ANALYSE: Liberal Supremacy

AnfangsbildWas sind das für Zeiten? Die Newsticker der Welt rasten aus, jede Sekunde fliegt eine neue Nachricht durch den Äther und wir schwimmen von einer zur anderen Blase, suchen nach Haltung und verstehen die Welt nicht mehr. Neben politischen Brandbomben sind Bilder von tatsächlichen Brandbomben, von toten Kindern; daneben ein neu gekauftes Auto, weil wir in der Facebook-Gruppe sind. Und neben Nazis, Nazis, Nazis – denn die haben Aufwind in unseren Zeiten, im Jahre 2016, ist ein schönes neues Video von irgendeinem Trend, den wir mitmachen, weil wir nicht wissen, was wir sonst machen sollen. Und wir sind liberal oder links oder jedenfalls irgendwas mit richtiger Zeichensetzung.

 

Und obwohl jeder will, dass man miteinander spricht und dass man sich zuhört und Argumente hört, will sich keiner überzeugen lassen. Und so ändert man nichts. Wenn man die Perspektive tauscht, ist man ein Opportunist, wenn nicht, ein Konservativer. Also dann: Ich mache den Opportunisten.

Ich schrieb vor einer Woche einen Artikel und uns eine Mitschuld zu. Ich dachte, dass das gut ist. Wir sind nicht nur schön reflektiert, sondern wir gestehen die Schuld ein. Wir kümmern und im die Besorgten, die Zurückgelassenen, die Rassisten. Aber das, was viele nun liberal nennen, um sich nicht links nennen zu müssen (denn dort tummeln sich die 9/11-Verschwörer und Aluhutverehrer), ist in Wirklichkeit nichts Anderes als das letzte humanitäre Stückchen Anstand, das man sich nicht nehmen lassen darf. Mit anderen Worten: Wenn wir schon die Schuld für die aufnehmen, die den anderen immer die Schuld geben, weil wir nicht das machen wollen, was die Rassisten tun – Menschen ausschließen – dann machen wir einen Fehler.

Klar, wir wollen nicht exklusiv sein wie monotheistische Religionen, die White Supremacy oder die Alt-Right-Bewegung oder die Apple-Shop-Filialen. Wir wollen in unserer Gutherzigkeit alle einschließen. Schwule, Behinderte, Andersdenkende. Alle, vor denen die Angst haben, deren tumbe Parolen durch die Straßen und das Netz gegrölt werden. Aber wir sind exklusiv. Nicht durch Geld, Zeit, Kultur oder Fritz-Kola mit Matezusatz.

Sondern weil wir als einfachsten Grundsatz, den es überhaupt gibt, an die Würde des Menschen glauben und daran, dass sie unantastbar ist. Oder nehmen wir die

„Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“, Artikel 1:

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.

Wenn das unser Kriterium ist, wenn es das Einzige ist, an das wir glauben, dann soll es so sein, dass alle die dies nicht tun, ausgeschlossen werden aus unserer Gesellschaft.

Dass all jene, mit denen man diskutieren soll, weil sie Sorgen und Ängste haben, die verdammte Raufasertapete anschreien sollen.

Ich möchte mich nicht beruhigen. Ich möchte nicht „berechtigte Sorgen“ ernst nehmen, wenn Sie das einzige Fundament, dass Menschen zu Menschen macht anzweifeln. Soll ich noch lauter sein!

JEDER KANN DAS GRUNDGESETZ GOOGLEN! ES SIND DOCH ALLE ANGEBLICH SO VERSIERT, AUCH WENN SIE KEINEN VERDAMMTEN GERADEN SATZ SCHREIBEN KÖNNEN! UND WENN NICHT DAS GRUNDGESETZ, DANN EBEN DIE MENSCHENRECHTE. DIE RECHTE, DIE JEDER MENSCH HAT.

Ich habe keinen Bock auf den IS, und Trump und die ganzen religiösen Fundamentalisten, die meinen, in ihrem Namen den Menschen das Recht zu nehmen, Menschen zu sein. Und auch nicht auf die besorgten Bürger. Bürger? BÜRGER? DASS ICH NICHT LACHE!

Wir sind die Elite? Wir haben Geld? Wir sind Teil des Establishments? Wenn das bedeutet, an den kleinsten gemeinsamen Nenner als Mensch zu glauben, nämlich dass man als Mensch Mensch sein darf, dann bitte: DANN BITTE!

DANN BIN ICH GERNE TEIL EINER ELITE, DES ESTABLISHMENTS, DER ALTPARTEIEN UND MIT WELCHEN SCHLAGWÖRTERN WIR UNSEREN MUND BESCHMUTZEN, WEIL WIR NICHT KAPIEREN, DASS SIE UNS VON DEN EWIGGESTRIGEN DORT HINEINGELEGT WERDEN.

Dann ist das so. Dann sind wir halt arrogant. Wir können über alles reden. Aber meinen Glauben an die Menschlichkeit kriegt ihr nicht.

DAS, WAS GERADE IN DEN USA PASSIERT, DAS, WAS IN EUROPA PASSIERT, IST NICHT NORMAL. WIR MÜSSEN UNS WEHREN. Und wenn das heißt, dass man peinlicher Weise anfängt, Sätze großzuschreiben, dann ist das so.

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