UNTERRICHT: Eine Rede analysieren

Foto: Thomas Clemens

Politische Reden zu analysieren ist Teil der gymnasialen Bildung. Bei der Analyse von Reden, seien sie nun real wie beispielsweise die Amtsantrittsrede von Donald Trump oder fiktiv wie die Rede von Robespierre oder Danton vorm Nationalkonvent, sind bestimmte Aspekte besonders wichtig. Im Gegensatz zu einem normalen Wortwechsel sind politische Reden immer mit einer besonderen Vorsicht, einem Ziel und sprachlichen Überzeugungsstrategien verfasst, die es bei der Analyse zu berücksichtigen gilt.  

Situation und Kontext

Situation und Kontext sind wichtig, um festzustellen, wo die Rede gehalten wurde. Oftmals hat der Ort eine besondere Bedeutung von den Redner, die Rede oder das Publikum. Sie kann der Rede eine besondere Dimension geben, die analysiert werden kann.

Ort, Zeit, Tageszeit, Institution, Zusammenhang

Aufbau der Rede               

Bei der Analyse des Aufbaus unterscheidet sich die Analyse nicht sehr von der von Prosatexten. Man versucht, verschiedene, thematisch eigenständige Sinnesabschnitte zu finden, damit man nicht „einen großen Brocken“ analysiert, sondern kleinere „Happen“.

Gliederung der Rede/Teile der Rede

Redner und Zuhörer         

Bei Reden muss man immer davon ausgehen, dass das Vorwissen der Zuhörenden entscheidend ist. Nur, wenn diese auf einem bestimmten Stand sind, kann die Rede funktionieren. Das gilt auch für jene, die die Rede hören und eigentlich anderer Meinung sind. Man kann auch sagen: Dieselbe Rede vor einem anderen Publikum würde einmal erfolgreich sein, während sie das andere Mal keine Wirkung entfaltet. Um das Wissen des Publikums einzubeziehen, kann die Vorgeschichte wichtig sein.

Wer spricht zu wem? Rolle und Funktion des Redners?
Stellung des Redners in den Augen der Zuhörer.

Redetyp (politische Rede, Gerichtsrede, Wahlrede,
Festrede usw.)

Inhalt

Das Wichtigste ist und bleibt der Inhalt. Dabei entscheidet sich die Untersuchung nicht sehr von der Analyse eines Prosatextes.                                     

Thema der Rede, Teilaspekte des Themas, zentrale Aussage

Redeintention                     

Die Redeintention ist ein Aspekt, der der Rede eigen ist. Man analysiert, was der Redner mit seiner Rede erreichen möchte. Dies lässt sich wieder auf die Zuhörer beziehen.

Ziel/Zweck der Rede

Wirkungsabsicht und entsprechende Sprechakte:  erklären, informieren, appellieren, aufrütteln, angreifen, rechtfertigen, Wir-Gefühl vermitteln, beruhigen, … 

Argumentation

Wie bei eigenen Erörterungsaufsätzen ist die Argumentationsstruktur besonders wichtig, da man davon ausgehen muss, dass der Redner das Publikum überzeugen will, um sein Ziel zu erreichen. Somit ist die Argumentationsstruktur auch immer mit dem Ziel bzw. dem Zweck der Rede in Beziehung zu setzen.                    

Argumentation: zentrale Argumente, Verknüpfungen,
Schlussfolgerungen, Argumentationslinie, Höhepunkte der Rede

Strategien des Redners

Man kann hier auch von Redestrategien sprechen. Es geht darum, mit welchen (stilistischen) Mitteln der Redner versucht, seine Argumente hervorzubringen.

Diskursive Strategie: informieren, argumentieren, entwickeln, folgern, sachliche Sprechhaltung

Manipulative Strategie: polarisieren, abwerten/aufwerten; unterstellen, etwas verbergen, polemisieren, ein­schüchtern, plakativ vereinfachen, Emotionen (Angst,Hass, Unsicherheit) nützen oder heraufbeschwören, dramatisieren, emotional/aggressive Sprechhaltung

Sprachlich-rhetorische Gestaltung       

Die „feinste“ Ebene, die man bei der Gestaltung einer Rede anschauen kann, ist die sprachliche. Hier geht es bis hinein in die Wortwahl des Redners, die wiederum viel über ihn, seine Ziele und seine Argumentationsstrategie verraten kann.            

Es gibt viele Aspekte, die dahingehend betrachtet werden können.         

Vokabular: Schlagwörter, Hochwertwörter
(und entsprechende Gegenbegriffe / Antonyme = Gegensatzwort)

Atmosphärisch wichtige Adjektive, Verben

Satzbau: dominante Satzarten, Länge /
Kürze der Sätze, para- oder hypotaktischer Satzbau

Bildlichkeit: Vergleiche, Metaphern, Symbole

Rhetorische  Figuren: Übertreibungen, (Hyperbel), Antithesen, Figuren der Steigerung (Aufzählung, Trikolon [= ein dreigliedriger Satz, etwa „Ich kam, ich sah, ich siegte.“, im Lateinischen „Veni vidi vici“.], Klimax),Anapher, Parallelismus etc.

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UNTERRICHT: Die Einordnung einer Szene in den Kontext des Dramas

Die Einordnung einer Szene in den Kontext des Dramas bedeutet eine kurze Hinführung vor dem Hintergrund der bisherigen Handlung des Werkes. Diese Hinführung ist keine Inhaltsangabe. Sie soll stattdessen zielführend auf die wichtigsten Themen der Textstelle vorbereiten. Eine Hinführung kann daher erst dann erfolgen, wenn die TextsteIle genau gelesen und eine erste Analyse erfolgt ist. Sie steht als erster Teil zu Beginn des Hauptteils eines Interpretationsaufsatzes. An dieser Stelle finden sich einige Anmerkungen zu Fehlern und konkrete sprachliche Hinweise fürs Schreiben. 

Die Hinführung ist vorzustellen wie ein Fernrohr, das auf die TextsteIle hinzoomt: Alles Wichtige erscheint groß; alles Unwichtige ist entweder nicht zu sehen oder erscheint sehr klein.

Checkliste für die Einordnung:

  • Welche Basisinformationen werden zum Verständnis benötigt: Thema des Dramas, in der Szene wichtige Figuren, Grundkonflikt?
  • Welche Themen und Handlungsstränge werden in der Szene angesprochen?
  • Wo finden sich im Vorfeld der zu besprechenden Szene diese Handlungsstränge oder Themen?

Typische Fehler

  1. Aufsatz hat keine Struktur
    Überlegt euch ein Konzept, in welcher Reihenfolge ihr den Szenenauszug analysiert. Hilfsfragen:
    Wie ist die Szene aufgebaut? (zwei, drei oder vier Teile)
    Beschäftige ich mich zuerst mit der einen, dann mit der anderen Figur in dem Dialog oder folge ich dem Dialogverlauf?
    Wie baue ich die Sprachanalyse ein?
    Jedem Sinnabschnitt entspricht ein formaler Abschnitt (d.h. eine neue Zeile im Aufsatz)
  2. Zusammenhänge bleiben unklar
    Personen müssen bei der ersten Erwähnung kurz eingeführt werden (z.B. Robespierre, der Gegenspieler von Danton; die Hauptfigur Danton; Julie, die Ehefrau von Danton).
    Der inhaltliche Zusammenhang muss für den Leser des Aufsatzes hergestellt werden (z.B. Wer sagt das Zitat in welchem Zusammenhang und mit welcher Absicht?)
  3. Es wird paraphrasiert und nicht interpretiert.
    Ihr müsst über dem Text stehen und gewissermaßen auf hin herabschauen (urteilen, bewerten, sprachliches Mittel benennen, Absichten verdeutlichen …)
  4. Bei der Kontextuierung wird lange nacherzählt und es ist kein Fokus zu erkennen.

„Flaggensätze“ für die systematische Textanalyse

Blick über das Textganze

  • Dies ist etwas, das sich durch die gesamte Textstelle zieht.
  • Wichtig für den Verlauf des Gesprächs ist auf jeden Fall, dass…
  • XY dominiert das Gespräch.

Aspektorientierte Systematik

  • Exemplarisch kann man dies sehen, als…
  • Das gleiche Muster kann man später ein weiteres Mal erkennen, als…
  • Diese Eindruck wird dadurch unterstützt, dass…
  • Zunächst muss man erwähnen, dass
  • Als ein weiterer charakteristischer Zug im Gespräch mit… kann man…erkennen
  • Des Weiteren…
  • Hinsichtlich der Kommunikation zwischen den beiden kann man sagen…
  • Sein Überlegenheitsgefühl wird auch darin deutlich, dass
  • Ein weiteres Indiz für … kann …gewertet werden

Textstrukturierung

  • Im ersten Teil der Szene / des Gesprächs…
  • Bereits nach wenigen Worten zeigt sich…
  • Zuallererst fällt auf, dass…

An solchen Sätzen erkennt man, dass systematisch gearbeitet wurde. Sie ersetzen diese Arbeit aber natürlich nicht. Nur wer die Szene und den gesamten Zusammenhang verstanden hat und nachvollziehbar begründet, zeigt mit diesem Sätzen dieses Verständnis auf.

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UNTERRICHT: Szenenanalyse: Gespräche und Dialoge untersuchen

Szenen eines Dramas zu untersuchen, um darüber schreiben zu können, unterscheidet sich zwar nicht grundlegend zu anderen Interpretationen (was die Analyse von Sprache und Bedeutung des Gesprochenen angeht). Allerdings gibt es doch Unterschiede, die aus der Tatsache herrühren, dass es sich beim Drama um eine Textform handelt, die bestimmte Besonderheiten gegenüber Lyrik und Epik hat. Diese gilt es in den Blick zu nehmen. 

Wie immer  kann man ohne eine bestimmte Szene nie sagen, welcher Aspekt nun am wichtigsten ist. Das ist vielmehr die Aufgabe des Interpreten. Insofern können alle hier genannten Aspekte von Bedeutung sein. Welche insbesondere wichtig sind, hängt von der Aufgabenstellung und dem Fokus der Analyse ab.

Aspekte und Fragestellungen

Erschließung von Situation, Kontext und Inhalt:

Überblick über die Szene: Figuren, Ort, Zeit, „Titel“ der Szene [Szenenüberschrift]

Einordnung:

In welchem Zshg. steht die Szene mit der vorangehenden Handlung?/Stand der Konfliktentwicklung? [vgl. Akt – Gliederung] ; evtl. Folgen der Szene

Möglichkeiten einer Gliederung der Szene in Teilszenen; Veränderungen in Ort und Personen?

Handlung:

Gibt es handlungsauslösende Maßnahmen, Verhaltensweisen, Entscheidungen? Was ergibt ein Vergleich von Anfang und Ende der Szene (Veränderungen, Entwicklungen)? Sind Handlungsmuster erkennbar (Komplikation/Konflikt und entsprechend Entwicklung/Lösung/ Verschärfung des Konflikts/der Komplikation)? Verhältnis von Handlung und Reflexion.

Thema/Motive:

Worum geht es in dem Dialog/in den Gesprächen? Gibt es zentrale Themen; angedeutete/verdeckte Themen? Spielen die Themen an anderen Stellen des Stücks eine Rolle?

 Figuren/ Figurenkonstellation

Welche Figuren sind zentral, welche sind eher Randfiguren?  In welcher Beziehung stehen die Figuren zueinander? Lassen sich Gruppierunqen/Lager erkennen?/evtl.: Wer gegen wen (Protagonist und Antagonist)? Können die Figuren sozial einer Schicht/einem Stand zugeordnet werden? Figurengestaltung ·       Wie werden die Figuren charakterisiert? Z. B.: durch ihr Verhalten in der Szene, durch Hinweise aus dem Nebentext (Regieanweisungen), durch andere Figuren, durch ihre Kleidung, durch den Ort (Atmosphäre, soziales Milieu), an dem sie sich aufhalten, durch Requisiten, durch charakterisierende Details etc.

Sprache / Figurensprache

(Charakterisierung durch die Sprache der jeweiligen Figur) ·       Auf welcher Stilebene/auf welchem Sprachniveau bewegt sich die Figur? Z. B.: niederer Stil (Alltagssprachlichkeit, evtl. vulgäre Sprache, auch Satzabbrüche, Fehler); hoher, feierlicher, erhabener Stil, gewollte oder unfreiwillige Stilmischung ·       Ist die innere und äußere Situation der Person (z. B: emotionale Verfassung, Bildung, Geschlecht, .. .l an der Sprache erkennbar (z. B. in Wortwahl, Satzart und Satzbau, Länge/Differenziertheit der Äußerungen, Rhetorik, Bildlichkeit, .. .) ·  Ist die Sprache eher sachlich (informativ, Verzicht auf Wertung) oder emotional/wertend?

Beispiel für Übersicht:

Akt,

Szene

Figuren in Konstellationen Ort

Einordnung

Zeit Inhalt: Thema, Handlung Beobachtungen, Fragen, Zusammenhang mit anderen Szenen
I,1

GesprächForm/ Typus:

Argumentierendes Gespräch, Verhör, Verteidigung, Anklage, Bedrohung/Einschüchterung, Diskurs/Reflexionsgespräch (über Themen), Geplauder (ohne erkennbaren thematischen Kern)

Monolog, Schweigen (Leerstellen) , … Werden Phasen des Gesprächs erkennbar, evtl. Wendepunkte? • Verändert sich das Gespräch in Themen, Atmosphäre, Ton?

Verlauf

Gibt es Störungen, Unterbrechungen im Gespräch; wie funktioniert der Sprecherwechsel (direkte Bezugnahme, unterbrechend, unzusammenhängend, … )

Gesprächsverhalten

Werden Gesprächsziele erkennbar? Sind diese Ziele allen Gesprächsteilnehmern klar? • Wird ausgesprochen, was gedacht wird? Wie lauten gegebenenfalls die Subtexte? Wie sind die Gesprächsanteile verteilt? Lässt sich aus der Verteilung Dominanz /Unterlegenheit ableiten? Reden die Figuren miteinander/reden sie aneinander vorbei, d. h. gibt es Missverständnisse, Ironie, Anspielungen. Dominiert der Inhalts- oder der Beziehungsaspekt? • Ist die Kommunikation symmetrisch oder asymmetrisch lz.B. Abhängigkeiten oder Herrschaftsverhältnisse/ungleich verteilte Machtmittel, unterschiedliche Wissensständel?

Strategien

Lassen Sich Gesprächsstrategien erkennen, mit denen die Ziele erreicht werden sollen, z. B.: verschweigen, täuschen, verstellen, abwiegeln, dramatisieren/übertreiben, loben, drohen, ab-/aufwerten, verharmlosen, auf etwas/jmdn. anspielen.

Sprechakte

Gibt es in der Szene kennzeichnende Sprechakte der Situation? Z. B.: drohen, bitten, bloßstellen/entlarven, auffordern, ablehnen, ablenken, warnen, fragen, bezweifeln, befehlen, trösten, ermuntern, danken, ironisieren.

Ausdrucksmittel der Bühne

Bedeutung der Regieanweisungen (des Nebentextes) für das Figurenverständnis; was sagen die Hinweise auf Gestik/Bewegung, Mimik und auf die Art des Sprechens über die Figur aus? Charakterisierende Wirkung von Kleidung, Requisiten

Bühnenbild

Aufbau, Elemente, charakterisierende, symbolische Bedeutung des Raums oder der Raumelemente • Raumkonzepte : Stellung/Bewegung der Figuren im Raum/auf der Bühne, im Verhältnis zu anderen Figuren.

 

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UNTERRICHT: Dantons Tod: Deutungsansätze


Auf diesem Blog werden immer wieder Textanalysen gesammelt und veröffentlicht, die im Unterricht der verschiedenen Schularten eine gewichtige Rolle spielen. Darunter waren die  Interpretation einer Kurzgeschichte, Möglichkeiten der Interpretation von Gedichteneiner Parabel und einer gesamten Deutung von Peter Stamms Roman Agnes und von Peter Stamms Homo Faber.

Gleichsam als prozessorientiertes Protokoll der Kursarbeit werden hier einige Anmerkungen zu dritten und letzten Abiturthema in Baden-Württemberg – „Dantons Tod“ von Georg Büchner – veröffentlicht. Ab dem Abitur 2019 sind die Themen der Ganzschriften andere. Auch eine Textsorte wie der Essay wird im Abitur unter anderen Bedingungen geschrieben.

Sie sind Lehrerin oder Lehrer auf der Suche nach Austausch und Inspiration? Hier geht es zur Deutschlehrergruppe auf Facebook.

 

Übersicht

Arbeitsgrundlagen
Erste Überlegungen
Historischer Kontext
Dantons Tod als offenes Drama
Ein Interpretationsansatz
Danton und Robespierre im Vergleich
Die beiden Fraktionen im Vergleich
Orte
Szenenübersicht
Szenenanalyse: Beispiel
Die Figuren des Dramas: Beispiel
Politische Reden: Beispiel
Das Volk: Beispiel
Schlussbemerkungen
Anmerkungen

Arbeitsgrundlagen

Hier geht es zu den wichtigen Grundlagen der Epik, die für einen Umgang mit erzählender Literatur gebraucht werden.

Weitere allgemeine Merkhilfen, auf die ich mich beziehe, sind:

Aufbau eines Interpretationsaufsatzes (zu Prosatexten. Die Aspekte der Szenenanalyse sind zu berücksichtigen)

Die Einordnung einer Szene in den Kontext des Dramas

Aspekte und Fragen zu einer Szenenanalyse 

Eine Rede analysieren

Erste Überlegungen

Notizen zum SWR-Beitrag

Der Einstieg in Dantons Tod ist anspruchsvoll. Dies liegt an drei Elementen: Zum einen sind die Zeitebenen in Dantons Tod vielschichtig. Wir – heutige – Leser, lesen von einem ganz bestimmten Standpunkt aus unserer Gegenwart ein Stück über zwei Wochen der Französischen Revolution. Dieses Stück wurde wiederum in der deutschen Restauration von einem jungen und begabten Autoren verfasst, der wiederum seine eigenen Ansichten und Einsichten über eine für ihn noch nicht lange zurückliegende Zeit in das Drama implementiert. Das wiederum bedeutet, dass man nicht nur den verlauf der Französischen Revolution genau kennen sollte, nein, muss, um das Stück zu verstehen, sondern auch, dass man die Extrainformationen, die es zu jeder einzelnen Figur gibt, sofort lesen sollte.

Wenn man sich einen ersten Überblick holen möchte, bietet sich die Hördatei vom SWR an. Hier gibt es schon erste Informationen über das Stück, seinen Autor und die Zeit, in der er lebt und über die er schreibt. Sowohl der Podcast als auch weiterführendes Material kann hier abgerufen werden.

Wenn man den historischen Kontext und die Zusatzinformationen zu den Figuren nicht kennt, ist die Chance groß, dass man nichts versteht.

Im Unterricht wurden unterschiedliche Notizen zu der Audiodatei erstellt. Die etwas chaotische Notiz ist meine eigene.

In den beiden Stunden nach den Ferien war ich zunächst krank. Sie hatten die Aufgabe, sowohl den geschichtlichen als auch die literaturgeschichtlichen Kontext zu erarbeiten. Wichtige Informationen waren:

Historischer Kontext

Historische Ebene  

  • Französische Revolution von 1789
  • Ereignisse des Jahres 1794

Zeitgenössische Ebene

  • Zeit der Restauration
  • Wiener Kongress (1815) und Karlsbader Beschlüsse von 1819 von 1815 an (Metternich’sches System der Unterdrückung und  Bespitzelung)
  • Deutscher Bund (staatliche Zersplitterung)
  • Wartburgfest 1817 (Forderung der Studenten, Burschenschaften und des Bildungsbürgertums nach politischer Einheit und Freiheit)
  • Junirevolution in Frankreich (sowie Revolutionen in Belgien, Polen, Italien)
  • Hessische Landbote (Büchners Flugschrift)
  • Situation im Großherzogtum Hessen-Darmstadt: territoriale
  • Zergliederung, Vielzahl von Grenznachbarn, Wirtschaftsprobleme, insbesondere wachsende Verarmung der Bauernschaft
  • Flucht und Exil Büchners in Straßburg
  • Literatur des Vormärz (vor der Revolution von 1848)

Gestellt werden können auch die Fragen danach, welche zeitgenössischen Anknüpfungspunkte Büchner für unsere Zeit bildet, also unter anderem:

Ebene des heutigen und „gestrigen“ Lesers (20. und 21. Jahrhundert)

  • Widerstand der Studenten gegen den NS (Weiße Rose)
  • Anti-Atom-Proteste in den 80er Jahren
  • RAF (Rote Armee Fraktion: Terrorismus in der BRD)
  • Arm-Reich-Gegensatz in der Gesellschaft der BRD

Die Blumsche Zeichnung sollte verdeutlichen, dass der kurze Zeitraum, in dem Büchner sein Drama spielen lässt, gleichzeitig durch alle Schichten und Ereignisse geht und dennoch für das Jahr und die sich zuspitzenden Ereignisse eine höhere Bedeutung hat.

Dantons Tod als offenes Drama

Jede Blase ein Ereignis eines Jahres. Dantons Tod als abstrakte Darstellung.

Neben den oben genannten Gründen ist Dantons Tod deshalb so schwer zu interpretieren, weil das Drama selbst die geschlossene Form sprengt. Anstelle einer wirklichen Exposition, die die Figuren einführt und das Thema erklärt, geht es in medias res. Auch der weitere Dramenverlauf wird nicht von kausal miteinander verbundenen Szenen und Akten zusammengehalten. Es ist vielmehr eine los Verknüpfung von Ereignissen, Handlungen und Personen, die grob von Motiven und Leitgedanken mit miteinander verknüpft sind.

Für die Interpretation einer Szene ist dies insofern wichtig, als dass es hilft Verständnis dafür zu entwickeln, warum beispielsweise das Volk in der einen und die Theoretiker und (vormals) revolutionären Antagonisten Danton und Robespierre in der anderen Szene auftreten. Es geht viel weniger um einen engen funktionalen Zusammenhang als um eine Gesamtschau, bei der sowohl die mächtigen Protagonisten im Nationalkonvent als auch das einfache Volk reden kann. Noch mehr: Dadurch, dass der Leser oder das Publikum des Stücks die Gedanken des einfachen Volkes hört, werden die hohen, rhetorischen Reden der beiden Protagonisten als völlig vom Volk entfernt entzaubert.

Ein Interpretationsansatz

Während des Unterrichtsgesprächs mit dem ganzen Kurs kamen die Schülerinnen und Schüler und ich einem Interpretationsansatz immer näher, der die Verbindung zwischen persönlicher Intention und politischem Engagement in den Blick nimmt. Die Überlegungen fußten auf der Frage, warum Danton so lethargisch ist und selbst dann, als er wissen muss, dass es um Leben und Tod geht, nichts unternimmt, um sich seinen Mördern zu entziehen. Dadurch, dass Danton durch die Septembermorde, die ihn sowohl bewusst als auch unterbewusst beschäftigen, um seine Schuld weiß, kann man annehmen, dass die epikureische Sicht auf ein Leben, in dem es um Lustgewinn für den Einzelnen und eben nicht mehr um den Kampf für die Allgemeinheit geht, Dantons Sicht beeinflusst. Somit kann man sagen, dass sowohl er als auch Robespierre vom Rezipienten nicht als Helden gesehen werden können, sondern als Figuren, die durch ihre Zeit maßgeblich in ihrem Tun beeinflusst werden.

Man kann sogar so kritisch sein und sagen, dass es weder dem einen noch dem anderen um das Volk geht. Während man bei Robespierre die Tyrannei einer totalitär verstandenen Tugend sieht, zeigt sich bei Danton die Arroganz des intellektuellen Bürgers. Vor dem Hintergrund dessen, was man über das Volk, das hungert, sich prostituiert und darbt, weiß, kann man sagen, dass beide an der Wirklichkeit vorbei theoretisieren.

Dadurch ergibt sich ein Vergleich der beiden Männer und ihrer Grundüberzeugungen und derer ihrer Anhänger.

Danton und Robespierre im Vergleich

Danton Robespierre
Zitate: „Lacroix. Und außerdem Danton, sind wir lasterhaft, wie Robespierre sagt, d.h. wir genießen“ (I,5, S. 24, Z. 3 f.). „Jeder handelt seiner Natur gemäß, d. h. er tut, was ihm wohl tut“

 

Zitate: „Der Schrecken ist ein Ausfluss der Tugend, er ist nichts anders als die schnelle, strenge und unbeugsame Ge­rechtigkeit“ (l,3, S. 16, Z. 3 ff.). „In einer Republik sind nur Republikaner Bürger, Royalisten und Fremde sind Feinde“ (l,3, S. 16, Z. 21f.). „Das Laster ist das Kainszeichen des Aristokratismus. In einer Republik ist es nicht nur ein moralisches, sondern auch ein politisches Verbrechen; der Lasterhafte ist der politische Feind der Freiheit“ (l,3, S. 16, Z. 30ff.).
„Lacroix. Wir müssen handeln. Danton. Das wird sich finden“ (l,5, S. 24, Z. 23 f.).
Phil. Basis und Folgen: Lehre von Epikur:

• liebt die schönen Dinge des Lebens, lebt seine Natur aus

• stellt die persönlichen Bedürfnisse des Einzelnen ins Zentrum, vertritt ein allge­meines Genusstreben

• Jeder soll leben wie er mag.

• gilt als Genussmensch

 

Phil. Basis und Folgen: allgemeine Moral

• lebt asketisch

• verabsolutiert die Tugend

• stellt die reine Lehre ins Zentrum, Ziele der Revolution stehen über dem indivi­duellen Wohl,

• klares Freund/Feind-Schema

• gilt als der Unbestechliche

 

Verantwortung: Umstände Verallgemeinerung: Der Mensch und seine realen, individuellen Interessen stehen im Zentrum. Verantwortung: Individuum Verallgemeinerung: Eine abstrakte Idee steht im Zentrum.

 

Individualinteresse

Materialismus

Allgemeininteresse

Idealismus

Folge: PASSIVITÄT – Danton zieht sich zunehmend in den Privatraum zurück. Er entzieht sich seinem drohenden Schicksal nicht. Folge: AKTIVITÄT – Robespierre geht in die Öffentlichkeit. Er agiert infolge des sa­krosankten Ideals erbarmungslos gegen alle, die dem Ideal nicht genügen, und er­klärt ganz folgerichtig auch den Bürger Danton zum Feind.

Vergleichende Gegenüberstellung der beiden Fraktionen

Danton und Anhänger Robespierre, St Just und Anhänger
Griechen

 

Römer
Erbarmen, Beenden der Hinrichtungen

 

Fortsetzung der Hinrichtungen, Schreckensherrschaft
Republik

 

Radikale Revolution
Bezug: Epikur

 

Bezug: Rousseau
Genuss, Sinnlichkeit, Geselligkeit Philosophie, Witz Tugend, Pflichtbewusstsein, Stoizismus, Askese, Politik, Einsamkeit
Emotion, Leidenschaft, Temperament Fanatismus, Rigorismus, Emotionslosigkeit
Ideale Ideologie
Gleichberechtigter Umgang mit Frauen, Prostituierten, Künstlern

 

Hierarchisches Verhältnis zu po­litischen Gesinnungsgenossen, Delegierten und Bürgern
Offenheit, Geradlinigkeit, Ehrlichkeit Intrige, Heimlichkeit Manipulation, Lüge
Schuldbewusstsein, Skrupel Gewissenlosigkeit, Skrupellosigkeit
Politik aus Leidenschaft Politik aus Kalkül
„Fluch des muss“ „Qual des Henkers“

In Bezug auf Danton und Robespierre spielen auch die Orte ihres Auftretens eine besondere Rolle. Der hier folgende Abschnitt dazu wurde von einem Schüler erstellt und nur rudimentär verändert.

Orte

Danton unterscheidet sich zwischen seinem Auftreten in der Öffentlichkeit und dem privaten Auftreten. Dennoch bleibt er meist seinen Gedanken, Vorstellungen und Prinzipien treu. In privaten Gesprächen ist er oft sehr direkt und trifft die andere Person meist so, dass diese über ihr eigenes Ideal nachdenken muss. Wie mit Robespierre trifft er die Menschen immer in Punkten, die sie selbst belasten und sie sich selbst oft hinterfragen –  und wie Robespierre tun sie dies meist auch. Dennoch zeigt er nicht nur privat sondern auch in der Öffentlichkeit. Die Gefängnisszene (III,7) ist dabei eine Ausnahme, da er dort erstmals über seine Gefühle zu einer anderen Person spricht in einer Art, in der man es eher von seinem engen Freund Camille erwarten würde, und er spricht außerdem davon, dass er für seine Frau weiter für sein Leben kämpfen möchte. In der Öffentlichkeit drückt sich Danton immer gewählt aus und schafft es immer die Massen oder das Volk auf seine Seite zu ziehen. Es kommt fast nie vor, dass Danton angegriffen wird, ohne dass er es nicht erwartet hätte. Danton passieren bei öffentlichen Auftritten keine Patzer, die ihm später einmal verfolgen oder die nicht gewollte Folgen haben. Alle seine Aussagen sind  gewollt und mit allen Folgen berechnet. Somit weiß er, dass wenn er die Jakobiner angreift, er höchstwahrscheinlich zum Tode verurteilt wird. Doch das hält Danton nicht davon ab, dem Volk seinen Weg zu zeigen und näher zu bringen.

Robespierre hingegen ist im Gegensatz zu Danton leichter zu treffen. Im privaten Leben steht er oft im Konflikt mit sich selbst und seiner Weltanschauung und zweifelt oft an seinen Handlungen, vor allem im Gespräch mit Danton (I, 6). Er wird aber immer von seinen Anhängern, vor allem St. Just, beeinflusst und in die radikale Richtung gedrängt. Durch die Raffinesse seiner Anhänger wird Robespierres Bild von der Welt verändert.Robespierre ist auch in der Öffentlichkeit ein sehr guter Redner und kann, wie Danton, die Massen auf seine Seite ziehen, weshalb er vor allem für die Jakobiner ein wichtiges Sprachrohr ist. Dennoch glaubt auch Robespierre an ein erkennbares Ziel der Geschichte und fühlt sich verpflichtet, dies durch zielstrebiges Handeln zu erreichen.

Interessant und von Bedeutung ist, dass Danton in zunehmendem Maße öffentlich wird – also von seinem zunächst bevorzugten privaten Raum, in dem er seine eigene Lust befriedigen kann, vor ein Publikum gezwängt wird (um sich und die seinen zu verteidigen). Es wurde entdeckt, dass

die zwei Hälften des Dramas verhalten sich […] in Hinblick auf die Handlungsorte und ihre Merkmale spiegelverkehrt.

(Barke 2001, S.63, zitiert nach Johannes Diekhans (Hrsg.): Einfach Deutsch Unterrichtsmodell. Georg Büchner. Dantons Tod. Paderborn 2014.)

Szenenübersicht

>
Auf eine Szenenübersicht wird an dieser Stelle verzichtet. Grobe Zusammenfassungen der einzelnen Akte können über den zugehörigen Wikipedia-Artikel aufgerufen werden.

Die Figuren des Dramas: Beispiel

Auf eine Übersicht über die einzelnen Personen des Dramas wird an dieser Stelle verzichtet. Grobe Zusammenfassungen über diese können über den zugehörigen Wikipedia-Artikel aufgerufen werden.

An dieser Stelle findet sich nur eine Ausarbeitung, die zeigt, was man über die Figuren herausfinden kann und zu welchen Erkenntnissen dies führen kann.

Figur: Robespierre

Akt, Szene, Handlung Gründe Mögliche Bedeutung
Akt 1, Szene 2:

–        Robespierre tritt auf, nachdem fast ein junger Mann ermordet wurde

–        Er redet mit dem anwesenden Volk und definiert das Gesetz als Wille des Volkes

–        Er führt die Menge zu den Jakobinern

–        Robespierre weiß genau, wie er sich vor dem Volk präsentieren muss, um sich volksnah zu zeigen

–        Er will die Mordlust des Volkes kanalysieren und führt sie deshalb zu den Jakobinern

–        Volk bewundert den selbstsicher auftretenden Robespierre und sieht zu ihm auf
Akt 1, Szene 3:

–        Robespierre hält eine Rede vor den Jakobinern

–        Er beschreibt den Feind als Angriffsziel ohne Deckung und ruft dazu auf, diesen Feind zu töten

–        Er beschreibt die Tugend als eine unbeugsame Gerechtigkeit

–        Er unterstützt durch die ständige Verwendung des Personalpronomens „wir“ das Gefühl der Zusammengehörigkeit

–        Will seine Feinde vernichten, ganz egal zu welchen Mitteln er greifen muss

–        Tugendideologie

è Rechtfertigt mit der Tugend den von ihm verursachten Terror

–        Für ihn ist der Schrecke die Waffe der Republik und die Tugend ist die Kraft

–        Robespierre ist skrupellos und wird auch weiterhin jeden töten lassen, der sich nicht voll und ganz auf seine Seite stellt

–        Hat kein Verständnis für anders denkende Menschen

è In seinen Augen ist seine Denkweise die einzig richtige, egal um welches Thema es geht

Akt 1, Szene 6:

–        Streitgespräch zwischen Danton und Robespierre

–        Robespierre will die Revolution weiterführen

–        Danton will das Töten beenden

–        Monolog Robespierre

è Will Danton tot sehen und die Revolution auf keinen Fall aufhalten

–        Gespräch mit St. Just

è Unterstützt Robespierre bei dem Entschluss Danton und auch seine Anhänger zu töten

–        Robespierre und Danton sind in ihrem Charakter sehr verschieden

è Können kein richtiges Gespräch führen, können keine Kompromisse eingehen und haben gegenteilige Ansichten wegen der Revolution

–        Er sieht nicht nur Danton, sondern auch dessen Anhänger als Gefahr und will deshalb alle so schnell wie möglich loswerden

–        Rechtfertigt sich selbst, um sein Gewissen rein zu halten

–        Danton hat durch das Gespräch mit Robespierre sein eigenes Todesurteil besiegelt

– Robespierre wird jetzt alles daran setzen, Danton zu töten

Akt 2, Szene 7:

–        Robespierre verteidigt die Verhaftung von Danton

è Er ist entschieden dagegen, den verhafteten Danton anzuhören ( so wie es Legendre vorschlägt) und will Danton gar keine Privilegien geben

–        Robespierre sieht weiterhin eine große Gefahr in Danton und seinen Anhängern und will sie deshalb ohne Kompromisse loswerden, um endlich wieder Frieden im Land zu haben

Szenenanalyse: Beispiel

Wie man eine Szene analysiert, findet sich im oberen Bereich des Artikels oder hier. 

An dieser Stelle findet sich eine gelungene Vorarbeit zu einer Szenenanalyse einer Schülerin. Sie ist stellvertretend dafür, welche analytische Vorarbeit geleistet werden kann, wenn man methodisch Schritt für Schritt vorgeht. Es handelt sich um Szene 7, Akt I.

Szenenanalyse Akt 2 Szene 7 – Gerechtigkeit oder Rechtfertigung?

Erschließung von Situation, Kontext und Inhalt

Figuren:                     Legendre
Robespierre             Zentral
St. Just
Präsident Nationalkonvent
Deputierte

Ort:                              Nationalkonvent

Zeit:                            Ein Tag nach der Verhaftung der Dantonisten (Danton, Camille, Lacroix, Philippeau)

Einordnung:             (vor der Szene)
Anklage der Dantonisten durch den Wohlfahrtsauschuss (Akt 1, Szene 6, S.29 und Akt 2, Szene 3, S.38)
Verhaftung der Dantonisten

(in der Szene -> grob)
Legendre tritt für die Dantonisten ein -> stellt Antrag für Anhörung der Dantonisten vor den Schranken
Debatte der Deputierten (kurz)
Überzeugende und rechtfertigende Rede Robespierres
Rede über Ideologie der Jakobiner von St. Just
Antrag Legendres abgelehnt

(nach der Szene)
Dantonisten im Luxembourg
Danton spricht vor Revolutionstribunal

Handlung:                Legendre will sich zunächst im inoffiziellen Gespräch Unterstützung sichern (S.44, Z.12-23) -> weiß, dass er allein keine Chance gegen Robespierre hat
Kurze Diskussion der Deputierten, Verhältnis der gegensätzlichen Seiten wird deutlich (S.45, Z.7-22)
Robespierre tritt bestimmt auf um Antrag nieder zu machen (S.45, Z.23 bis S.47, Z.12) -> nutzt vor allem Wir-Gefühl um Zusammenhalt hinter sich zu stärken
Konflikt kommt fast nicht auf -> keine Diskussion der Deputierten nach Robespierres Rede -> Legendre kommt nicht mehr zu Wort
St. Just muss Robespierres Rede eigentlich nichts mehr hinzufügen, hält danach trotzdem eine patriotische Rede über die Ideologie und legt seine Ansichten der gerechtfertigten Begründung dar (S.47, Z.16 bis S.49, Z.10)

Themen:                   Anhörung der Dantonisten (Hintergrund, vor dem andere Themen präsentiert werden)
Gleichheit/ Égalité (scheinbar) -> als Argument gegen die Anhörung der Dantonisten (S.45, Z.27 und S.46, Z.6)
Rechtfertigung der Schreckensherrschaft -> vor allem in St. Justs Rede, aber auch bei Robespierre (S.46, Z.9f)

Figuren

Konstellation:           Legendre als Freund Dantons

Robespierre <-> Legendre

St. Just auf Seiten Robespierres

Figurengestaltung:  (Legendre)
mitfühlend
zeigt Angst vor weiterem Verlauf (S.44, Z.13)
untergeordnet -> kommt nicht mehr zu Wort
klug -> sichert sich zunächst Unterstützung
hält sich für rein (S.44, Z.29)

(Robespierre)
bestimmt vgl. S.47, Z.9ff)
wortgewannt -> weiß wie er gut Leute beeinflussen und auf seine Seite ziehen kann (siehe Sprache Robespierre)
manipulativ ->zieht Leute auf seine Seite in dem er eine Bedrohung schafft (vgl. S.46, Z.20-36)
machtvoll -> stimmt alle um
tritt als bestimmter, zielgerichteter Politiker auf (-> Kontrast zu privaten Gefühlen und Zweifel in Akt 1, Szene 6)
Argumentiert und rechtfertigt auf moralischer Basis

(St. Just)
radikal -> geht über Leichen (vgl. S.47, Z.16-30)
kalt, gefühllos -> spricht enthusiastisch über das Morden und dessen scheinbare Rechtfertigung
selbstbewusst und überzeugend -> langer Beifall, Euphorie, Marseillaise
nutzt Basis und Stimmung die Robespierre geschaffen hat für seine Rede
differenziert sich von Robespierre durch seine Argumentation und Rechtfertigung auf naturwissenschaftlicher Basis (vgl. S.47, Z.19-32 und S.48, Z.13ff)

Sprache:                   (Legendre)
Appellativ -> appelliert an Robespierre und Deputierte den Antrag auf die Anhörung anzunehmen
gehobener Stil
nutzt Vergleich mit sich selbst ->  er ist „einer von ihnen“ (Jakobiner)
(Robespierre)
gehobene Sprache
Argumentiert mit Gerechtigkeit und Gleichheit -> Vergleich mit zuvor verurteilten Revolutionären (S.45, Z.29 und S.46, Z.9f)
Beschuldigt alle Deputierten der Verleumdung (S.45, Z.27) ->  nutzt Schuldgefühle
Greift Legendre direkt an (S.45, Z.37ff) -> untergräbt seine Autorität und sein Recht auf die Antragsstellung
Nutzt häufig rhetorische Fragen, frägt Frage die er sofort selbst beantwortet -> Deputierende fragen sich, er liefert ihnen die Antwort wodurch er schlau, fast allwissen wirkt + seine Meinung steht unangefochten als einzig wahre da (vgl. S.46, Z.9-19)
Benutzt Pronomen „man“ um eine (anonyme) Bedrohung zu schaffen -> Weckt Gefühl, dass nur radikal und gemeinsam gegen diese Gefahr vorgegangen werden kann (vgl. S.46, Z.20-37)
Personifikation „[…] nie zittert die Unschuld vor der öffentlichen Wachsamkeit“ (S.46, Z.26f) -> keine Unschuldigen werden getroffen (Rechtfertigung) -> damit müssen Dantonisten schuldig sein (Argument)
Wir-Gefühl -> nutzt Pronomen „wir“ und vermittelt damit ein Gefühl von Gemeinschaft und Zusammenhalt + seine Meinung und Vorstellung als die aller bezeichnet (S.45, Z.33 bis S.46, Z.7 und S.47, Z.1-10)
Pronomen „wir“ (S.47, Z.2ff) -> jeder fühlt sich angesprochen, Robespierre hebt damit alle Anwesenden von den Verbrechern ab und versammelt sie hinter sich
Nutzt die zuvor aufgebaute Autorität und Grundstimmung um den „einzigen“ Weg aufzuzeigen, wie das Vaterland gerettet werden kann (S.47, Z.9f)
Sein Verlangen ist eigentlich ein Befehl ->keine Widerworte (möglich) (S.47, Z.12)

(St. Just)
gehobene Sprache
Naturvergleich als Begründung für Handeln der Jakobiner (S.47, Z.20ff)
Hebt Anhänger der Jakobiner gleich mit Gott oder Naturgewalt -> Überheblichkeit, Selbstbewusstsein und Selbstüberschätzung (S.48, Z.2f und S.48, Z. 32-36)
Morden als natürlich (S.48, Z.9ff)
Argumentiert mit naturgegebener Gleichheit aller (S.48, Z.13ff) -> widerspricht sich selbst in dem er Unterschiede zwischen Jakobiner und allen, die nur leicht von deren Standpunkten abweichen, macht + dass Jakobiner gesamte Aristokratie auslöschen wollen
Spricht Pelias Experiment an -> zielt auf Brutalität aus, die zur Verbesserung und Verjüngung führt <-> Experiment jedoch gescheitert -> nennt Argument gegen ihn selbst (S.48, Z.37ff)
nutzt geschichtliche und biblische Vergleiche
Ruft Feinde der Tyrannei auf mit Jakobinern zu kämpfen <-> Widerspruch, da Schreckensherrschaft vergleichbar mit Tyrannei

Gespräche

Stil:                             Argumentierende Reden

Wendepunkte:         zu Beginn und nach Antrag Legendres manche noch pro Dantonisten -> nach Robespierre alle gegen Dantonisten

Atmosphäre:            Verändert sich von Zwiegespaltenheit der Deputierten zu einheitlicher Versammlung hinter Robespierre und dann weiter zur Euphorie für die Ideologie und das Morden der Jakobiner

Ton:                           Umschwung mit Wechsel der Redner
Legendre -> baut auf Mitgefühl und hebt Verdienst Dantons hervor
Robespierre -> bestimmt, selbstsicher, überzeugend
St. Just -> radikal, kalt, Euphorie fürs Morden

Verlauf:                     Robespierre nimmt Bezug auf Legendres Antrag und die Vorwürfe und verkehrt sie zu seinem Vorteil -> Legendre keine Chance mehr
St. Just zusammenhangslos zu vorherigem Thema des Antrags und der Dantonisten -> lediglich radikale Rechtfertigung für die vermeintliche Gerechtigkeit der Jakobiner

Ziel:                            (Legendre)
Emotionen, Mitgefühl zu Danton zu wecken; Deputierte an verdienst Dantons zu erinnern

(Robespierre)
Antrag abweisen und Deputierte auf seine Seite ziehen

(St. Just)
Ideologie der Jakobiner radikal und euphorisch „verkünden“, Deputierte hinter sich versammeln

Kontraste:                 Widerspruch äußeres Handeln und innere Haltung Robespierre (vgl. Akt 1, Szene 6)

Gesprächsanteil:     Robespierre deutlich größeren Anteil gegenüber Legendre -> Machtverhältnisse werden deutlich

Politische Reden: Beispiel

Politische Reden spielen in dem Drama Dantons Tod eine entscheidende Rolle. Hier werden Schuldfragen geklärt, Theorien in der Öffentlichkeit verhandelt, Anklage erhoben. Vor dem Hintergrund der Reden kann man dazu erkennen, dass die Revolutionäre sowie die – von diesen als Kontrareavolutionäre bezeichneten – Dantonisten an der Wirklichkeit des Volkes vorbeireden. Es gibt einige zentrale Reden.

So die

– Rede Robespierres im Jakobinerklub (I,3)

– Rede St. Justs in II,7

– Rede Dantons vor dem Revolutionstribunal (III,9)

An dieser Stelle zeigen die Analysen beispielhaft, wie eine Analyse durchgeführt werden kann. Sie beruht auf den methodischen Schritten, wie sie hier in diesem Artikel verlinkt sind.

 

I.Danton vor dem Revolutionstribunal (III,9)

Situation und Kontext      

Vor dem Revolutionstribunal; Etwa zur gleichen Zeit, wie bei III, 8;                                                                                             Danton ist Gefangener und nutzt die Ratlosigkeit des                                                           Revolutionstribunals aus um seine Feinde scharf anzugreifen;                                            Gerichtsrede;

Inhalt 

Greift zuerst das Tribunal an und verlangt nach einer Antwort                                                         auf die Verlangte Kommission; Nachdem Danton erfuhr, das                                       sämtliche Angeklagt, die Aufstände herbeirufen, aus dem                                                    Prozess ausgeschlossen werden, gibt Danton sein „politisches                                          Testament“ und sieht „großes Unglück über Frankreich“ (S. 69, Z. 14). Außerdem beschuldigt er Robespierre und St. Just des Hochverrates und wirft ihnen vor, das Volk nicht mit Brot ernähren zu können, sondern versuchen die Republik im Blut                                                          zu ersticken;

Redeintention                     

Zuerst appelliert Danton an das Volk und möchte sie vor der drohenden Gefahr durch die Jakobiner warnen; Danach greift er eher den Wohlfahrtsausschuss an und                                                      versucht dadurch in gewisser maßen seinen letzten Willen deutlich zu machen angesichts daran, dass er sterben wird und keine Chance mehr hat sein Statement abzugeben;

Aufbau der Rede               

S. 68, Z. 14-22:           – Appell an Volk zu Handeln                                                                                                    – Überzeugung dass er noch Kraft hat und  nicht aufgeben wird                                                                           S. 69, Z. 13-16: – letztes Statement und Bekundung seiner                                                                              Angst vor dem Untergang Frankreich

S. 69, Z. 17-29:  – Angriff auf „Decemvirn“ und Anklage Robespierres und St. Just des                                                                                               Hochverrates   – Wille die Republik zu zerstören und nicht den Menschen zu helfen („wollte Brot und  sie werfen euch Köpfe hin.“)

Strategien des Redners  

In Dantons rede führt er jederzeit eine manipulative Strategie an und versucht das Volk und das Revolutionstribunal daraufhin zu  polarisieren, dass die Republik gefährdet ist;                                                             Gegen Ende spricht er anfangs sehr niedergeschlagen und wird                                         ebenfalls ein wenig emotionaler; Jedoch schlägt dieses                                                 emotionale Sprechverhalten bei dem Gedanken an den Verrat                                            Robespierres und St. Justs sofort in ein aggressives                                                     Sprechverhalten umwandeln;

Sprachlich-rhetorische   

Gestaltung  

„mit der Kanone der Wahrheit hervorbrechen und meine Feinde                                          zermalmen“ (S. 68, Z. 21-22)  Bildhafte Darstellung (für Volk verständlicher) seiner                                                       Überzeugungskraft, die er noch beisitzt und einsetzen will um                                                         Feinde zu besiegen „Das ist die Diktatur, … schreitet über unsere Leichen“                                                        (S. 69, Z. 15f.)  Übertreibung und durch Metaphern Verdeutlichung der                                       Ernsthaftigkeit der Gefahr „Ihr wollt Brot […] der Guillotine lecken.“ (S. 69, Z. 27-29)                                                    à dominanter Satz und Parallelismus, der dem Volk deutlich                                                  macht, dass es von den Jakobinern hinters Licht geführt wird

St. Just vor dem Nationalkonvent (II,7)

Situation, Kontext, Redner und Zuhörer

Ort:                                             Nationalkonvent

Zeit:                                            Tag nach der Verhaftung der Dantonisten

Institution:                            Nationalkonvent

Zusammenhang:                 Vorherige Debatte über Legendres Antrag auf Anhörung der Dantonisten                                     und überzeugende Rede Robespierres diesen abzulehnen

Wer spricht zu wem:        St. Just zu dem Deputierten des Nationalkonvents

Rolle:                                         Steht über Deputierten, diese sehen zu ihm auf (-> Jubel und Marseillaise                                                       nach seiner Rede + lassen sich von ihm überzeugen und mitreißen)

Funktion:                                Trägt nichts zur vorherigen Debatte bei, deshalb eigentlich überflüssige Rede
-> aber bestärkt und preist Ideologie der Jakobiner

Redetyp:                                  politische Rede

Inhalt

Thema:                                     Ideologie der Jakobiner, Schreckensherrschaft und Rechtfertigung durch Begründung auf Natur

Zentrale Aussagen:            Idee soll wie Natur vernichten dürfen, was sich ihr in den Weg setzt (S.47, Z.32-34)
Wo Gang der Geschichte rascher, sterben mehr Menschen (S.48, Z.10f)
Naturgegebene Gleichheit aller (S.48, Z.14f)
Vergleich Jakobiner mit Moses (Bibel) und Naturgewalt

Redeintention

Ziel:                                            Deputierte hinter sich versammeln, Euphorie fürs Morden stärken

Sprechakte:                           rechtfertigend (vgl. Natur -> S.47, Z.32-35)
appellierend (ruft zum Handeln auf (S.49, Z.7-10)
manipulativ (versteckt seine radikalen Aussagen hinter Fragen -> S. 47, Z.31-37)
leichtes Wir-Gefühl (S.48, Z.29-36)

Aufbau der Rede:               Leitet ein und führt Naturvergleich ein (S.47, Z.14-20)
Vorstellung seiner Auffassung der Natur (S.47, Z.20-22)
Thesen Anführung in Form von Fragen (S.47, Z.22 bis S.48, Z.4)
Argumentiert mit Schnelligkeit der aufeinanderfolgenden Ereignisse -> Geschichte und jüngste Vergangenheit (S.48, Z.5-12 und S.48, Z.19-28)
Gleichheit (S.48, Z.13-18)
Bibel Vergleich (S.48, Z.32-36)
Pelias Experiment -> Sage (S.48, Z.37 bis S.49, Z.4)
Aufruf an alle Feinde der Tyrannei mit ihnen zu kämpfen (S.49, Z.7-10)

Höhepunkte:                        S.48, Z.29-36 -> Jakobiner als Schreiber der Geschichte und Erschaffer der neuen Menschheit (-> setzt Jakobiner Gott gleich oder Naturgewalt)

Schlussfolgerung:              Handeln sie nach diesen Grundsätzen so wird die Menschheit optimiert, verjüngt und urkräftig -> Jakobiner als Erschaffer

Strategie des Redners:    Manipulative Strategie
-> hebt Jakobiner auf Gottesgleiche Ebene
-> Feuert Euphorie fürs Morden an
-> Fragen verstecken seine Aussagen, durch die Frage erschein es als lasse er     auch noch eine andere Möglichkeit offen (was allerdings nicht der Fall ist) -> Deputierten nehmen Meinung eher an, da sie leichter denken es wäre auch ihre Sichtweise und Antwort
-> Stellt Tod und Morden als notwendig und natürlich dar
-> nutzt die Grundstimmung, welche Robespierre geschaffen hat als Basis
-> nutzt Emotionen ( sie, die Jakobiner seien wie Moses und stehen kurz vor ihrem Ziel)

Sprachlich-rhetorische Gestaltung

Vokabular:                             moralische Natur <-> moralische Natur

Atmosphäre:                        radikal, bestimmt, Euphorie des Mordens
baut erhobenes Gefühl auf -> Jakobiner Gottes gleich und damit über allen anderen
Morden als gute, ehrenhafte Sache -> Jakobiner tuen etwas Gutes

Satzbau:                                  Lange Sätze, hypotaktisch -> durchdachte Rede, weiß genau was und wie er etwas sagen will

Bildlichkeit/Rhetorik:    „Außer Atem kommen“ -> Euphemismus für sterben
Vergleiche (Bibel + Sage)
Metapher „Menschheit erhebt sich aus Blutkessel“
„Durch Blut gehen“ -> Metonymie

 

III. Robespierre im Jakobinerklub (I,3)

Situation und Kontext:     

Im Jakobinerklub;                                                                                                                                                                                Nach einer Warnung durch die Mitglieder Legendre und Collot                                                                                    d’Herbois vor den Feinden der Republik, verlangt Robespierre reden                                                                zu dürfen;                                                                                                                                                                                                 Robespierre(erster Abgeordneter für Paris im Jakobinerklub) spricht                                                          zum Jakobinerklub;                                                                                                                                                                            politische Rede

Inhalt/Aufbau der Rede:

Hinweis auf die Hilflosigkeit der Feinde der Republik (S.15 Z.3-12);                                                                     Benennung und Einteilung der inneren Feinde der Republik:                                                                                (S.15 Z.13-36)                                                                                                                                                                                         – bereits eliminierte Hébertisten (S. 15 Z.13-31)                                                                                                               – Die die nach „Erbarmen!“ (S.15 Z.33) schreien und dem Volk die                                                               Waffe und die Kraft entreißen wollen  (vgl. S.15 Z.33ff)                                                                              -> spätere Dantonisten;  (S.15 Z.32-36; S.16 Z.16);                                                                                                          Der Schrecken und die Tugend als unzertrennliche Kraft die die                                                                             Freiheit erhält in Kombination mit der Aussage Gnade und Erbarmen                                                               sei Barbarei (S.16 Z.15);                                                                                                                                                                    Die Beschreibung des Lasterhaften und deren Position als politische                                                                 Feinde (S.16 Z.27 bis S.17 Z.17);                                                                                                                                                 Versicherung dass gegen das Lasterhafte und die Feinde vorgegangen                                                                wird -> Beruhigen der Jakobiner (S.17 Z.18-36);

Redeintention:                

Entwerfen eines Feindbildes gegen das man gemeinsam ankämpfen    kann -> Schaffen eines Gemeinsamkeitsgefühls; Beruhigen der durch die Feinden unsicheren Jakobiner, aber gleichzeitiges Hinweisen auf den Moment (Feinde sind hilflos) -> Anerkennung Robespierres Standpunkts und Handlungsintetionen   -> Anerkennung Robespierres als Anführer der Jakobiner

Redestrategien:        

Position Robespierres ist zu dieser Zeit noch nicht vollständig die eines Diktators (z.B. bittet den Klub Reden zu dürfen), seine Rede ist  deshalb manipulativ ausgerichtet, um den Klub von dem er noch abhängig ist auf seine Seite zu ziehen manipulativ:                                                                                                                                                       Robespierre weist die anderen Mitglieder mehr auf ihre Situation und                                    das richtige Moment hin als sie ihnen vorzuwerfen (stellt sich selbst   auf die gleiche Ebene mit ihnen) (z.B. vgl. S.15 Z.3-9)  das entwickelt sich jedoch dann zu einer emotionale/aggressive Sprechhaltung (emotional in eigener Sache; aggressiv gegenüber                   Feinde  (S.15 Z.37ff))-> dramatisierend abwerten der beiden Feindesgruppen (z.B. unterstellt ihnen dem Volk   seine Macht zu nehmen und hilflos den alten Königen                                                        auszuliefern(S.15 Z.33ff), wirft ihnen vor keine einzige gute Tat zu vollbringen(S.16 Z.37))                                                                                                                                 aufwerten der eigenen Gruppe (z.B. nennt sich und die Mitglieder    das Schwert des Gesetzes, dass der Republik ein großes Beispiel sein   wird (vgl. S.17 Z.31-34)                                                                                                               benutzt Emotionen:   Verbreitet zuerst Respekt davor was die Feinde der Republik                                                  auswirken könnten (z.B. S.15 Z.33ff), Und dann Hass um die                              Mitglieder hinter sich zu bringen im Kampf gegen diese Feinde                                          (z.B. S.16 Z.31 ff)

Sprachlich Gestaltung:

Schlagwörter -> Innere Feinde der Republik
Schrecken
Tugend
Gerechtigkeit
Despotismus
Erbarmen

Lange Sätze, hypotaktisch -> ausgeführter Gedankengang, genau überlegt und durchdacht, wie und was er sagt
teils kompliziert gestrickte Sätze

Wiederholung Pronomen „Wir“ -> Wir-Gefühl, Gemeinschaft (S.15)
Schwert des Gesetzes hat den Verräter getroffen -> Jakobiner ermordeten mehrere Hébertisten und Cordeliers (S.15, Z.27)
Waffe der Republik ist der Schrecken -> Verteidigung und Macht zum Erschaffen (S.15, Z.37)
Kraft der Republik ist die Tugend -> innerer Kern und Stärke(S.16, Z.1)
Tugend ist ohnmächtig ohne Schrecken -> ohne Schrecken kann Tugend nichts bewirken, verändern oder erschaffen (S.16, Z.3)
Vergleich Schwert Freiheitshelden mit Säbel Tyrann -> Gibt zu, dass Jakobiner vergleichbar mit Tyrannen sind (S.16, Z.8f)
Despotismus der Freiheit -> Paradoxon (S.16, Z.14)
Arm des Volkes zu entwaffnen -> Mäßigung (Programm der Dantonisten) (S.16, Z.27)
Laster ist das Kainszeichen der Aristokratie -> Aristokraten schuldig und lasterhaft (S.16, Z.30f)
Ein Dutzend rote Mützen (S.16, Z.36)
Anapher -> Wir dürfen wohl (S.17)

Das Volk: Beispiel

Das Volk nimmt in Dantons Tod neben den öffentlichen und privaten Auftritten der Protagonisten einen besonderen Stellenwert ein. Es zeigt, was die eigentliche Wirklichkeit der Menschen ist, von denen die Hauptfiguren sagen, dass sie sie vertreten würden. Das materielle Elend, die derben Sprüche und die leichte Beeinflussbarkeit zeigen, dass das Pathos, mit dem Danton oder Robespierre ihre eigenen Vorstellungen mithilfe des Volkes begründen, hohl ist. Dieser Kommentar zeigt, wie man von einer Analyse in einen Kommentar über das Volk gelangen kann.

Das Volk wird als gewaltbereite Masse dargestellt, welche keineswegs vor dem Tod oder dem Morden zurückschreckt, sondern dies sogar noch unterstützt und fordert. Sowohl im Bild als auch in der Karikatur ist das Volk jedoch als Gefolgschaft gezeichnet. Das heißt es handelt nicht eigenständig, viel mehr folgt es autoritär wirkenden Personen (wie den Jakobinern) die die Richtung aufzeigen.

Besonders in der Volkszene (I,2) wird auch die Not angeführt, in welcher sich das Volk befindet. Geplagt von Armut und Hunger wird das Volk dazu getrieben jene zu verabscheuen, welche mehr haben als sie (Aristokraten) und denen zu glauben, welche ihnen einen Ausweg und Besserung versprechen. Die Notsituation wird auch im Bild angedeutet (Leichen und Trümmer). Deshalb stellt sich möglicherweise zunächst eine abgeneigte Haltung gegenüber dem Volk ein. Denn die vulgäre Sprache, das gewaltsame Umgehen miteinander du der überspitzte Hass sind alles Abstoßende Verhaltensweisen. Das Urteil fällt vielleicht eher negativ aus und der Zuschauer distanziert sich vom Volk.

Sobald der Zuschauer allerdings die Situation, die Not und das Leiden des Volkes durchschaut, verändert sich die Sichtweise. Die Gründe für das Handeln werden ersichtlich und nachvollziehbar, sodass sich sogar ein Gefühl von Mitleid einstellen kann. Erst nachdem die Umstände in denen sich das Volk befindet erfasst werden, wird Verständnis möglich. Doch auch trotz des Verständnisses für das Handeln des Volkes, erscheint es keineswegs in einem positiven Licht.

Schlussbemerkungen

Wenn man sich eine längere Zeit mit Büchners Drama befasst, wird klar, warum es in der Literaturwissenschaft so hoch gelobt wird. Es hat unendlich viele Ebenen, die sich analysieren lassen und die man in Bezug setzen kann zu anderen Themen, die – auch wenn das eine Standardphrase ist – auch heute noch relevant sind.

Dieser Artikel kann kein Ersatz für eine Doktorarbeit über Dantons Tod sein und versteht sich als bloßer Impulsgeber für eine weitere Beschäftigung. Er soll aber auch zeigen, dass es nichts nützt, wenn man Lektürehilfen auswendig lernt. Gerade, wenn es um das Abitur geht, muss immer erkenntlich sein, dass das, was man analysiert aus der genauen Textarbeit erwächst. Diese ist immer die Grundlage. Erst dann können größere Stränge aufgebaut werden, erst dann kann der Werkvergleich stattfinden. Alles andere wäre bloßes „Herunterspulen“ von Wissen.

Es sollte auch klar geworden sein, dass dieser Artikel aus den genannten Gründen nicht jeden einzelnen Aspekt des Dramas zu beleuchten im Stande ist.

Die theoretischen Grundlagen Epikurs für Dantons Weltbild oder die Aufklärung nach Kant in Bezug auf die Handlungen der beiden „Helden“, Dantons Langeweile und Robespierres Tugendterror, die Frauenfiguren und die Dirne Marion, die Gottesbeweisfrage – all diese Punkte bleiben hier unberührt. Insofern bleibt es dabei, dass nur die eigenen Lektüre Antworten auf die Fragen geben kann, die noch wichtig erscheinen. Gerne kann spezifisch kommentiert werden. Der Autor versucht die Zeit aufzubringen zu Antworten oder jemanden zu finden, der Antwort hat. Danke fürs Lesen und viel Erfolg!

Anmerkungen

Anmerkung I: Diese Interpretation ist, wie Interpretationen im Allgemeinen, eine besondere Sicht auf den Stoff. Der Autor ist zwar Gymnasiallehrer für das Fach Deutsch, hat also ein Germanistikstudium hinter sich, das mit Staatsexamen beendet wurde, ist aber weder promovierter Doktor noch Professor der Literaturwissenschaft. Das, was hier geschrieben steht, ist also ohne Gewähr und sollte mit Vorsicht genossen werden. Der Vorteil mag sein, dass bei Schwierigkeiten in den Kommentaren nachgefragt werden kann. Das ist bei Lektürehilfen weniger der Fall. Trotzdem ist der hier gewählte Fokus auf den Text immer nachzuprüfen. Bei offenen Fragen sollte vor einer so wichtigen Prüfung wie dem Abitur immer der jeweilige Lehrer hinzugezogen werden.

Anmerkung II: Was dieser Artikel und Lektürehilfen gemein haben, ist, dass sie die eigenständige Arbeit am Drama nicht ersetzen. Was offensichtlich erscheint, ist es ganz und gar nicht. Denn für eine hohe Punktzahl im Abitur, reicht es eben nicht, dass man Interpretationsansätze herunterbeten kann, ganz im Gegenteil: Als Erst- und Zweikorrektor ist es ein Leichtes zu sehen, an welchen Stellen stupide auswendig gelernte Passagen aneinandergereiht werden, anstatt die Interpretation aus dem vorliegenden Textmaterial zu kreieren. Das bedeutet, dass sowohl Lektürehilfen als auch diese vorliegende Interpretation nur Impulse sein können, die letztlich am Text überprüft werden müssen.

Wie man ein Textstück sinnvoll einbettet, kann man am Beispiel von drei Zitaten aus Agnes hier sehen:

Anmerkung III: Um diesen Artikel nicht allzu lang werden zu lassen, wird nur an einigen Stellen auf direkte Seitenzahlen hingewiesen. Des Weiteren kann nicht jeder einzelne Aspekt gedeutet werden, da das Drama gerade durch ein sehr dichtes intertextuelles, metaphorisches und inhaltlich vielschichtiges Geflecht besticht.

Das bedeutet, dass jeder, der mit dieser Interpretation etwas anzufangen gedenkt, das Drama gelesen haben sollte. Außerdem sollte man bei einer Interpretation im Abitur (oder auch innerhalb eines anderen Prüfungsrahmens) darauf achten, dass man nahe am Text bleibt und nicht bloße Behauptungen aneinanderreiht. Eine gute Interpretation geht immer zunächst vom vorliegenden Text aus, deutet ihn, stellt Verbindungen her und geht erst dann in abstrakte Themen über.

Was man bei einer Interpretation auf jeden Fall beachten muss, steht hier.

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UNTERRICHT: Interpretation von Prosatexten: Hinweise für individuelles Arbeiten

Vorwort des Blogartikels: Alles, was nach diesen kurzen Anmerkungen folgt, wurde für meinen Unterricht in der 10. Klasse erstellt. Da ich diese Klasse schon seit mehreren Jahren unterrichten darf, weiß ich, dass das Basiswissen und die Kompetenzen zur gemeinsamen Arbeit vorhanden sind. Ich empfehle so also nicht, dies dann zu machen, wenn noch gar keine Grundlage vorhanden ist.

Wenn man als Schülerin oder Schüler auf diesen Artikel kommt, dann sei angemerkt, dass es sich lohnt, den Artikel bis ganz zum Ende zu lesen und auch sämtlichen Verweisen zu folgen, die hier angegeben sind. Dann wird man damit, so hoffe ich, auch ohne die Hilfe eines Mentors oder Lehrer davon profitieren können.

Grundlagen für diejenigen von euch, die bisher wenig gelernt haben, gibt es hier:

Nun hoffe ich, dass das alleinige oder gemeinsame Arbeiten gelingt. Viel Spaß. Übrigens: Wer Probleme mit der Rechtschreibung hat, der findet hier Abhilfe.

Die Interpretation von Kurzprosatexten (also Kurzgeschichten, Parabeln oder anderen Kurzformen) ist nicht einfach, da der Interpret auf viele Dinge achten muss, die sich aber gleichzeitig nicht auf jede Kurzgeschichte anwenden lassen. Während bei der einen die Sprache zentral ist, ist es bei der anderen der Satzbau. Die Interpreten auf der anderen Seite, also ihr, habt auch ganz unterschiedliche Stärken und Schwächen. Während die eine sehr schnell herausliest, dann aber Probleme hat, dies zu formulieren, kann der andere den Text sehr gut gliedern, weiß aber nicht, wie er danach beginnen soll.

Diese Hinweise für individuelles Arbeiten sollen eine Hilfestellung sein, gezielt mit und an Kurzgeschichten zu arbeiten und so fokussiert die eigenen Kompetenzen zu stärken.

Zwei Vorbemerkungen

Ein Satz über Interpretationen

In einem Artikel auf diesem Blog wird mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass es sich bei der Interpretation um ein Ratespiel handelt. Es geht um etwas Anderes.

Dort heißt es:

Es gibt zwar keine ausschließlich richtigen Interpretationen; es gibt aber Interpretationen, die nicht nachvollziehbar sind, weil sich nicht plausibel gemacht wurden, nicht ausführlich und methodisch vollständig die Auslegung erklären oder weil schlicht die Erfahrung fehlt (entweder in Bezug auf das eigene Leben oder in Bezug auf das eigene Lesen), den Inhalt überhaupt „erfahrend“ zu erfassen.[1]

Dies bedeutet für schulische Interpretationen, dass man übt, über Texte so zu verstehen, dass man sie vollständig erfasst („kontextuiert“) und so zu schreiben, dass der Leser vollständig erfasst, was man herausgefunden hat und vor allem wie man dazu gekommen ist.

Was wirklich wichtig ist

Sobald man als nicht-professioneller Interpret (also meistens als Schülerin oder Studentin) einen Text interpretieren soll, klammert man sich an den Strukturen fest, von denen es zuvor hieß, dass sie wichtig seien. Das kann dazu führen, dass jemand beispielsweise alle rhetorischen Figuren auswendig lernt und diese dann nach und nach abhandelt – ohne aber die Kurzgeschichte (oder das Gedicht, oder die Dramenszene) auch nur im Ansatz verstanden zu haben. Aus diesem Grund muss man sich darüber klarwerden, was das allerwichtigste ist (und auch hier gilt: Was sich einfach anhört, ist es nicht. Lesen verbessert das eigene Verständnis. Immer!)

Im Folgenden die Elemente, die für eine Analyse am wichtigsten sind:

1.     Die Kurzgeschichte zu verstehen – von vorne bis hinten.

2.     Die Handlungen der Figuren nachzuvollziehen.

3.     Die Bedeutung dessen zu verstehen, die die Handlungen haben.

4.     Die Bedeutung der Kurzgeschichte in einem größeren Rahmen zu verstehen.

Obwohl dies nicht als Muster zu verstehen ist, wie man vorgehen muss, wäre es schwierig, von unten nach oben zu arbeiten. Konkret: Wenn ich nicht weiß, worum es überhaupt, ganz konkret, geht, kann ich nicht wissen, welche übergeordnete Bedeutung eine Kurzgeschichte hat (ob sie zum Beispiel auf ein Problem hinweist, einen Konflikt darstellt etc.).

Hinweise für individuelles Arbeiten

Zunächst eine Feststellung: Wenn man die Kurzgeschichte so oft und gründlich gelesen hat, dass man sie vollständig versteht – die Grundlage für jeden weiteren Schritt – ist nichts hilfreicher als sich mit einer weiteren Person darüber zu unterhalten. Offen, ehrlich und kritisch. Denn so kommt man auf Dinge, die einem selbst vielleicht nicht aufgefallen sind (Dass dies in Klausuren nicht möglich ist, legt eher ein Problem der Klausuren offen als des gemeinsamen Arbeitens).

Im Folgenden werden Elemente der Analyse aufgelistet und Arbeitsbereiche definiert, wie man sich diesen Elementen nähern kann, wenn man meint, diese noch nicht so gut zu beherrschen. Auch hier ist es anzuraten, dass man sich zu zweit oder zu mehreren bespricht, eine Schwachstelle einer Person herausarbeitet und diese dann zusammen bearbeitet. Dann kann es weitergehen.

 

Element der Analyse Hinweis/ Frage/ Anregung zur individuellen Bearbeitung
Herausarbeitung des Themas/ der Deutungshypothese

 

 

Obwohl am Anfang der Interpretation, sollte dies erst am Schluss stehen: Der Text muss mit dem Stift in der Hand bearbeitet worden sein.

 

Voraussetzung ist Textverständnis. Hier hilft nur langsames, genaues Lesen und ein qualitativ hochwertiger Austausch.

Elemente jeder Kurzgeschichte

 

 

Die Elemente der Kurzgeschichte (Kürze, Verdichtung des Geschehens auf einen zentralen Augenblick, Wiedergabe des inneren Geschehens, unvermittelter Beginn, offenes Ende, Alltäglichkeit der Thematik und Sprache, sprachliche Mehrdeutigkeiten) sind zwar die Grundlage, spielen aber bei der Interpretation nur eine dienende Rolle.

 

Welche Wirkung hat der plötzliche Einstieg auf den Leser? Wird dadurch Spannung oder Intensität erzeugt?

Inwiefern ist das Ende offen? Was wird nicht gesagt? Wie könnte es weitergehen?

 

 

Motive Ein Motiv ist ein wiederkehrendes Element, das sich wie ein roter Faden durch die Kurzgeschichte zieht und meist eine Bedeutung für die Figuren, das Thema oder den Kontext hat.

 

Sind Motive erkennbar?

Bin ich in der Lage, die Funktion des Motivs für die gesamte Kurzgeschichte nachvollziehbar zu formulieren?

Figuren Um welche Figuren geht es? Wie lassen Sie sich durch das, was sie denken oder tun oder das, was andere über sie denken oder ihnen antun, charakterisieren?

 

Bin ich in der Lage, dies formal korrekt zu formulieren?

Handlungen/ Ereignisse/ Aufbau Oftmals sind die Ereignisse oder eine bestimmte Handlung (die auch ein Wendepunkt sein kann) der Kern der Kurzgeschichte.

 

Erkenne ich Handlungen als solche? Erkenne ich, welche Handlungen was über die handelnde Figur sagen?

 

Kann ich die Erkenntnisse nachvollziehbar formulieren?

 

Erkenne ich einen Aufbau (z.B. von gut nach schlecht, von konfliktreich zu schlichtend oder andersherum, von problematisch zu katastrophal)? Kann ich dies nachvollziehbar formulieren?

Ort, Zeit, Atmosphäre

 

 

 

Ort und Zeit scheinen oft zufällig, haben aber eine Bedeutung für den gesamten Zusammenhang.

 

Werden Ort und Zeit sofort klar? Werden Sie ausgelassen? Welche Bedeutung hat dies?

 

Kann ich dies nachvollziehbar formulieren?

Zeitstruktur Die Zeitstruktur ist die Zeit, die in der Kurzgeschichte angerissen wird.

 

Gibt es Vorausdeutungen oder Rückblenden? Haben diese eine Funktion?

Kann ich dies nachvollziehbar formulieren?

 

 

Erzähler Jede Kurzgeschichte muss von einem Erzähler (nicht vom lyrischen Ich, diese gibt es nur in Gedichten) erzählt werden. Der Erzähler und der Autor sind nie dieselbe Person.

 

Wer ist der Erzähler der Kurzgeschichte?

 

Welche Wirkung hat dies? Kann ich dies nachvollziehbar formulieren?

Erzählverhalten Das Erzählverhalten meint, ob der Erzähler Teil der Kurzgeschichte ist, sie von außen wahrnimmt oder sogar alles weiß.

 

Handelt es sich um einen auktorialen, personalen oder neutralen Erzähler? Welche Wirkung hat dies? Kann ich dies nachvollziehbar formulieren?

Erzählwiedergabe Das, was gesagt und erzählt wird, kann auf unterschiedliche Weise erzählt werden. Nüchtern und objektiv als Bericht oder mit zahlreichen Abbrüchen oder Wiederholungen als erlebte Rede. Oder als innerer Monolog der Figur. Oder als Dialog bzw. direkte und indirekte Rede.

 

Erkenne ich die Wiedergabeform? Kann ich eine Wirkung zuschreiben? Kann ich dies nachvollziehbar formulieren?

Sprache Die Sprache ist bei einer Kurzgeschichte ein weites Feld. Es geht darum, ob es Besonderheiten gibt, die Sätze beispielsweise besonders lang oder kurz sind, viele Metaphern oder andere rhetorische Figuren genutzt werden oder es andere Auffälligkeiten gibt. Das Wissen über rhetorische Figuren, Satzstrukturen und Wortarten (also Adjektiv, Nomen etc.) ist dabei die Grundlage.

 

Erkenne ich die verschiedenen sprachlichen Besonderheiten? Kann ich sie mit dem Gesamtzusammenhang in Verbindung bringen? Kann ich die Funktion innerhalb der Passage oder sogar für die gesamte Kurzgeschichte formulieren?

 

Wenn man diese Fragen beantwortet, indem man das, worin man nicht so gut ist übt und sich Rückmeldung geben lässt, verbessert man sich zwangsläufig. Aber: Nichts ersetzt das eigenständige Lesen!

Auf dem Blog gibt es eine exzellenten Analyse der Parabel (einer lehrhaften Dichtung)  Das Bild der Schlacht am Isonzo und zur Analyse der Kurzgeschichte Nacht.

Einige Kurzgeschichten des Autors wie „Die Lektion“ (7./8. Klasse), „Eine Nacht“(8.-10. Klasse), „Das bin doch ich“(10.-12. Klasse)  oder „Deutschstunde“(8.-10.Klasse) finden sich ebenso auf diesem Blog unter dem jeweiligen Link.

[1] http://bobblume.de/2017/04/30/interpretationen-eine-interpretation/, abgerufen am 22.11.2017.

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UNTERRICHT: Von Fifa 16 und der Rechtschreibung

Es wäre interessant zu wissen, wie viele derjenigen, die kompetente und erfolgreiche Spieler des Spiels FIFA 18 (der neuesten Version der erfolgreichen Fußballsimulation) sehr gut in der deutschen Rechtschreibung sind. Erkenntnisse ließen sich daraus wenngleich nicht ziehen. Was jedoch funktioniert, ist, anhand des Spiels für PC, X-Box und Playstation aufzuzeigen, warum die Internetplattform Orthografietrainer.net sowohl im schulischen Kontext als auch bei der individuellen Verbesserung der eigenen Rechtschreibung eine sehr gute Möglichkeit darstellt.

Jedem jugendlichen FIFA-Spieler ist klar: Zu wissen, welche Tasten welche Aktionen auslösen, heißt nicht, dass man automatisch auch das Spiel gewinnt. Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Wenn die Tastaturbelegung das normale Setting hat, dann ist das Dreieck auf dem Playstation-Kontroller ein Pass in den Lauf. Ein Kreis ist Schuss und das Viereck eine Flanke. Mit diesen Informationen könnte man also ein Spiel gewinnen. Könnte man. Denn natürlich funktioniert das so einfach nicht, denn: Wer sich auf die Tasten konzentriert, der wird nicht so vorausblickend spielen können, wie er müsste. Demnach wäre es für einen guten Spieler wohl auch fast unmöglich oder zumindest schwierig, in derselben Geschwindigkeit, wie er die Entscheidungen trifft, zu benennen, welche Tasten er drückt.

 

Er hat es automatisiert gelernt.

In der Schule wird oftmals das Gegenteil versucht. Der Lehrer erklärt und denkt dann oftmals, dass diese Erklärung genüge, um etwas zu beherrschen. Doch bevor die eigentliche Übungsphase eingetreten ist, geht es schon zum nächsten Thema.

Das ist vor allem bei der Rechtschreibung ein großes Problem. Denn gerade hier kommt es ja darauf an, dass man automatisch Entscheidungen trifft, die nicht zwangsläufig auf Regelwissen zurückzuführen sind. Ob also jemand weiß, ob der Nebensatz, den er mit Kommata abtrennt, ein Relativsatz ist oder nicht, spielt in der Schule – und vor allem im späteren Leben – keine Rolle. Aber trotzdem sollen die Kommas sitzen.

Die Internetseite Orthografietrainer.net macht sich diese Form des “impliziten Lernens” zu nutze, indem direkte Rückmeldungen zu den eigenen Fehlern gegeben werden, die in dieser Form durch den Lehrer nicht zu leisten wären. Man könnte sagen, dass hier die digitalisierte bzw. computerisierte Verfahrensweise einen tatsächlichen Zugewinn leistet, der sonst nicht möglich wäre. 

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Eine Form der Einstellung ist es, dass man die Schülerinnen Kompetenztest zu verschiedenen Themen durchführen lässt (z.B. Groß- und Kleinschreibung auf unterschiedlichen Niveaus, meist anhand von Schuljahren festgelegt, oft mit großen Sprüngen, so z.B. vom 5. bis 10. Klasse). Auf der Grundlage dieser Tests werden dann automatisch Übungsaufgaben ausgewählt. Schon hier wird eine Binnendifferenzierung geleistet, die unter “normalen” Umständen kaum möglich wäre.

Die Übungen selber beruhen auf dem Konzept der Wiederholung (die seit neuestem auch durch eine sich verändernde und von den Schülern geschätzte Figur, die ihre Mimik ändert, goutiert oder sanktioniert wird). Ist die Übung richtig, geht es weiter. Ist sie nicht richtig, wird gezeigt, wie es richtig wäre und sie kommt zunächst nochmals und dann im weiteren Verlauf noch ein weiteres Mal dran. Dabei geht es nicht darum, die Regeln hinter der Erscheinung zu definieren, sondern implizit darauf zu kommen, was richtig und was falsch ist.

Ganz neu (Einführung im November dieses Jahres) ist ein auf Gamification basierendes Belohnungssystem.

Pünktlich zum 9. Geburtstag unserer Webseite haben wir gestern unser neues Motivationssystem online gestellt und hoffen, dass es euch gefällt. Beim Üben könnt ihr nun verschiedene Arten von Lern- und Wissenspunkten sammeln und eure Rechtschreibentwicklung ganz genau verfolgen. Außerdem haben wir die Möglichkeit programmiert, euch jederzeit euren Leistungsstand in einer Urkunde bescheinigen zu lassen.

Zusätzlich zu den Urkunden können die Lerner nicht nur sehen, wann und wie sie sich verbessert haben, sondern bekommen dies in Form von „Medaillen“ zurückgemeldet (Dann kann sich jemand „Großmeister der Groß- und Kleinschreibung) nennen.

Eben so, als würde man so lange FIFA spielen, dass man nicht mehr darüber nachdenken muss, welche Taste man drückt, wenn man einen Pass in den Lauf spielt. Wissen Sie noch, welche Taste es war? Ist nicht so schlimm. Sie haben es ja auch erst einmal gehört. Dann kann man ein Können auch nicht erwarten.

Nach einigen Übungen folgen Zwischentests, in denen nicht nur die Schüler sehen können, was sie richtig gemacht haben und inwiefern sie besser geworden sind, sondern auch der Lehrer den Leistungsstand eines jeden Einzelnen und auch der Klasse als Gruppe anschauen und mit anderen Klassen vergleichen kann.

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Das System ist so aufgebaut, dass man, wenn man gut und richtig übt (was beinhaltet auch nicht zu lange am Computer zu bleiben) nach dem letzten Test eine Verbesserung sehen kann. Mehr noch: Wie bereits erwähnt wird sie sogar zertifiziert.

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Der Lehrer oder die Lehrerin ist dabei nicht die einzige Person, die Tests oder Übungsaufgaben bereitstellen kann. Es gibt auch einen Freibereich oder als Belohnung einen Bereich, in dem man nützliches und unnützes Wissen über Rechtschreibung durchlesen kann. Man kann aber auch mitmachen – was gerade dann, wenn man Partizipation von Schülerinnen und Schülern schätzt, eine grandiose Sache ist.

Neben diesem Rechtschreibsystem gibt es mittlerweile auch die sogenannte „Grammatikwerkstatt“. Über diese zu schreiben würde einen weiteren Artikel füllen. Es sei nur angemerkt, dass dies ein System ist, das vor allem deshalb so gut funktioniert, weil Schülerinnen und Schüler, wenn sie über grammatikalische Strukturen lernen, nicht mehr nur bloß unterstreichen, sondern Sätze selber bauen oder wieder einreißen (d.h. dekonstruieren) können.

Untermauert werden die Programme mit didaktischen und theoretischem Hintergrundwissen, das an der Seite angehängt ist. Man bekommt also das volle Programm.

Wenn man Klassen (oder Schüler – oder Kinder) hat, die es schwer mit der Rechtschreibung haben, ist dieses grandiose Programm mit Sicherheit eine Alternative.

 

 

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UNTERRICHT: Kostenlose Bilder für Lehrer, Schüler und Blogger

Die meisten, die diesen Blog regelmäßig lesen, werden nicht erstaunt sein über den kleinen Tipp, den ich geben möchte. Der Artikel richtet sich eher an jene, die immer noch damit zu kämpfen haben, dass Schülerinnen und Schüler und schlimmstenfalls auch Referendare oder Lehrer Bilder zeigen, die urheberrechtlich geschützt sind. Das kann, im schlimmsten Fall, richtig teuer werden. 

Bevor ich die Seite anspreche, die viele schon kennen werden, noch eine Prämisse: Wenn ich Bilder für meine Präsentation nutze, gehe ich davon aus, dies zu tun in dem Wissen, dass sie das, was ich sage, bestenfalls unterstützen. Philippe Wampfler sagte letztens auf Twitter sinngemäß, dass Slides für eine Präsentation dann gut sind, wenn man ohne den Redner (oder eben den, der das Referendar hält) nichts damit anfangen kann.

Warum dies so ist, wird in diesem hervorragenden Artikel von Jöran erklärt. Ich erkläre es für Schülerinnen und Schüler hier in dem Video.

Nun zur Seite: Piaxbay bietet, wie ich finde, sehr schöne Bilder, die man sowohl auf seinem Blog als auch bei Präsentationen nutzen kann. Der Clou an der Seite, die durch Hinweise auf einige bezahlbare Fotografien und Bilder finanziert wird, ist, dass alle Bilder eine CC0-Lizenz haben, was bedeutet, dass man sie verwenden, verändern und weiterverbreiten darf und all das, ohne den Urheber oder die Quelle zu nennen (dies sollte man dann als Schüler aber anmerken, denn es ist nicht sicher, ob der Lehrer das auch weiß).

Das obere Artikelbild ist von Pixabay. Für mich ist das eine schöne Alternative, wenngleich ich häufiger Bilder von Thomas Clemens nutze, der diese mir aber exklusiv zur Verfügung stellt.

Noch ein kleiner Hinweis für diejenigen von euch, die gerne auch mit Tablet, iPad oder Mobil-Telefon arbeiten.

Wenn man Bilder von Pixabay runtergeladen hat, kann man diese wunderbar mit PicsArt weiterverarbeiten. 

Ich finde, so kann man sehr einfach Slides machen. Wie das dann aussehen kann, seht ihr hier auf der Instagram-Seite meiner Schule.

Hier geht es zum Artikel: http://www.windeck-gymnasium.de/2017/11/19/marktplatz-der-berufe/ #windeckgymnasium

Ein Beitrag geteilt von Windeck-Gymnasium Bühl (@windeckgymnasium) am

Vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen. Ich würde es mir wünschen.

Interessant? Zur neuen Facebook-Seite des Autors geht es über das Bild.

Die neue Seite: SquareB

 

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UNTERRICHT: Grammatik-Becher-Maschine

Als ich vor ein paar Jahren bemerkte, dass einige Schüler im Englischunterricht (damals Realschule) Probleme damit hatten, die Reihenfolge der Worte beizubehalten – was zu ständigen grammatikalischen Fehlern und Frust führte – suchte ich nach einer Idee, wie man auf spielerische Art und Weise die Satzstruktur beibehalten kann und dennoch neue Strukturen erlernt. Ich kam auf die „Grammatik-Becher-Maschine“ – die am Ende von einem Kollegen für den Mathematik-Unterricht zur Rechenmaschine umgewandelt wurde (siehe Link am Ende des Artikels). 

Die Grammatik-Becher-Maschine

Eine Idee

Als Lehrer kann und soll man das Rad nicht neu erfinden. Aber manchmal ist man dann doch glücklich, wenn man mal wieder einen Einfall hat. Hierbei handelt es sich um ein kleines Gimmick für den Grammatik-Unterricht in Fremdsprachen  (Unterstufe). Ich suchte nach einer Form, wie die Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse mit ein wenig Spaß die für sie noch schwierigen Formen des Verbs „to be“ üben könnten.

Mögliches Vorgehen

Die verschiedenen Satzglieder (hier Personalpronomen als Objekte, Prädikate, Adverbien und Adjektive) können auf Becher geschrieben werden und können so immer an die richtige Stelle verschoben werden. Und wenn etwas falsch ist, kann man es schnell und einfach verbessern und beim nächsten Mal besser machen. Des Weiteren lässt sich das ganze noch ein wenig ausbauen, wie auf dem Bild zu sehen ist, bei dem Adverbien zugefügt wurden.

Die damalige Idee war vor allem für den Englischunterricht, da die englische Word Order durch die sehr statische Struktur (ASVOA) sich anbietet. Mittlerweile denke ich, dass man auch im Deutschunterricht in der Grundschule oder auch in der DAF-Didaktik damit arbeiten könnte.

Natürlich gibt es hier nicht dieselben Möglichkeiten, wie beispielsweise bei der Grammatik-Werkstatt des Orthografietrainers, aber gerade das „In-der-Hand-haben“ der eigenen Struktur ist ein Vorteil, der die Schülerinnen und Schüler motivieren kann.

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Erfahrungen

Ich konnte die „Maschine“ ein paar Mal testen und kann sagen, dass sie sehr gut angenommen wurde. Natürlich kann ich keine empirisch verifizierbaren „Beweise“ für das Gelingen bringen, aber gerade im Grammatik-Unterricht ist Innovation ja sehr schwierig. Insofern war schon die Neugierde über das Neue, das motivierende Material, das funktional eingesetzt werden konnte und die ganz andere Herangehensweise für die meisten Schülerinnen und Schüler eine neue Erfahrung von Grammatik-Unterricht.

Kleiner Bericht

Das erste Mal arbeitete ich mit der „Maschine“ im Projektunterricht, den meine damalige Schule wöchentlich an einem Tag anbot. Sehr gespannt kam ich in die 5. Klasse, vor allem, da ich damals keine Unterstufe hatte und gespannt war, wie die Klasse die Grammatik-Maschine aufnehmen würde. Da es für mich wichtig war, dass jeder noch so kleine Schritt nachvollziehbar bleibt, hatte ich den Unterrichtsverlauf in Evernote geschrieben, ein Vorgehen, dass ich sehr häufig durchführe. (Einiges gibt es auch in diesem Video).

Wie ich erhofft hatte, waren die Schüler sehr gespannt und erstaunt über die „Maschine“. Sie waren schneller fertig als erhofft, so dass ich schon schnell einen Schritt weiter gehen und sie selber Sätze „basteln“ lassen konnte. Dort, wo Fehler gemacht wurden („They is friendly), konnte man sehr schnell eingreifen und an die richtige Stelle drehen.

Da die Schüler sehr schnell „den Dreh raus“ hatten, erschwerte ich die Übung spontan um zwei weitere Herausforderungen. Zum einen durften die Schülerinnen schon zwei Adverbien auf einen neuen Becher schreiben und diesen anfügen, so dass relativ komplexe Sätze entstanden und zum anderen fügten die Schülerinnen Wochentage an den Beginn ein, sodass wir am Ende einen recht komplexen Satz wie

„On Sunday I am very sad.“

sagen konnten. Was besonders schön war, war, dass den Schülern durch dieses Konzept immer klarer wurde, dass die Wortstellung im Englischen anders ist, da das Verb anders als in einem deutschen Satz, der mit einer adverbialen Bestimmung beginnt, auch weiterhin in V2-Stellung bleibt („Am Sonntag bin ich traurig vs On Sunday I am sad).

Insgesamt war dies – nach dieser ersten Erfahrung – eine gelungene Sache, die einen Mehrwert zu haben scheint, der über die Spielerei hinausgeht. Ich wäre sehr glücklich darüber, über weitere Erfahrungen mit der Methode zu hören, die sich auch für etwas ältere Klassen erweitern lässt.

UPDATE: Inspiriert von dieser Maschine bastelte @Baus_H eine Version, die sich für Terme im Mathematik-Unterricht eignet.

Facebookseite des Autors

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UNTERRICHT: Plagiate und Betrug mit Hausaufgabenseiten

Plagiate, also das Abschreiben von Informationen, die man dann als seine eigenen Gedanken ausgibt, sind zu Recht in der universitären Welt geächtet. Die Copy-Paste-Mentalität, die mittlerweile auch tief in den Lehrernachwuchs greift, ist der Feind dessen, was Schule erreichen soll: Selbstbestimmte Bürgerinnen und Bürger in eine komplexe Gesellschaft zu entlassen. Dagegen anzugehen brauche ich die Hilfe aller, die diesen Blog lesen. 

Dass Schülerinnen und Schüler denken, sie könnten betrügen (denn genau das ist es, wenn man ohne Quelle abschreibt), liegt auch an den Lehrern, die sich oft auf der einen Seite darüber beschweren, dass Kinder und Jugendliche nicht richtig recherchieren können, aber auf der anderen Seite dies nicht üben oder überhaupt thematisieren.

Man könnte auch sagen, dass die Hausaufgabenseiten, von denen ohne schlechtes Gewissen kopiert wird, ein Symptom der Krankheit ist, die ein System erzeugt, dass immer noch meint, starren Inhalt abzufragen.

Dagegen kann man angehen. Nachdem ich ein Video über GFS gemacht hatte (im Sinne der Auslagerung des ewigen Wiederholens des Immergleichen, #flippedclassroom, wenn man so will) wurden die Nachfragen immer genauer.

Ein weiterer Effekt war, dass sich weniger Schüler*innen bei mir zur GFS anmelden. Warum? Weil sie merken, dass bloße Reproduktion keine Leistung ist, mit der man bei der GFS bestehen könnte.

Wenn es mehr Lehrerinnen und Lehrer gibt, die Zusammen an dem Problem arbeiten und es ein die Diskussion bringen, wird dies, so meine These, für eine bessere Qualität sorgen (und vielleicht vielen verständlicher machen, warum wir Recherche und Plagiat, Quellen und kritische Quellenprüfung mehr thematisieren müssen).

Ich bitte euch nun um eure Mithilfe! 

Mein Ziel ist es, eine Liste mit guten und schlechten Hausaufgabenseiten (auch für Studenten) zusammenzustellen.

Diese Liste wird den Schüler*innen aktiv gegeben, die Message:

Wir wissen, dass es diese Seiten gibt. Nutzt sie. Aber gebt die Quelle an und seid vorsichtig mit den dort angegebenen Informationen.

Ihr könnt dieses Google-Drive Dokument benutzen. 

Wenn eine Sammlung zusammengestellt ist, werde ich alles überprüfen und hier auf dem Blog veröffentlichen!

Vielen Dank euch!

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UNTERRICHT: Problemorientierter (Englisch-)Unterricht

Skizze eines interdisziplinären Experiments. 

Wer meint, Unterricht in allen Fächern sei immer dasselbe, irrt. Schon zwischen meinen eigenen Fächern Geschichte, Englisch und Deutsch gibt es starke Unterschiede – sofern man sie ernst nimmt und natürlich themenspezifisch.

Gestern Abend erfuhr ich von einer Vertretungsstunde in einer mir unbekannten Klasse. Ich schrieb einige Fragen auf, mit denen ich Impulse zur medialen Reflexion setzen wollte (das tue ich momentan immer wieder: Vetretungsstunden werden oft mit Spielereien vertan und da Medienbildung sowieso meist zu kurz kommt, setze ich dort an).

 

 

Autodidaktik

Auf der Autofahrt hörte ich, wie momentan fast jeden Tag, meinen absoluten Lieblingspodcast Waking up with Sam Harris. Nicht nur, dass ich es außerhalb der Schule endlich wieder wertschätze, sehr gut Englisch zu sprechen und zu verstehen; die Themen sind interessant, provokant und bringen mich aus meiner Komfortzone, da Harris als fundamentaler Atheist versucht durch vernünftige und sachliche Argumentation den Dingen auf den Grund zu gehen. Dies gilt für kontroverse wissenschaftliche Arbeiten genauso wie für die Auseinandersetzung mit dem Islam. In der momentanen Folge mit Cass R. Sunstein (Robert Walmsley University Professor at Harvard Law School), einem ehemaligen Berater der Obama-Administration, werden die Konzepte der „Choice Architechture“ und des sogenannten „Daily Me“ erklärt und problematisiert.

Kur gesagt ist Choice Architechture all das, was sich die Entscheidungen der Menschen zu Nutze macht – vom Supermarkt bis hin zur Zeitung.

Daily Me ist die individualisierte Grundlage der Zusammenstellung von Informationen auf der persönlichen Entscheidung.

Beides fand ich so spannend, dass ich in Gedanken ein Unterrichtskonzept entwickelte (im Auto, also quasi autodidaktisch, wie es in dem lahmen Wortwitz heißt), dass Schüler das Problem der Filterblasen erklären sollte. Das gefiel mir so gut, dass ich in der eigentlich vorbereiteten Englischstunde einen Exkurs machte und statt des Buchinhalts das Thema diskutierte.

Unterrichtsskizze (9.Klassen Englisch, zuvor 8. Klasse Gemeinschaftskunde)

Einstieg: Ich fragte die Schüler, warum die Debatte (im Netz) zunehmend so aggressiv geführt würde (Währenddessen schrieb ich möglicherweise unbekannte Vokabeln an). Mehr als die Vermutung, dass Leute im netz anonym sind und so besser schimpfen können, kam nicht.

Erarbeitung: Ich zeichnete drei leere Kästen auf (der Impuls, dass Choice Architecture besonders in Läden eine Rolle spielt, kam vom Sunstein). Die Schüler sollten einen Laden, d.h. einen Weg durch den Laden zeichnen der

1) Geld einbringt

2) dem Allgemeinwohl dient und

3) nur für sie ausgerichtet ist.

Präsentation: Schon die Präsentation zeigte, dass die Schülerinnen und Schüler zwar unterschiedliche Lädenkonzepte gezeichnet hatten, dass aber klar war, dass man für einen ökonomisch erfolgreichen Laden die Kunden an allem vorbeiführen müsse. Ein Laden, der allen dienen würde, käme ohne dieses „Labyrinth“ aus. Der Laden, der den eigenen Interessen diente, war am einfachsten gestrickt.

Ich fragte danach, welche Läden welchem Konzept entsprächen. Während unter 1 oder  EDEKA oder REWE bzw. Kaufland genannt wurden, kam bei 2 MEDIA MARKT oder ein Bioladen auf. Bei drei erklärte ich meine eigenen Assoziation: Apple Store.

Transfer: Und nun kam der Clou: Gefragt, wann die Entscheidung zum Kauf getroffen wurden, kam heraus, dass man, während man bei den ersten beiden Läden noch zum Kauf animiert werden muss, beim dritten Laden die Entscheidung bereits getroffen hätte. Als Transfer fragte ich in einem ersten Schritt, wie diese Läden als App aussähen (man kann sich beispielsweise 1 Clash of Clans vorstellen: Man kommt umsonst rein, wird aber geködert). Als zweiten Schritt fragte ich, was wäre, wenn Zeitungen (oder die Apps) jeweils nur auf der Basis von 3 funktionieren würden.

In einer fruchtbaren Diskussion kam heraus, dass Leute, die die Entscheidung schon vorher fällen, nicht mehr mit anderen Meinungen konfrontiert würden. Das gilt für die Nutzung von Android-Handys genauso wie für die Meinung über Flüchtlingspolitik oder Klimaschutz.

Problematisierung: Danach gefragt, wie sie nun die Ausgangsfrage beantworten würden, kamen viele darauf, dass es wohl nicht nur daran liege, dass man im Netz anonym ist, sondern auch daran, dass man sich daran gewöhnt, das zu bekommen, von dem man sowieso schon weiß, dass es der eigenen Meinung entspricht. Die Schüler hatten das Konzept der „Filterblase“ mithilfe von eigenen Geschäften verstanden. 

Eine solche Problemorientierung spielt vor allem im Geschichtsunterricht eine Rolle. Für den Englischunterricht war es für mich eine neue Erfahrung. Eine, die ich unbedingt wiederholen möchte.

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