Um eins vorwegzunehmen: Es gibt keinen Unterricht, über den ich so oft nachdenke wie den Englischunterricht in der Mittelstufe. Das hat viele Gründe. Der Wichtigste ist, dass man immer einen Spagat machen muss zwischen Progression und Nachhaltigkeit. Zwei Anregungen. 

„What do you remember about John?“ So oder so ähnlich beginnen oftmals neue Units in den Büchern, die man im Englischunterricht nutzt und aufgrund verschiedener Zwänge nutzen sollte. Wenn der Englischunterricht aber offen, frei und individuell ist, bedeutet das, das man gar nicht weiß, was mit John ist. Weil der eben in einem Text vorgestellt wird, den man gar nicht gelesen hat. Das heißt: Man muss das Buch quasi durcharbeiten und kann nur hier und da seine Fühler in andere Richtungen ausstrecken.

Für alle, die nun meinen, man könnte das Buch auch einfach zur Seite legen, nur ein Hinweis: Mehr als in vielen anderen Fächern bedeutet das Erlernen einer Sprache eine Progression der Kompetenzen. Die Autoren der Bücher sind alles andere als unbedarft. Die Kompetenzen bauen aufeinander auf. Eine Aufgabenstellung wie: „Was interessiert dich?“ ist in der Mittelstufe schwierig, weil die grundlegenden Kompetenzen erlernt sein müssen.

Dennoch gibt es Probleme, große wie kleine: Warum zum Teufel steht im Buch nirgendwo, wann man im Englischen den Artikel verwendet? Wie viel Zeit geht dafür drauf, zu sagen, dass es nicht „I go in the school.“ sondern „I go to school.“ heißt? Warum zum Teufel sollen die Schüler, die den Artikel nicht verwenden können, contact clauses lernen. Eine Variation des Relativsatzes, die man gut und gerne als Stilverschönerung Ender der 9. Klasse lernen könnte?

Aber selbst wenn man den progressiven Kompetenzaufbau annimmt, hat man das Problem der Nachhaltigkeit. Kennen die Schüler endlich die Unterscheidung zwischen den beiden Konditional-Sätzen, geht es schon zum Passiv. Das Schlüsselwort ist – wie es erfahrene Pädagogen nicht überraschen wird – Wiederholung. Und natürlich Nutzung. Ich kann etwas nicht „lernen“, wenn ich es auswendig lerne, ich muss es ständig wiederholen.

Aus diesem Grund werde ich eine klitzekleine und eine etwas größere Veränderung in meinem Englischunterricht vornehmen. Zum einen werde ich das folgende Arbeitsblatt ausgeben, das heruntergeladen werden kann. Dabei geht es darum, dass Schüler, auch wenn sie selbst meinen, dass ein Wort oder eine Phrase wichtig ist, sie diese nochmals extra aufschreiben. Das Blatt bleibt greifbar. Bei allen möglichen Aufgabenarten werden die Wörter eingebaut und, guess what“, sie verändern sich von passivem zu aktivem Wortschatz.

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Das andere ist: Ich werde meine Stunden etwas mehr standardisieren. Die These ist, dass eine sich wiederholende Struktur (die selbstverständlich flexibel geändert werden kann) dazu führt, dass Wiederholungsphasen ständiger Bestandteil des Unterrichts sind.

Mir ist es durchaus bewusst, dass ich auch das Buch einfach weglegen und alles selbst machen könnte. Aber dazu fehlt mir momentan nicht nur die Zeit, sondern auch die Kraft – denn ein solcher Schritt bedeutet eine Rechtfertigung auf allen Fronten. Aber ich hoffe, dass diese beiden Änderungen für mehr Nachhaltigkeit sorgen. Man darf gespannt sein.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Habt ihr dieselben Probleme? Wie geht ihr damit um?

 

 

 

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