Ein alter Mann im Sterben lag

Wies seine Söhne an und sprach:

 

Die Wahrheit findet ihr im Buch

Mehr braucht ihr nicht. Das ist genug.

 

Bevor er eine Hilfe gab

Stockte der Atem. Er verstarb.

 

Den einen Sohn packte die Wut:

„Was man den Söhnen alles tut!“

 

Er lief so schnell es ging den Weg

Zu seines Vaters Bibliothek

 

Und riss in Rage an Regalen

Der tote Vater soll’s bezahlen

 

Der andre dachte lange nach

Bevor er zu sich Worte sprach:

 

„Nur eine Wahrheit glaub‘ ich kaum

Was meinte er? War er im Traum?“

 

Und lief mit langsam vollen Schritt

Den Weg in sein Gemach zurück

 

Derweil der andere mit viel Fleiß

Die Bücher erblickt und da er weiß

 

Wo wirklich Wahrheit steht im Buch

Nach ein paar Wochen war‘s genug

 

Er las zu Steuern und zu Zinsen

Ein paar erquicklich süße Binsen

 

Und sagte dem Bruder schnell ade:

„Auf das wir uns nicht wiedersehen.“

 

Und der erwiderte den Blick

„Vielleicht kommst du im Glück zurück.“

 

So manches Jahr ward dann vergangen

Und Seit‘ um Seite umgegangen

 

Und Texte durchgehend studiert

Indes blieb vieles unberührt

 

Ja, vielmehr war für unsern Herrn

Die große Frage nach dem Stern

 

Nach diesem großen Wahrheitsschein

Dacht er, er säh’s, blieb’s doch zu klein

 

Und eines Tages dann geschah

Dass er den andern wieder sah

 

Ein reicher Kaufmann kam zurück

Indes auf dem Gesicht: Kein Glück!

 

Er klagte laut den Vater an:

„Er hat’s gesagt! Er lügt, der Mann!“

 

Er hatte über lange Zeiten

Das Geld vermehrt, für sich behalten

 

Und war trotzdem kein guter Mann

Das war der Grund, warum er kam

 

Er fragt den Bruder, ob denn der

Die Wahrheit fand, ihm war’s zu schwer

 

Da erst verstand der Bibliothekar

Was seines Vaters Antwort war

 

Und welche Frage sie verpasst

Damals im Zimmer und bei Nacht

 

„Ich weiß nicht, was die Wahrheit ist

Sie ist zu groß und auch zu klein

 

Doch weiß ich, suchen hilft ein Stück

Um in der Welt zu sein.

 

Und kehrt ein Mann mit Geld zurück

Und weiß die Antwort noch kein Stück

 

Was Glück und Glücklichsein denn ist

Hat er ins falsche Buch geblickt.“

 

Entrückt blickte der Bruder hin

Als fehlte ihm erneut der Sinn

 

Und doch, mit wenig schnellen Schritten

Ging er in den Bücherraum

 

Er hatte nun genug gelitten

Und war bereit für Vaters Traum

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