Bob Blume
"(…) eine Axt für das gefrorene Meer in uns."

Einen schönen guten Tag!

Liebe Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Kollegen und Leser.

Dieser Blog besteht seit nun mehr einem Jahr und ist sehr gut aufgenommen worden. Dafür bedanke ich mich bei all jenen, denen die Texte gefallen haben. Wenn dies auch weiterhin so ist, freue ich mich darüber, wenn ihr die Artikel mit anderen Leuten teilt.

Dies ist eine Plattform von mir, einem Lehrer und Blogger, in der eigene Texte zu unterschiedlichen zeitgenössischen Themen veröffentlicht werden, mal lustig, mal traurig, mal ernst und mal völlig verrückt. Warum sollte man das lesen? Nun, ich hoffe sehr, dass es Spaß machen kann und den einen oder anderen Denkanstoß bereithält.

Aktuell: Als Modellversuch werden ausgewählte Informationsmaterialien aus der Schule hier veröffentlicht. Vielleicht helfen sie dem einen oder anderen bei der Vorbereitung. Ich hoffe wie immer auf konstruktive Kritik.

Im B-Logbuch finden sich aktuelle Themen (Aktuell: Test: Welcher Lehrertyp sind Sie?), während sich die Sektion B-Schallt mit aktueller Musik beschäftigt (Aktuell: Mein CD-Regal von Thomas Clemens). Unter B-Lesen finden sich Rezensionen und literarische Themen (Aktuell: Dickicht und Schatten). In der Rubrik B-Lichtet sollte das eine oder andere Foto zu bestaunen sein. In dem Bereich B-Schreibbar finden sich neue Texte Schwerpunktthemen – gerade vor allem das Referendariat (Aktuell: Die Jugend von heute).

Es fehlen euch Themen? Schlagt sie im Gästebuch vor und ich suche mir die interessantesten heraus… Oder schreibt ihr vielleicht selbst? Her damit – hier gibt es auch Platz für Gastbeiträge.

Blogroll

Einen wirklich genialen Blog mit Ruhrpöttischer Offenheit, Schlauheit und Ironie findet ihr hier (natürlich erst, wenn ihr den hier durch habt;-): http://dortmund-diary.de/

Wahre Geschichten aus dem Leben einer jungen Lehrerin, ihre Freude, Verzweiflung und nützliche Tipps findet ihr hier: http://dersteinigeweg.wordpress.com Wirklich empfehlenswert.

Und hier noch die Seite des Musikers, der für den Off Facebook Day das Lied “Ich logg mich aus” geschrieben hat, Marc Hofmann: www.marchofman.de

Facebook-Seite: http://www.facebook.com/pages/Marc-Hofmann-Fanpage/243512939079201

Nur, wenn ihr oder Sie wollen, findet sich eine kleine eigene Werbung in eigener Sache. Am Ende der Seite. Alles andere ist frei und umsonst;-)

English

It is not like everybody has been waiting for this blog to appear – except maybe the author himself. However, I am excited about it and I would like to welcome you.

In this blog, I publish different kinds of texts about a wide range of current topics I chose from my own text material collected over the last years. If you like it, feel free to share on whatever internet platform.

Genres include prose, book reviews, music, thoughts and semi-professional journalistic work. Why should you be reading this? Well, hopefully because it may be fun.

The section B-Logbuch (Journal) comprises essays about current topics, while the section B-Schallt (Supersonic Sounding) consists of current music reviews and own songs. B-Lesen (While-reading) you can find very subjective book reviews. B-Lichtet (Exposed) you find some photos of me. The last section B-Schreibbar (Describable) includes new texts of different genres.

There is only one add In this blog. You find it – only if you want to – at the end of this page.

At the moment, the only English versions can be found in the journal section (poems). There is one English song in the Supersonic Sounding section as well. If you want to read an excellent blog in English, visit

http://bexxi.wordpress.com/

for a broad range of different topics.

B-Werbung: Ich habe gerade eine Novelle geschrieben, die über ein E-Book veröffentlicht werden soll. Sie lesen meinen Blog, mögen ihn und glauben, dass ich auch in fiktiven Schreibformen überzeugen kann?

Der erste Satz lautet: Mein Name ist Bob Blume, aber dazu später mehr.

Der Schriftsteller. Eine Novelle Von Bob Blume (vielleicht)

If you are convinced that my ability to write also works with fictional texts, surely with a professional translator, feel free to contact me.

The first sentence goes: My name is Bob Blume, but more of this later.

The Writer. A novel by Bob Blume (maybe)

Interesse geweckt? info@bobblume.de

Für mehr Informationen, lest doch kurz in die nun folgende Leseprobe herein:

Leseprobe der Kapitel 1 und 2 (von 12):

Der Schriftsteller

Eine Novelle von Bob Blume (vielleicht)

„[...] wie umfasste ich das alles in mein warmes Herz, fühlte mich in der überfließenden Fülle wie vergöttert, und die herrlichen Gestalten der unendlichen Welt bewegten sich allbelebend in meiner Seele.“ Werther 18.August 1771


 

Gewidmet meiner Frau: weil du mehr bist, als….

 

 

Mein Name ist Bob Blume, aber dazu später mehr.

 

Es war ein schreckliches und freundliches Bild zugleich. Hinter einem rechteckigen Schreibtisch, dessen eines Ende parallel zur Tür in den Raum ragte und so die Sicht auf einige wichtige Dinge versperrte, konnte man, wenn man ganz genau hinschaute und nur in Momenten, in denen die Polizei es zuließ, einen Blick auf das Bild erhaschen.

Ein Menschenkörper, nackt und mit 8 Wunden übersäht (das wussten wir damals vor der ganzen Sache noch nicht), lag auf dem anderen Ende des Schreibtisches. Das Gesicht konnte man von hier nicht erkennen, da es aus dem Fenster, auf die anderen Häuser zu schauen schien. Es war still, als seien alle Stimmen mit einem Mal verstummt.

Hätte Noa diesen Mordfall nur nie aufgeklärt. Vielleicht wäre er, wären sie alle, jetzt noch am Leben. So aber sind sie weg – einfach nicht mehr da.

Kapitel I

1.

Ich habe diese Geschichte gehört und dafür meinen Beruf aufgegeben. Ich bin kein Schriftsteller. Ich habe zwei abgeschlossene Staatsexamina für das Lehramt in Gymnasien, eine Frau und keine Möglichkeit, meinen Beruf auszuüben.

Vor allem, seit das alles anfing.

Ich habe bis jetzt immer gedacht, dass ich für mich selbst entscheiden könnte.

Bis vor ein paar Tagen, in denen ich außer Querlesereien in zu philosophischen Büchern oder zu anspruchslosen Zeitungen im weltweiten Netz nichts anderes tat, als meinen persönlichen Erfolg zu imaginieren und dabei immer mehr zu erkennen, dass eine staatlich bescheinigte Referenz nicht unbedingt mit einer ausfüllenden Arbeit zusammenfällt.

Dann hatte ich sehr viel Glück und sehr viel Pech:

Ich erfuhr durch Zufall von einer Geschichte, die so wahnsinnig ist, dass ich sie weitererzählen muss. Ich weiß, dass ich dies bereuen werde, denn mir wurde aufgetragen, das Geheimnis nicht zu lüften.

Gerade in meiner Familie ist es mir jedoch nicht möglich, diesen Rat zu befolgen.

Ich liebe meine Familie, meinen braun gebrannten Vater, der zu stolz ist, sich anzuhören, dass er zu stolz ist. Meine Mutter, die so viel gearbeitet hat und es immer noch tut, dass sie nicht weiß, wie stolz sie auf sich sein könnte. Meine Großeltern väterlicherseits, die wissen, aber so tun, als wissen sie nicht. Meine Oma, die nicht weiß, dass sie eigentlich alles weiß.

Und meine Frau, die immer mehr wissen wird als ich.

Wenn mich die Unfähigkeit zu Schweigen in die Verdammnis führt, dann soll es so sein, dass das, was mich zu dem machte, was ich bin, mich auch wieder zerstört. Ein seltsamer Kreislauf.

Ich beschreibe mich nicht, denn die Vorstellung darüber wäre für diese kurze Zeit völlig sinnlos. Glauben Sie mir.

Nicht zu schweigen heißt nicht, die Wahrheit zu sagen, sondern sich darin zu üben, die Welt mit den eigenen Worten zu erfassen. Wer dies schafft, kann glücklich werden, egal was er tut, welchen Beruf er hat. Leider habe ich meine Worte noch nicht gefunden. Aber ich habe die Geschichte und bin sehr glücklich, sie teilen zu können, da ich nicht weiterleben könnte, in dem Wissen, einer von nur drei Menschen zu sein, die von diesen Zufällen, diesen merkwürdigen Wendungen und diesen unglaublichen Ereignissen gehört haben. Ich kann sie nur so erzählen, wie sie mir vorgetragen wurden. Ich versuche, die Details zu beschreiben, aber ich habe fast keine Hoffnung, alles einbeziehen zu können. Vielleicht muss ich sogar etwas weglassen, damit keiner sein Leben verliert.

Vor allem ich selbst.

Die Geschichte, die ich erzählen möchte, handelt von einem Menschen, dessen Beruf einschloss, ohne das zu sein, was man gemeinhin als Beruf bezeichnet: Er war, zumindest behauptete er das von sich, ein Schriftsteller.

 

Kapitel II

1.

Das Aufwachen war für ihn immer das Schlimmste. Er war meist benommen und es erschien ihm, als sei er noch ein Spielball von sich verselbstständigten Gedanken, die ihn über den Traum hinweg verfolgten. Es war nichts von Bedeutung, aber trotzdem war seine Reaktion auf die kleinen Schnipsel seiner Assoziationen in diesen Momenten lebensbedrohlich. Studenten deren Augen immer größer wurden. Unerträglicher Lärm aus einem einzigen Kindermund.

Er wachte auf, träge, zu träge, um hochzuschrecken. Seine Gedanken hatten ihn durch die Stadt gehetzt, um einzukaufen, aber jeder Laden, an den er kam, hatte einfach die Tür zugeworfen. Ihm war gewesen, als würden ihn die Leute aus den Läden anschauen und über ihn reden.

Dann war er aufgewacht, mit einer aggressiv aufgeladenen Benommenheit, die zwar die Verletzung noch spüren ließ, die ihn fühlen ließ, dass er ausgeschlossen war, die aber keine Kraft fand, sich dagegen zu wehren. Den gesamten Morgen blieb das Gefühl bestehen alleine zu sein. Für Mai war es viel zu warm, so dass Schweißtropfen seine Stirn bedeckten. Der Schreibtisch, der direkt neben dem kleinen Holzbett am Fenster stand, war bedeckt mit Notizen und Büchern, die, hätte man sie nach Themen notiert, alle in einem anderen Regal stehen würden.

Unter aufgestapelten Büchern lagen Tassen, deren braune Kaffeereste schon Bestandteile des Porzellans geworden zu sein schienen. In der Mitte des Schreibtisches stand eine Remington Portable, eine kleine Schreibmaschine, deren U-Taste sich bei jedem Anschlag verklemmte. Er hatte sie von einem Flohmarkt mitgenommen und sich zumindest während er sie in einer Tasche haltend vor den anderen Augen verbarg durch die gehetzten Straßen schlenderte wie ein richtiger Schriftsteller vorgekommen. Jetzt war sie nur mehr ein Zeichen seiner eigenen Unzulänglichkeit.

Er hasste den Anblick seines Schreibtisches vor allem, wenn er aufwachte. Das Aufwachen an sich war schon die Erinnerung an die ewig hohen Ziele, die er immer weiter aufgeschoben hatte.

Sein Professor in der Universität, die er früher immer mit einem besitzenden Fürwort angezeigt hatte, Herr Nebel, bescheinigte ihm bei der Entlassung einen, wie sie sagten „sehr ausgeprägten Sinn für Strukturen und Abstraktionen, der allerdings leider“ – der Professor nutze die Pause, um in die Runde zweier weiterer Kollegen zu schauen – „bei Ihnen Hand in Hand mit einer Lethargie und Überheblichkeit einhergeht, die sie sich nicht leisten können, wenn sie keine Arbeiten einreichen.“

Es war für ihn erstaunlich, wie ihm die Exmatrikulation von der Uni in die Glieder schoss. Eigentlich war es mehr als erstaunlich, dass er überhaupt so lange hatte studieren können. Zwar hatte er sich für kleinere Auftragsarbeiten das Studiengeld verdient, aber in den Seminaren war er zumeist gelangweilt gewesen, sowohl von den Themen als auch der devoten Bereitschaft seiner Mitstudenten, sie ungefragt zu übernehmen.

Jetzt, da er keine Verpflichtungen mehr hatte, konnte er eigentlich tun, was er immer schon gewollt hatte. Ein Leben führen, dass aus Kaffee, Zigaretten, Lesen und Schreiben besteht. Als Kind las er nicht besonders gerne, hörte stattdessen Lyrikkassetten und versuchte so angestrengt, die Worte zu verstehen, dass er oftmals für seine Mutter unerträgliche Wutanfälle bekam, vor die Tür rannte, schrie und die Kassette verfluchte. Aber wenn er ein Wort verstand, fühlte er sich wohl, spielte damit herum und ließ keine Gelegenheit aus, die Leute um ihn herum damit zu nerven. Im Zeugnis der 1. Klasse hatte der Klassenlehrer notiert, dass der kleine Noel dazu tendiere, die Wörter auf die Goldwaage zu legen. Das hatte er seitdem sein ganzes Leben lang getan. Leider sehr erfolglos.

Er versuchte eine weitere halbe Stunde, sich immer wieder umzudrehen, musste dann jedoch einsehen, dass ihn ein weiterer Tag des Kaffeetrinkens und des Rauchens erwartete, während er selbst auf eine Idee, eine Eingebung wie aus dem Himmel wartete, die aber bis jetzt nie gekommen war. Er wuchtete sich aus dem Bett und verharrte schnaufend auf der Bettkannte. Er versuchte, seinen weißen Schrank zu fokussieren, um den Anblick des Schreibtisches zumindest an diesem Morgen so lange es ging heraus zu zögern. Er riss an der kaputten Tür seines Arbeitszimmers, so dass die Klinke wie fast jeden Morgen auf den Boden fiel. Bei dem scheppernden Geräusch hatte Noel plötzlich das Gefühl, nie mehr aus dieser Einsamkeit zu entkommen. Seitdem er sich von seinem Telefon und jeglichen anderen Medien getrennt hatte, war für die anderen Menschen unsichtbar geworden. Auch Versprechen, sich gegenseitig zu schreiben, waren irgendwann im Sand verlaufen. Nur eine einzige Person schrieb im dann und wann Briefe. Er wusste nicht, ob er sie Freundin nennen durfte.

Er hatte sich diesen Zustand selber ausgesucht. Nach der Trennung von der Frau, die er heiraten statt betrügen hätte sollen, wollte er sich durch seinen Rückzug bestrafen und versuchen, die entstehende Kraft für das Schreiben zu nutzen. Der ewige Traum einer produktiven Melancholie, der doch zumeist in Selbstmitleid mündet, das keiner teilen will.

Das Problem war, dass er weder Kraft noch die Lust zu schreiben verspürte. Wenn er versuchte, besonders pfiffige Handlungen zu entwerfen oder auch nur einen Ort in seiner Besonderheit zu beschreiben, musste er zumeist schon nach wenigen Worten erkennen, dass sie ein Abklatsch dessen waren, was er zuvor in irgendwelchen Büchern gelesen hatte.

Er hatte drei besondere Stärken, die sein Leben geprägt, es verschönert, aber zuletzt auch zerstört hatten. Er konnte Informationen aufnehmen, verarbeiten und aussprechen, meist schon bevor andere den eigentlichen Sinn von einem Text auch nur annähernd verstanden hatten. Allerdings hatte er lange dafür gebraucht, überhaupt zu erkennen, dass es sich um ein Talent handelte. In der Universität entstanden die meisten Dispute in den Seminaren nicht über die Themen, sondern über die Fragen nach dem richtigen und dem falschen Verständnis.

Die Unfähigkeit seiner Mitmenschen, Informationen aufzunehmen und zu verstehen hatte Noel in einen für sein Alter sehr ausgebildeten Zynismus gebracht. Mehr noch: er hatte sich das Bild eines Zynikers erarbeitet, dass ihn davor schützte, Stellung unterhalb seines eigen erstellten Anspruchs zu diskutieren.

Die Art, Menschen mit ihrer vermeintlichen Unfähigkeit zu konfrontieren, führte nicht selten zu Tränen und zu Worten, die ihm ewig in Erinnerung blieben. Dabei für ihn die Reaktion der anderen Menschen auf den Vorwurf, Sprache zu benutzen und nicht zu gebrauchten nur die Bestätigung seiner These. Mehr und mehr hatte er es zu seiner Überzeugung gemacht, dass er Menschen, die ihn nicht verstehen konnten, auch nicht um sich haben wollte.

Er war damit sehr erfolgreich gewesen und war jetzt allein.

 

2.

Während er sich an das Fenstersims seiner Toilette lehnte und versuchte, in den fremden Fenstern Momente für eine Geschichte zu erhaschen, wurde ihm bei dem Gedanken an seine heutige Routine fast schlecht. Selbst der Duft nach Kaffee und Spiegelei, das er jeden Morgen in derselben schwarzen Eisenpfanne zubereitete, machte es nicht besser.

Hinter der Maschine hingen Zettel, die ihn an andere Zeiten denken lassen sollten. Sie taten es schon lange nicht mehr. Das Einzige, was die wahllos aufgehängten Kalendersprüche und Dichterzitate ihm zeigten, war die Naivität seiner eigenen Jugend. Nicht selten ging er in den Küche um sich einen Kaffee zu machen und starrte mit Wut auf den Befehl, jeden Tag zu leben, als sein es der letzte.

Wäre es tatsächlich Noels letzter Tag gewesen, er hätte sein Schicksal ertragen, dösend vor einer Fensterbank voller halb angefangener, aber nie zu Ende gelesener Bücher. Er war einer jener orientierungslosen Agnostiker, die die Weltreligionen nur als Ausgangspunkt einer ablehnenden Haltung ansahen, die sich unklar über sich

Selbst ist.

Dieser Tag sollte anders werden. Durch eine Idee und eine Erkenntnis.

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