LITERATUR: Das kleine Sprachmonster

Im Bodensatz des Kaffebechers saß der Schalk. Er war mir aus dem Nacken gefallen. Ich putzte das letzte Gold aus meinem Morgenmund und schwieg, um nicht vollends ohne Edelmetall aus dem Haus zu gehen. Ich stieg in das Automobil, das entgegen seiner namentlichen Versprechung getreten werden musste, damit es fuhr. Ich fuhr bis aus der Haut.

Mein Vordermann war ein Sonntagsfahrer, aber nicht auf der Hut. Völlig schweißgebadet kam ich bei der Arbeit an und ersetzte den Zimmermann. Ich trat auf der Stelle, die ich seit einiger Zeit von der Agentur für Arbeit angenommen hatte, da ich angenommen hatte, sie wär die richtige für mich. Aber es stellte sich heraus, dass es nur eine Außenstelle war.

Ein paar Stufen höher war das Ende der Karriereleiter. Dort stand der Chef und reichte mir die Hand. Das reichte mir und ich übergab mich. Meinem Schicksal.

Ich öffnete die Tür mit einem Handumdrehen und bat die Sekretärin, mich von meiner Mutter abholen lassen zu dürfen. Die Hand war verstaucht. Aber meine Mutter war nicht erreichbar, also quasi eine Heldin für mich. Ich fühlte mich leer und ging alsdann ins Lehrerzimmer.

Dort waren weitere weise Willenlose und popelten Weisheiten aus der Nase. Da war selbst meine Nase weiß. Von Kaffeepulver.

Im Bodensatz des Kaffeebechers erkannte ich das Brett. Es war mir vom Kopf gefallen. Ich tat etwas Dummes und nichts passierte, weshalb ich aus dem Fenster schrie: Forrest Gumps Mutter ist eine Lügnerin. Das hörte der Boss Hugo.

Er empfahl mir Respekt, aber von dem lass ich mir mal gar nichts sagen. Ich hörte mich noch sagen: „Ich höre mich nichts sagen.“

Doch dann kam die Glocke und mir war klar: Schiller ist tot und ich muss los. Ich überwand die Tür und meinen Ekel und übergab mich ein weiteres Mal. Meinem Schicksal.

Ich trat in das hell erleuchtete Zimmer meiner Klasse und dachte: Warum nicht vielleicht doch Taxifahrer? Aber in metaphysischer Selbstreflektion war ich schon immer schlecht.

Wo waren wir? „Kant“, rief ein Schüler und ich war froh, nicht im Englischunterricht zu sein.

War ich aber. Ich erwiderte, dass den mein Geschlecht jawohl überhaupt nichts anginge. Aber das war schlecht. Alle lachten. Geh! Aus dem Zimmer, sagte ich, aber nichts passierte, außer meine mitgebrachten Tomaten.

Als endlich alle fertig gelacht hatten, fragte ich alle: Warum habt ihr denn so viel Humor in eurem Alter? Nicht mal in den Spiegel geguckt? Die Koalitionsgespräche laufen schlecht.

Ein rümpfte sein Gesicht, ohne die Nase. Das beeindruckte mich. „Nein“, sagte er, als ob ich nicht schon genug Negatives gehört hätte.

„Sie haben nur immer noch ihr Sprachmonster auf der Schulter sitzen.“

Die Hand klopfte auf die Stirn.

„Ach so“, sagte das Monster. Und schüttelte mich ab!

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