Was muss eine Lehrerin oder ein Lehrer heutzutage können? Welche Erfahrungen muss er oder sie gemacht haben? Braucht man Naturtalent oder kann man alles nacharbeiten? Wie gut muss man sich in seinem Fach auskennen? Diese Frage interessierte mich, als ich in meinem PLN (meinem persönlichen Lernnetzwerk auf Twitter) die Frage danach stellte, was zukünftige Lehrerinnen und Lehrer können müssen. Dass man auch als Lehrer Fehler macht, zeigt schon das zusätzliche „Und“ im Ausgangstweet. Aber da schon viele Antworten kamen, entschied ich mich, damit zu leben.

Aus der Sicht eines nun seit einigen Jahren praktizierenden Lehrers möchte ich die Antworten einordnen und ein wenig besprechen.

Die Ausgangsfrage:

Und hier die Antworten:

Wir brauchen mehr Lehrer, die miteinander arbeiten statt alleine. Die Schule verlangt so viel ab, dass ein Kollegium aus Einzelkämpfern viel weniger zu leisten im Stande ist als ein Kollegium von Teilgebern und Teilnehmern. Das kann man in der Tat schon im Studium lernen. Bei mir fiel der Groschen, als ich für gemeinsame Themen, die gefordert werden, nicht mehr verbissen auf eines hoffte, sondern zunächst schaute, mit wem ich arbeiten kann. Das Thema war dann egal. Mit einem guten Partner kann man jedes (!) Thema gewinnbringend erarbeiten. Das ist bis heute so geblieben.

Was hier sehr treffend „Extrameile“ genannt wird, ist in der Schule Tagesgeschäft. Insofern ist es in der Tat nicht schlecht, sich darauf vorzubereiten, freilich ohne sich dabei komplett zu verlieren. Was Module angeht, kann ich wenig sagen, da ich noch das alte Examen machte. Was ich aber sagen kann, ist, dass ich anders studierte, nachdem ich als Hiwi sah, wie andere Hiwis das Studium angingen. Mittlerweile meine ich: Das leidenschaftliche Vertiefen in den Stoff und das selbstständige Arbeiten sind zentral. Dies nämlich auch noch im Referendariat zu lernen, fordert viel, manchen zu viel ab.

Was Lotta und Anette hier anmerken, ist ein neuralgischer Punkt. Gerade diejenigen, die es ohne besondere Vorkommnissen und mit sehr guten Noten ins Referendariat schaffen, sehen sich plötzlich mit einem Berg aus Kritik konfrontiert. Dieser kann erdrücken, hindern, lähmen. Insofern ist der Umgang mit sachlicher Kritik ein enorm (!) wichtiger Bestandteil dessen, was man schon im Lehramtsstudium lernen sollte. Aber wie? Zwei Anregungen aus dem Handgelenk: Zum einen sollte man sich selbst dann hinterfragen, wenn man das Gefühl hat, sich herauszureden. Das tut weh. Aber es ist der erste Schritt, im Referendariat nicht auf die Nase zu fallen. Der zweite Schritt ist der Aufbau eines PLN oder der Austausch über Blogs. Langsam und sachte schafft man sich so ein Umfeld, das einem hilft, die Selbstreflexionskompetenz zu stärken.

Um nicht ins Endlose abzuschweifen, nehme ich von den wichtigen Punkten, die Kai hier nennt, einen heraus. Die Neugierde und die Experimentierlust. Lehrer zu werden und Lehrer zu sein, zumal einer, der für seine Materie brennt, bedeutet, nicht zufrieden zu sein, weiter zu „forschen“, zu lesen und zu diskutieren, um mit den Schülern über aktuelle Trends im Fach und Diskussionen in der Gesellschaft zu reden. Wer sein Fach nicht mag, alles nur schnell hinter sich lassen will und meint, wenn er oder sie dann Lehrer*in ist, könnte man sich ausruhen, sollte etwas anderes machen. Denn das haben die Schüler nicht verdient.

Puh! Alles wichtig. Vor allem die Selbstorganisation ist zentral, da organisiert sein bedeutet, dass man den Kopf für anderes frei hat. Wenn dem nicht so ist, ist man schnell mehr als gestresst. Und zwar so weit, dass es problematisch werden kann. An dieser Stelle also nur der Verweis auf den Artikel zu den „Ordnungssystemen für Referendare“.

Folgt man den meisten Diskussionen über das Lehramt, so könnte man meinen, das Fachwissen gar keine Rolle mehr spielt. Umso mehr freue ich mich, dass Anna und Stefan es erwähnen. Dabei sei gesagt: Klar, man kann unmöglich alles wissen, zumal vieles mit dem Fach, wie es später unterrichtet wird, nur relativ wenig zu tun hat. Aber die oben erwähnte Neugierde sollte zumindest dazu führen, dass man ein gutes Fundament hat. Denn Schüler jedes Mal auf die nächste Stunde zu verweisen, ist keine Dauerlösung. Die Bereitschaft, von Schülerinnen und Schülern zu lernen, finde ich sehr wichtig. Ich würde aber fast sagen, dass sie ein weiterer Schritt ist. Erstmal sollte man die Selbstreflexion üben.

Sehr gute Fragen. Und einer der Gründe, warum ich die Frage gestellt habe. Was ich in Gesprächen mit Referendarinnen und Referendaren erfahre, ist, dass es vor allem eben jene angesprochenen Punkte sind, die oft im Studium keine große Rolle spielen.

Stimmt.

Über Authentizität bzw. Echtheit könnte man Bücher schreiben, weil sie so schwer zu lernen ist. Jeder, der weiß, dass man sich sowohl beim Weihnachtsessen mit den Eltern als auch bei einer Studentenparty authentisch, aber eben komplett anders verhalten kann, weiß, wie problematisch der Begriff ist. Ich für meinen Teil kann sagen, nun, da ich in meinem fünften Jahr bin, langsam das gefunden zu haben, was man authentische Lehrerpersönlichkeit nennen könnte (obwohl ich davor natürlich auch schon dachte, dass ich sie habe). Ein wirklich wichtiger Schritt dorthin ist, mal wieder, die Selbstreflexion, also die analytische Selbstbeobachtung. Aber es ist wie mit dem Autofahren: Was dies betrifft macht man es erst richtig gut, wenn man nicht mehr über die Abläufe nachdenken muss.

 

Diese Lektion habe ich persönlich sehr spät, fast zu spät gelernt. Perfektionismus ist der schnellste Schritt in den Burnout. Nicht um Studium, denn da hat man außer sich und seinen Gruppenpartnern nicht so viel, was man beachten und kontrollieren muss bzw. kann. Das wird in der Schule anders. Alles kontrollieren kann man nicht. Das zu lernen dauert beim einen mehr, bei der anderen weniger lang.

Am Ende noch sehr zentrale Tipps, die selbsterklärend sind:

Und zu guter letzt noch ein weiterer Lektüretipp:

Haben die Teilnehmer noch etwas vergessen? Sehr ihr etwas anders? Gibt es Kritik oder Feedback? Ich freue mich, wie immer, auf die Kommentare.

Einsichten in das Referendariat kann man im kleinen Büchlein finden, dass ich dazu geschrieben habe.

Hier geht es zur Facebook-Gruppe für Lehramtsstudentinnen und -studenten.

6 KOMMENTARE

  1. Kann es sein, dass du die falsche Frage gestellt hast?

    Mein damaliger Fachleiter hat uns Referendaren geraten, immer folgendes Bild im Kopf zu haben:
    Das „Lehrer-Sein“ ist mit einer Schiffsreise vergleichbar. Wenn dir jemand sagt, was du für ein Kapitän sein sollst, wie du von A nach B kommst, was du in welcher Situation machen sollst oder wie du dein Boot bemalen sollst um Piraten abzuschrecken, ist das im besten Fall gut gemeint.

    Warum?
    Man startet von unterschiedlichen Häfen und hat unterschiedliche Ziele. Das Wetter ist verschieden und das Boot ebenfalls. Was also bei dem einen Seemann gut geklappt hat, kann beim nächsten, obwohl er sich genau an das Gesagte hält, zum Untergang führen.
    Klar oder?

    Was ist also wichtig?
    Man muss wissen, wo man NICHT lang fahren sollte, weil dort die Strudel und Untiefen sind oder die Ungeheuer lauern oder das man NICHT die Segel draußen lässt, wenn ein Sturm aufzieht, usw. Also Informationen, die mehr ewigen Wahrheiten entsprechen.
    Also „Was“, bzw. „Wo“ aber eben nicht „Wie“.

    Noch was?
    Auch ist es dringend notwendig zu wissen, wie man einen Kompass bedient, notwendige Knoten bindet, sein Schiff in fahrbereitem Zustand behält und mit anderen Schiffen kommuniziert, usw. Grundlegendes Handwerkszeug also.

    Und dann?
    Jeder Kapitän muss seinen Weg finden, er kann nicht einfach einen anderen Weg kopieren, da die Voraussetzungen immer andere sind. Gefahrenpunkte sicher umschiffen, seine Arbeit als Kapitän zuverlässig machen, zwischendurch ein bisschen durch die Gegend funken und sich seine eigene Route suchen. So einfach kann Schule sein.
    (Das ist der Grund, warum uns das Buch von Hilbert Meyer „Guter Unterricht“ als schlechtes Beispiel ans Herz gelegt wurde. Genau so eben nicht! )

    Um zur geeigneteren Fragestellung zurück zu kommen: Es sollte also gefragt werden, was man also Lehrer auf keinen Fall machen darf, weil sonst IMMER das und das passiert.

    Ach und noch was war meinem Fachleiter sehr wichtig: immer einen Liegestuhl fürs Sonnendeck dabei haben!

      • Doch klar widerspricht es sich und zwar deutlich.
        Laut der Antworten sollen Lehrer humorvoll, geduldig, empathisch, selbstironisch, neugierig, offen, selbstkritisch und und und sein.
        Also kann man kein guter Lehrer sein, wenn man nicht humorvoll ist? Es hilft, keine Frage, aber ich kenne sehr gute Lehrer mit äußerst eingeschränktem Humorverständnis.
        Gleiches gilt für Geduld, Empathie und all die anderen Vorschläge.
        Alles oben genannte ist gut aber nicht notwendig.
        Wenn ich diese Eigenschaften nicht habe, hilft es nicht sie vorzutäuschen nur um ein „guter Lehrer“ zu sein.
        Anderes Schiff – andere Zeit – anderes Ziel.

        • Da ich zuvor nicht genug Zeit hatte, werde ich deutlicher. Was ich vergaß, anzumerken, was ein guter Lehrer braucht, ist die Fähigkeit, öffentlich zu kommunizieren und sich nicht hinter Anonymen zu verstecken. Also: Durchgefallen. Was ich auch anmerken würde, wäre dann, wenn man sich zu erkennen gibt, die Fähigkeit, kommunikativ auf den anderen zuzugehen: Wieder durchgefallen. Als drittes finde ich es wichtig, dass man, wenn man sich nicht sicher ist („Kann es sein…“) nachfragt: Wieder durchgefallen. Als viertes finde ich Humor schon wichtig, lieber Peter Gogik. Klar oder? Also: Ich bin viel und oft im Netz und diskutiere gerne mit Menschen, die all diese Fähigkeiten besitzen. Als anonymer Irgendwer den Kommentar damit anzufangen, dass jemand die Frage falsch gestellt hat, ist ignorant bis an die Grenze. Ich hoffe, dass du kein Lehrer bist und so mit deinen Schülern redest. Diese Haltung des „Von-Oben-Herab“ bleibt erhalten in den rhetorischen Fragen von „Was ist also wichtig?“ bis „Noch was?“ Es trieft geradezu von Selbstüberschätzung und das aufgrund einer so ausgelutschten Metapher, das man sich fragen muss, bei wem diese noch dieses Gefühl von erkenntnisstiftender Epiphanie erzeugen kann. Noch was? Ja, sicher: Was ich dir, wer auch immer du auch bist, mit auf den Weg geben möchte, ist: Wie man in den Wald ruft… Den Rest kennt jemand wie du sicherlich. Beim nächsten Mal dann unter realem Namen mit dem Willen, miteinander zu reden. Ansonsten werden die Kommentare nämlich nicht mehr freigeschaltet, weil ich auf Belehrungen genauso wenig Bock habe wie Schüler. Habe ich was vergessen? Das mit dem Liegestuhl für das Sonnendeck finde ich eine sehr schöne Metapher, die ich mir merken werde, wenn ich wieder mit Menschen spreche, die das rhetorisch zugewandte Spiel mit der Sprache beherrschen. Einen schönen Tag.

          • Und wie Peter Gogik unbedingt Lehrer sein sollte – wobei jetzt mein Kommentar Gefahr läuft, ebenfalls nicht freigeschaltet zu werden.

            Auch ich wehre mich gegen diese spannenden, humorvollen, empathischen usw. Voraussetzungen, ein guter Lehrer zu sein. Als Schüler wollte ich immer zuerst kompetente LehrerInnen. Wenn sie zudem freundlich und – aus Schülersicht! – gerecht waren: umso besser. Ich wollte, dass sie didaktisch einen drauf haben, dass ich das jeweilige Problem verstanden habe und meine Fantasie in der Lösungsfindung nicht behindert wurde.

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