Es mag erstaunen, aber oftmals bewirken gerade jene selbstgesteuerten Facebook-Gruppen als Panik- und Brandbeschleuniger. Das ist wenig verwunderlich, wenn man sich vergegenwärtigt, was diese Gruppen sind: Unmittelbare Treffpunkte für einen losen Haufen von Menschen, deren Einzelerfahrung zu einem einzelnen Thema sie zu jeweiligen „Experten“ macht.

Durch diesen Blog, in dem ich immer wieder zum Referendariat schreibe, hat sich eine sehr enge Verbindung zu den jeweiligen Gruppen des Referendariats gebildet. Würde ich nicht diverse andere Interessen haben, würde es dem Facebook-Feed nach zu urteilen nur ums Referendariat gehen. Das hat Vorteile. Durch das Schreiben über diese Themen bleibe ich im Stoff und kann dabei helfen, offene Fragen zum Thema zu beantworten.

Als Teil einer solchen Gruppe übersieht man dabei aber ein Prinzip das für alle möglichen Gruppen gilt: Sie sind Panik- und Brandbeschleuniger. Das kann für den einzelnen sehr ungesund sein, weshalb die paradoxe, da später in diesen Gruppen geäußerte Meinung ist: Wenn man zur Panik neigt, sollte man Gruppen meinen oder auf Twitter ausweichen. Warum, dazu später mehr.

Zunächst dazu, warum diese Gruppen für manche Menschen so problematisch sind. In der Zeit vor dem Internet gab es auch schon viele Verrückte. Leute, die dachten, dass die Welt 2012 untergeht oder dass sie einer Verschwörung auf der Spur sind. Die Sache war: An ihrem Fliesentisch hat das keinen interessiert außer die armen verbliebenen Freunde. In ihrer Stammkneipe könnte es welche interessieren, aber wenn Bernd wieder laut schwafelte, dass die Regierung von Echsen besetzt sei, dann haben die anderen Stammgäste als Korrektiv fungiert, indem sie in raumerfüllender Lautstärke riefen: Halt jetzt die Fresse Bernd oder Björn oder wie immer du heißt. Bernd hat also entweder riskiert einen drauf zu kriegen oder hat sich aus dem Staub gemacht.

Das ist heute anders. Leute, die glauben, von Licht leben zu können (ja, die gibt es wirklich) finden unter den tausenden, zehntausenden Menschen, die online auch danach suchen, gleichgesinnte und hungern sich zu Tode. Es gibt sowas wie eine globale (!) Community von Leuten, die meinen, die Welt sei eine Scheibe. Was hat das alles mit Facebook-Gruppen zu tun?

Facebook-Gruppen zu einzelnen Themen suggerieren, dass alle, die das Thema interessiert, dieselbe Expertise haben. Das ist aber nur sehr beschränkt der Fall und ist abhängig von Tageszeit, Algorithmus und so weiter. Wenn also der verunsicherte Lehramt-Student heute um 16:45 in einer Gruppe mit 20.0000 Referendaren fragt, ob es wirklich so schlimm sei, gibt es 120 Leute, die das sehen und wiederum ein Zehntel, die schreiben.

Das können jene sein, bei denen das Referendariat wundervoll war. Das können jene sein, bei denen das Referendariat super anstrengend war. Der Punkt ist: Derjenige, der fragt, weiß es nicht. Er weiß nicht, ob diejenige oder derjenige, der antwortet deshalb nicht bestanden hat, weil er nicht geeignet war. Eine Tatsache, die man ungerne zugeben würde. Er weiß nicht, ob derjenige, für den es wunderbar war, einfach Glück hatte. Er weiß nicht, mit wem er gerade spricht.

In eine Gruppe von Tausenden Menschen die Frage zu geben, ob sich Panik lohnt, ist eine zuverlässige Quelle, Panik zu bekommen. Entweder widersprechen sich die Meinungen, was einen verunsichert. Oder alles ist schlecht, was einen verunsichert. Oder alle sagen, es ist gut, was einen verunsichert, weil man ja deshalb verunsichert ist, weil man so viel Verunsicherndes gehört hat. So oder so: Man kommt aus der Panik nicht raus. Sicherlich: Das ist Typ abhängig.

Aber wenn man dazu neigt, würde ich immer raten, zu Twitter zu gehen. Klar, auch dort kann man mit den „falschen“ Leuten in Verbindung kommen. Aber es ist eben keine Gruppe, sondern jeder einzelne, dem man folgt, ist selbst ausgewählt. Es ist ein PLN, ein Personal Learning Network, keine Gruppe mit Hang zur Brandbeschleunigung (und damit spiele ich nicht auf jene Gruppe an, in die selbst immer schreibe. Es ist quasi jede Gruppe gemeint. Das weiß jeder, der schon mitbekommen hat, wie einer nach einem Kuchenrezept fragt und am Ende Hitler genannt wird).

„Du hast leicht reden“, könnte man nun sagen. „Du hängst doch selbst in den Gruppen rum“. Das stimmt. Aber ich neige nicht zur Panik. Nicht mehr. Jedem, dem es so geht, würde ich ohne weiteres raten: Lass die Finger von Gruppen. Sie sind oftmals nicht mehr als Panik- und Brandbeschleuniger.

2 KOMMENTARE

  1. Ich kann mich erinnern, wie du regelmäßig in diesen Gruppen verzweifelt bist 😉 Das ist unter anderem einer der Gründe, warum FB – wenn überhaupt – ausschließlich privat nutze. Für alles um den Beruf bin ich tatsächlich bei Twitter unterwegs, das allerdings auch ab einer gewissen Größe an Followern seine Risiken birgt. Es als Podium der Eitelkeiten zu titulieren, wie Beat es nennt, würde ich nicht (man hat es ja in der Hand, wem man folgt und wem nicht), aber grundsätzlich würde ich es schon anmerken, dass sich der Ton grundsätzlich verschoben hat. Ich habe das Gefühl, dass aus einigen motivierten Pionieren der Anfangszeit mittlerweile verbissene Pioniere des Jetzt geworden sind, die ihre Ansichten oft recht vehement verteidigen. Das finde ich persönlich etwas schade

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