Seitdem ich über das Referendariat schreibe, lerne ich selbst viele Dinge dazu. In manchen Bereichen ist mein Vorwissen sehr klein. Das gilt vor allem für die Grundschule. Bevor in ein paar Wochen ein Podcast mit einem Grundschullehrer veröffentlicht wird, hatte ich und habt ihr die Chance, in diesem Gastbeitrag von Frau Eisbär Einblicke in das Referendariat einer Grundschullehrerin erhalten. Ich freue mich, dass sie eingewilligt hat, über ihre Erfahrungen zu schreiben und uns an ihrer Zeit teilhaben zu lassen. Danke an dieser Stelle! 

Notizen zum Referendariat an Grundschulen in NRW

In NRW kann das Referendariat entweder zum 1.5. oder zum 1.11. begonnen werden. Im Regelfall dauert es 18 Monate, kann jedoch unter bestimmten Voraussetzungen auch um ein halbes Jahr verkürzt oder verlängert werden. Während des Studiums habe ich bereits das Praxissemester absolviert, das theoretisch auf das Referendariat vorbereiten soll. Da ich währenddessen – wie die meisten anderen Studenten – noch Kurse an der Uni hatte, war es eine sehr stressige Zeit, in der ich mich nicht wirklich auf die Schule konzentrieren konnte. Zusätzlich gab es jede Menge Aufgaben für die Begleitseminare zu erledigen, sodass das Unterrichten eher hintenanstand.

Ich selbst habe mein Referendariat am 01.05.2015 begonnen. Es gab immer einen festen Seminartag in der Woche, die anderen vier Tage war ich in der Schule. Teilweise nur für zwei Schulstunden, da die 14 Stunden aufgeteilt werden mussten.

Die ersten Tage hatte ich erstmal ein wenig Zeit, um in der Schule anzukommen. Im Seminar wurde das Augenmerk erstmal auf das Grundsätzliche gerichtet – die Lehrpläne. Die ersten Sitzungen waren ziemlich ähnlich zu denen im Praxissemester; hier konnte man sehen, welche Referendare das Praxissemester gemacht hatten und welche nicht.

Die Struktur des Referendariats ist ziemlich einfach. Insgesamt gilt es zehn Unterrichtsbesuche (UBs) zu absolvieren, fünf in jedem der beiden Fächer. Zusätzlich dazu natürlich noch die Unterrichtspraktische Prüfung (UPP) am Ende des Referendariats.

Zu Beginn findet noch das Eingangs- und Perspektivgespräch (EPG) statt. Der oder die ReferendarIn wird vom Kernseminarleiter in einem seiner/ihrer Fächer besucht. Hier geht es weniger um Unterrichtsinhalte, als um die Lehrerpersönlichkeit. In dem Gespräch wird ein erstes Ziel für die kommenden UBs vereinbart. Hier wird auch noch kein „richtiger“ Entwurf erwartet. Eine Reihen-, Ziel- und Verlaufstransparenz reichen hier aus.

Bevor die eigentlichen UBs losgehen, kommen die GUVs (Gruppenunterrichtsvorbereitungen). Bei mir waren es in jedem Fach drei. In Kleingruppen haben wir eine Unterrichtsreihe geplant und gemeinsam eine Stunde an einer unserer Schulen durchgeführt. Die Phase war sehr hilfreich, weil man beim Schreiben eines Entwurfes Unterstützung hatte und auch Ideen ganz anders angegangen ist. Zur Vorbereitung hatten wir eine Seminarsitzung Zeit, in der nächsten Woche wurde die Stunde durchgeführt. Wir konnten so noch andere Schulen kennenlernen und auch uns nochmal besser finden. Im Anschluss an die Stunde haben wir gemeinsam mit der Seminarleiterin reflektiert. Dabei stand aber nicht die Referendarin im Vordergrund, die die Stunde gehalten hat, sondern der Inhalt der Stunde und unsere Umsetzungsideen. Die meisten der Stunden waren auch so konzipiert, dass wir alle mit den Kindern gearbeitet und nicht nur beobachtet haben. Ich empfand die GUVs als durchaus hilfreich, solange man sich auf alle Mitglieder der Kleingruppe verlassen konnte.

Nach dieser Phase ging es dann mit den „richtigen“ UBs los. Teilweise war die Terminfindung etwas kompliziert, da die Fachleiterinnen ja selbst auch noch mit ein paar Stunden an der Schule sind und meine Fachseminare relativ groß waren. Kleiner Tipp: Plane deine UBs so, dass genügend Zeit dazwischen liegt! Sowohl von Fach zu Fach, als auch innerhalb eines Faches.

Ich musste mal zwei UBs innerhalb von eineinhalb Wochen halten – das artet sehr in Stress aus! Denn neben den UBs muss auch dein anderer Unterricht noch vorbereitet werden. Im Referendariat gab es Zeiten, da saß ich den ganzen Tag am Schreibtisch, von morgens bis abends. Ich konnte nie länger als 20 Uhr arbeiten, aber da ist jeder anders. Freunde von mir konnten problemlos eine Nacht durcharbeiten, da bin ich nicht der Typ für. Dementsprechend früher habe ich mit meinen Vorbereitungen für die UBs angefangen.

Vor den ersten Besuchen war ich sehr nervös. Aber die Fachleiterinnen waren sehr wohlwollend. Es gab viel gute und konstruktive Kritik. Wenn man die Kritik beherzigt und umzusetzen weiß, ist alles gut. In den Nachbesprechungen werden positive wie negative Aspekte besprochen und Ziele vereinbart, an denen bis zum nächsten Besuch gearbeitet werden soll. Auf den besprochenen Zielen liegt auch beim nächsten Mal das Hauptaugenmerk.

Bei der Vorbereitung auf den nächsten UB hat es mir immer geholfen, mir die Aspekte der Nachbesprechung noch einmal anzuschauen, um dann meinen Entwurf überarbeiten zu können.

Ab dem dritten UB gab es eine Notentendenz, wirkliche Noten wurden uns nie gesagt. Beim letzten UB wurde die Nachbesprechung so aufgezogen, wie am Prüfungstag. Ich durfte meine Stunden erklären, reflektieren und Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen. Dann haben meine Fachleiterinnen ein kleines Übungskolloquium mit mir durchgeführt. Auch das war sehr hilfreich. Im Anschluss haben wir meine Entwürfe trotz Prüfungssimulation durchgesprochen.

Acht Wochen vor Beginn der Prüfungsphase sollten wir mit den Unterrichtsbesuchen durch sein. Langsam stieg die Nervosität bei allein. In jedem Seminar gibt es jemanden, der von sich viel zu überzeugt ist. So auch bei mir. Ich habe mich dadurch total verrückt machen lassen! Bleibt am besten ganz bei euch, konzentriert euch darauf, was ihr gut könnt. Im Endeffekt wisst ihr nichts über die andere Person, also lasst sie erzählen und fertig.

Ungefähr eine Woche vor den Sommerferien habe ich meinen Prüfungstermin erfahren. Ich war so glücklich, weil ich am Anfang der Prüfungsphase an der Reihe war. So musste ich vor meiner Prüfung nicht mehr ins Seminar und mir eventuelle Horrorgeschichten anhören. Zugegeben, davor hatte ich wirklich am meisten Angst! Den Prüfungsablauf von Leuten hören, die schon fertig waren…

Der Prüfungstag besteht aus zwei Unterrichtsbesuchen und einem ungefähr einstündigen Kolloquium und viel Warterei. Das Warten war im Endeffekt das Schlimmste an dem Tag.

Im Vorfeld muss angegeben werden, in welchen Klassen und zu welchen Themen du deine Prüfungsstunden zeigen willst. Außerdem ist wichtig, dass du eine Stunde in der Schuleingangsphase zeigst und eine Stunde in Klasse 3 oder 4. Nur mit einem Antrag und einer Sondergenehmigung können beide Stunden in der Schuleingangsphase oder der 3/4 gezeigt werden.

Du kannst selbst entscheiden, welche Stunde zuerst gehalten wird, das fand ich gut. Die Entscheidung fiel mir anfangs allerdings etwas schwer: In Religion fühlte ich mich wohler, das waren aber die Großen, die auch nach der großen Pause noch gut und konzentriert arbeiten konnten. Also doch erst Mathe mit den Kleinen? Schlussendlich habe ich mich genau dafür entschieden.

An den Prüfungstag selber kann ich mich nur noch ganz verschwommen erinnern. Ich war den Tag vorher mit meinem Partner bis 17 Uhr in der Schule, um die Klassenräume vorzubereiten. Abends bin ich dann nochmal hingefahren, weil ich zu Hause gesehen hatte, dass ein Bild in einem der Entwürfe nicht zu erkennen war. Die Nacht vor dem Prüfungstag habe ich relativ gut geschlafen, war allerdings schon sehr früh wach. Also war ich auch dementsprechend früh an der Schule.

Die erste Schulstunde hatte ich Zeit nochmal die Entwürfe durchzugehen und meine Prüfungskommission zu begrüßen. In der zweiten Schulstunde ging es dann los. Ich weiß noch, dass mir vor Aufregung richtig schlecht war und ich das Gefühl hatte, neben mir zu stehen. Doch dieses Gefühl war verflogen, sobald ich vor den Kindern stand und mit meinem Unterricht begonnen hatte. Nach der Stunde machte ich mir kurz ein paar Notizen und hastete dann in den nächsten Unterrichtsraum. Dort kontrollierte ich nochmal alles, atmete durch und trank einen kleinen Schluck. An Essen war nicht zu denken.

Die nächste Schulstunde lief auch wie ein Film an mir vorbei. Nach der Stunde hatte ich ebenfalls kurz Zeit, mir Notizen zu machen. Anschließend konnte ich meine Stunden vor der Prüfungskommission erklären und reflektieren. Danach wurde ich hinausgeschickt – es hieß warten für mindestens 45 Minuten. Ich saß auf dem Schulhof, auf dem die Kinder der OGGS spielten. Da meine Ausbildungsschule eine eher kleine Grundschule war, wussten alle Kinder, dass dieser Tag besonders wichtig für mich war. Also wurde ich ständig gefragt: „Bist du jetzt richtige Lehrerin?“ Erzieherinnen und Kolleginnen versuchten mich ein bisschen abzulenken. Ich konnte zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht einschätzen, wie es gelaufen war. Also schaute ich mir meinen Vortrag für das Kolloquium noch einmal an. Als meine Fachleitung schließlich auf dem Schulhof stand, um mich wieder in den Prüfungsraum zu holen, fiel mir ein Stein vom Herzen. Es ist bei uns am Seminar ein offenes Geheimnis gewesen: Wer zum Kolloquium zugelassen ist, hat bestanden!

Am Anfang meines Vortrages war ich ziemlich nervös, das legte sich aber schnell. Letztendlich war das Kolloquium wie ein nettes Gespräch. Ich kann mich überhaupt nicht mehr an Fragen erinnern, die mir gestellt wurden. Die waren direkt nach dem Gespräch weg. Aber auch nach dem Kolloquium hieß es wieder warten – die Prüfungskommission beriet über meine Note. Ich saß wieder auf dem Schulhof. Mittlerweile ging es mir ein bisschen besser, aber übel war mir immer noch. Die Kinder waren auch alle ganz aufgeregt und haben richtig mitgefiebert.

Als meine Fachleiterin dann das zweite Mal auf dem Schulhof stand, dachte ich, ich würde jeden Moment umkippen. Ein letztes Mal wurde ich in den Prüfungsraum (das eigentliche Lehrerzimmer) gerufen und mir wurde meine Note mitgeteilt. Vor Erleichterung habe ich angefangen zu weinen und meine Fachleiterin gleich mit. Ich habe mich bei der Prüfungskommission bedankt, mich verabschiedet und bin wieder auf den Hof gegangen. Es war vorbei! Ich war endlich richtige Lehrerin! In diesem Moment war ich schlichtweg überfordert mir allem. Ich glaube, ich hätte niemandem meinen Namen sagen können, so überwältigt von meinen Gefühlen war ich.

Zusammenfassend kann ich sagen: Das Referendariat ist zwischendurch sicher kein Zuckerschlecken und wirklich mit Stress verbunden, aber es ist nicht so schlimm, wie man so oft im Internet lesen kann. Sicherlich gab es Tage, an denen ich mich gefragt habe, wozu ich das alles mache. Aber es gab auch Tage, die so wundervoll waren und mir einfach Kraft gaben für die restliche Zeit.

Mir hat es total geholfen, dass ich trotz Stress jede Woche beim Chor war und gesungen habe. Zeit für dich und Freunde ist in der Zeit so wertvoll und hilfreich! Also, nehmt euch gezielt Auszeiten und genießt sie!

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