Eine neue Methode, drei Wochen Praktikum, sogar Räume mit Rechenmaschinen. Die Schulen scheinen verrückt geworden zu sein. Am Rande eines Treffens der anonymen Lehramtsstudenten faxte Horst-Josef Tichy seine Meinung gegen die Modernisierung des Lehramtsstudiums an den Autoren dieses Blogs. Was er hier schrieb, ist genauso verstörend wie alarmierend. 

Als Tichy, der hier unerkannt bleiben möchte und dessen Namen später von der Redaktion verändert werden wird, an seinem Matrizendrucker stand, um den einen Tipp aus der Vorlesung umzusetzen, traute er seinen Augen nicht: Sein Weg führte vorbei an zahlreichen Overheadprojektoren, auf die man Folien legen kann, so dass virtuelle Bilder wie durch Wunder an die Wand geschmissen werden. „Das hat mich verstört“, so der stimmgewaltige Student, „denn das Wichtigste erscheint mir doch die Fähigkeit des Lehrers, den Stoff unter angenehmen Druck in einem wohlklingenden Vortrag in die Schüler zu pressen.“

In einer anderthalbstündigen Vorlesung, die die Vorzüge von Gruppenarbeiten pries, habe er darauf hingewiesen, dass es doch damals auch so ginge. Nun, da klar sei, dass Deutschland in puncto elektrischer Leitungen aus glasähnlichen Fasern sogar mit Mexico und Angola gleichgezogen sei, müsse man endlich verstehen, dass man sich nicht nach jeder Mode richten müsse. Tichy, dessen Mutter ihm, nachdem sie ihm Essen zubereitet und seine Materialien für die Universität fertig gemacht habe, oftmals einfach Horst nenne, meint außerdem: Das Leben ist hart, da muss jeder durch.

Für seinen bisweilen etwas weniger modernen Blick auf die Welt braucht sich Josef, wie ihn sein universitärer Lernbegleiter nennt, nicht schämen. Auch mit einer Schreibmaschine kann ich zeigen, dass ich weiß, worum es geht: Noten! Die letzte Eins musste er mit einer Notlüge bekommen, als er in einer Prüfung zu der Frage, ob Prüfungen und Noten noch zeitgemäß seien, erklärte, dass er meine, dass Prüfungen und Noten nicht mehr modern seien und dafür eine sehr gute Note in der Prüfung bekam.

„Ich möchte auch etwas an meine Schüler geben“, so der muntere Mathematiker. Und das sei vor allem Hass auf den Lehrer.

Aus diesem Grund ist für ihn eine Modernisierung des Studiums, wie es mittlerweile laufe, geradezu unvorstellbar. „Wie soll meine Mutter denn per elektronischer Mail um meine Note kämpfen? Wie stellen sich die Verantwortlichen das vor?“ echauffiert sich der interessierte Immatrikulierte. Er habe auf gut Deutsch die Schnauze voll davon, dass nun sogar im Studium davon gesprochen werde, dass es Lernmethoden gäbe, die ohne Stock und Peitsche auskämen.

Insofern ist für ihn auch klar, was zu tun ist: Seit Montagabend Ortszeit verteilt der hurtige Horst handgeschriebene Zettel, auf denen er dazu auffordert, ihm eine Unterschrift per Brief zukommen zu lassen. In einer großen Aktion wird er per berittenem Reiter einen Strohsack voller Briefe an die Universitätsverwaltung schicken. Wenn es denn soweit kommt, so der jubelnde Josef.

„Denn“, so schließt er zufrieden, „im Großen und Ganzen kommt das Studium meinen Vorstellungen sehr entgegen.“

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