Ein Schüler meiner Schule hat eine Notenapp entwickelt. Nebenbei. Weil mich das fasziniert und ich die Idee der App sehr gut finde, habe ich ihn gebeten, einen Text darüber zu verfassen. Einen Dank an dieser Stelle an den Schüler, Produzenten und Entwickler Simon Bärmann. 

Es hat mich schon ein bisschen genervt, dass es eigentlich keine Noten-App für Schüler im Google Play oder Apple App Store gibt, bei der meine Daten nicht an irgendwelche Server gesendet werden, bei der ich keinen Account erstellen muss undbei der ich wirklich alle Gewichtungen frei einstellen kann. Also habe ich „kurzerhand“ meine eigene Noten-App programmiert, die den kreativen Namen „Notenübersicht“ trägt.

Die erste Frage, die sich ein Entwickler stellt, wenn er eine App programmieren will, ist ganz klar: Welche Programmiersprache will ich verwenden?

Es gibt zig Möglichkeiten, eine App für iOS und Android zu programmieren. Ich entschied mich für eine Framework, die weitestgehend noch unbekannt ist, aber durchaus viel Potential hat:„Flutter“. Bei Flutter handelt es sich um einvon Google geschaffene Framework, welche ermöglicht, in der Sprache Dart, die auch von Google stammt, Apps zu programmieren. Mithilfe von Flutter laufen diese Apps sowohl auf Android als auch auf iOS.

Wer schon einmal Java programmiert hat, wird sich ganz schnell in Dart zurechtfinden. Aber mit Programmierer-Fachchinesisch will ich Sie heute nicht nerven. Nur so viel noch: Mit Flutter zu programmieren macht unheimlich viel Spaß und von der Idee zur ersten funktionierenden App geht es meist wirklich nur einige Stunden. Außerdem wäre sie sicherlich eine gute Sprache, die Schulen für den Informatik-Unterricht verwenden könnten, denn vielen Schülerinnen und Schülern würde es sicher gefallen, wenn Sie eine – noch so einfache – App programmieren könnten, die sofort auf Android als auch auf iOS funktioniert.

Und so kam es dannauch, dass nach 2 Stunden die erste Version meiner Noten-App auf meinem Smartphone installiert und ausprobiert werden konnte. Bei den anderen Noten-Apps hat mich immer gestört, dass Gewichtungen nicht veränderbar sind. Also dachte ich mir eine Möglichkeit aus, wie dies zu beheben ist – der wahrscheinlich komplexeste Algorithmus, den ich je programmiert habeist entstanden. (Wobei ich natürlich fairer weise sagen muss, dass ich in meinem bisher kurzen Lebennoch nicht so viele Algorithmen programmiert habe).

Denn die App erlaubt es dem Nutzer, unbegrenztviele Leistungen zu erstellen, und ihnen beliebigeGewichtungen zu geben. Bei Leistungen handelt es sich um Klassifizierungen: beispielsweise Mündlich, Schriftlich, Praxis und Tests. Eine Klausur, die die Gewichtung 0,5 trägt, ist beispielsweise eine solche Leistung. Nicht nur kann der Nutzer Leistungen mit eigenen Gewichtungen erstellen, sondern auch Leistungen, die in übergeordnete zugerechnet werden, wie „Tests“, die beispielsweise insgesamt wie eine Klausur zählen oder eben das 0,2-fache einer Klausur. Noten, die ein Nutzer einträgt, weist dieser einer Leistung mit der dazugehörigen Gewichtung zu.

Leider verlangt Apple für einen Entwickler-Account, den man zum Einstellen einer App in den App Store benötigt, 100€pro Jahr. Um nicht auf diesen Kosten sitzen zu bleiben, überlegte ich mir, wie ich dieses Geld wieder einspielen könnte. Die App für einen Euro zu verkaufen, kam für mich nicht in Frage, denn die App sollte auch für die verfügbar und nutzbar sein, die kein Geld auf ihrem Smartphone haben. Werbung zu zeigen finde ich als Nutzer immer sehr abstoßend, und außerdem spielt Werbung nur wenig Geld ein. Die einzige Möglichkeit, die also übrig bleibt, wenn man keine Daten der Nutzer an Facebook oder sonstige Dienste verkaufen will, ist ein In-App-Kauf. Zuerst dachte ich mir also, wie es wäre, wenn ich das eigene Erstellen von Leistungen für einen Euro verkaufen würde. Jedoch fände ich das ziemlich dreist, denn einige Schüler haben vielleicht kein Google Play oder App Store Guthaben, und andere können sich das einfach nicht leisten.

Diese Funktion also, die eigentlich alle Schüler brauchen, hinter einer „Pay-Wall“ zu verschließen, kam für mich also auch nicht in Frage. Nach einigen Wochen, in denen ich die App immer weiter verbessert habe, kam ich dann auf die zündende Idee: Alle Funktionen der App sind ohne In-App-Kauf verfügbar, wer jedoch einzelnen Klassen andere, als die vorgegebenen Farben, geben will, der muss einen Euro bezahlen und unterstützt so auch noch den Entwickler. Jeder kommt auch ohne die Farben aus, denn die komplette Funktionalität ist auch ohne IAP (In-App-Purchase) verfügbar, wer aber die Farben der einzelnen Fächer ändern will, muss ein wenig Geld bezahlen. Ein fairer Kompromiss, meiner Meinung nach – vor allem auch, weil die App ansonsten keinerlei Geld generiert, schließlich sammelt sie keine Daten der Nutzer, zeigt keine Werbung und steht kostenlos zum Download bereit.

Wenn Sie sich jetzt die Frage stellen, wie diese Geschichte auf den Blog von Herr Blume kommt, dann gibt es dafür eine einfache Erklärung: Als ich auf dem Pausenhof auf Herr Blume traf, war mir ganz klar, dass ich ihm von meiner selbst-programmierte Noten-App erzählen müsse. Also ignorierte ich das Handy-Verbot, welches auf dem ganzen Schulgelände gilt, zückte meine Smartphone und zeigte ihm den aktuellen Stand der App. Nachdem ich ihm erzählte, dass ich auf das Sammeln von Daten der Nutzer verzichten würde, war er wohl in sofern von meiner App überzeugt, als dass er mir erlaubt, soweit ich einen eigene Artikel schreibe, diesen auf seinem Blog zu veröffentlichen.

Wenn Sie sich die „Notenübersicht“-App anschauen wollen, können Sie sich diese im Google Play Store (https://play.google.com/store/apps/details?id=de.pdad.notenmanager) und im Apple

Simon Bärmann

Screenshots

14 KOMMENTARE

  1. Das ist eine richtig coole Idee und ich werde die Premium-Version meiner Tochter kaufen. Was ich wirklich gut finde, dass sich Simon Gedanken zum Thema Finanzierung, Datensparsamkeit und Features für die Kaufversion gemacht hat. Etwas, das viele andere Entwickler nicht tun. Allein dafür 👍🏼👍🏼

  2. ‪Super! Vielleicht noch eine Idee für einen inapp-Kauf: einfach noch eine Spende (buy me a beer or coffee) hinzufügen (2 oder 5.-€) für User die das Projekt unterstützen wollen.‬

  3. Hallo Simon,

    tolle App. Gute Idee. Klasse gemacht.
    Ich habe auch schon als Schüler programmiert, damals allerdings noch auf einem Commodore 64 mit Basic, später auf einem PC mit Turbo Pascal, an der Uni dann C und FORTRAN.
    Heute bin ich Apple Trainer und Berater und helfe Firmen und Schulen bei den technischen Herausforderungen. Zwei Anmerkungen habe ich:
    1) Dinge, die eine sinnvolle Funktion haben, sollten nicht über einen in App Kauf freigeschaltet werden, denn IAP funktioniert nicht für Deployment der App via VPP und MDM. D.h. Man kann keinen Klassensatz der Premium App Zentral kaufen und verteilen.
    2) Feautures die auf Sicherheit, Datenschutz und Privatsphäre gehen, sollten nie in die Premiumversion. Oder anders gesagt: die normale Version sollte bei den Themen keine Abstriche machen. (Passwortschutz als Premiumfeature).
    Aber ansonsten wie gesagt: Klasse!
    Aloha,
    Andi

    • Hallo Andreas,

      Vielen Dank für diese Hinweise. Die Noten-App berücksichtigt beide:
      – Alle Funktionen sind kostenfrei und ohne IAP verfügbar. Mit der Premium-Version bekommt der Nutzer weitere 16 Farben, mit der er die Fächer individueller designen kann. Alle Funktionen sind auch ohne IAP verfügbar – ausgenommen die CODE-Funktion, mit dieser man die App mit einem Code vor neugierigen Blicken beispielsweise der Eltern schützen kann, da dies aber keine essentielle Funktion ist, sondern eher ein netter Schnickschnack, habe ich sie in die Premium-Version eingegliedert.
      – Die App sammelt keinerlei Daten und ich werde auch niemals damit anfangen. Auch ohne Premium-Kauf muss sich also kein Nutzer Angst um seine Daten machen.

      Liebe Grüße,
      Simon.

    • Außerdem: Es gibt einige Apps, die einen solchen Passwortschutz, also die Code-Funktion, kostenfrei anbieten, welche man sich im Google Play Store herunterladen kann. Auf iOS gibt es so etwas zwar nicht, aber kann doch trotzdem jeder Nutzer sein Smartphone einfach mit einem Passwort/Pin sperren, und es so schützen.

      Ich werde mir aber natürlich Gedanken zur Code-Funktion machen, und sie eventuell wieder kostenfrei verfügbar stellen.

      LG

      • Hallo Simon,
        danke für Deine Antworten. Klar, Du musst Dir da selbst Gedanken machen und entscheiden, was deine Premium von der normalen Version unterscheidet. Das ist dann eine Entscheidung bei den ersten Schritten als Unternehmer, nach den technischen Entscheidungen beim Programmieren.
        Und verstehe mich bitte nicht falsch: Ich habe natürlich kein Problem, für eine gute App ein wenig was zu bezahlen, überhaupt nicht. Und ich finde auch Deine grundsätzlich Entscheidung, nicht-essentielle Dinge in der Premium-Version freizuschalten, richtig gut. Solche vernünftigen Gedanken machen sich nicht einmal viele ältere Programmierer, mit mehr Erfahrung.
        Nur beim download der App ist mir eben aufgefallen, dass der Code-Schutz nur in der Premiumversion geht. Und ich finde es im allgmemeinen sehr Schade, wenn sinnvolle Sicherheitsfeatures nur in (teureren) Premiumversionen enthalten sind. Es gibt z.b. viele Web-basierte Systeme, bei denen 2FA Integration nur in den teureren Tarifen geht. Das ist natürlich blöd, denn man macht damit gute Sicherheit schwerer zugänglich und erzieht User dazu, weniger sicher unterwegs zu sein. Das ist eben generell ein Thema, das ich wichtig finde: Keine Kompromisse bei Sicherheit. Daher habe ich das angesprochen. Sicher, deine User können auch (sollten sie eh) eine Passcode-Sperre auf dem Telefon haben. Trotzdem, der Code ist sicher vernünftig. Und während es aus Sicht des einen schöner Schnickschnack ist, findet es jemand anderes eben wichtig(er).
        Aber wie gesagt, es bleibt letztendlich Deine Entscheidung. Und in dem Moment, wo Du Dir richtig Gedanken drüber machst, ist eigentlich schon alles gut 😉

    • Hallo Heike,

      darüber würde ich mich sehr freuen 🙂
      Schreiben Sie mir bitte, wenn Sie hierfür weitere Materialien wie Screenshots oder Texte benötigen.

      Simon

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