In den bisherigen Jahren gab es immer eine sogenannte „Prognose zum Deutschabitur“, die als Blick in die Glaskugel zeigen sollte, welche Themen möglicherweise dran kommen werden. Das ist dieses Jahr nicht mehr wirklich möglich, da die Themen sich verändert haben und so das Feld zu offen ist. Dennoch freue ich mich, dass Michael Tinkl, der die Sprengelbetreuung in Baden-Württemberg inne hatte (offizielle Weiter- und Fortbildungsangebote für die Abiturthemen) mit die Erlaubnis gegeben hat, die bisherigen Themen und Kurzgeschichten zur Verfügung zu stellen. 

Anmerkung

An einigen Stellen gibt es zu den verwendeten Texten Texte im Blog oder auch Videos. An den betreffenden Stellen wurden diese verlinkt. Die Themen sind jene vom allgemeinbildenden Gymnasium. Jene der weiterführenden Gymnasien findet sich weiter unten im Artikel.

Thema 1: Werkvergleich 2019

Beim Abitur 2019 gab es das erste Mal den Themenwechsel, weshalb man nur auf eine Aufgabe verweisen kann.

Dabei handelte es sich um eine Textstelle aus Hermann Hesses „Steppenwolf“ und eine vergleichende Betrachtung mit Goethes „Faust„. Untersucht werden sollte die Bedeutung, die Hermine für Harry Haller und Gretchen für Faust haben. Dabei sollte die These von Antje Pedde überprüft werden: „Die zentrale Figur […] ist der männliche Held, der auf seinem Weg der Selbstfindung Frauenfiguren als Stationen seiner Vervollkommnung passiert.“ (Antje Pedde: Große Dichtung jeder von der Frau oft nicht anders als der Biertisch. Würzburg 2009. S.69).

Thema 2: Gedichtvergleich

Beim Abitur 2019 gab es noch die Naturlyrik, die nun mit der Reiselyrik ersetzt worden ist.

Aufgabenstellung war die vergleichende Interpretation zu den Gedichten „Sommersonate“ von Georg Trakl (1887-1914) und „Sommerfrische“ von Joachim Ringelnatz „1883-1934).

Hier eine Skizze der Vergleiche zuvor:

Thema 3: Kurzprosa im Abitur 2014-2019

Die größte Zusammenstellung findet sich in diesem Bereich. Allerdings kann man hier weder von einer Kontinuität noch von sonstigen Mustern sprechen. Der erste Termin wird hier in „normaler“, der Nachtermin in kursiv präsentiert.

Zusammenstellung von Michael Tinkl

erstmals wieder seit 2014 (gemeinsam mit BG)

2014

HT: Franz Kafka: Ein altes Blatt (ohne Angabe, 1920)

NT: Botho Strauß: Leicas (2000)

2015

Alfred Polgar: Auf dem Balkon (1936)

Wolfgang Borchert: Bleib doch, Giraffe (1947)

2016

Kurt Tucholsky: Die Katze spielt mit der Maus (1916)

Helmut Heißenbüttel: Ein Zimmer in meiner Wohnung (1961)

2017

Christoph Meckel: Auf der Felsenkuppe (1960)

Siegfried Lenz: Drei Männer und ein Augenblick (1949)

2018

Erich Kästner: Spuk in Genf (1929)

Ingeborg Bachmann: Das Lächeln der Sphinx (1949)

2019

Brigitte Kronauer: Der Störenfried (1992)

Günter Grass: Stier oder Liebe (1960)

Geordnet nach Jahr der Veröffentlichung

Vor 1918

Kurt Tucholsky: Die Katze spielt mit der Maus (1916)

1918 – 1945

Franz Kafka: Ein altes Blatt (ohne Angabe, 1920)

Erich Kästner: Spuk in Genf (1929)

Alfred Polgar: Auf dem Balkon (1936)

1945 – 1988

Wolfgang Borchert: Bleib doch, Giraffe (1947)

Siegfried Lenz: Drei Männer und ein Augenblick (1949)

Ingeborg Bachmann: Das Lächeln der Sphinx (1949)

Christoph Meckel: Auf der Felsenkuppe (1960)

Günter Grass: Stier oder Liebe (1960)

Helmut Heißenbüttel: Ein Zimmer in meiner Wohnung (1961)

1989 –

Brigitte Kronauer: Der Störenfried (1992)

Botho Strauß: Leicas (2000)

Thema 4: Essay

Bei dem Essay handelt es sich in diesem Jahr um ein Zwitterwesen zwischen Essay und materialgestütztem Schreiben. Man soll zwar ein Essay verfassen, aber eben das Material (und das bedeutet: alles Material) verwenden. Im letzten Jahr gab es das Thema „Was darf Satire“. Davor gab es das Thema „Einfache Sprache“:

Gezeigt hat sich hier schon der Übergang zwischen domänenspezifischen Themen (das heißt Themen, die das Fach Deutsch tangieren) und jenen, die weiter offen gefasst sind.

Thema 5: Texterörterung/Textanalyse

Obwohl in vielen Jahren hintereinander die Texterörterung gefordert war, zeigte das Jahr 2019, dass der Schwerpunkt durchaus auf der ersten Teilaufgabe, der Analyse liegen kann. Die Analysen sind an dieser Stelle mit einem A gekennzeichnet.

Zusammenstellung von Michael Tinkl

Jahr Thema Autor, Titel, Veröffentlicht
2010 N Nehmen Sie zu der Position der Autorin kritisch Stellung. (A) (Mailen) Miriam Meckel

Ich maile, also bin ich

ZEIT Wissen 2008

2011 N Erörtern Sie, von Schirrmachers Ausführungen ausgehend, die Bedeutung von Internet und Zeitung für eine moderne Medienlandschaft. Frank Schirrmacher

Zeitung und Internet

Süddeutsche Zeitung 2007 (abgedruckte Rede)

2017 Setzen Sie sich mit der Position des Autors auseinander. (Medien und Empörung) Bernhard Pörksen

Wir Tugendterroristen

Die Zeit, 08.11.2012

2018 (Arbeiten Sie die wesentlichen Aussagen heraus.)

Setzen Sie sich mit der Position des Verfassers auseinander. (Boulevardpresse)

Matthias Heine

Ohne Boulevardpresse ist die Demokratie in Gefahr

Die Welt, online, 20.01.2012

2019

 

Arbeiten Sie die Position des Autors heraus und analysieren Sie die Struktur und sprachliche Gestaltung des Textes. (A)

„Eine Debatten-Gesellschaft darf sich nicht zu fein sein, auch die […] unappetitlichen Ansichten anzuhören.“ (Z.66ff.) Setzen Sie sich mit dieser zentralen Aussage Klutes auseinander. (Political Correctness)

(Schwerpunkt erste Teilaufgabe, deshalb wohl nur die Auseinandersetzung mit einer Aussage)

Hilmar Klute

Wer streiten will, muss sich auch schmutzig machen

Süddeutsche Zeitung, 5.11.2017

2019 N

 

Arbeiten Sie die Position des Autors heraus und analysieren Sie die Struktur und sprachliche Gestaltung des Textes. (A)

Setzen Sie sich mit Sascha Lobos Konzept einer „Kultur des Verpassens“ auseinander.

Sascha Lobo

Plädoyer für die Beschleunigung

Spiegel-Online 26.11.2011

 

Über Ergänzungen, Anmerkungen und Kritik bin ich wie immer dankbar. Ansonsten wünsche ich allen Abiturient*innen viel Erfolg!

Weiterführende Schulen

Herzlichen Dank an Stefan Sasse, dem wir diese Liste zu verdanken haben.

Aufgabe I: Pflichtlektüren

Jahr HT
2019

HT

2019

NT

 

Aufgabe II: Gedichtvergleich

  HT NT
2011 Laske-Schüler

Enzensberger

 

Liebe und Trennung

Günther

Keléko

 

Tod von Geliebten

2012 Kästner

Fried

 

Liebe und Trennung

Storm

Becher

 

Liebe und Schweigen

2013 Brecht

Kirsch

 

Liebe und Trennung

Lasker-Schüler

Kaléko

 

Liebe und Natur

2014 Fleming

Heine

 

Liebe und Abschied/Tod

Gryphius

Kaschnitz

 

Bedeutung der Geliebten

2015 Mörike

Brecht

 

Abschied am Abend

Günderrode

Hahn

 

Liebesschmerz

2016 Herwegh

Bachmann

 

Flüsse

Enzensberger

 

 

Licht

2017 Britting

Trakl

 

Herbst

Eichendorff

Struzyk

 

Nacht

2018 Fontane

Lichtenstein

 

Winter

Huchel

Wagner

 

Verfall und Unkraut

2019 Hesse

Bossong

 

Spätsommer/Herbst

Trakl

Ringlnatz

 

Sommer

 

Aufgabe III: Kurzprosa

  HT NT
2011 Christoph Meckel – Namenlose Geschichte (1985) Günter Kunert – Sintflut (1975)
2012 Gabriele Wohmann – Countdown (2006) Doris Dörrie  – Wir reden gerade so nett (2008)
2013 Botho Strauß (kein Titel) (1994) Botho Strauß – Verlorene Liebesmüh (2006)
2014 Franz Kafka – Ein altes Blatt (?) Botho Strauß – Leicas (2000)
2015 Alfred Polgar – Auf dem Balkon (1936) Wolfgang Borchert – Bleib doch, Giraffe (1947)
2016 Kurt Tucholsky – Die Katze spielt mit der Maus (1916) Helmut Heißenbüttel – Ein Zimmer in meiner Wohnung (1961)
2017 Christop Meckel – Auf der Felsenkuppel (1960) Siegfried Lenz – Drei Männer und ein Augenblick (2006)
2018 Erich Kästner – Spuk in Genf (1928) Ingeborg Bachmann – Das Lächeln der Sphinx (1949)
2019 Alissa Walser – Weiter nichts, nichts weiter (2017) Brigitte Kronauer – Der Störenfried (1992)

 

Aufgabe IV: Essay

  HT NT
2011 Ware Luxus – Wahrer Luxus (konservativ) Stellenwert des Sports in der Gesellschaft (ausgewogen)
2012 Zukunft – Hinterm Horizont geht’s weiter

(progressiv)

Virtuelle Lebens-Räume (progressiv)
2013 Vom Umgang mit Neid

(konservativ)

Woran wir glauben (konservativ)
2014 Macht Musik (konservativ) Ehrenamtliches Engagement (ausgewogen)
2015 Ewig leben – ewiges Leben (konservativ) Natürlich Natur (konservativ)
2016 Kommunikation ist heute (k)eine Kunst (konservativ) Leben ohne Tabus? (konservativ)
2017 Die Macht der Sprache (ausgewogen) Selbstoptimierung (ausgewogen)
2018 Sprache – leicht gemacht (konservativ) Jenseits aller Grenzen – höher,  schneller, weiter? (ausgewogen)
2019 Vom Nutzen von Helden (ausgewogen) Was darf Satire? Alles? (ausgewogen)

 

Aufgabe V: Textgebundene Erörterung

Jahr Thema Autor, Titel, Veröffentlicht
2011 HT Texterörterung Dela Kienle – Erfolgreich scheitern

 

Neon, 2007

2011 NT Textanalyse Lorenz M. Hilty – Markt, Lügen und Video

 

ZEIT, 2007

2012 HT Textanalyse Christian Kortmann – Fahr dahin

 

SZ, 2010

2012 NT Texterörterung Hendrik Ankenbrand – Kein Pflichtjahr

 

FAZ, 2010

2013 HT Textanalyse Miriam Meckel – Weltkurzsichtigkeit

 

Spiegel, 2011

2013 NT Texterörterung Angelika Slavik – Zurückhaltung war gestern

 

SZ, 2011

2014 HT Texterörterung Evelyn Finger – Ich habe auch Spaß!

 

ZEIT, 2012

2014 NT Textanalyse Harald Welzer – Warum a-l-l-e-s immer schlimmer wird

 

ZEIT, 2011

2015 HAT Textanalyse Ulrich Greiner – Fluch der Neugier

 

ZEIT, 2011

2015 NT Texterörterung Ulrike Herrmann – Die Panik der Boomer

 

taz, 2012

2016 HT Texterörterung Bernd Kramer – Hard Skills, please

 

SZ, 2012

2016 NT Textanalyse Nina Pauer – Wie Ironie zum Zwang wird

 

ZEIT, 2011

2017 HT Texterörterung Patrick Spät – Sagen Sie alle Termine ab!

 

ZEIT, 2016

2017 NT Textanalyse Alfons Kaiser – Germany’s Last Topmodel

 

FAZ, 2015

2018 HT Textanalyse Patrick Spät – Jagd auf vermeintliche Minderleister

 

ZEIT, 2016

2018 NT Texterörterung Patrick Spät – Adieu, Jobs! Willkommen, Maschine!

 

ZEIT, 2015

2019 HT Textanalyse Hans Magnus Enzensberger – Elektronik als Massenbetrug

 

Spiegel, 2016

2019 NT Texterörterung Matthias Drobinski – Lasst Ameisen über eure Beine krabbeln

 

SZ, 2013

 

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