Der Mensch ist bestrebt, sein Glück zu finden, auf das Schöne zu achten und sich in Gelassenheit zu üben. Das ist überall auf der Welt so. Überall? Nein, in einem kleinen Gruppe auf Facebook gibt es Individuen, die alles dafür tun, unglücklich zu werden. Und das ist sowohl vor dem Referendariat als auch dabei besonders einfach. Eine Anleitung. 

Wenn es einen darum geht, besonders unglücklich zu werden, sollte man zunächst einmal davon Abstand nehmen, Abstand zu nehmen. Am besten wird man unglücklich, wenn man an nichts anderes mehr denkt als an das Referendariat. Und auch das ist noch zu kurz gedacht. Glückliche Momente sollten ausgeschlossen werden. Stattdessen heißt es: Konzentration auf das Scheitern.

Am besten arbeitet man hier mit dem Konzept der Self-Fulfilling-Prophecy. Man stresst sich so sehr, dass man schon zu Beginn des Referendariats so gestresst ist, dass man scheitert. Das ist gar nicht so einfach, aber es gibt sehr gute Techniken, diesen Stress aufzubauen. Zunächst sollte man nach all den Unglücken googeln, die jemals im Referendariat vorgekommen sind. Wenn der Angstpegel dann schon fast am Limit ist, sollte man dies in zahlreichen und endlosen Gesprächen miteinander so lange aufbauschen, bis auch wirklich jeder den Tränen nahe ist.

Seminartage eignen sich besonders gut dafür. Man startet ein Gespräch mit den Worten: „Wusstet ihr, dass…“ Und dann erfolgen die schlimmsten Gespräche über Zusammenbrüche bei Lehrproben und Besuchsstunden die man sich nur vorstellen kann. In Zeiten vor dem Internet war es schwierig für jene, die nach absolutem Unglück streben, die tiefe und umfassende Traurigkeit, den Stress und die Angst auch tatsächlich aufrecht zu erhalten. Das ist Gott sei Dank nicht mehr so.

Facebook bietet eine grandiose Möglichkeit, seinen Stress auf einem konstanten Level zu halten. Man kann in Gruppen nach Durchfallquoten fragen, danach, wie schlimm es ist oder wird oder einfach nach sehr schlechten Erfahrungen. Das ist das Schöne am Internet: Es ist so groß, dass sich für jedes Unglück jemand findet, der es gerne mit einem teilt.

Ein kleiner Tipp, wenn das Referendariat beginnt: Natürlich wäre es schade, wenn all die angestaute Wut, der Frust und die Angst einfach verloren gehen würde, indem man sich auf die Schüler und seine Aufgabe freuen würde. Deshalb ist es ratsam, sich immer von der richtigen Seite mit anderen auseinanderzusetzen. Wenn jemand darüber spricht, dass bei ihm oder ihr etwas gut gelaufen ist, sollte man an sich zweifeln und denken, dass es bei einem selbst niemals so gut werden kann. Läuft es bei anderen schlecht, sollte man sofort in panische Angst verfallen, dass es bei einem selbst auch so wird.

Alles in allem sollten diese Tipps dafür sorgen, dass man schneller als alle anderen unglücklich wird. Gutes Gelingen!

2 KOMMENTARE

  1. Wie putzig.
    All diejenigen angehenden Lehrer mögen froh sein, niemals die Härte eines juristischen Referendariats inklusive der anschließenden insg. 40 Stunden Klausuren zzgl mündlicher Prüfung erlebt zu haben.

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