ANALYSE: Xenismus-Phobie

 

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Wenn ich nicht weiter weiß, verstecke ich mich in die verbale Politik. Ich hülle das kalte Herz in die warmen Laken der unpassenden Vergleiche, gebrauche Fremdworte, die abundant sind. Abundant ist schlimmer als redundant, weil redundant wenigstens heißt, dass etwas überflüssig ist. Abundant ist etwas, wenn es aus Überfluss überflüssig ist.

Wenn ich also nicht weiter weiß, dann schwimme ich auf dem metaphorischen Meer der redundanten Abundanz. Wie ein Politiker, der Kurs hält auf eine Zielvorgabe. Der Würgereflex des unwissenden Rhetorikers äußert sich in dessen versteinerter Wortwahl.

Dann rede ich von kooperativem Kompetenzzuwachs innerhalb von institutionellen Rahmenbedingungen und schäme mich ein wenig, weil ich doch so gerne sagen würde, was ich meine. Aber da ich nicht weiß, was ich meine, meine ich lieber vor mich her und um die Themen herum.

Im Klub der anonymen Xenisten bin ich ein gern gesehener Gast, der durch Variabilität in Duktus und Artikulation den anderen Partizipierenden eine Emotion von Fortune gibt.

Nur manchmal, wenn ich alleine bin und Flora und Fauna um mich herum leben und die Erquicklichkeit des Lebens in all seinen Facetten in meine Augen promovieren, denke ich, eigentlich ist dies nur eine chronische Verbalkrankheit. Eigentlich leide ich unter Xenismus-Phobie. Ich hasse Fremdwörter.

Aber ich lasse mich immer wieder anstecken. Vielleicht sollte ich einfach weniger Nachrichten schauen.

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