Seit nunmehr drei Wochen ist mein Buch “10 Dinge, die ich an der Schule hasse und wie wir sie ändern können” auf dem Markt. Zeit, für ein kleines Zwischenfazit bezüglich Diskussionen, Kritik und Selbstwahrnehmung. 

Kleine Vorrede

Neben kritischen Stimmen, die es natürlich geben musste, hat mich schon nach den ersten Wochen besonders gefreut, dass sich sowohl Schüler*innen als auch Eltern und Lehrer*innen wohlwollend zu dem Buch geäußert haben. Denn das war der Plan: Das Buch sollte jene Dinge, die zunächst in einer (zugegeben immer größer werdenden) Blase besprochenen Themen einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machen. Insofern: Wenn du als Leser*in dieses Blogs noch kein Exemplar hast, freue ich mich natürlich darüber, wenn du es erwirbst. Hier kann man auch in die Leseprobe reinschauen. Das Buch gibt es auch in einer digitalen Version, ein Hörbuch ist bisher nicht geplant, aber der Austausch darüber läuft.

Mediales Echo und Kritik

Im Grunde genommen kann man sagen, dass das Echo auf das Buch genau das widerspiegelt, das ich auch als Teilnehmer des öffentlichen Diskurses erfahre: Während mich die einen für progressiv halten, was wiederum als gut oder schlecht gesehen wird (ein Amazon-Rezensent spricht davon, dass ich “aus dem Elfenbeinturm” schreibe) sehen die anderen mich als konservativen Systemerhalter. Und sie haben Recht. Warum ich für eine Änderung an zentralen Stellen des Systems eintrete, eine Revolution aber für wenig zielführend oder sogar naiv halte, habe ich in dem Buch beschrieben.

Umso erfreuter bin ich über jene, die genau dieses Brückenbauen als Stärke des Buches wahrnehmen. Die Quintessenz sollte sein: Es ist viel möglich, wenn man mutig ist, aber es sollte viel mehr möglich sein, ohne dass man mutig sein muss.

Interessant fand ich, dass der Shitstorm nach dem Zeit-Artikel über unwillige Lehrkräfte ausblieb. Nicht einmal viele empörte Mails bekam ich, sondern allenthalben zustimmendes Nicken. Nicht, dass es darum gegangen wäre, dass sich Menschen echauffieren. Aber es war doch erstaunlich, dass dies oftmals als Problem erkannt wurde.

Obwohl das die Inhalte des Buches in zahlreichen, auch überregionalen Medien aufgenommen worden sind (darunter SPIEGEL und Deutschlandfunk), habe ich das Gefühl, dass (natürlich nicht zuletzt seit dem Krieg in der Ukraine) das Thema Bildung, seitdem Corona für beendet erklärt worden ist, keinen großen Raum mehr in der öffentlichen Diskussion einnimmt. Das mag gerade ob der ukrainischen Flüchtlinge und dem letztes Jahr noch so häufig angesprochenen Lernlücken überraschen, zeugt jedoch einmal mehr von den Beharrungskräften des Systems. “Jetzt ist ja alles wieder normal”, könnte man zusammenfassen. Und man muss widersprechen: “Nein, ist es nicht!” Immer und immer wieder.

Fazit

Es mag an dem Buch oder meiner Person liegen: Auch wenn einige Themen des Buches vor allem in interessierten Kreisen besprochen worden sind (oder öffentlich diskutiert wurden), erscheint es mir, dass der Aufschlag einer solchen Diskussion Ende des letzten Jahres eine deutlichere Spur hinterlassen hätte. Daraus soll nun weniger Frust über die Aufnahme des Buches sprechen, das mit der Platzierung auf Platz 27 der SPIEGEL-Bestsellerliste eine breite Leserschaft gefunden hat. Es soll aber dennoch das Bedauern darüber zeigen, dass in der momentanen Situation die Probleme, die so viele Lehrer*innen und Lehrer und mit Ihnen die Schüler*innen und deren Eltern haben, zu wenig Platz in der öffentlichen Diskussion haben.

Vielleicht sollte das nächste Buch die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems beinhalten. Dann wird es kaum so ruhig bleiben. Zwinkersmiley.

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