DIGITAL: Lehrergruppen auf Facebook: Kampf gegen Windmühlen

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In zahlreichen Lehrergruppen können sich Lehrerinnen und Lehrer über den Unterricht austauschen, sich über Materialien informieren und über das Pro- und Contra von didaktischen Theorien reden. Eine wunderbare Sache also, dieses Social Media. Nicht ganz: Denn in vielen Gruppen ist das Hauptziel, eigenes Denken zu vermeiden.

Ich kann mir schon vorstellen, wie es für diejenigen ist, die ihre Fürbitte in den Äther hauen, wenn der Mensch mit dem lustigen Namen, also ich, mal wieder einen bösen Kommentar unter das Anliegen haut. Da platzt schon mal der Kragen? Warum? Es sollte doch möglich sein, nach etwas zu fragen, was man nicht genau weiß, oder nicht?

Sicherlich. Interessant wird es aber dann, wenn entweder die Mühe gespart wird, überhaupt die genaue Angabe zu machen, was man eigentlich will oder wenn einfach nach kompletten Einheiten gefragt wird. Auch wenn es mir zusehends schwer fällt nachzuvollziehen, wie man den Unterschied zwischen betteln und einem kooperativen Austausch nicht erkennen kann, hier eine kleine Unterscheidung.

Kooperation

Das Internet bietet zahlreiche Möglichkeiten der Zusammenarbeit, sowohl zwischen Schüler_Innen als auch zwischen Lehrpersonen. Wer meinen Twitter-Account oder den Blog ein wenig verfolgt, weiß, dass ich der letzte bin, der etwas gegen Kooperation hat. Im Gegenteil: Kooperatives Arbeiten ist eine riesige Möglichkeit, eben weil der Standort keine Rolle mehr spielt. Man kann über Twitter kurze Diskussionen führen, die bis in eine Zusammenarbeit im realen Leben münden. Man kann sein Exposé von seinen Followern besprechen und sich Anregungen geben lassen und vieles weitere mehr. Kooperation bedeutet in diesem Falle aber, dass man genau so viel gibt wie nimmt. Zur Verfügung steht. Zum Teilgeber wird.

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Beispiel für eine gelungene Anfrage. Zeit, Ort und Vorkenntnisse sind genannt. Es ist klar, worum es geht.

Betteln

Man bettelt.

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Beispiel für eine Anfrage ohne Zeit, Ort und Vorkenntnisse. Es geht nur ums Abgreifen.

Da jetzt der Unterschied klar geworden sein sollte, eine kurze Abhandlung zu dem Thema: „Was erlaube Strunz!“

Bin ich etwa ein so erfahrener oder schlimmer sich selbst für perfekt haltender Lehrer, dass er die Arroganz und Ignoranz besitzt, alle auf ihre Fehler hinzuweisen? Nein, das bin ich nicht.

Ich mache Fehler und ich versuche, diese zu reflektieren, denn nur so wird man in einem Job besser, dessen Anforderungen zunehmend schwieriger werden. Und doch: Ich glaube daran, dass man als Lehrperson die Pflicht hat, Schüler_Innen und Schüler auf ein Lernen des Heute hinzuweisen.

Und wer, bitte, gibt mir das Recht, dies zu tun, wenn ich während meiner Zeit als angehende/r Lehrer_In zu meinem Unterricht gekommen bin, indem ich nichts anderes gemacht habe als Entwürfe abzugreifen?

Wer gibt mir das Recht zu sagen: Du hast leider eine schlechte GFS, da du aus dem Internet kopiert hast? Oder: Wie ich sehe, hast du das Thema leider nicht durchdrungen.

Will der Herr Moralapostel also nun eine Liste machen, in der er erklärt, was gut und schlecht ist? Nein, eigentlich nicht. Denn ich denke, es sollte klar sein, ob es ein Unterschied ist nach einem Einstieg oder einem Impuls zu fragen oder eben nach einer kompletten Einheit, einem Entwurf oder eben einer kompletten Lehrprobe.

Vielleicht aber auch nicht.

Dann habe ich immerhin die Schadenfreude zu wissen, dass man mit dieser Einstellung kein besonders guter Lehrer werden wird. Nur die Schüler_Innen tun mir leid. Sehr leid. Und während dieser Zeit werde ich ab und zu mal einen Hinweis einstreuen, so dass vielleicht mal der Kragen platzt.

Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Aber ein lohnender.

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17 Kommentare zu DIGITAL: Lehrergruppen auf Facebook: Kampf gegen Windmühlen

  1. Kari sagt:

    Ich gebe dir völlig recht. Ich habe erst im Februar das Referendariat angefangen.Und mich ärgern jetzt schon die Leute, die Fragen: Wer hat was zu Kafka, gerade in solchen Gruppen.
    Klar, ich schaue bei meiner Unterrichtsvorbereitung bei 4teachers, ganze Stunden habe ich aber noch nie übernommen. Bisher nur einmal die Quellen, die ich gefunden habe, die habe ich dann aber in meine Stunde eingebaut. Für mich ist das eher Anregung, was kann ich tun.
    Mir macht auch die Unterrichtsvorbereitung Spaß (bis auf heute, da lag mir das Thema gar nicht ;)). Momentan habe ich allerdings „nur“ 6 Stunden zu unterrichten und die Englischstunden in der 6. Klasse lassen sich im Vergleich zu den 2 Geschichtsstunde auch wesentlich schneller vorbereiten. Trotzdem klage ich nicht. Wären das auch nicht meine eigenen Ideen, würde ich mich schlecht bzw. nicht wohl fühlen.
    Ich habe auch genügend Freizeit, wenn ich meine Mitreferendare höre, die sagen, dass sie z.T. bis 12 am Schreibtisch sitzen, frage ich mich, wie es um deren Zeitmanagement steht. Ich habe Montags bis halb 6, also bereite ich am Wochenende bereits die Stunden für Montag und Dienstag vor, wenn es geht schon bis Mittwoch.
    Vermutlich werde ich das nächste Halbjahr mehr am Schreibtisch sitzen, aber man muss sich immer fragen, warum man das ganze macht? Unterrichtsvorbereitung macht ein großen Teil des Lehrerlebens aus, manchmal frage ich mich, was die Leute denken, bevor sie ins Ref gehen bzw. Lehramt studieren.

    Daher: Danke für diesen Artikel 🙂

  2. icke_wieder sagt:

    So salopp, wie in dieser Gruppe formuliert wird, möchte ich auch bezweifeln, dass es da um anderes als um „Ich bin zu faul zu denken“ geht. Und dennoch habe ich für vernünftige halbwegs anonyme Anfragen nach kompletten Entwürfen/Reihen Verständnis. Ich hatte leider ein „Kollegenschweinkollegium“ und Fachleiter, die kein Interesse an Ausbildung hatten. Zu Beginn habe ich viel gefragt, was mir alles als negativ ausgelegt wurde. An der Uni hat man uns keine logische Stundenplanung beigebracht, nicht mal Ansätze dessen. Da stand ich nun, mit meinem Uniwissen zu Kafka und hatte nicht die leiseste Idee, wie ich was in 45 Minuten unterrichte. Und dann sind ja auch noch die Schüler, die sowieso die beste Planung meistens unabsichtlich zerschießen, weil man im Ref so oft die Lerngruppen wechselt und daher oft nicht die Chance hat, seine Schüler wirklich zu kennen und zu wissen, was die brauchen.

    Ich war am Ende dieses desaströsen 18monatigen Vorbereitungsdienstes in NRW nur noch ein Häufchen Elend, eben WEIL ich von diesem komischen Gedanken ausging, dass Lehrer sein vor allem Kooperation ist und dass Ausbildung Ausbildung ist. Das hat nichts mit einer Hand-aufhalte-Mentalität zu tun. Wenn man, gerade am Anfang vernünftig gefördert würde, dann hätte man auch die Chance, sich vernünftig zu entwickeln.

    Aber so lange, wie, und da kommen die gleichen Muster hervor, wie wenn Mütter sich untereinander anzicken, anstatt sich gegenseitig zu unterstützen, Lehrer nicht verstanden haben, dass, gerade heutzutage (!) dieser Beruf auf Kooperation und Unterstützung fußt und vor allem Eitelkeiten nicht der Sache dienen, so lange, wird es immer wieder dieses ekelhafte elitäre Denken geben, was in diesem Post durchscheint. Und wer leidet darunter? leider ganz polemisch: die Kinder!

    Da ich deine anderen Beiträge allerdings immer treffend fand, hoffe ich, dass du dich diesbzgl. wirklich nur auf Menschen beziehst, die im Ref nicht so leiden müssen, wie ich es musste, und die einfach nur was abgreifen und als eigenständige Leistung präsentieren wollen.

    • da Rauschi sagt:

      Du warst doch selber mal in der Schule. Du hast all diese Dinge doch selber mal gelernt. Im Ernstfall wenn du nicht recht weiter weißt, dann überlege dir wie das dein Lehrer gemacht hat. Dann ändere was du für richtig hälst. Wenn du damit nicht zufrieden bist, was in deiner Situation wohl öfters der Fall gewesen zu sein scheint, dann Stelle sowas online, und Frage nach Hilfe und erläutere deine Probleme mit diesem Unterrichtsentwurf. Dann wissen die Leute wie sie dir helfen können und wissen dass du dir Gedanken gemacht hast. Unterricht muss nicht immer perfekt sein. Aber aus Fehlern lernt man. Und wenn du im Studium nix lernst, dann musst halt learning by doing machen!

  3. Ex-Student sagt:

    Jede Form der Kommunikation zwischen Menschen wird gebraucht und missbraucht. Es deshalb zu verdammen, erscheint mir wirklich etwas übertrieben. Als Referendar sehe ich aber ebenso wie du die Unterschiede. Im Studium hatte man max. 1x pro Woche ein Referat, ein Paper oder ne Klausur und den Rest frei für Inspiration, Austausch, Recherche und die vielen kleinen Aufgaben, die am Ende sowieso nicht wichtig waren. Im Ref hat man täglich zu präsentieren, und wer es noch nicht gelernt hat, seinen Alltag gut und sicher zu strukturieren, „schwimmt“ zwangsläufig. Dann triffst du einmal pro Woche im Studienseminar deine Altersgruppe, euch verbindet das selbe Schicksal und du hast Redebedarf, Hilfegesuche und die Hoffnung, dass du dir irgendwas erleichtern kannst. Ich persönlich helfe „als Lehrer“ gern, gebe Tipps und Materialien weiter, denn ich finde es furchtbar und beleidigend, dass alle immer wieder das Rad neu erfinden müssen. Also ja, ich kann gut verstehen, warum jemand jammert, bettelt und nicht alles durchdenken möchte, denn neben dem Beruf sind wir noch Menschen: fehlbar, ablenkungsorientiert und oftmals leider sehr einfach gestrickt… kurz: es gehört dazu, hör/ schau weg, wenn es dir nicht gefällt und sei stolz und dankbar, wenn du es besser kannst.

  4. Lluvia sagt:

    Finde den Artikel auch ziemlich gut.
    Aber muss zugeben, dass ich diese Leute auch verstehen kann.
    Ich bin auch eine angehende Lehrerin, aber leider habe ich das Gefühl, dass ich nicht wirklich gut vorbereitet werde. Viele angehende LuL wissen nicht, wie man Unterrichtsentwürfe entwickelt, sie sind überfordert und erhoffen sich einfach nur Hilfe von erfahrenen Lehrkräften.

    Als angehende LuL muss man unbedingt eigenständig sein und eigene Entwürfe entwickeln. – Keine Frage!
    Aber dafür bleibt uns keine Zeit übrig.
    Das neue Bachelorsystem und die diesem System zugrunde liegenden Konzepte und Ideen verstärken diese blöde Situation..

    Ich weiß nicht, wie es zu Eurer Zeit war, aber ich habe das Gefühl, dass die heutigen Lehramtstudenten eher graue Haare bekommen (Bulimielernen statt Studieren)und weniger graue Zellen haben als die heutigen Lehrkräfte.

    Ich befürchte sogar, dass die meisten durch Burnout eher in die Pension gehen werden..

    • da Rauschi sagt:

      Ich habe erst kürzlich eine Referendarin näher kennengelernt. Die hat Stundenlang Unterricht vorbereitet, jedes Detail war perfekt, da wurden Dinge animiert und so weiter. Sie hatte ausreichend Freizeit. Wenn sie dann noch alle fünfe hätte gerade sein lassen und sich nicht wegen allem gestresst hätte, wär die nur noch am chillen gewesen. Ich weiß nicht wie man zum Burnout kommt.
      Und zu dem Thema Studium, klar ist das suboptimal geregelt, aber ich finde da derzeit schon Zeit 18,5h + Vorbereitung pro Woche als Trainer und an der Schule zu arbeiten und Erfahrung zu sammeln. Darf man halt nicht nur Party, Eis essen, ausschlafen, etc. machen.
      Ihr wollt doch Lehrer werden. Das ist eine Berufung, kein Beruf, da müsst ihr halt auch was leisten!

    • da Rauschi sagt:

      Ich habe erst kürzlich eine Referendarin näher kennengelernt. Die hat Stundenlang Unterricht vorbereitet, jedes Detail war perfekt, da wurden Dinge animiert und so weiter. Sie hatte ausreichend Freizeit. Wenn sie dann noch alle fünfe hätte gerade sein lassen und sich nicht wegen allem gestresst hätte, wär die nur noch am chillen gewesen. Ich weiß nicht wie man zum Burnout kommt.
      Und zu dem Thema Studium, klar ist das suboptimal geregelt, aber ich finde da derzeit schon Zeit 18,5h + Vorbereitung pro Woche als Trainer und an der Schule zu arbeiten und Erfahrung zu sammeln. Darf man halt nicht nur Party, Eis essen, ausschlafen, etc. machen.
      Ihr wollt doch Lehrer werden. Das ist eine Berufung, kein Beruf, da müsst ihr halt auch was leisten!

      • Lluvia sagt:

        🙂 Musste schmunzeln. Also „18,5 h + Vorbereitung pro Woche?“ 🙂
        Also, wenn es zu Deiner Zeit wirklich nur 18,5 h pro Woche gewesen ist. Glück gehabt!
        Heute sieht das Ganze ganz und gar nicht so aus. Ich glaube, dass diese Referendarin wahrscheinlich auch nebenbei finanziell unterstützt wird. Anders kann ich mir das nicht erklären.

        Ich kenne genügend Leute, die das Studium abbrechen mussten, weil sie nicht das Geld dazu hatten. Leider werden die Bücher nicht verschenkt, auch die Miete wird nicht von der Uni übernommen^^ 🙂
        Würde sogar ganz Galopp sagen, dass 80 % aller Studenten noch nebenbei arbeiten müssen, damit sie überhaupt noch über die Runden kommen.

        Natürlich muss man als „LuL“ viel leisten, das Gegenteil hat hier keiner behauptet.

        • da Rauschi sagt:

          hab ich mich unpräzise Ausgedrückt. Die 18,5h + Vorbereitung ist was ich paralell zu meinem Studium mache. Um mir mein Studium zu finanzieren und Erfahrung zu sammeln beides in einem. sry. ohne Studium wäre das natürlich ein Zuckerschlecken 😀

    • Bob Blume sagt:

      Danke für die differenzierte Antwort.
      Ich werde versuchen, in einigen Tagen genauer darauf eintugehen. Eine Frage dazu: Glaubst du, dass es hilfreich sein könnte, einen Blog-Artikeln zu schreiben, der die wichtigsten Überlegungen zusammenfasst? Es soll ja nicht um bloße Ablehnung des einen gehen, wenn das andere nicht konstruktiv berücksichtigt wird. Liebe Grüße

      • Lluvia sagt:

        Ich finde es schon hilfreich, einen Blog-Artikeln zu schreiben..Meiner Meinung nach, sollten auch ein Austausch finden, wo sich auch die angehenden Lehrkräfte einsetzen. Ich lehne nicht alles ab, was Du sagst, aber finde es schon wichtig, dass auch die andere Perspektive mit einbezogen werden muss 🙂

  5. da Rauschi sagt:

    Hey Bob,
    gefällt mir sehr gut dein Artikel.
    In der Schule habe ich bisher noch jeden Unterricht selbst entworfen und Kollegen maximal gefragt ob sie das für gut halten was ich da mache. Als Trainer habe ich, weil ich da das Material habe schon komplette Einheiten von anderen übernommen. (Auch als Kooperation, habe eigene Trainings genauso hochgeladen) Und das war echt sehr gut, denn auf diese Weise habe ich den Kindern neue Impulse gegeben und konnte durch die Reaktion der Kinder auf diese anderen Einheiten meine eigene Arbeit nochmals reflektieren.
    Was ich damit sagen will: Ich glaube, auch als Lehrer kann es überragend sein, komplette Stunden von Kollegen zu übernehmen.

  6. Marc Franz sagt:

    Auch wenn es ein Kampf gegen Windmühlen ist – ihn aufzugeben wäre schlimmer.
    Ein sehr lesenswerter Artikel!

  7. Arbeitender Referendar sagt:

    Auch ich schüttele oft meinen Kopf, wenn ich diverse Anfragen in den Foren lese, bei denen es nur ums Abgreifen geht. Die interessanteste Anfrage, die ich je las, lautete: „Hallöchen! hat jemand vielleicht ein uentwurf für mich für eine schöne deutschstunde in der hauptschule ? erste stunde nach den ferien…. Wäre genial!!!!“ (Schreibfehler sind exakt aus dem Post von damals entnommen.)
    Da stellen sich meine Haare! (!!!)

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