Zunächst mal bekenne ich mich schuldig im Sinne der Anklage: Der Titel ist – zumindest teilweise – Clickbait. Dennoch glaube ich, dass jene, die auf der Suche nach Dropbox-Material sind, von einige hier geäußerte Überlegungen profitieren können.

Serotonin

Falls du gerade mit der Erwartung auf den Titel gedrückt hast, weil du dachtest, Material zu finden, hat dich wahrscheinlich dein Glücksgefühl geleitet. Anders ist es nicht erklärbar, dass die Kommentarspalten platzen, sobald jemand eine Dropbox anbietet. Denn das, was man dort findet, ist oft chaotisch oder unpassend. Man findet Quantität statt Qualität. Haben wir aber nicht die Zeit hinter uns, in der wir beispielsweise bei Napster Gigabytes von Liedern gesammelt haben, die wir im gesamten Leben nicht hören können?

An welcher Stelle kommt das Material?

Andrerseits ist die Suche nach Material verständlich. (Gutes) Material in Form von Arbeitsblättern gibt eine Struktur vor, hat Lösungen, kurz: spart Arbeit. Dabei geht jedoch ein entscheidender Gedanke verloren:

Material ist kein Selbstzweck, sondern eine Brücke, an deren anderen Ufer die Erlangung einer Kompetenz oder eines bestimmten Verständnisses steht.

Insofern gibt es grob drei Arten, wie Material eingesetzt werden kann und eingesetzt wird.

1) Material als Impuls

Arbeiten Lehrpersonen mit Büchern, funktionieren diese oftmals als Steinbrüche. So können beispielsweise Aufgaben oder Texte so genutzt werden, dass Sie in den Unterricht passen. Oder die Struktur des Buches kann genutzt werden, um im Endeffekt andere Inhalte zu erarbeiten. Das Material ist somit nur eine Anregung.

2) Material als Teil der Erarbeitung

Wirklich nutzen tut man das Material, wenn man eine Struktur hat, in die man es funktional einfügt. Das stellt hohe Ansprüche an das Material, das entweder bearbeitet werden können muss oder eben selbst erstellt wird. Dadurch, dass das Material passend ist, ist der Einsatz aber besonders sinnvoll, weil die Lehrperson es so einsetzt, dass eine bestimmte Erkenntnis innerhalb des Unterrichts damit erlangt werden kann.

3) Das Material als Ausgangspunkt

Im Prinzip ist diese Verwendung diejenige, die praktiziert wird, wenn man Material in der Dropbox vorfindet. Die Frage ist nicht mehr:

„Wie können die Schüler am besten lernen?“

Sondern:

„Wie kann der Unterricht gestaltet werden, dass er genau auf das Material passt.“

Es gibt sicherlich sehr gute Gründe, so zu arbeiten, zum Beispiel wenn man beginnt, mit einer schwierigen Lektüre zu arbeiten, die durch sehr gutes Material eine nachvollziehbare Struktur erhält – sowohl für die Schüler als auch für die Lehrer.

Allerdings kann ein solches Vorgehen auch das Gegenteil bewirken. Anstatt über die Klasse, über den Gegenstand oder die Kompetenzen denkt man über das Material nach. Dadurch wird der Unterricht im schlimmsten Fall entpersonalisiert, wird flach und langweilig.

Alternativen

Was aber sind die Alternativen, wenn man nicht unter der Last der Arbeit untergehen möchte? Die Antwort muss weder lauten, dass man alles Material selbst erstellen muss, noch, dass man keine Dropboxen mehr nutzen kann.

Die Antwort liegt, meiner Meinung nach, in einem sehr guten Verständnis der Struktur von Unterricht, der Voraussetzungen und der angestrebten Kompetenzen.

Ist ein solches strukturelles Verständnis vorhanden, kann Material wie in 2) eingebaut werden. Muss es aber nicht. Und in dieser Möglichkeit liegen die Vorteile. Die Materialsammelsucht kann nämlich dazu führen, dass sich der Anwender in einer Sicherheit wiegt, die dafür sorgt, dass die wichtigen Fragen von Unterricht und lernen keine Rolle mehr spielen. Und die Leidtragenden sind die Schüler.

Insofern: Immer her mit den Dropboxes! Aber mit dem Verständnis, dass Material nur ein klitzekleiner Teil von wirklich gelingendem Unterricht ist.

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1 KOMMENTAR

  1. Ich bin ein großer Fan von Einfach Deutsch, nicht weil deren Arbeitsblätter etc. so brillant wären, sondern weil ich die angebotenen Strukturen hilfreich finde (das, was bei denen meist als „Tafelbilder“ firmiert). Dagegen benutze ich in Geschichte praktisch überhaupt kein Fremdmaterial, allenfalls ein „oh, coole Quelle, die nehme ich auch“, aber praktisch nie irgendwelche vorgefertigten Strukturen.

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