UNTERRICHT: Themen und Aspekte für den Werkvergleich

Welches Thema wird beim Werkvergleich ausgewählt?

Viele Abiturientinnen und Abiturienten bauen im Deutschabitur auf den Werkvergleich. Das ist unter anderem auch deshalb so, weil viele vermuten, dass man hier mit Bulemielernen weiterkommt. Dass man also einfach alles, was man über die Werke weiß, auswendig zu lernen und so zu einer guten Note kommen kann. Das ist nicht so. In einer Vorbemerkung wird kurz besprochen, weshalb. Darauf folgen mögliche Aspekte für einen Werkvergleich. Möglich deshalb, weil natürlich auch Themen drankommen können, mit denen man nicht rechnet. Deshalb ist dieser Text wie immer ohne Gewähr.

Eine Vorbemerkung

Auch wenn es anders meinen: Viel zu schreiben bringt in Deutsch keine Supernote. Viel zu wenig auch nicht, klar. Dennoch: Das, was zählt, auch wenn der Schwerpunkt beim Werkvergleich auf der zweiten Teilaufgabe, also dem Vergleich selbst liegt, ist, dass man eine sehr gute Textanalyse als Grundlage hat und dass man alles, was man schreibt, an der Ausgangsfrage, der Aufgabe und schließlich an seiner eigenen Deutungshypothese orientiert. Wenn man einfach drauflos schreibt, ist das nicht zu wenig, sondern kann ins Gegenteil umschlagen. Es ist schon viel vorgegeben, das man leicht ignoriert. So gibt die zweite Teilaufgabe, also jene zum Vergleich, schon einen Hinweis auf das Ergebnis der Textanalyse. Logisch. Denn würden die Analyseergebnisse zu einem Ergebnis führen, das man dann im Weiteren nicht gebrauchen könnte, wäre die erste Aufgabe ziemlich substanzlos.

Das bedeutet also: Ein sehr genaues Studium der Aufgabe, eine präzise Textanalyse mit einem eng umrissenen Ergebnis und eine kohärente Überleitung in die zweite Aufgabe sind zentral, wenn man einen guten Textvergleich schreiben will. Was dann folgt ist eben der Vergleich von Motiven, Themen oder Aspekten. Einige sind hier aufgelistet. Allerdings sei nochmals angemerkt, dass hier weder Anspruch auf Vollständigkeit und interpretatorischer Alternativlosigkeit gegeben werden kann. Einige Themen wurden auch schon im Abitur der letzten Jahre genutzt, so dass es unwahrscheinlich (aber nicht unmöglich) ist, dass sie drankommen.

Bisherige Themen

Hier könnt ihr auch helfen. Denn beim Ausschlussverfahren geht es nicht nur um die Themen, die schon im Abitur drankamen, sondern auch um die Nachschreibeklausuren. Unten sehr ihr eine Auflistung der Aufgaben aus dem Werkvergleich aus dem Artikel über die „Prognosen zu den Abituraufgaben.“ Wie ihr sehr sind die Bedeutung der Frauenfiguren, das Scheitern der Protagonisten, die Freiheit für die Ich-Erzähler und die Selbstbilder schon Themen bzw. Aufgaben gewesen. In einer Nachschreibeklausur ging es um das Thema „Tod“, das damit auch so gut wie aus dem Rennen ist.

Wenn jemand noch andere Themen aus den Nachschreibeklausuren kennt, kann er sie gerne kommentieren. Ich füge sie dann in den Artikel ein. In den hier folgenden Beschreibungen sind die oben angegebenen Angaben ausgelassen (dennoch: Gewähr besteht nicht). Auch die Rezeption der Werke, der epochenspezifische Zusammenhang und die Gattungsspezifik wird hier nicht erwähnt, da davon ausgegangen werden kann, dass in der Aufgabe nach einem inhaltlichen Aspekt gefragt wird, der auch auf der Grundlage des vorliegenden Textes bearbeitet werden kann. Ein hier auch nicht erwähnter und dennoch für die Vorbereitung wichtiger Aspekt ist die Raumgestaltung und -symbolik. Diese ist für das Verständnis der drei Werke unerlässlich, bietet sich jedoch sehr schwer bei einem Vergleich an (was es aber nicht ausschließt). Dies gilt auch für das, was in Agnes als „Spuren“ bezeichnet wird. In jedem Werk spielt das, was nach dem Tod kommt, eine Rolle. Diese ist aber so klein, dass eine Thematisierung doch verwunderlich wäre.

Aspekt Agnes 

Roman, 1998 in der Schweiz erschienen, Postmoderne als Literaturepoche

 

Homo Faber

Roman, 1957 in der Schweiz erschienen

Nachkriegszeit als Literaturepoche

Dantons Tod

Drama, 1835 in Deutschland im Vormärz erschienen

Verstand vs Gefühl Grundsätzlich verschieden bei den beiden Partnern. Erzähler lässt nicht zu, dass seine wirklichen Gefühle zum Vorschein kommen (Gedanken zu Anges‘ Text), es fällt ihm nach eigenen Angaben nicht leicht, über Gefühle zu reden und kann auch nichts mit denen anfangen, die Agnes ihm offenbart; Agnes selbst ist gegensätzlich, lehnt Gefühle zwar zunächst ab, aber sie erwachsen dann, Verstand soll eine Rolle bei der Konstruktion der Geschichte spielen, ändert jedoch die Realität, Erzähler ist sich seiner Wahrnehmung zunehmend nicht mehr sicher; es könnte sein, dass Agnes rational die Gefahr erkennt und flüchtet; dies ist aber nicht oder schwer am Text zu belegen. Faber ist zunächst jemand, der sich selbst als rational denkenden Menschen sieht, der alles objektiv erklärt. Er misst so dem Verstand eine sehr hohe Bedeutung zu, für ihn ist es das einzige Mittel der Welterschließung; als er Gefühle spürt, versucht er, sie zu marginalisieren, also kleiner zu machen; er versteht Frauen und ihre Gefühle nicht, will sich nicht binden (Ivy), sein Selbstbild verlangt ihm ab, dass er nicht emotional wird; scheitert damit nach dem Kennenlernen Sabeths; Abstand wird zu Nähe, Charakter verändert sich; Hannah als Mutter Schutzperson, aber trotz extremen Schmerzes sehr verstandsmäßiger Umgang mit Faber; Sabeth selbst sehr sensibel, offen für alles, interessiert und verliebt; kulturbegeistert und etwas naiv; lässt sich von Gefühlen leiten. Trotz der Herleitung der verstandesmäßigen Erfassung des Politischen eher emotional (melancholisch); insgesamt hin- und hergerissen zwischen Gefühl und Verstand, kurzes Aufflammen des politischen Ehrgeizes wird zur Resignation;

Robespierre als krankhaft tugendhafte Gestalt. Tugend als absolutes Prinzip der Welterfassung und -regelung; öffentlich sehr rational, privat ambivalent.  Realitätsverlust durch Überhöhung des Selbst und des Prinzipienanspruchs.

Realität vs Fiktion

 

 

Zentrales Motiv: Reales Leben wird zu fiktiver Geschichte, Fiktion erlangt Kontrolle über die Wirklichkeit, beschränkt die Freiheit, die Konstruktion der Wirklichkeit gerät außer Kontrolle; führt zu Selbstüberhöhung und Selbstüberschätzung des Erzählers, das Schriftmedium wird zum Manipulationsmedium, die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge verschwimmen. Faber erschafft sich durch den Glauben an die Rationalität seine eigene Realität, die durch den Leser als falsch erkannt werden kann. Er changiert zwischen Zugeständnissen und Verleumdung dessen, was ihn umgibt, die Diskrepanz zeigt sich in der Textbenennung als Bericht und dem wahren Charakter des Textes, die Perspektive wird nur durch Faber wahrgenommen, was die Realität zu einer halben Fiktion des psychisch labilen Fabers werden lässt.  Werkbezogen: Geschichte wird zu einer fiktiven Geschichte über reale Figuren, die Revolution wird zu einer Aufführung, einem Theaterstück über Weltanschauungen; weit weg von der tatsächlichen Wirklichkeit der einfachen Menschen;
Verantwortung und Schuld

 

 

 

Beschneidung der Menschlichkeit einer Geliebten auf die eigene Fiktion (vielleicht bis hinein in der Tod), Ablehnung des Kindes und Ablehnung des weiteren Zusammenseins trotz ersichtlicher Problematik für die (ehemals) Geliebte; schneller Wechsel von Bindungen; Erzähler nimmt Schuld nicht wahr oder verdrängt sie; gibt seinem Erzeugnis die Schuld, ohne seine Handlungen zu reflektieren. Zunächst wird die Verantwortung weggewischt und sie wird anderen gegeben. Im Zuge der Emotionalisierung durch Sabeth rückt die Verantwortung in den Fokus; Wichtiges wird dennoch weggelassen; Objektiv ist Schuld da: Verlassen seiner jüdischen Frau, Tod der Tochter und Inzest; Nur teilweise erkannte Schuld wird zum Antreiber des rechtfertigenden Berichts. Dantons Schuld schon zuvor bei seiner Mitwirkung an den Septembermorden. Wichtiges Handlungsmotiv (in dem Fall für das Nicht-Handeln); Schuld spiel nur persönlich und psychologisch eine Rolle, Rechtfertigung in der Öffentlichkeit; Robespierre als Gegenspieler sieht in den Ausführenden der Prinzipien keine Schuldigen.
Handlung und Lethargie (aktiv/passiv) Aktivität bezieht sich auf die destruktive Fiktion, unter der die Geliebte leiden muss; Erzähler zwar aktiv, aber Verklärung im Nachhinein (z.B. über das Kennenlernen). Nach dem Wechseln zu Luise lethargisch, passiv. Passiv auch, was die Hilfe für Agnes angeht, als diese das Kind verliert. Aktivität durch das Reisen, aber zunächst nicht kognitiv (gleichbleibenden Weltanschauung); Lässt sich treiben; Veränderung zur Aktivität (auch in der Wahrnehmung) erst durch Sabeth; Passivität als wichtigster Punkt der Schuldfrage (Inaktivität führt letztlich zum Tod) Passivität bis hin zur fatalistischen Lebensauffassung und Todessehnsucht; grundlegender, aber später Wandel; Aussichtslosigkeit der Situation lässt Danton zurück in der Lethargie versinken.
Kommunikation (Gesagtes/ Gemeintes) Namenloser personaler Erzähler schreibt im Erzählbericht (unterbrochen von Dialogen), Nonverbales Verhalten verdeutlicht Kommunikationsdefizit, Distanz des Erzählers zu Agnes wird deutlich; diese im Gegensatz zum sachlich-nüchternen personalen Erzähler emotional, differenziert; einiges wird ausgespart; einiges muss durch den Leser überprüft werden. Personaler Erzähler ist nicht vertrauenswürdig. Faber selbst ist Erzähler des Romans, den er Bericht nennt, was Objektivität suggeriert, die aber nicht eingehalten wird; er kommentiert dort, wo er seine Perspektive über die der anderen stellt; Bericht verändert sich durch die Emotionalisierung durch Hannah. Auch hier gibt es Leerstellen, die durch den kritischen Leser gefüllt werden müssen, Sprachverhalten zeigt zunächst kühle, bewusst gewollt rationale Betrachtung, die in Emotion umschlägt, nonverbale Reaktionen verdeutlichen Problematik der Kommunikationsstörung Wortwahl situationsbezogen, manchmal derbe (Straße), manchmal ausgeschmückt und rhetorisch brillant (Politik); insgesamt in Prosa gehalten, realistisch; Heterogenität der Sprecher und Register spiegelt die Gesellschaftsschichten.

 

Anknüpfungspunkt eventuell die Sprachwirkung gegenüber anderen. Macht und Gewalt von Sprache.

Medien

 

Film als wichtiges Darstellungsmedium (Beginn) wird zum symbolischen Distanzierungswerkzeug der beiden Protagonisten; Buch wird zu einer Kontrollinstanz, die die individuelle Freiheit der Protagonistin in der Vorwegnahme der Zukunft beschneidet und beeinträchtigt. Wohnung des Erzählers ist hermetisch abgeriegelt und sehr hoch. (Möglicher) Hinweis auf Kontrollverlust (auch Missverständnis der Etage). Technische Medien für den arbeitenden Menschen Faber als Mittel zur Weltbeschreibung und -objektivierung; Schreibmaschine; Kamera macht Subjekt zum Beobachter, erzeugt Distanz, Erlebnisse werden so bloß archiviert und nicht erlebt, Abbildungen der Wirklichkeit verdeutlichen später die Problematik der Selbstwahrnehmung. Anknüpfungspunkt auch hier die Distanz zwischen männlichen Protagonisten und ihren Frauen (und Kindern). Starker Unterschied. Mittel des Botenberichts als Mittel, die Leerstellen in der Handlung nachzuvollziehen (offenes Drama);

Weniger Medien als die symbolische Überhöhung des Selbst über das Mittel der Sprache (bei öffentlichen Auftritten).

Wissen/ Kultur Bildung spielt bei beiden Protagonisten eine Rolle; Agnes gebildet, Erzähler hat Minderwertigkeitskomplexe, nur Sachbuchautor, Agnes möchte keine Spuren hinterlassen Wissen einseitig auf den Aspekt des Technischen, Anwendbaren begrenzt; Welterklärungsmodell ausschließlich aufgrund von rationaler Anschauung; Wissen als Selbststilisierung; Hannah steht dazu im Kontrast; Kultur wird durch Faber als ablehnenswert gesehen; Kulturforscher als Kontrastfigur. Geschichte über Geschichte; politische Kultur; nah an wirklicher Geschichte.
Sinnsuche Zufall als Ausgangspunkt; Sinnsuche in der Kontrolle/ Macht, Sinnsuche erschwert durch Orientierungslosigkeit der Großstadt, Individualitätsverlust Zufall/ Schicksal; Sinn als Aneignung durch Technik, Definition über professionelles Auftreten; Sinnsuche erschwert durch Orientierungslosigkeit der Großstadt, Individualitätsverlust; Lebenslust (Epikur) und Lebensunlust als Dichotomie; Todessehnsucht als Sinn des Lebens; Existenz Gottes als Grund für Sinnsuche à Gottesbeweis verdeutlicht Sinnlosigkeit
Rollen Rollen spielen eine Rolle durch die Zuweisung der Fiktion; Agnes wird zur Figur des Erzählers, hierarchisch untergeordnet, tatsächliche Rolle von Agnes wird vom Erzähler ignoriert oder marginalisiert, Geschlechterverhältnis klischeehaft; Faber definiert sich über die Rolle des Mechanikers (als Homo Faber); Lebenskonzept schließt Emotionen zunächst aus à bricht nach Emotionalisierung zusammen; Rollenfixierung und Geschlechterklischees durch Erzähler, dennoch zunächst alles geprägt von Pragmatik des Erzählers Danton spielt den Politiker, Epikureer, eigentlich schon längst vom persönlichen Handlungsmotiv eingeholt; Revolution nicht mehr identifikatorisch, aus der Rolle gewachsen, stilisiert sich öffentlich zum Helden und Märtyrer;

 

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