UNTERRICHT: Mit Papierfliegern Arbeitsteilung verdeutlichen

Bob Blume
I
24. Januar 2024
4 Kommentare

Im Geschichtsunterricht (8. Klasse, Gymnasium) habe ich mit der Erstellung von Papierfliegern die erste Stunde zur Industrialisierung gestaltet. Dies mag ein kleiner Impuls sein, weshalb ich darüber nachgedacht habe, ob ich ihn hier überhaupt präsentiere. Da das Verfahren aber so gut geklappt hat, mache ich es gerne, auch wenn es nur wenige übernehmen und sich davon inspiriert fühlen.

Der Anlass

Grundsätzlich bin ich dabei, das Lernen (und das Erleben desselben) in den Mittelpunkt des Unterrichts zu stellen. Gerade in Geschichte ist die Erfahrbarkeit nicht immer gegeben - es sei den bei Exkursionen oder dergleichen. Aus diesem Grund überlegte ich, wie ich im Sinne eines Advance Organizers die ersten Stunden der Industrialisierung gestalte.

Die Hypothese

Wenn eine Klassenhälfte arbeitsteilig an einem Flieger arbeitet, müsste sie schneller sein als die andere Hälfte, so dass das Prinzip der Arbeitsteilung erfahrbar gemacht werden und im Anschluss diskutiert werden kann.

Die Durchführung

Zuvor holte ich Schmierpapier vom Papierstapel, damit nur Papier genutzt wurde, das schon benutzt worden ist.

1. Die eine Klassenhälfte wurde aus dem Zimmer gebeten.

2. Die andere Klassenhälfte wurde instruiert: Jeder Schüler/ jede Schülerin sollte nur einen Schritt machen. Das wurde kurz geübt.

3. Die Klassenhälfte wurde hereingebeten. Ihr wurde gesagt, dass sie nun auch spezielle Flieger basteln sollen. Sie sollten präzise sein.

4. Die beiden Hälften traten gegeneinander an.

5. Die Klassenhälfte, die arbeitsteilig arbeiten konnte, gewann haushoch.

Die Reflexion

Das Schöne an der Methode war, dass über die Arbeitsteilung, die in diesem Fall sogar präzise von einer Schülerin benannt wurde, einige weitere Schlussfolgerungen gezogen werden konnten, die in einem Tafelanschrieb festgehalten werden konnten.

So, dass der spezialisierte Arbeiter weniger verdient, weil er nur eine spezielle Aufgabe hat. Dass die gemeinsame Produktion die Produkte insgesamt billiger macht. Dass dies zum Arbeitsverlust je der Arbeiter führen kann, die teurere Produkte fertigen.

Fazit

Die genauen Fragen und die Übersicht müsste weiter im Details ausgeführt werden. Insgesamt hat sich aus meiner Sicht aber gezeigt, dass ein für die Industrialisierung sehr wichtiges Prinzip, zu dem man immer wieder zurückkommen kann, erfahren und somit verstanden worden ist. Inwiefern dies nachhaltig war, wird sich noch zeigen. Grundsätzlich kann man aber von einer sehr guten Stundenbeginn sprechen, der dann mit verschiedenen Fotos im oberen Sinne des Advance Organizers weitergeführt worden ist.

Ich freue mich über Kommentare und Rückmeldungen.

4 comments on “UNTERRICHT: Mit Papierfliegern Arbeitsteilung verdeutlichen”

  1. Sehr überzeugend, selbst wenn es nur eine Unterbrechung des Lernmodus wäre und gar keine langfristigen Wirkungen hätte.
    Nach meiner Erfahrung wirkt so etwas aber längerfristig. Das habe ich bei mir selbst beim Einstieg in Informatik vor zig Jahren erfahren.

  2. mit diesen Ideen würde ich gerne wieder im Klassenzimmer stehen.
    Als Pensionärin und noch Schulbuchautorin finde ich Ihre kreativen Einfälle spannend.
    So ist Unterricht nicht langweilig und ganz sicher auch nachhaltig

  3. Das Basteln im Kontext Manufaktur oder Industrialisierung ist ja ein Klassiker. Ob es nun Flieger sind (mein historisches Zeitgefühl rebelliert da ein wenig) oder Papierschiffe oder Papierhüte, ist ja fast egal. Allerdings fehlt mir im genannten Beispiel ein wenig. Die 2. Gruppe (die rausgehen musste) besteht ja eigentlich aus Spezialisten, die alle Handlungen durchführen müssen. Das scheint hier konzeptionell nicht ganz inkludiert zu sein. Im Gegenteil, sie wurden direkt benachteiligt, da Gruppe 1 (die mit der Arbeitsteilung) üben durfte. Damit wird der Vergleich schwer, da ein weiterer Faktor hinzugekommen ist. Und ich vermisse ein kleines Detail im Ergebnis: Üblicherweise gewinnt quantitativ Gruppe 1 immer. Allerdings hat normalerweise Gruppe 2 qualitativ immer einen recht klaren Vorteil, erst recht wenn Gruppe 1 versucht, immer schneller zu werden.
    Das sind dann sehr leicht nutzbare Ansätze, um (auch fachübergreifend) Unterschiede bei Handwerk/Massenware zu thematisieren oder die Preisgestaltung von Produkten aus dem Handwerk zu erläutern. Das ist zumindest bei uns auch Thema des 8. Jahrgangs, im Fach WAT. Da eigenständige Arbeit in Holzwerkstätten oder Metallwerkstätten am Gymnasium ja üblicherweise nicht stattfindet (zumindest hier taucht es nur an den anderen Schultypen auf) und damit die Erfahrung fehlt, wie lange solch Arbeit dauert und wie viel Grips und Schweiß in einem einfachen Produkt stecken kann, wäre es schade, diese Chance zu verschenken.
    Eventuell kannst du es ja im nächsten Durchgang mit einbauen.

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