Grafik Stefan Quandt (No-Gos in Lehrproben)

 

Grafik Stefan Quandt (No-Gos in Lehrproben)

Während meiner Beschäftigung mit Referendariatsthemen fällt mir immer wieder auf, dass es einiges gibt, das in manchen Seminaren nicht oder nur wenig erklärt und berücksichtigt wird (das soll kein Pauschalurteil sein, es gibt auch sehr gute Seminare). Darunter fallen beispielsweise die Ordnungssysteme, materielle Ausstattung oder so etwas Grundlegendes wie Unterrichtsplanung (gesammelt findet man dazu alles in meinem kleinen Büchlein). Eine Frage zu Stundenverlaufsplänen verdeutlichte mir, dass auch hier Bedarf ist. An dieser Stelle werde ich dieses Thema aufnehmen und einen Blick über die Schulter „erlauben“. Es sei, wie immer, angemerkt, dass durch das föderale System sowohl Abkürzungen als auch Erwartungen unterschiedlich sind können. Deshalb gilt, dass man bei Unsicherheit immer mit dem jeweiligen Fachleiter sprechen sollte. Am Ende des Artikels gibt es eine Liste mit allen (gängigen) Abkürzungen. 

Warum einen Verlaufsplan?

Grundsätzlich ist der Verlaufsplan kein Kontrollinstrument der Fachleiter, sondern eine Hilfestellung für einen selbst. Man weiß also, was man selbst und die Schülerinnen und Schüler zu welcher Zeit für wie lange macht. Grundsätzlich ist es deshalb wichtig, den Kern der Stunde zu kennen, der meistens eine schülerzentrierte Erarbeitungsphase ist.

In zweiter Instanz ist der Stundenverlaufsplan dann eine Orientierung für die Fachleiter, um zu sehen, inwiefern der Referendar in der Lage ist, realistisch zu planen und umzusetzen, was er oder sie vorhat. Hier kann man nicht pauschal sagen, ob es wichtiger ist punktgenau zu landen oder nicht. Beispiel: Ein sehr erfahrener Fachleiter vom Regierungspräsidium, der mein Kollege war, sagte mir, dass er es schrecklich finde, wenn Schüler abgewürgt würden, damit man seinen Unterricht auf die Minute genau durchbringt. Wenn man dies aber nicht tut, muss man gute Gründe haben. Letztlich ist dies eine Ermessensfrage, die situationsabhängig ist. Generell gilt: Wenn man in der Lehrprobe stark von seiner Planung abweicht, muss man schon sehr gute Gründe haben und die in der Nachreflexion sehr gut begründen können.

Verlaufspläne: ausschließlich für das Referendariat?

Für viele erscheinen Verlaufspläne eine Schikane, die man nach dem Referendariat ignorieren kann. Und in der Tat wurde ich schon komisch angeschaut, als ich sagte, dass ich immer noch für jede Stunde meines vollen Deputats einen Stundenverlaufsplan schreibe. Dieser ist zwar anders als im Referendariat (mit anderen Worten: viel einfacher), aber für mich ist es durchaus wichtig zu wissen, was ich mir vorgenommen hatte. Wenn es mal nicht klappt, ist das kein Beinbruch. Aber dennoch versuche ich, das einzuhalten, was ich am Schreibtisch plane. Nach ein paar Jahren wird man realistischer.

Anmerkungen

An dieser Stelle ein paar Anmerkungen zu Verlaufsplänen, die ich mir im Referendariat gewünscht hätte. Vielleicht sind sie für viele selbstverständlich.

  1. Wenn man den Verlaufsplan als Tabelle erstellt, ist es vernünftig, nur so viele Zeilen zu erstellen, wie es Phasen gibt. Normalerweise sind das dann drei bis vier – Einstieg, Erarbeitung, Präsentation/ Sicherung, Transfer (vielleicht noch Hausaufgabe). So lernt man, was zu welcher Phase gehört und wird nicht zu detailliert.
  2. Die neuralgischen Punkte in jedem Verlaufsplan sind die sogenannten Gelenkstellen („Zwischenbretter“). Dabei sprechen wir schon von einem hohen Niveau. Es sind also jene Phasen, in denen die verschiedenen größeren Einheiten miteinander verzahnt werden. Das kann mit einer Überleitung, einer Frage, einem Impuls etc. geschehen. Wichtig ist aber, dass ein Zusammenhang erkennbar ist. Bei einem „So, jetzt geht es weiter!“ ist das nicht der Fall.
  3. Auch wenn es wichtig ist, die Abkürzungen, die gefordert sind, zu lernen, ist der Verlaufsplan eine eigene Hilfestellung. Das bedeutet, dass man diesen so gestalten muss, dass er gleichzeitig den Ansprüchen des Fachleiters genügt und einem selbst die Struktur der Stunde aufzeigt. Viele Referendarinnen und Referendare machen deshalb zwei Versionen. Die eine für den Entwurf, die andere als eigene Tischvorlage – gespickt mit Kommentaren, Impulsfragen oder anderen nützlichen Notizen.

Beispiele für Verlaufspläne

An dieser Stelle werde ich einige Verlaufspläne von mir selbst zeigen und kurz kommentieren. Wie immer ist das Ganze natürlich nicht repräsentativ. Aber es zeigt doch eine Entwicklung.

Deutsch, Referendariat, 2012

Dieser Verlaufsplan ist ein „Original“ aus meinem Referendariat. Da ich selbst schon lange nicht mehr darauf geschaut habe, war ich selbst erstaunt über die realistische Planung. Ich selbst habe fast nie unter 5 Minuten angegeben (und bin damit sehr gut gefahren). Ich bin mir sicher, dass einige, die das lesen, bemerken, dass sie andere Anforderungen haben. Damals war das eine realistische Planung.

Der nächste Plan aus dem ersten Berufsjahr mit voller Arbeitszeit.

Unterrichtsplanung Deutsch, erstes Berufsjahr

Diese Planung ist aus meinem ersten Jahr und stellt eine Besonderheit dar. Ich experimentierte mit kompletter Transparenz. Das heißt, dass ich meinen Unterricht mit Evernote plante und den gesamten Verlauf über Beamer an die Wand schmiss (das alles erklärte ich den Klassen zuvor). Alles, was großgeschrieben ist, ist die direkte Arbeitsanweisung, die ich nicht mehr an die Tafel schreiben musste. Der riesige Vorteil war, dass die Klassen immer wussten, was zu tun war. Der Nachteil ist ein enges Korsett, aus dem man sich schwer befreien kann. Man sieht schon hier, dass sich die Verlaufsplanung komplett verändert hat.

Als letztes ein Beispiel für einen jetzigen Verlaufsplan.

Verlaufsplan Deutsch, 2017

Dieser Verlaufsplan ist in der Art und Weise konzipiert, wie ich es gerade nutze. Er ist als solcher in One-Note, der App, auf der ich all meinen Unterricht plane.

Man sieht, dass sich die Pläne massiv geändert haben. So, wie sie jetzt sind und für mich und meinen Unterricht Sinn ergeben, wären sie für eine Lehrprobe wohl nicht mehr geeignet.

Klar ist, dass man all dies nicht absolut sehen kann. Es ist also konzipiert für jene, die gerne einmal unterschiedliche Pläne sehen wollen. Es kann in der Tat sein, dass selbst die Referendarspläne in unterschiedlichen Seminaren anders aussehen oder dass etwas komplett anderes gefordert wird.

Dennoch hoffe ich, dass der eine oder andere eine bessere Idee davon hat, was Verlaufspläne sind und wofür sie gut sind.

Abkürzungen im Verlaufsplan

LSG/ UG

 

Auch:

oUG/ gUG

Lehrer-Schüler-Gespräch/ Unterrichtsgespräch

 

offenes/ gelenktes

LV/ LB Lehrervortrag/ Lehrerbeitrag
SV/ SB Schülervortrag/ Schülerbeitrag
SP Schülerpräsentation
EA Einzelarbeit
PA Partnerarbeit
GA Gruppenarbeit
KGR Kleingruppenreflexion
FU Frontalunterricht
at. arbeitsteilig
ag. arbeitsgleich

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