, in der er wohnt, bewundert. Jedoch: Erst im Traktat und dann im magischen Theater wird klar, dass die Aufteilung, der duale Charakter nicht nur aufgrund der beiden Teile problematisch ist, sondern weil sich tausende Persönlichkeiten in einem Menschen befinden. Erst mit dieser Erkenntnis und den aktiven Handlungen, seine eigene Persönlichkeit abzubauen und zu zerstören, um dann in einem weiteren Schritt diese erst richtig zu finden, kann Haller sich weiterentwickeln. Dies tut er freilich nicht allein. Hermine ist es, die ihm die Leidenschaft beibringt, so wie es Mephisto ist, der Faust nach der Verjüngung durch den Hexentrank die Leidenschaft beizubringen gedenkt. Erst zu dem Zeitpunkt, als Haller beim Tanzen merkt, dass er im Kollektiv aufgeht, überwiegt für ihn das Tun gegenüber dem Denken, wie der Außentext es aufnimmt.

Bei Faust ergibt sich jene Entwicklung möglicherweise schon zu dem Zeitpunkt, als er Mephisto darum bittet, ihm „die Dirne zu schaffen“. Verjüngt und mit Leidenschaft umgeben, kümmert sich Faust nicht um Gretchen, sondern will seine eigenen Triebe befriedigen.

(Deutungsergebnis)Dennoch bleibt der Kampf zwischen Lust und Intellekt in beiden Werken zentral. Man kann sagen, dass Harry Haller sich weiterentwickelt und den Gegensatz durch seine völlige Auflösung der Persönlichkeit auflösen kann. Ob er es schafft, sich selbst zu finden, bleibt zwar unklar. Aber der Humor als mögliche Lösung, die von den Unsterblichen vorschlagen wird, wird zumindest angedeutet. Während die Textstelle den Dualismus zwischen Intellekt und Trieb noch nicht beinhaltet, ist dieser dennoch treibende Kraft für beide Werke.

Schluss

Hesse bezieht sich im Steppenwolf explizit auf Goethe und den Faust. Zum einen als Ideal, als Unsterblichen, der es schafft, aus dem Gram des Intellektuellen aufzuerstehen und dem Protagonisten erklärt, dass es den Humor über sich selbst braucht, um sich weiterzuentwickeln. Zum anderen, indem die „Zwei-Seelen-Problematik“ sogar im Traktat direkt angesprochen wird. Harry Haller löst das Problem aber in einer anderen Art und Weise. Während bei Faust die Lust so weit geht, dass er gesellschaftliche Normen sprengt, indem er Gretchen nicht nur schwängert, sondern auch ihren Bruder umbringt, tötet Haller im magischen Theater nur einen Teil von sich selbst. Es bleibt eine abstrakte Handlung, die es erst ermöglicht, dass Haller sich selbst finden kann (Ausblick möglich). Inwiefern ist ein solcher Widerstreit heute noch relevant? Man könnte sagen, dass sich in ihm die zahlreichen Konflikte des Menschen symbolisch aufgeladen zeigen. Ob diese immer dieselben sind, ist dabei weniger wichtig als die Tatsache, dass es im Leben immer wieder zu einem Widerstreit zwischen verschiedenen Polen kommt, die miteinander verbunden werden müssen, wenn es nicht zum größeren Konflikt kommen soll. Die vergleichende Analyse verdeutlicht, dass diese Konflikte literarische gelöst werden können oder ungelöst bleiben.

 

 

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