Eine Unterrichtseinheit konzipieren: Einige praktische Tipps

In großen Gruppen auf Social Media wie Facebook und Google + wird immer wieder nach einzelnen Bestandteilen von Unterricht gefragt, die vermuten lassen, dass eine Übersicht über generelle Elemente einer Unterrichtseinheit auf der einen und dem Unterricht selbst auf der anderen Seite bestehen.

Das mag vielerlei Gründe haben: Zum einen lässt ein auf Effizienz gepoltes Studium oft keine Zeit mehr, die Möglichkeiten und Grenzen von Unterricht auszuloten. Zum anderen scheint es in einigen Seminaren an grob umrissenen Fixpunkten zu mangeln, an denen man sich orientieren kann. Dieser Artikel soll einige grundlegende Tipps geben, wie man einen Unterrichtsentwurf so konzipieren kann, dass er einen roten Faden, eine erkennbare Dramaturgie und eine transparente Struktur hat.[1] Es ist anzumerken, dass der Artikel zunächst als Grundlage für Junglehrer nach dem Referendariat angedacht war. Nachdem viele Fragen zu speziellen Themen des Entwurfs für das Referendariat kamen, werden auch hierzu einige Bemerkungen fallen. Da die Hilfe für die Sachanalyse gut ankam, fühlte sich der Autor bestärkt, auch zum Unterricht einen grundlegenden Artikel zu schreiben. Ich hoffe, er hilft weiter. 

 

  1. Allgemeine Hinweise zur Zielsetzung des Artikels

Unterricht ist immer dynamisch. Sein Gelingen hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, die sich mal mehr, mal weniger bestimmen lassen. Auch unterscheiden sich die persönlichen Vorlieben, Veranlagungen und Charaktereigenschaften einer Lehrperson oder einer Klasse gravierend.

Dies muss man berücksichtigen, wenn es darum geht, über Unterrichtseinheiten zu schreiben und zu lesen.

Auch sollte es klar sein, dass ein Unterrichtsentwurf für eine Einheit, wie er hier beschrieben wird, immer ein bestimmtes Ideal darstellt, das auch von Autor selbst nicht zu jeder Zeit umgesetzt werden kann. Es bestehen im Schulleben auch institutionelle Zwänge, die es immer wieder verhindern, eine planbare und durchweg stringente Struktur praktisch umzusetzen.

Trotzdem ist das Wissen um die Planbarkeit einer Unterrichtseinheit von Nutzen. Denn auch wenn es nicht gelingen sollte, alle Elemente umzusetzen, so helfen diese doch als Anker in einem Meer von Inhalten, Kompetenzen, Methoden und didaktischen Vorstellungen.

In diesem Artikel bezeichnet der Begriff „Unterrichtseinheit“ eine zusammenhängende, thematisch und inhaltlich abgegrenzte, dramaturgisch aufbereitete Unterrichtssequenz, die das klare Ziel hat, die Schüler_Innen bestimmte, das Fach betreffende Kompetenzen erarbeiten zu lassen.

Hierbei soll der Artikel eine Hilfe sein. Dass sich auch immer Abweichen auf Grundlage der unterschiedlichen Ausprägungen und Schwerpunkte der Fächer ergeben, ist ein Umstand, der nicht zu umgehen ist. Hier wird auf die genauen Details verzichtet und stattdessen ein „großes Ganzes“ betrachtet. Der Artikel baut auf den wichtigsten Elementen einer Unterrichtseinheit auf, die hierarchisch geordnet betrachtet und konkretisiert werden. Diese sind:

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  • Kompetenzen
  • Gegenstand
  • Dramaturgie
  • Umsetzungsmöglichkeiten
  • Didaktischer Rahmen
  • FAQ

Die Artikel beginnen mit einer imperativen Überschrift, die zeigen soll, auf was es ankommt.

 

 

  1. Kenne die Kompetenzen

Obwohl die sogenannte „Kompetenzorientierung“ schon seit 2004 in den Lehrplänen verankert ist, reißt die Kritik an ihr nicht ab (und das, wo schon der nächste Bildungsplan in den Startlöchern und teilweise in der Erprobungsphase ist). Der Hauptkritikpunkt ist der, dass eine Kompetenzorientierung, bei der es auf den Output ankommt („Was kann der Schüler?“) dasselbe ist wie die Fokussierung auf den Input („Was muss der Schüler lernen?“).

Das ist jedoch nur teilweise richtig. Den Unterschied zu kennen, bildet die Grundlage für eine gute Unterrichtseinheit. Prinzipiell sind Kompetenzen – wenn es sich nicht um kognitive Kompetenzen, die das Wissen um einen Gegenstand betreffen, oder psychomotorische, die oft nebenbei geschult werden, handelt – von den Inhalten unabhängig. Ob ich also die Fähigkeit zur Quellenanalyse in Geschichte anhand des Kaiserreichs oder der Stammesgeschichte von Papua Neuguinea unterrichte, ist zunächst einmal egal (natürlich könnte man einwenden, dass dann das Wissen um die deutsche Geschichte und ihre Chronologie fehle, aber das ist ein anderer Punkt). Das bedeutet ganz grundlegend: Wenn ich eine Unterrichtseinheit erstellen möchte, dann schaue ich zunächst, welche Kompetenzen die Schüler_Innen erlernen sollten.

Innerhalb der Umsetzung wird dies natürlich häufig anders gehandhabt. Anstatt im Bildungsplan nachzulesen, welche Lesekompetenzen gefördert werden müssen, lese ich als Deutschlehrer Jugendbücher und lasse die Klasse entscheiden, welches wir lesen wollen (oder entscheide es selbst). Erst dann schaue ich mir an, welche Kompetenzen anhand der Lektüre erlernt werden können. Natürlich ist das in Ordnung, aber organisatorisch geht es eben besser.

Wie auch immer es aber in der Praxis aussieht: Wenn zunächst die Kompetenzen bekannt sind, dann ist es durchaus einfacher, einen Rahmen zu etablieren, innerhalb dessen ich dann entscheiden kann, welcher Inhalt für die Erlernung der Kompetenz ausgesucht werden muss.

Manche Schulen haben interne Curricula[2], an die man sich wenden kann – oder sogar muss. Aber es bleibt dabei: Wenn die pädagogische Erwägung (zum Beispiel, weil in einer Klasse ein ,s Thema eine Rolle spielt) einen als Lehrperson dazu bringt, die Kompetenzen anhand eines anderen Gegenstandes einzuführen, dann sollte dies auch mit der Schule vereinbar sein (soweit dies nicht an monetären oder anderweitigen Problemen scheitert).

Wenn also die Kompetenzen, die ich in dem Jahr und vor allem in der Einheit erarbeiten möchte bekannt sind, dann kann man sich daran machen, einen Gegenstand für den Unterricht auszusuchen.

  1. Kenne den Gegenstand

Schacht_Oberschuir_20150324_0283_1500pxDie Worte „Gegenstand“ oder „Sache“ (auch thematisiert bei der für das Referendariat wichtigen „Sachanalyse“) sind eigentlich irreführend. Bei einer Ganzschrift wie „Wilhelm Tell“ ist es noch einleuchtend, aber wie kann etwa der Konjunktiv oder Bruchrechnen eine Sache sein?

Im Grunde genommen bezeichnet der Unterrichtsgegenstand den Inhalt, mithilfe dessen die Kompetenzen erworben werden sollen. Der Inhalt kann also ein Buch oder viele Zeitungstexte sein, die zum Beispiel für die Erarbeitung einer Erörterung gebraucht werden.

Zunächst einmal die gute Nachricht: Die Gegenstände/ Themen/ Sachen, die im Unterricht besprochen werden, sind sehr häufig schon durch didaktisch-methodisches Begleitmaterial organisiert und ausgeführt. Das bedeutet zwar nicht, dass man nicht hier und da etwas besser, anders oder es gar nicht machen könnte, aber auf diese Weise hat man schon einen schönen Rahmen. Das, was im Referendariat niemals angefasst werden darf (weil man denkt, man dürfe es nicht) ist hierbei besonders hilfreich: das Schulbuch!

Schulbücher haben es gerade in Zeiten immer weitergehender Nutzung von digitalen Medien schwer, da sie oftmals als träge oder unflexible Formate gesehen werden, die man nicht nutzen könne, wenn man guten Unterricht machen will. Das ist natürlich Quatsch. Gerade als junger Lehrer bilden gute Schulbücher gute Ausgangspunkte, um thematisch zu arbeiten und einen Gegenstand zu umreißen. Natürlich bedeutet das in keinem Fall, dass man nicht auch weiter arbeiten kann. Letztlich sollte man sich jedoch klar machen, dass gerade moderne Schulbücher die Kompetenzfokussierung beinhalten, die gefordert wird. So können sie das Leben zunächst erleichtern, bis man es sich zutraut, an eigenen Konzepten zu arbeiten. Vor allem aber bieten sie eine Grundlage für das, was für den gesamten Unterricht am schwierigsten zu erreichen ist: Eine verständliche und vor allem logische Dramaturgie.

 

  1. Kenne die Dramaturgie

Schacht_Oberschuir_20150324_0271_1500pxDas Wort Dramaturgie ist zumeist aus dem Theater oder dem Film bekannt und meint einen zuspitzenden Handlungsverlauf, dessen Ende natürlich variieren kann. Was den Unterricht angeht, ist das ähnlich. Eine logisch strukturierte (uns somit auch überzeugende Unterrichtseinheit) hat eine Dramaturgie, in der das eine auf das andere so folgt, dass es aufeinander aufbaut. Das ist gar nicht so einfach, weil man einerseits darauf achten muss, dass die Kompetenzen und deren Inhalte in so kleinen Teilen aufbereitet sind, dass sie nicht überfordern, und weil andererseits eine logische Struktur fordert, dass eine Gesamtheit entsteht.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel:

Der Konjunktiv spielt ab der 7. Bzw. 8. Klasse eine Rolle. Die Schüler_Innen sollen es schaffen, ihn bei indirekter Rede anzuwenden, so dass sie sprachlich zwischen ihrer eigenen Meinung und der anderer unterscheiden können.

Eine solche Einheit könnte also – ganz dröge und demotivierend – damit beginnen, was der Konjunktiv ist, ihn definieren und die Schüler_Innen könnten ihn dann mit zahlreichen Arbeitsblättern üben.

Dramaturgisch gesehen wäre dies fatal und ein typisches Beispiel langweiligen Grammatikunterrichts.

Im Sinne eines (immer noch in Mode seienden) entdeckenden Lernens könnten diese Kompetenzen anders ausgebaut sind. Wenn die Hauptkompetenz ist, dass die Schüler_Innen den Konjunktiv erkennen, verstehen und anwenden – kurz, beherrschen – können, würde sich der Gegenstand Kurzgeschichte oder Argumentation anbieten.

In beiden Fällen könnte zunächst mit alltagstauglichen Themen gearbeitet werden und erst nach und nach der Fokus verschoben werden. Dann allerdings, wenn es Sinn macht, wenn also der erstellte Rahmen eine Unterscheidung zwischen Meinung und Fremdmeinung nötig macht.

In diesem Sinne hätte man dann einen (nur sehr grob dargestellten) Vierschritt:

  1. Einstieg in das Thema (Impulse, Brainstormings, eigene Vermutungen)
  2. Thematische Erarbeitung (Lesen von Texten, Textbearbeitung, Recherche)
  3. Sprachliche Erarbeitung (Bezugnahme auf die Erarbeitungen)
  4. Eigene Anwendung

Schon bei einer solchen groben Umsetzung (die im Übrigen auch – in bestimmtem Maße – für andere Fächer oder Themen anwendbar ist) wird klar, dass es bei der einen Kompetenz nicht bleiben wird. Viele Kompetenzen, die schon in den nach den Hauptphasen stehenden Klammern zu finden sind, sind Teilkompetenzen, die sich aufbauen oder eben eher beiseite lassen können.

Eine solche schematische Vierteilung würde über den Daumen gepeilt etwa 8 Unterrichtsstunden ausmachen. Gleichzeitig nimmt eine solche Ausarbeitung (vor allem, wenn sie schon fortgeschritten ist) sehr viel zukünftige Arbeit ab, weil man zu jeder Zeit weiß, wo „man hin will“.

Speziell für Referendare

Wie die Einheiten begutachtet werden, unterscheidet sich in den Bundesländern. Oftmals wird gefordert, dass man aus einer größeren Einheit etwa 8 Stunden angibt, in denen man besucht werden kann. Hier sollte man vor allem auf zwei Dinge achten:

  • Man sollte die Stunden von vornherein so gestalten, dass man auch in jeder Stunde besucht werden kann. Sonst entsteht die Situation, dass man sich so sehr wünscht, in einer bestimmten Stunde besucht zu werden, dass man, wird die andere ausgewählt, verzweifelt.
  • Die Stunden sollten mit einer guten Überschrift versehen werden, die den Kern der Stunde erklärt. Ein einfaches „Einstieg in das Thema“ wie oben zu sehen ist, wäre viel zu allgemein. „Er sagte, sie sagte… Kurzgeschichten über dich und mich“ hingegen wäre deutlich besser.

Hier aber noch eine Warnung: Durch den Bildungsföderalismus ist es schwierig, allgemein gültige Aussagen zu machen. Erkundigt euch auf jeden Fall bei eurem Fachleiter und richtet euch nach dessen Aussage.

  1. Kenne die Umsetzungsmöglichkeiten

Svens_Kreationen_20141227_0188_7000px_print_1500px_websiteDie Umsetzungsmöglichkeiten sind das, was im Unterrichtsentwurf meist „Methode“ genannt wird. Einige nennen es auch „didaktisch-methodische Umsetzung“ wobei beide Begriffe nicht trennscharf separiert sind.

Letztlich geht es um das Wie. Über die verschiedenen Formen des Unterrichts gibt es Bücher wie Sand am Meer, deshalb können hier nur einige grundlegende Aspekte berücksichtigt werden.

Erneut ist darauf hinzuweisen, dass ein über alle Schulformen und Klassen angestrebtes Ideal für einzelne Unterrichtsstunden, vor allem vor dem Hintergrund föderaler Strukturen (und somit unterschiedlicher Ansprüche) schwierig ist.

Zunächst zu der Wichtigkeit des unterrichtlichen Rahmens. Wie in den Absätzen zuvor beschrieben wurde, weiß die Lehrperson zu dem Zeitpunkt, an dem sie die einzelnen Unterrichtsstunden plant, worauf sie hinaus will, d.h. was der Unterrichtsgegenstand ist, was die Kompetenzen sind, die erarbeitet werden sollen, und nach welcher groben Dramaturgie diese umgesetzt werden sollen.

Jeder, der das Referendariat beginnt oder auch als Lehrperson schon länger dabei ist, weiß, dass Unterricht normalerweise aus drei groben Phasen besteht (auch wenn sich diese je nachdem, ob es sich um eine Einzel- oder eine Doppelstunde handelt, unterscheiden können). Es kann nicht darum gehen, eine Sammlung von Beispielen für die einzelnen Phasen anzugeben, sondern nur, die jeweilige Funktion der Unterrichtsphase zu erläutern (für all jene, die gerne eine Sammlung anlegen wollen, so dass die Allgemeinheit profitiert, lege ich in Klammern ein Google-Docs-Dokument an, das jeder, der möchte, bearbeiten kann. So profitieren alle.)

Einstieg (Google-Docs-Einstieg)

Obwohl der Einstieg in den Unterricht ein sehr wichtiger Teil einer gelingenden Schulstunde ist, ist es im Unterrichtsalltag schwierig, diesen stringent einzubauen. Es muss Organisatorisches geklärt, Geld eingesammelt oder Absprachen getätigt werden. Es gibt verschiedene Strategien, wie man mit diesem Problem umgehen kann. Eine ist, vor der Begrüßung alles zu klären, was zu klären ist und thematisch nicht zum Unterricht passt.

Nach einer personalisierten Begrüßung soll der Einstieg dann auf das Thema leiten. Auch hier ist es sehr von den Fächern abhängig, was sich anbietet. Generell kann man jedoch sagen, dass ein sehr guter Einstieg schon mit dem Schluss der Stunde (also der Vertiefung, Weiterarbeit oder Übung) zusammenhängt. So ist er quasi der Anfang eines roten Fadens.

Um den Einstieg nach dieser Maßgabe zu erstellen, muss man die Kompetenzen genau wissen. Es ist – um ein konkretes Beispiel zu nehmen – ein großer Unterschied, ob ich ein Bild eines historischen Ereignisses als bloßen Impuls nehme, der einer Problematisierung dient, oder ob es mir daran gelegen ist, die Methode der Bildbeschreibung zu erarbeiten. Fragestellungen sowie Impulse zu dem Bild würden sich unterscheiden.

Neben den unterschiedlichsten Einstiegsmöglichkeiten (die sich hoffentlich bald in dem Verlinkten Dokument finden) ist es aber durchaus legitim, den Einstieg als ein Ritual zu gestalten, um z.B. eine Klasse auf ein gemeinsames soziales Ziel hinzuleiten. Man darf sich nicht der Vorstellung hingeben, dass man das Rad in jeder Stunde neu erfinden müsse.

Erarbeitungsphase (Google-Docs-Erarbeitung)

Die Erarbeitungsphase ist enorm wichtig für die selbstverantwortliche Arbeit der Schüler_Innen und bietet die Möglichkeit für den Lehrer, unterstützend einzuwirken. Die Sozialformen können sich stark unterscheiden. Neben all den „modernen“ Sozialformen sollte man nicht vergessen, dass hier auch eine längere Einzelarbeit die Möglichkeit für Binnendifferenzierung gibt. Gruppenarbeiten (wie man selbst sie in der Schule oft nicht besonders gemocht hat) bieten sich nur dann an, wenn sie – und das sollte jeder vor der Planung klären – funktional eingebunden werden können. Wenn das Thema also die Erarbeitung einer grammatikalischen Struktur ist, bei der sich jeder zumindest die Zähne ausbeißen sollte, bietet sich eine (nicht organisierte) Gruppenarbeit weniger an, als bei einer Aufgabe, bei der jeder sein Wissen einbringen kann (wie bei einem Gruppenpuzzle oder einer Placemat). Wichtig bleibt, dass der zuvor besprochene Einstieg eben auf die Arbeit hinleitet, die die Schüler_Innen dann tun.

Neben den Präsentationen, die Schüler_Innen meist nach einer längeren gemeinsamen Arbeit halten (und die genügend gewürdigt werden sollte, mitsamt Feedback und unterstützenden Tipps) folgt als nächstes zumeist das, was als Transfer bekannt ist.

Normalerweise ist das die eigenständige Arbeit an weiterführenden oder tiefer gehenden Fragestellungen.

Auf Fragen der Gelenkstellen wird unter FAQ noch zu sprechen sein.

Schluss (Google-Docs-Schluss)

Der Schluss rundet die Stunde ab. Auch hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie man dies gestalten kann. Es ist wichtig darauf hinzuarbeiten, dass man es in der Zeit schafft, da die Stunden ansonsten „ausfransen“ und so schon 5-10 Minuten zu früh Unruhe entstehen kann.

Bezieht sich der Schluss auf den Einstieg und die Bearbeitungsphase, kann man von einer runden Stunde sprechen. Dies ist allerdings auch der Fall, wenn man auch hier ein besonderes Ritual hat. Beispielsweise kann der Inhalt der Unterrichtsstunde von einem Schüler rekapituliert werden (in dem Sinne: Was haben wir heute gelernt?). Auf diese Weise ist immer klar, wann die Stunde vorbei ist.

Noch eine kleine Anmerkung: Das Stellen von Hausaufgaben gehört auch in die Stunde. Sowohl die Zeit, die man braucht, um diese aufzuschreiben als auch die Zeit, die Schüler für’s Abschreiben brauchen, muss eingeplant werden, da die Schüler sonst um die verdiente Pause gebracht werden, was sich auf die nächsten Stunden auswirken kann. Wenn man es nicht schafft und trotzdem weitermacht, kann es auch zu kollegialen Unstimmigkeiten kommen, die im Sinne eines Schulfriedens natürlich vermieden werden sollten.

Speziell für Referendare

Zunächst einmal eine Anmerkung zur Entlastung. Man sollte sich nicht den Illusionen hingeben, dass die Fachleiter irgendetwas sehen sollen, was sie noch nie gesehen haben. Um das geflügelte Wort nochmals zu verwenden: Das Rad muss nicht neu erfunden werden. Auch – und das sollten sich alle einprägen – sollte es nicht darum gehen, wer das größte, am besten mannshohe Modell baut, ausschneidet oder beschriftet. Die meisten (leider nicht alle) Fachleiter wissen um den Schulalltag und fordern zunehmend eine angemessene Vorbereitung. Das heißt nicht, dass man schludern sollte, aber es heißt eben auch nicht, dass man tagelang ausschneiden sollte (natürlich sollte man das immer mit dem Fachleiter absprechen, für die Konsequenzen aus diesen Tipps kann ich natürlich nicht garantieren).

Im Grunde genommen geht es hier vielmehr darum, dass sowohl Einstieg, Erarbeitung und Schluss in nachvollziehbarer, der Klasse angemessener Weise aufeinander aufbauen, d.h.

  • Dass schon der Einstieg (s.o.) auf das genaue Thema hinführt
  • Dass möglichst viele Schüler_Innen in den Unterricht einbezogen sind (breite Aktivierung)
  • Dass die Arbeitsweisen dem Thema angemessen sind
  • Dass es Möglichkeiten (wenn auch kleine) der Bewegung gibt (z.B. bei durch eine Evaluationsskulptur, Vier-Ecken-Methode, Gallerielauf, etc).
  • Dass sich die Lehrperson in Phasen der Schülerzentrierung auch zurücknimmt
  • Dass der Redeanteil generell nicht so hoch ist (und das Lehrerecho vermieden wird)
  • Dass die Fragestellungen klar und unmissverständlich sind (daran arbeite ich seit Jahren und bin immer noch nicht an dem Punkt, an dem ich gerne sein würde)
  • Dass es dem Thema angemessene Methodenwechsel gibt
  • Dass eine Rückmeldekultur geschaffen wurde, die Schülerbeiträge angemessen würdigt.

Zu guter Letzt noch eine Information zu Ritualen. Man hat als Referendar leider häufig keine Zeit für die so immens wichtige Beziehungsarbeit. Man sollte trotzdem versuchen, sie sich zu nehmen. Dazu gehören auch die schon angesprochenen Rituale. Sie helfen nicht nur, einen für die Klasse nachvollziehbaren Rahmen zu schaffen, sondern zeigen auch dem Fachleiter, dass man nicht nur auf den Punkt vorbereitet hat, sondern der Längerfristigkeit seines Berufes gerecht zu werden versucht.

  1. Kenne den didaktischen Rahmen

IMG_0220Oftmals wird die didaktische Theorie in einen Topf mit der methodischen Umsetzung geworfen. Das führt in die Irre. Während das Letztere die konkrete Umsetzung innerhalb einer Stunde ist, handelt es sich beim Ersteren um einen Rahmen, der Schüler_Innen, Ausgangssituation und Entwicklungsstand einschließt. Damit wir uns richtig verstehen: Nach dem Referendariat als Lehrer_In wird es relativ selten vorkommen, dass man Piaget zitiert, um die Problematik einer Klasse zu analysieren. Was jedoch eine Rolle spielt und auch immer spielen wird, ist das die im Referendariat besprochenen Theorien eine Hilfestellung für etwaige Probleme darstellen können. Auf dieser Grundlage kann man dann eine Planänderung vornehmen (so geschehen in einer 6. Klasse, die kognitiv noch nicht weit genug war, um einfache Metaphern nachvollziehen zu können). Das, was ich hier den didaktischen Rahmen nenne, ist also das gesamte Fundament derjenigen Elemente, die zu den bloßen unterrichtlichen Umsetzungsmöglichkeiten eine Rolle spielen.

Speziell für Referendare

In den meisten Ausbildungszentren für Referendare müssen am Ende mündliche Kolloquien durchgeführt werden, in denen man zu pädagogischen und didaktischen Themen befragt wird und – und das ist zu betonen – diese auf den eigenen Unterricht anwendet.

Durch die Arbeit im APR-Freiburg (Ausbildungspersonalrat) hörte ich oftmals von der Schwierigkeit, sehr abstrakte Theorien nachträglich auf den Unterricht zu beziehen, deshalb bietet es sich sehr an, Theorien und Erklärungen, die man im Seminar mitbekommt, direkt (eine nach der anderen) auf die Situation anzuwenden, in der man sich gerade befindet (natürlich nur, wenn es sich anbietet).

Das hört sich viel an, aber hat den enormen Vorteil, dass die Theorien durch das eigene Arbeiten verstehbar werden. Ja, man spart sich sogar enorm viel Zeit gegen Ende der Ausbildung, da man die meisten Theorien durch Anwendung nicht mehr auswendig lernen braucht, sondern sie durch ihre Umsetzung gut verstanden hat.

Es bietet sich an

  • Eine Theorie auszusuchen
  • Diese nach dem eigenen Unterricht mit der Situation zu verbinden
  • Eine kleine Reflexion zu schreiben

 

  1. FAQ (Speziell für Referendare)

Wie bekomme ich gute Gelenkstellen hin?

Dies war die erste Frage, die auf Facebook gestellt wurde. Sie ist in der Tat nicht einfach zu beantworten. Ganz allgemein geht es darum, dass Überleitungen nicht alleine stehen, also: „Als nächstes machen wir.“

Meine damalige Fachleiterin erklärte dies unserem damaligen Kurs mit dem Beispiel eines Textes. Schlecht wäre eine unverbindliche Aussage: „Und jetzt lesen wir einen Text.“ Besser wäre, den Inhalt des Textes direkt abzusprechen:

„Mit dieser (vorangegangenen) Frage beschäftigt sich auch der Autor, indem er sie problematisiert.“

Als nächstes würden die Texte ausgesteilt und die Aufgabe vorgestellt. Gelenkstellen sind also im wahrsten Sinne des Wortes Gelenke oder kleine Zahnrädchen, mit denen sich die Teile so verbinden lassen sollen, dass kein thematischer Bruch passiert.

Wie schaffe ich eine gelingende Binnendifferenzierung?

Binnendifferenzierung und unterschiedliche Niveaustufen werden immer wichtiger. Auch hier ist die Antwort nicht einfach. Denn wenn man Binnendifferenzierung ernst nimmt, dann wird das komplette Ideal von Unterricht in Frage gestellt. Teilweise würden Phasen wegfallen und Schüler_Innen würden nur noch mit eigens erstellten Wochenplänen arbeiten. Das, was also hier als Antwort dient, ist innerhalb des Rahmens einer weitgehend homogenen Unterrichtsgestaltung.

Der sicherste Weg eine Binnendifferenzierung zu erhalten, ist es, Expertenfragen und Aufgaben zur Verfügung zu stellen, die ein Thema für diejenigen interessant machen, die schnell oder besonders gut sind. Auf diese Weise langweilen sie sich nicht und haben eine Herausforderung.

Gleichzeitig ist auch eine methodische Herangehensweise möglich. Zum Beispiel durch ein Lerntempoduett, bei dem sich diejenigen, die fertig sind, melden, treffen und ihre Ergebnisse besprechen. Solcherlei Methoden sollten jedoch nicht nur einmal geübt worden sein, sondern zum natürlichen Repertoire der Klasse gehören, da es blöd ist, wenn die noch so gute Methode in der Besuchsstunde oder Lehrprobe misslingt.

Wie werde ich den unterschiedlichen Anforderungen gerecht?

Fast jeder hat im Referendariat schon einmal folgende Situation gehabt: Der Fachleiter 1 sagt, dass man bei Thema Q immer ein Vorgehen beherzigen sollte: A kommt vor B.

Man macht also fröhlich eine Besuchsstunde, die so ist und der Mentor sagt, wie selbstverständlich, ob man nicht wisse, dass bei Thema Q immer B vor A komme. Das verwirrt oder ist schlicht ärgerlich. Deshalb ist es extrem wichtig, die Grundlagen zu kennen (wie es hier versucht wurde) und trotzdem sehr genau auf die Rückmeldung des Fachleiters Acht zu geben oder nachzufragen, was dieser möchte. Keinesfalls ist jeder, die seinen eigenen Weg geht und mit einer schlechten Note abgestraft wird, ein schlechter Lehrer. Aber wenn man die persönlichen Vorlieben seines Fachleiters oder Prüfers kennt, erspart man sich eine Menge Ärger.

Übersicht der verschiedenen Denkschritte (mit herzlichem Dank an meine Kollegin  @frandevol , die diesen Artikel auch Korrektur las)

Unterrichtsentwurf Ablaufplan

Ein weiterer herzlicher Dank an @t_clemens für wie immer fantastische Bilder.

[1] Obwohl der Autor dieses Textes durch digitale Vernetzung und wöchentliches Bloggen didaktische und methodische Hintergrundkenntnisse hat, muss darauf hingewiesen werden, dass dieser Text rein subjektiver Natur ist. Einige weiterführende Überlegungen werden in die Fußnoten verlagert. Konstruktive Kritik sowohl Konzeption als auch Fachvokabular betreffend, kann gerne in den Fußnoten geäußert werden.

[2] In einem solchen Schulcurriculum kann zum Beispiel festgelegt sein, welche Lektüren man liest oder welches Thema in welchem Jahr behandelt werden soll. Das hat Vor- und Nachteile. Ein Nachteil ist, dass die persönliche Freiheit bei der Erstellung und Organisation von Inhalten beschränkt ist. Ein großer Vorteil ist allerdings auch, dass man sich kollegial austauschen und weiterhelfen kann.

Habt ihr Fragen, Anregungen oder Kritik? Ich freue mich über Kommentare. 

 

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2 Kommentare zu Eine Unterrichtseinheit konzipieren: Einige praktische Tipps

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