BILDUNG: Eine Bitte: Werdet keine Lehrer!

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In seiner „positiven Pädagogik“ fordert Prof. Dr. Olaf-Axel Burow dazu auf, die individuellen Stärken der Schülerinnen und Schüler zu erkennen, um sie gezielt fördern zu können. Nur so, so Burow, könne sichergestellt werden, dass jemand auch wirklich besser würde in dem, wofür er sich gerne anstrengt und was ihn glücklich macht. Gerne machen. Glücklich sein. Sich anstrengen.

Was hier so selbstverständlich klingt, ist es was die Lehrer angeht leider nicht. Leider geht es nicht mehr nur um die Forderung Christian Füllers „Versager aus dem Schuldienst“ zu entfernen, wenn sie z.B. wegen ihres Alters dem Beruf nicht mehr gewachsen sind. Man sollte vor allem den jungen Lehramtskandidaten zurufen: Es ist nicht schlimm, wenn ihr dieses oder jenes nicht könnt, nur eine Bitte:

Werdet keine Lehrer!

Da erzählt eine ehemalige Kollegin von ihren Kollegen, die sich über ihre Poster, ihre Anstrengung in der Klasse lustig machen, die sie aufziehen, warum sie denn noch vorbereiten würde. Noch vorbereiten? Nicht viel vorbereiten. Überhaupt! Das tun sie nämlich nicht mehr. Nach zwei bis drei Jahren. Hängt euren Beruf an den Nagel und erklärt allen, die ihr auch kennt:

Werdet keine Lehrer!

Oder jene, die noch nie davon gehört haben, dass es in einer Einheit eine erkennbare Progression geben kann, dass man auf gemeinsame, offene Lernziele hinarbeiten und eine Struktur im Hinterkopf haben kann, die es gemeinsam zu reflektieren gilt. Es ist nicht schlimm, aber:

Werdet keine Lehrer!

Oder noch früher. Wenn ihr das Fach nicht mögt. Wenn ihr die Bücher nicht lesen wollt, weil es euch alles zu viel ist, weil ihr nie wirklich Interesse an eurem Fach hattet, weil ihr nicht weiter fragen möchtet, einfach nur durchkommen. Ich verstehe euch. Es ist schwer. Aber:

Werdet keine Lehrer!

Oder wenn ihr die Kinder nicht mögt. Sie nerven euch, tun nicht das, was ihr sagt, selbst wenn ihr sie bloßstellt und demütigt, so wie ihr es auch in der Schule erfahren habt und obwohl ihr ihnen sagt, dass ihr doch auch keine Lust habt oder noch nie hattet. Macht nichts. Kein Problem. Keiner ist sauer. Aber:

Werdet keine Lehrer!

Und die, die nach einer einfachen Frage forschen, eine Frage für die Bachelorarbeit, die sie ja schreiben müssen (nicht wollen) über irgendetwas, was sie nicht interessiert, weil sie nicht wissen, was sie interessiert. Seid ihr auch hier? Hört zu: Es ist nicht jedermanns Sache, Fragen zu entwickeln, sich neugierig mit der Welt auseinander zu setzen, aber – ihr werdet es vermuten – werdet keine Lehrer.

Nochmals: Werdet keine Lehrer!

Und an euch, die ihr schon von Beginn an keine Lust habt, ihr, die ihr nur lernt, weil ihr wissen wollt, wie es weiter geht. Die ihr nach Materialien für den einen Prüfer fragt, weil man sagte, er sei der einfachste. Steckt es! Geht weg! Lebt! Haut ab ins Ausland! Lernt Menschen kennen! Denkt drüber nach, aber:

Werdet keine Lehrer!

Und zuletzt: Wenn ihr denkt, das Internet geht wieder weg, wenn ihr denkt, es müsse mehr Räume geben, wo die Kinder ihre Handys einschließen, ihr, die ihr denkt, dass das alles schon zu viel ist, dass man doch nur Arbeitsblätter austeilen müsse, dass sich nichts mehr verändern müsste, dass man sich nicht mit anderen austauschen sollte und sein Süppchen allein kocht.

Tut dieses, tut jenes.

Joggt. Schaut fernsehen. Geht ins Büro.

Macht ein schönes Wochenende.

Aber bitte!

Bitte!

WERDET KEINE LEHRER!

 

 

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8 Kommentare zu BILDUNG: Eine Bitte: Werdet keine Lehrer!

  1. Pingback: Selbstgespräch zum Referendariat | Bob Blume

  2. Und wenn sie dann trotzdem LehrerInnen geworden sind, erlebt man/frau immer wieder, dass ungeeignete, faule, unmotivierte, auf den Beamtenstatus schielende Lehrkräfte von der Schulaufsicht verbeamtet werden, weil diese nicht den Mumm hat zu sagen, dass es wenig Sinn macht, in diesem Beruf zu arbeiten. Damit schafft man ein Problem, das Jahrzehnte andauert.

  3. Esel sagt:

    Jeder der also
    1. von Schülern ausgetestet wird,
    2. sich über Prüfer informiert,
    3. ein Fach aufgrund der Fächerkombination wählt und
    4. eine WiHa über ein trockenes Thema schreibt
    – sollte kein Lehrer werden.

    Nach der schwarz-weiss Malerei bleibt keiner übrig 🙂

  4. Marc sagt:

    Das hast Spaß gemacht! 🙂 (Um somit dein Lob zurück zu geben).

  5. Frau Kreis sagt:

    Danke für die Brandrede! Ich hatte in der Ausbildung KollegInnen, die konnten mir bis auf den Cent ihre Gehaltsgruppe herunterbeten, aber nicht den Grund dafür, warum sie in die Schule wollten. Das Problem ist meines Erachtens, dass kaum jemand in der Lehramtsausbildung ehrliches Feedback gibt. Und irgendwann stehst du allein da, als Lehrer und von den älteren Kollegen belächelter Dümmling, der den Unterricht noch vorbereitet („So was machen doch nur Anfänger“, sagt der Kollege vs. „Ganz super ist, dass Ihr Unterricht immer vorbereitet ist“, sagt der Schüler-Feedbackzettel). Ganz nett auch, wenn man darauf hingewiesen wird, dass man das keine 30 Jahre durchhalten könne. Noch schlimmer aber: 30 Jahre Langeweile und schlechten Unterricht aushalten. Das verursacht Burnout …

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