ANALYSE: Freiburger Inseltum: reloaded (virtuell) – Dreadlockökoweiber-Gate

Schon mal eins vorweg. Das Gate ist der klägliche Versuch, das, was nun kommt künstlich aufzuplustern und entspricht nicht meinem Sprachgebrauch. Es beansprucht den Charakter von Water- und Nippel-Gate (wer erinnert sich?), allerdings im Zusammenhang einer regen Diskussion der Seite „Du weißt, du bist Freiburger, wenn…“, die die typische Freiburger Charakteristik einer einseitigen Toleranz mal wieder wunderbar ans virtuelle Tageslicht brachte. Was war geschehen.

Der Stein des Anstoßes war folgender Artikel:

 

 

 

 

 

 

Dazu sollte man vielleicht sagen, dass die Seite, die nun erfolgreiche 12.563 Likes hat, eigentlich die eher positiven, lustigen oder humorvollen Seiten der Stadt sammelt und dem Facebook-Publikum präsentiert. Diesmal war es anders. Was in den nun 67 folgenden Kommentaren folgte war wieder einmal ein Beispiel des Freiburger Inseltums – dieses Mal verfrachtet in die virtuelle Welt.

Zunächst wurde der Beitrag als bekloppt bezeichnet (30 Likes).

Dann der polemische Kommentar zu Wagenburg (2 Likes).

Dann daraufhin der Kommentar, dass nun die anderen FDP-Wähler kämen (kein Like).

Dann einige Zustimmungen.

Dann einer, der sagt, dass ihn die Seite nerve (9 Likes).

Dann der erste Kommentar des Admins: diejenigen, die die Seite nicht mögen, brauchen sie ja nicht zu liken (19 Likes).

Dann die Reaktion: der Admin mache sich unbeliebt (7 Likes).

Dann die Gegenreaktion: der Admin sagte, sie haben so viele Likes wie nie zuvor und alles müssen sie sich nicht gefallen lassen. Der Kritiker solle doch eine andere Gruppe gründen (16 Likes).

Der Battle rastet aus.

Sie sollen sich nicht so aufplustern, kleine Mädchen mit Plüschbären hätten mehr Likes.

Admin: dann soll er halt nicht auf der Seite sein.

Reaktion: Meinungsfreiheit.

Admin: Eben. Dann geh!

Reaktion: persönlich angegriffen. Also: persönlicher Angriff.

Admin: Hau ab!

Nö!

Doch!

Ok!

(Den Rest sparen wir uns und schauen anstattdessen ein wenig die Sendung mit der Maus oder bereiten uns auf den 1. September vor)

Was ist hier passiert?

Das Ganze hat insofern etwas typisches für Freiburg, als dass es zeigt, dass die wirklichen Probleme dieser Inselstadt wohl zu klein sind, als dass man sich mit ihnen beschäftigen müsste (halt, klar, es dürfen keine Partys mehr gemacht werden. Der Bielefelder Bürgermeister schmeißt sich weg vor Lachen, Restdeutschland fasst sich beschämt an den Kopf).

Du bist Deutschland! Du bist Freiburg! Wir machen einfach das, was in diesem schönen Land dauernd gemacht wird. Wir kreieren uns unsere eigenen Probleme.

Das Web 2.0 zeigt hier seine schöne Seite. Ich erinnere mich gerne an die sogenannte Vollversammlung zurück, an der leider nur Geisteswissenschaftler teilnahmen. Da konnten dann alle böse auf die bösen Juristen sein. Warum waren die weg?, fragte ich mich auch. (An alle, die jetzt böse werden: mein bester Freund ist Jurist. Komischer Weise definiere ich ihn über andere Dinge).

Als dann eine Attac-Rednerin anfing und nicht mehr aufhörte zu reden, wusste ich, warum sie nicht da waren. (Liebe Attac-Freunde. Nicht ausrasten. Das ist leise Kritik). Denn es ging nicht mehr darum, dass man gemeinsam etwas beredet, sondern dass man seinen Standpunkt durchbringt, egal, was die anderen meinen.

Und so redet man und redet…

…aneinander vorbei!

Und nennt das dann Basisdemokratie.

Oder Web 2.0.

Versteht mich nicht falsch. Ich bin ja nicht besser. Aber warum schreibt denn kein Dreadlockökoweib, dass sie es gerne ist, anstatt eben dieses Klischee zu bedienen, indem sie es dann auch noch böse die Axt schwingend herausposaunt, diese Schande. Der Artikel war ein Augenzwinkern, aber die Reaktionen sind einfach nur in die Fresse.

Und warum sind diejenigen, die sich darüber lustig machen, dann die bösen FDP-Wähler. Warum gibt es kein dazwischen mehr?

Basisdemokratie, Web 2.0.

Das wäre, wenn einer seine Meinung sagt, und jemand anders, dass er die Meinung nicht mag und warum nicht.

Aber was machen wir? Wir steigern uns nach unten bis in den Kindergarten. Kindergarten auf der Insel.

Nein!

Doch!

Nö!

Ok!

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