„Er liebt mich – liebt mich nicht.“ – „Du holdes Himmelsangesicht!“ Faust und Margarethe im Garten, von James Tissot (1861)

Die inhaltlichen Ausführungen, die hier auf dem Blog zum Faust (und zu den anderen Abiturthemen) veröffentlicht werden, haben drei Funktionen: Sie sollen meinem Kurs die Möglichkeit geben, das Besprochene nochmals nachlesen zu können, sie bieten mir selbst die Möglichkeit, die Themen schreibend zu reflektieren und sie eröffnen anderen Lesern die Chance, die Inhalte auch zu nutzen. Dies schreibe ich deshalb, weil man sich fragen könnte, warum man eine weitere Zusammenfassung zum Faust lesen sollte. An dieser Stelle kann ich nur antworten, dass die verschiedenen Zusammenfassungen und Deutungen immer auch andere Aspekte betonen. Bei einem so vieldimensionalen Werk wie dem Faust ist das Lesen verschiedener Versionen also sicher nicht das Schlechteste. 

Anmerkung zur Zusammenfassung

Die Zusammenfassung versucht sich auf die wichtigsten Punkte zu konzentrieren und dennoch nichts Wichtiges wegzulassen. Zu einzelnen Szenen, in denen hier auf dem Blog geschrieben wurde, wird an der jeweiligen Stelle ein Link gesetzt. Bei den Zusammensetzungen wird auf Zitate weitestgehend verzichtet. Es sei angemerkt, dass eine solche Zusammenfassung von Faust auch deshalb nicht die eigene Analyse einer Szene ersetzt. Bei Fragen kann der Artikel zu Fragen zum Faust kommentiert werden. Dieser wird dann um die jeweilige Frage ergänzt.

Im Laufe der Zeit werden für die einzelne Szenen genauere Analysen folgen. Diese sind dann über einen Link in der Zusammenfassung erreichbar.

Übersicht

Kurze Inhaltsangabe
Die vier Schaffensperioden
Faust und die Literaturepochen
Form und Inhalt
Die Zuegnung
Vorspiel auf dem Theater
Prolog im Himmel
Nacht
Vor dem Tor
Studierzimmer I
Studierzimmer II
Auerbachs Keller in Leipzig
Hexenküche
Straße
Abend
Spaziergang
Der Nachbarin Haus
Straße II
Garten
Ein Gartenhäuschen
Wald und Höhle
Gretchens Stube
Marthens Garten
Am Brunnen
Zwinger
Nacht. Straße vor Gretchens Türe
Dom
Walpurgisnacht
Walpurgisnachttraum
Trüber Tag. Feld.
Nacht, offen Feld
Kerker
Abschluss

Kurze Inhaltsangabe

Im Faust zeigt sich die zutiefst menschliche Problematik der Suche nach einem tieferen Sinn und dem Verständnis der Welt und dem Platz des Menschen in dieser Welt. Faust wird durch drei Prologe als Repräsentant der Menschheit vorgestellt. Zutiefst melancholisch lässt er sich mit Mephisto, dem Teufel, auf einen Pakt ein. Der Teufel hatte zuvor mit dem Herrn gewettet, dass er es schaffe, Faust vom rechten Weg weg zu führen. Nun durchläuft Faust mit Mephisto verschiedene Stationen von Kneipen zu Hexenküchen, um schließlich, durch einen Trank verjüngt, einem jungen Mädchen, Margarete oder Gretchen, nachzustellen. Er schwängert sie und sie tötet ihr Kind und endet im Kerker. Obwohl Faust sie retten möchte, lässt sie sich nicht helfen. Im Gegensatz zu Faust ist sie sich ihrer Schuld bewusst. Der Pakt selbst wird am Ende des ersten Teils nicht aufgelöst. Ob Faust oder Mephisto gewinnt, entscheidet sich erst im sehr komplexen zweiten Teil.

Die vier Schaffensperioden

Faust ist Goethes Lebenswerk. Er äußert sich auch in einer Weise, die zeigt, dass er weiß, dass der Faust mehr ist als eine gewöhnliche literarische Figur. In ihm zeigt sich wenn nicht der Repräsentant der Menschheit doch der Mensch in der Zeit um die Jahrundertwende zum  19. Jahrhundert. Dies mit all seinen Widersprüchen und Paradoxien. Kein Wunder: Als Goethe begann, den Faust zu schreiben, befand er sich in der feurigen und alles auf das eigene Genie beziehenden Phase des Sturm und Drang.

Einige Passagen aus dieser Zeit hat der „späte Goethe“, wie der Autor in seiner späten Schaffensphase oft genannt wird, nachträglich verändert, gekürzt oder erweitert. Auf diese Weise zeigen sich die Brüche innerhalb des Werks nicht ganz so extrem, wie sie (nachweislich) zunächst geplant waren.

1771 – 1775: Urfaust (Sturm und Drang)
a) Faust als Gelehrter
b) Gretchentragödie
Kenntnis der Prozessakten der Kindsmörderin
1788 – 1790: Szene „Hexenküche“ entsteht auf Italienreise/ Druck von „Faust. Ein Fragment.“
1797 – 1808: Faust I beendet (auf Drängen Schillers)
1824 – 1831: Faust II

Faust und die Literaturepochen

Insgesamt ist der Faust über einen so langen Zeitraum erschaffen worden, dass er zahlreiche Epochen (und deren Merkmale) ins sich aufgenommen hat, man aber nicht sagen könnte, dass er nur einer einzigen Epoche zugehörig wäre. So wird im Faust (in beiden Teilen) sowohl die Vernunft und der Vernunftgedanke der Aufklärung verhandelt wie auch der Widerstreit, der sich durch das Gefühl mit dieser ergibt (als typisches Element des Sturm und Drang). Die Klassik und ihr Streben nach Harmonie und Einklang (als Reaktion auf die Französische Revolution) spielt aber auch eine Rolle (so in der Gretchentragödie als Strukturmerkmal oder in Fausts Suche nach Freiheit und persönlicher Vervollkommnung. Zuletzt kann man argumentieren, dass sich auch romantische Elemente im Faust finden lassen, zum Beispiel wenn man an die Alchemie (also die magischen Aspekte) oder die übernatürlichen Erscheinungen berücksichtigt, die im Faust eine Rolle spielen (so der Erdgeist, die Hexen oder sogar Mephisto).

Form und Inhalt

Ort und Zeit der Handlung sind nicht genau lokalisierter, allerdings finden sich einige Schauplätze jener Orte wieder, in denen Goethe gewohnt hat. So beispielsweise Leipzig. Als Zeit wird das 16. Jahrhundert genannt, es sind aber klare Verbindungen zur Goethes Zeit (also dem 18. und 19. Jahrhundert) erkennbar. Der Zeitraum selbst ist auch nicht genau festgelegt, aber man kann von etwa einem Jahr sprechen.

Das Stück ist nicht in Akte unterteilt, sondern umfasst eine lose Szenenfolge von 28 Szenen, die aus 4612 Versen bestehen. Dazu kommen die drei Prologe, die hier im weiteren Verlauf beschrieben werden.

Die Forschung unterscheidet normalerweise zwei Teile, die sogenannte Gelehrtentragödie und die Gretchentragödie, die sich aber natürlich aufeinander beziehen.

Die Zueignung

Zur Zueignung gibt es einen detailierten Beitrag auf diesem Blog.

Die Frage, die sich zunächst stellt, ist: Wer eignet wem was zu? Die verkürzte Antwort ist: Das Gedicht wird seinen Figuren gewidmet. Insofern ist die Zueignung eine Art Gespräch mit sich selbst. Auf der anderen Seite wäre es zu einfach, in dem lyrischen Ich Goethe zu sehen. Obwohl die Zueignung eine Vorrede bzw einer von drei Prologen ist, kann man durchaus sagen, dass hier schon die erste Dimension (oder “Potenz” [Schöne]) des literarischen Werks eröffnet wird (wobei die nächsten beiden Prologe und dann das Stück selbst immer eine literarische Potenz weiter unten zu sehen sind.

In der Zueignung bringt das lyrische Ich seine Unsicherheit darüber zum Ausdruck, die “schwankenden Gestalten”, also seine aus der Phantasie entstandenen Figuren, wieder zum Leben zu erwecken.

In der ersten Strophe verdeutlicht er, dass er wieder bereit dafür ist, die Gestalten aufzunehmen In der zweiten Strophe erinnert er sich an die Jugend und die Schaffenszeit. In der dritten Strophe reflektiert er über die Wiederaufnahme des Stoffes und in der vierten Strophe wird das Bild des Dichters als das eines Menschen deutlich, der Eindrücke und Wahrnehmungen darstellt.

Das Gedicht ist als Stanze geschrieben, in einer italienischen Strophenform, die besondere Feierlichkeit zum Ausdruck bringt. Das Gedicht hat so durch diese Form einen sehr klangvollen und feierlichen Charakter.

Vorspiel auf dem Theater

Zum “Vorspiel auf dem Theater” gibt es einen detaillierten Beitrag auf dem Blog.

Goethe kennt alle Ansprüche, Interessen und Blickwinkel auf das Theater. Als Schriftsteller, Theaterdirektor und Schauspieler und Dichter weiß er, wie sehr sich diese unterschiedlichen Perspektiven reiben können. Dies verdeutlicht er mit dem Vorspiel auf dem Theater. Während er mit der “Zueignung” also einen zunächst individuellen Prolog erschafft, stellt er den Faust als Stück hier in einen kunsthistorischen Zusammenhang.

Dabei werden die Unterschiede zwischen den sprechenden Personen schnell deutlich. Der Direktor will Geld verdienen. Er ist ein Geschäftsmann, dem es darum geht, dem Publikum zu gefallen, damit dieses in Scharen in das Theater kommt. Deshalb will er so viel Handlung wie möglich, damit die Leute unterhalten werden.

Der Dichter auf der anderen Seite ist ein Idealist. Er will unabhängig vom Publikumsgeschmack so schaffen, dass er seinem hohen Auftrag Gericht wird. Er möchte der Freude und dem Leid der Menschen Ausdruck verleihen, und zwar so, dass es nicht für kurze Zeit unterhält, sondern dass das Werk von Dauer ist, also überzeitlich.

Die Lustige Person erhält in dieser “Verhandlung” die Mittlerrolle. Sie erklärt, dass sowohl Erst als auch Humor im Stück eine Rolle spielen soll (Insofern soll das Publikum also unterhalten werden, gleichsam soll es aber auch berührt werden).

Insgesamt weitet das Vorspiel auf dem Theater also den Kreis der Bedeutsamkeit des Stücks. Es wird nicht mehr “nur” aus der Schaffensperspektive des Dichters gesehen, sondern in seiner Funktion als (Menschheits-)Drama beleuchtet.

Prolog im Himmel

Mit dem Prolog im Himmel und der dritten Vorrede wird der Faust in einen universalen Zusammenhang gestellt.

Zunächst zeigt der Gesang der Engel in seiner feierlichen Betonung die Werke Gottes und die Ordnung des Alls – und zwar sowohl im Hinblick auf die zerstörerische als auch die schöpferische Kraft. Gott wird durch die Engel als Ursprung allen Seins gefeiert. Die Struktur geht dabei vom Weltall hin zu den Menschen, um dann zum einzelnen zu gelangen.

Der Faust als Mensch wird also in den Zusammenhang mit der gesamten Schöpfungsgeschichte gestellt.

Anders als man bei einem Werk namens “Faust” meinen könnte, hat der Teufel seinen ersten Auftritt im Stück. Er gehört zum göttlichen Gesinde und ist damit dem Herrn selbst untergeordnet, wenngleich er es nicht so sieht. Mephisto meint, dass er den Menschen (und damit Faust) verleiten könnte. In diesem Anspruch wettet er mit dem Herrn. Der Gegenstand seiner Wette ist Faust selbst. Mephisto wettet, dass er den Faust dazu verleiten kann, nicht mehr weiter zu streben, also die Ideale zu verraten, die ihn zum Mensch machen. Der Herr hält dagegen, indem er Mephisto sagt, dass ein Mensch, der Ziele verfolgt und Ehrgeiz bei der Verfolgung dieser Ziele zeigt, gar nicht manipuliert werden kann.

Nacht

Mit der Szene “Nacht” beginnt das “eigentliche” Drama. Dennoch sollte man die vorherigen Prologe nicht ausklammern. Sie sorgen erst dafür, dass das Folgende eingebettet ist in einen größeren, ja den größten denkbaren Zusammenhang. Sie verdeutlichen, dass Faust Probleme Probleme eben jener Menschen sind, die mit ihren Mitteln versuchen, ihre Ziele zu verfolgen.

Schon die Regieanweisung zu Beginn verdeutlicht, welches Problem dieser Doktor Faust hat. Er ist in einem engen Raum, der seine intellektuelle Situation widerspiegelt. Er will heraustreten aus der Welt des Gelehrten, die es ihm bisher nicht ermöglicht hat, die wichtigen Fragen des Lebens zu ergründen.

In seinem Monolog verdeutlicht er, dass es ihm um das Verständnis des Ganzen geht. All das, was er bisher geleistet und studiert hat, hat ihm dabei aber nicht geholfen. Deshalb ist er in einer Krise, die so existeinziell ist, dass er alles anzweifelt, das sein bisheriges Leben ausgemacht hat. Er hat keine Hoffnung in Einsichten, die sich aus dem Gelehrtendasein ergeben, obwohl er alle Hauptfakultäten der Renaissance-Zeit in ihrer Tiefe gelernt hat und ein anerkannter Hochschullehrer ist.

In seiner Suche nach den tieferen, allumfassenden Zusammenhängen der Welt entscheidet er sich für die Magie. Sie ist für ihn ein weiteres Mittel, um zu einer Art Erleuchtung über den Sinn des Lebens und die Zusammenhänge des Alls uns der Welt zu gelangen.

Für diese Unternehmung nutzt Faust zunächst das Buch des Nostradamus und ruft den Erdgeist an. Er blickt auf das sogenannte Makrokosmos-Zeichen, in der das Weltall und seine Ordnung dargestellt ist und hofft dadurch zu einer Erkenntnis darüber zu gelangen. Insofern Magie und Geister Teil der Natur sind, die wiederum von Gott erschaffen worden sind, erhofft er sich dadurch die Erkenntnis über das große Ganze. Er spürt denn auch das harmonische Ganze, ist aber nicht in der Lage, es zu begreifen.

Da dieser weitere Versuch des Verstehens misslingt, beschwört er den Erdgeist. Dieser ist der Geist der Natur, des irdischen Lebens. Er ist die Personifizierung der Erscheinungswelt des Lebens selbst. Dadurch, dass Faust versucht, dem Geist auf Augenhöhe zu begegnen, stellt er sich ihm gleich und wird vom Geist zurückgewiesen.

Faust scheitert also ein drittes Mal – zunächst als Wissenschaftler, dann als Beobachter und zuletzt als Geistesbeschwörer. Dieses Scheitern, die Erkenntnis, dass er überall auf Grenzen stößt, sorgen bei ihm für einen tiefgreifenden Lebensekel, der in so einer heftigen Verzweiflung mündet, dass er sich entschließt, sich umzubringen.

Faust zeigt sich hier als typischer Sturm und Drang Charakter: Er trachtet nach einem vollumfassenden Naturerlebnis, nach einem Erleben, das die ganze Natur umfasst. Da er in diesen Versuchen scheitert, greift er zur Giftflasche. Er will sich selbst behaupten, indem er sein eigenes Leben im letzten Atemzug in die eigene Hand nimmt. Die Osterglocken, die er kurz vor dem möglichen Suizid hört, halten ihn vom Selbstmord ab.

Das treffen mit Wagner, seinem Studenten, schärft Faust Profil noch einmal. Wagner trachtet nach Wissen, nicht mehr. Er beruft sich auf die Bücher und die Autoritäten. Faust hingegen will diese starre Form des Wissens durchbrechen. Material

Vor dem Tor

In der Szene „Vor dem Tor“ zeigt sich, dass Faust ein angesehen Mann ist. Er ist bei den Menschen hoch geachtet, aber selbst das lässt ihn nicht zufrieden sein. Zunächst hebt sich auch seine Laune, aber letztlich weiß er, dass er nicht zu der festlichen, bunten Menge dazugehört.

Anstatt sich zu freuen, dass das Volk im Beachtung spendet, wird er melancholisch, weil er Gewiss ist, wie vielen Menschen er nicht hat helfen können.

Ein auftauchende Pudel erregt Fausts und Wagners Interesse. Er folgt den beiden ins Haus.

Studierzimmer I

Zurück in seinem Studierzimmer, macht sich Faust an die Bibelübersetzung. Diese verdeutlicht, dass es Faust darum geht, das Leben kraftvoll zu ergreifen.

Dort stellt sich nach vergeblichen Versuchen, ihn zu entzaubern, der Hund als Mephisto herausstellt. Faust ist dabei aber nicht geschockt, im Gegenteil. Er bietet dem Teufel an, wiederzukommen. Dieser lässt ihm aber zunächst ins Reich der Träume versinken, so dass Faust zunächst denkt, dass er abermals hinters Licht geführt worden ist.

Studierzimmer II

Faust selbst ist zu dem Zeitpunkt, als er Mephisto wieder trifft, wieder in einer so verzweifelten Lage, dass er an allem zweifelt, ja alles verflucht.

Erst diese melancholische Grundstimmung macht es Mephisto möglich, Faust zu dem Pakt zu überreden. Denn Faust kann sich nicht vorstellen, dass es jemals so weit kommen wird, dass er das Leben und den Augenblick, der ihn umgibt, schön findet. Mephisto bietet ihm also an, zu seinem Diener zu werden und ihm zu helfen, das Leben zu genießen, wenn dieser ihm in der Ewigkeit nach dem Tod dient. Faust ist sich sicher, dass es nicht so weit kommen wird und willigt ein.

In der kurzen Episode, als Mephisto mit dem Studenten redet, der eigentlich gekommen ist, um sich mit Faust über sein zukünftiges Studium zu unterhalten, werden die Fakultäten, die man studieren kann, aus der aufklärerischen Perspektive kritisiert. Mephisto spricht hier als Kritiker eines in die Jahre gekommenen Systems.

Auerbachs Keller in Leipzig

In kürzester Form kann man sagen, dass die Szene Auerbachs Keller zwei Funktionen hat. Sie verdeutlicht, dass das Leben, wie es sich hier singend, trinkend und schreiend präsentiert, nichts ist, dass für Faust attraktiv ist. Gleichzeitig ist es eine Kritik am Volk, dass zwar Freiheit schreit, aber Wein säuft und in der Kneipe hockt.

Hexenküche

In der Hexenküche gibt es zahlreiche allegorische und metaphorische Aspekte, die sich bei genauer Analyse entdecken lassen. Rein auf der inhaltlichen Ebene geht es hier darum, Faust mit einer  Schönheit zu konfrontieren, von der er nicht lassen kann: Er sieht die schöne Helena. Ihm wird ein Trank bereitet, der ihn verjüngt und ihn die Liebe in allen Frauen sehen lässt. Das ist auch der Übergang zur nächsten Szene, mit der die Gretchentragödie beginnt. Faust ist nun als jüngerer Mann zu denken, der sofort der jungen Frau namens Gretchen verfällt.

Straße

Direkt nach der Hexenküche folgt jene Szene, in der Faust die Unverfrorenheit besitzt, Gretchen anzusprechen. Er bietet ihr an, sie nach Hause zu bringen. Für sie ist das ein Grenzübertritt, den sie zurückweist. Gerade diese naive Unschuld ist es aber, die Faust reizt. Er möchte, dass Mephisto dafür sorgt, dass er sie für sich gewinnt.

Abend

Der nächste Schauplatzwechsel bringt den Leser (oder Zuschauer) direkt in Gretchens Zimmer. Dieses ist zwar klein (man denke an Faust Studierzimmer), aber nicht eng im Sinne der Eingrenzung des Wissens. Nachdem Gretchen aus dem Zimmer gegangen ist, betreten es Faust und Mephisto. Faust ist fasziniert, ja angeregt. Um sie für sich zu gewinnen, lassen er und Mephisto ein Schmuckkästchen dort. Gretchen bemerkt, dass sich die Atmosphäre des Zimmers geändert hat. Mit dem „Lied vom König von Thule“ deutet sie ihr eigenes Schicksal – wenn auch noch unbewusst – voraus. Sie entdeckt den Schmuck und ist sofort in seinem Bann. Die Aussicht darauf, ihn zu tragen, macht aus ihr ein begehrenswertes Geschöpf.

Sparziergang

Mephisto und Faust unterhalten sich. Mephisto ist genervt, dass Gretchen den Schmuck ihrer Mutter übergeben musste. Faust trägt ihm auf, ein neues Geschmeide zu holen, damit Gretchen ein weiteres Mal vom diesem in liebevolle Verwirrung gestürzt wird und ihm verfällt.

Der Nachbarin Haus

Als Gretchen den Schmuck zum zweiten Mal entdeckt, geht sie zu ihrer einsamen Nachbarin. Diese ist im Unklaren darüber, ob ihr man noch lebt. Das stellt den Kontrast zu Gretchen dar, die sich nun im Spiegel ansehen kann uns sich so zu einer Frau stilisiert, die begehrt werden kann. Auf der Straße kann Sie es aber nicht anziehen, da das Aufsehen erregen würde. Die Nachbarin rät ihr dementsprechend, der Mutter den Schmuck dieses Mal zu verheimlichen. Mephisto nutzt Marthens (der Nachbarin) Unsicherheit in Bezug auf ihren Mann, um ein weiteres Treffen auszumachen, bei dem Faust dann dabei sein kann.

Straße II

Mephisto schafft es, Faust zu überreden, dass dieser lügen soll zu wissen, dass Marthens Mann Tod ist. Zunächst sträubt sich Faust, aber Mephisto weist geschickt darauf hin, dass er schon einmal gelogen habe, als er sagte, dass er nichts wisse. Mephisto weiß, dass Faust Gretchen nur überzeugen kann, mit ihm zu gehen, wenn er ihr Versprechungen macht, die er nicht halten kann. Faust stellt seine eigenen Wünsche in Bezug auf eine erotische Beziehung mit Gretchen vor die richtige, gute Entscheidung.

Garten

Im Garten, also außerhalb der gesellschaftlichen Konventionen, die vor allem Gretchen umgrenzen, kommt es zu einem Treffen zwischen Faust und Gretchen, bei dem Faust Gretchen seine Liebe gesteht. Das Gespräch zwischen Mephisto und Marthe ist oberflächlich und dient als kontrastive Folie für das Gespräch zwischen Faust und Gretchen. Das Gespräch der beiden „Liebenden“ zeigt sich nach eingehender Analyse jedoch nicht so tiefsinnig, wie man meinen kann. Zwar zeigt sich Faust fasziniert von Gretchen und ihrer ordentlichen, naiven und kleinbürgerlichen Art, allerdings spricht er das Liebesgeständnis nicht klar und deutlich aus.

Ein Gartenhäuschen

Im Gartenhäuschen küssen sich die beiden, werden jedoch von Mephisto gestört. Der Zweifel, dem Gretchen unterworfen ist, zeigt sich auch hier. Sie versteht nicht oder kann nicht begreifen, was Faust in ihr sieht und warum er sie so umgarnt.

Wald und Höhle

In Wald und Höhle zeigt sich in Fausts Monolog ein grundlegender Wandel seines Drangs nach Erfüllung. In dem Glauben, nun zu einer (ersten) Erkenntnis gelangt zu sein, wir Faust geradezu sentimental. Er ist an einem Punkt seiner Entwicklung, an dem er meint, in Harmonie leben zu kennen. Nicht etwa seine im ersten Monolog abgelehnte wissenschaftliche Erkenntnisfähigkeit, sondern das Sinnliche, das Gefühl hat ihn nun dahin geführt, eine Art Befriedigung zu fühlen. Allerdings ist ihm auch klar, dass das auf Kosten von Gretchen passiert. Er merkt, dass Mephisto ihn manipuliert und verführt; er nimmt dieses fatale Ende allerdings in Kauf.

Gretchens Stube

Gretchen denkt an Faust, ist unruhig und verdeutlicht, dass sie aus dem Gleichgewicht gekommen ist. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als ihn zu sehen, auch wenn sie erahnt, dass das ein schlechtes Ende nehmen könnte.

Marthens Garten

Die Szene Marthens Garten beinhaltet die sogenannte „Gretchenfrage“ danach, wie Faust es mit der Religion halte. Gretchen will sicher gehen, dass Faust gläubig ist, aber er windet sich heraus. Er spricht über eine Glaubensvorstellung, die nicht Gott direkt verehrt, sondern die Natur als Gottes Schöpfung (Pantheismus). Faust will sich von Gretchen nicht zum Christentum bekehren lassen.

Am Brunnen

Die Szene Am Brunnen ist eine Vorschau auf das, was Gretchen passieren wird. Lieschen, eine Bekannte von Gretchen, erzählt den neuesten Tratsch der Gemeinsam: Bärbelchen wurde von ihrem Geliebten geschwängert. Dies bedeutet ohne eine Hochzeit soziale Schande, die so gravierend ist, dass sie Familien in den Ruin treibt. Gretchens Reaktion über das Schicksal ist ein Hinweis darauf, dass sie ein Kind erwartet.

Zwinger

Gretchen singt der Muttergottes ein Lied und hofft so, dass diese ihr beistehen wird. Hier deutet sich der Kindsmord an, den Gretchen begehen wird, um nicht gesellschaftlich geächtet zu werden.

Nacht. Straße vor Gretchens Türe

Valentin, der Bruder von Gretchen, wird auf Faust und Mephisto aufmerksam. Da Valentin in Faust den Geliebten von Gretchen erkennt, macht er ihm schwere Vorwürfe. In deren Folge kämpfen Faust, Mephisto und Valentin und Faust tötet ihn. Als er Gretchen sieht, macht er ihre schwere Vorwürfe, die darauf hinauslaufen, dass sie auch mit anderen Männern verkehrt.

Dom

Auf der Totenmesse wird Gretchen von einem bösen Geist darauf hingewiesen, dass sie ihre Mutter durch die Verabreichung des Schlaftranks getötet hat. Ihre Schande diesbezüglich wird nochmals hervorgehoben. Gretchen fällt, durch diesen Geist und die Musik der Totenmesse über die Maßen aufgeregt, in Ohnmacht.

Walpurgisnacht

Die schwierige Szene Walpurgisnacht ist eine Art Zwischenspiel. Faust will in seiner Begierde, alles kennenzulernen, auch das das Böse kennenlernen. Die Szenerie, die die beiden erwartet, ist unvorstellbar, eigensinnig, magisch und paradox. Die ist charakterisiert von derber, anzüglicher und sexuell konnotierter Sprache. Die Erscheinung, die Faust sieht, weist auf die Hinrichtung Fausts hin.

Walpurgisnachtstraum

Der Walpurgisnachttraum ist ein weiteres Spiel im Spiel (man muss die Potenzen geradezu nacheinander aufzählen, wenn man verstehen will, die wievielte Ebene dies ist). Der Walpurgisnachttraum ist gleichsam eine Gesellschaftssatire, die aber in einer Form chiffriert ist, die die Szene sehr schwer verständlich macht. Für den Handlungszusammenhang des gesamten Dramas ist diese Szene nicht maßgeblich.

Trüber Tag. Feld.

Diese Szene ist die einzige, in der Faust in Prosa spricht, in der es also keine Verse gibt. Dies liegt daran, dass Fausts Wut förmlich die Form sprengt, denn er hat davon gehört, dass Gretchen im Kerker ist. Er verlangt von Mephisto gleichzeitig, dass der Pakt aufgelöst wird und dass dieser ihm dabei Hilft, Gretchen zu retten.

Nacht, offen Feld

Faust und Mephisto verweisen auf Hexen, die auf dem Rabenstein eine Hinrichtung vorbereiten.

Kerker

Kurz gesagt, verdeutlicht diese Szene, dass Gretchen erlöst wird. Sie wir gerettet, weil sie ihre eigene Schuld erkennt. Das ist insbesondere deshalb erstaunlich, weil sie eigentlich wahnsinnig geworden ist. Sie erkennt Faust nicht mehr, ja, denkt, dass er ihr Henker sei (was auf gewisse Weise zutrifft, denkt man daran, wie er sie im Wissen um das fatale Ende dennoch umgarnt und letztlich geschwängert hat). Faust selbst ist allenfalls mitleidig und erwidert Gretchens Euphorie nicht. Für Gretchen ist das Warten auf ihren Tod im Sinne ihres Schuldeingeständnisses konsequent. Faust und Mephisto fliehen. Fausts Schicksal wird in dem ersten Teil der Tragödie nicht geklärt.

Abschluss

Diese Zusammenfassung kann und soll vor allem jenen nützlich sein, die den Faust selbst erarbeitet haben und sich an die wichtigsten Punkte erinnern wollen. Sie kann die Textlektüre nicht ersetzten. Deshalb sei in besonderem Maße darauf hingewiesen, dass für eine gute Abiturnote die methodisch saubere Auseinandersetzung mit dem Primärtext nicht zu ersetzen ist.

Und zuletzt: Diese Arbeit lebt davon, dass die Leser rückmelden, wenn etwas auffällt. Im Gegensatz zu einem durch einen Verlag geprüften Buch kann sich immer mal ein Fehler einschleichen. Insofern gilt, was ich auch immer am Ende meiner Youtube-Videos sage: Bleibt kritisch!

4 KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here