Es war einer dieser Momente, in denen man sich wundert, dass das Internet tatsächlich nichts zu bieten hat: Im Jahre 2012, ich durchlebte gerade die Höhen und Tiefen des Referendariats, sollte ich eine Einheit zu einer Lektüre in der Oberstufe in Englisch durchführen. Da mich schon seit meinem Examen Utopien und Dystopien faszinierten (und dies sowohl in literarischer als auch in filmischer Umsetzung immer noch tun), suchte ich nach meinem Lieblingsroman dieses Genres: George Orwells 1984. Allein, es gab kein Material. 

Nun ist es nicht so, dass ich nicht liebend gerne selbst Material erstelle, jedoch war der Aufwand zur damaligen Zeit enorm hoch, da ich schon in Deutsch ein Buch, zu dem es kein Material gab, komplett selbst didaktisiert hatte. Ich musste also eine Alternative suchen und fand sie in Aldous Huxleys Dystopie „Brave New World“, die ich auch in der Doppelstunde meiner Englischlehrprobe unterrichtete.

6 Jahre später wunderte ich mich nicht schlecht. Obwohl, zumal nach Edwards Snowdens Leaks, Trumps Einzug ins Weiße Haus und diversen Überwachungskatastrophen, George Orwells Roman wieder in den Bestsellerlisten zu finden war, gab es dazu wenig bis nichts, das man im Unterricht nutzen könnte. Meine Anfragen dazu bei einem deutschen Schulbuchverlag blieben unbeantwortet. Bis zu dem Zeitpunkt, als ich bei Klett auf Gehör stieß. Zusammen mit meiner Kollegin Regina Leible, deren Fähigkeiten bei der Erstellung von Handreichungen, Präsentationen und Arbeitsblättern unübertroffen sind, machte ich mich an die Arbeit.

Der erste Teil dieser Arbeit ist nun vollendet. Die Annotationen liegen in den Regalen. Obwohl es „nur“ eine Art Vokabelzugabe ist, die 70 Jahre nach dem Tod des Autors, also in zwei Jahren, in eine Ausgabe eingearbeitet wird, bin ich, sind wir sehr glücklich über die Veröffentlichung. Zumal ich das Cover der jetzigen Ausgabe gerne mag.

Zum einen war es eine ganz neue Arbeit für mich. Es ging weder um die Formulierung neuer Gedanken wie bei einem Buch oder einem Artikel, noch um ein Lernszenario. Es ging vielmehr darum, sich so gut einzuarbeiten, dass Orwells Gedanken und seine manchmal schwierige Sprache für Lerner verständlicher wird. Dabei habe ich ungemein dazugelernt.

Die kompletten Annotationen sind in gemeinsamer Arbeit entstanden, mit vier bis fünf verschiedenen Wörterbüchern an der Hand, vielen Gesprächen und Fragen.

Es macht mich auf eine kindliche Weise stolz, einen klitzekleinen Teil zu einem Weltklassiker beigesteuert zu haben. Die Erkenntnisse, die dieser bietet, sind aktuell. Vor allem sind sie aber in einer Weise spannend, die man zunächst nicht vermuten würde, wenn man die typische Assoziation der Überwachung im Blick und in der Erinnerung hat.

Inwiefern dies so ist und welche Ansätze im Unterricht verfolgt werden können – all das wird hier noch eine Rolle spielen, braucht aber noch ein wenig Zeit. Bis dahin freue ich mich über den ersten Teil dieser Arbeit. Ich hoffe, dass viele Leser Orwells Meisterwerk wieder so entdecken können, wie ich es konnte, als ich zusammen mit meiner Kollegin die Annotationen erstellte. Vielleicht werden diese dabei helfen, diese zeitlosen Klassiker wiederzuentdecken.

2 KOMMENTARE

  1. Ich würde mich sehr über Orwells Klassiker mit Annotationen freuen, da ich aktuell im Referendariat bin und bisher noch keine Zeit hatte, das bekannte Werk zu lesen. Eure Ausgabe mit den mühsam erarbeiteten Annotationen würde sich perfekt als erstes Exemplar eignen.
    Viele Grüße 🙂

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