Weiter geht es mit der Übersetzung des wichtigen Artikels von Tristan Harris „How Technology is Hijacking Your Mind“. Die letzten drei Folgen können bei Interesse unter derselben Überschrift auf diesem Blog gefunden werden (zum letzten Artikel geht es hier entlang).

Eine Anmerkung zur Übersetzung

Bevor es weiter geht, erscheint mir eine Anmerkung zur Übersetzung sinnvoll, gerade weil ich im Original wichtiges Wort schwierig zu übersetzen ist. Die Übersetzung geht (wie so häufig) nur mit einer bestimmten Deutung einher. Es geht um das Wort „hijack“, was nicht nur „entführen“ heißen kann, sondern auch „an sich reißen“ (zumindest sind das die gängigen Übersetzungen). Ich habe mich in diesem Fall für „manipulieren“ entschieden, weil es in dem gesamten Artikel darum geht, dass der Benutzer den Einfluss, den eine bestimmte Menüführung oder eine automatische Weiterleitung ausübt, nicht bemerkt. Harris spricht dabei von magischen Tricks, die von Zauberern benutzt werden. Während der Zuschauer auf etwas anderes achtet, passiert die „Manipulation“ im Hintergrund. Der Begriff selbst ist allerdings problematisch, weil „Manipulation“ auch immer nach Verschwörung, Kartell oder anderen Idiotien klingt. Insofern ist es wichtig, ihn als die Umschreibung einer Praxis zu verstehen, bei der Nutzer zu Handlungen angeleitet werden (die gut oder schlecht sein können), ohne dies in erforderlichem Maße zu reflektieren oder reflektieren zu können. Im Titel der Einzelkapitel wird der Begriff „Entführung“ genutzt, um den dabei entstehenden Kontrollverlust zu betonen und nah am Original zu bleiben. Weiter geht es mit der Übersetzung.

Wie Technologie unseren Geist manipuliert

4. Entführung: Soziale Wertschätzung

Wir sind durch soziale Wertschätzung verwundbar. Der Wunsch, dazuzugehören und von unseren Kollegen wertgeschätzt oder gelobt zu werden ist eine der wichtigsten menschlichen Motivation. Jetzt ist unsere soziale Wertschätzung allerdings in den Händen von Technischen-Unternehmen.

When ich von meinem Freund markiert werde, denke ich, dass er eine bewusste Entscheidung trifft. Aber was ich nicht sehe, ist, wie ein Unternehmen wie Facebook diese Handlung zunächst überhaupt beeinflusste.

Facebook, Instagram oder Snapchat kann manipulieren, wie oft Leute in Fotos markiert werden, indem sie automatisch vorgeben, welche Gesichter markiert werden könnten (zum Beispiel, indem sie einen Kasten mit einer 1-Klick-Bestätigung anzeigen, „Tristan in diesem Foto markieren?“).

Wenn mich Marc also markiert, dann reagiert er eigentlich auf Facebooks Vorschlag und fällt eben keine bewusste Entscheidung. Aber durch Designs wie diese kontrolliert Facebook den Multiplikator dafür, wie oft Millionen von Leuten soziale Wertschätzung erfahren.

Das Gleiche passiert, wenn wir unser Profilfoto verändern. Facebook weiß, dass wir in diesem Moment verwundbar für soziale Wertschätzung sind: „Was denken meine Freunde über mein neues Bild?“ Facebook kann es höher im Newsfeed zeigen, so dass es länger da bleibt und Freunde es liken oder es kommentieren. Jedes Mal wenn sie es liken oder kommentieren, werden wir direkt wieder reingezogen (in die Plattform, d.V.).

Jeder reagiert unmittelbar auf soziale Wertschätzung, aber manche demographischen Schichten (Jugendliche) sind noch verwundbarer dafür als andere. Aus diesem Grund ist es so wichtig, anzuerkennen, wie machtvoll Designer sind, wenn sie diese Verwundbarkeit ausnutzen.

2 KOMMENTARE

  1. Danke fürs übersetzen Bob.
    Ich habe dieses Schuljahr während einer Unterrichtsstunde Harris´ Erkenntnisse angesprochen.
    Ich war wirklich baff mit wie viel Interesse meine Klasse mir zugehört und anschließend auch diskutiert hat.
    Zeigt mir, dass es durchaus fruchtbar ist mit jungen Menschen über digitale Medien kritisch zu diskutieren.

    • Lieber Jonathan, das freut mich sehr zu hören. Diese Erfahrung mache ich auch jedes Mal. Danke für das Feedback. Das motiviert mich, auch die weiteren Teile noch in Angriff zu nehmen.

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