Twitter im Unterricht – ein Experiment

 

https://twitter.com/zweierohne/status/422748193160302592

Manchmal hat man wohl doch ein Brett vor dem Kopf, das es zu lösen gilt. Anders kann ich mir nicht erklären, dass ich nicht hätte vorher darauf kommen können. Für die Argumentation in der Abschlussprüfung für die Realschule heißt die Leitfrage: „Generation online – Leben in verschiedenen Welten.“ Im Prinzip geht es darum, inwiefern Jugendliche und Erwachsene sich durch die neuen Medien immer weiter voneinander entfernen.

Schule – Alltag

Und in der Tat ist es so, dass sich zumindest die Schulen, die nicht auf dem allerneusten Stand der Technik befinden, immer weiter von dem entfernen, was Jugendliche in ihrer Freizeit machen. Generell ist das natürlich nicht schlimm, denn die Schule soll ja kein erweiterter Spielplatz sein. Dennoch ist es fraglich, dass vor allem das Mobiltelefon, das ja für Jugendliche und Erwachsene der Zugriff auf die Welt ist, einfach ausgeschlossen werden soll. Mobiltelefone mit Internet bieten ja nicht nur Gefahren und Versuchungen, sondern auch Möglichkeiten – soweit dies besprochen wird. Google ersetzt mit Sicherheit nicht die Kopfarbeit, die man zwangsläufig leisten muss, um etwas zu verstehen, aber warum sollte man grundsätzlich die Möglichkeiten der virtuellen Welt ausschließen?

Twitter und seine Möglichkeiten

Vor allem die soziale Plattform Twitter bietet zahlreiche Einsatzmöglichkeiten im und über den Unterricht hinaus. Dabei geht es nicht nur darum, dass sich gegenseitig folgende Schüler interessante Materialien über Fragestellungen austauschen oder Informationsseiten vorschlagen können. Richtig angewendet, so die These, funktioniert Twitter auch im Unterricht selbst (wobei es den „normalen“ Unterricht natürlich nicht ersetzen kann). Nehmen wir beispielsweise eine gewöhnliche Unterrichtssituation: Ein Schüler sagt etwas und der Lehrer lobt oder bittet einen anderen, die Antwort zu bewerten. Alle Schüler mit einzubeziehen ist dabei schlicht zu zeitaufwändig.

Nutzen alle (oder fast alle, da man ja auch zusammen an einem Computer oder Mobiltelefon twittern kann) Twitter mit einer gewissen Ernsthaftigkeit, so kann durch das Favorisieren (man vergibt einen Stern so wie man bei Facebook den Like-Button betätigt) dem Schüler durch seine Klassenkameraden zu verstehen gegeben werden, dass sein Einfall ein guter war. Mehr noch: Durch die „Retweet-Funktion“ können Beiträge anderer auf die eigene Seite gestellt und so besonders hervorgehoben werden.

Die Übersicht über die Themen ermöglicht der „Hashtag“ (#), so dass die Diskussion auch in anderen Fächern genutzt werden kann.

Vor- und Nachteile

Dies sind nur einige Möglichkeiten, die besonders dann zur Geltung kommen, wenn die Lehrperson die entstehende Diskussion mit einem Tablet o.Ä. und dem Beamer auf die Wand projiziert.

So können vor allem die Schüler gewürdigt werden, denen mündliche Beiträge normalerweise besonders schwer fallen. Man kann sich gegenseitig helfen oder weitere Fragen aufwerfen, die alle anderen zu beantworten versuchen können.

Ein möglicher Nachteil ist natürlich, dass nicht alle Schüler technisch auf dem neuesten Stand sind. Aber wie schon angedeutet, ist dies leicht durch gemeinsame Arbeit zu lösen.

Ein weiterer, wichtiger Punkt ist der besonnene Umgang mit dem Netzwerk, da es ja prinzipiell jedem möglich ist, einer Person zu folgen. Jedoch lässt sich auch hier sagen, dass eine bewusst störende Person geblockt werden kann und vor allem, dass eine Bewusstmachung des Mediums, wie es allenthalben gefordert wird, ja durch den gemeinsamen und kontrollierten gebrauch vielmehr gefördert wird, als wenn dies allein passiert.

Dennoch sollte eine solche Nutzung erst ab einem bestimmten Alter passieren. Die Testphase wird zunächst die 10. Klasse betreffen.

Alles in allem bieten sich so produktive Möglichkeiten für den Unterricht, die nun in einer Testphase zur Lektüre „Zweier ohne“ ausprobiert werden. Ergebnisse, Schwierigkeiten und Erfahrungen werden an dieser Stelle für Interessierte sichtbar gemacht. Die Spannung steigt.

Was den Datenschutz betrifft, ist Twitter insofern vor Diensten wie WhatsApp und Co anzuordnen, da es hier Möglichkeiten zur anonymisierten Teilnahme gibt (die dann natürlich den betreffenden Personen bekannt ist). Trotzdem bedeutet eine Nutzung nicht, das dienstrelevante Dinge wie Terminabsprachen, Noten und Beurteilungen über den Dienst ablaufen können und sollten. Für die oben angedeuteten unterrichtlichen Möglichkeiten bietet sich der Dienst jedoch mehr als an.

Haben Sie/ habt ihr Anregungen, Fragen, Kritik? Lasst einfach einen Kommentar da.

Twitter im Unterricht: Erste Erfahrungen

Twitter im Unterricht: Visualisierungen 

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7 Kommentare zu Twitter im Unterricht – ein Experiment

  1. Pingback: Twitter im Unterricht? | WESSEN…

  2. Hallo,

    Corinna Lammert hat das schon mehrfach ausprobiert – hier berichtet sie darüber http://pb21.de/2013/06/corinna-lammert-unterrichtsgesprach-2-0/ – ich habe das auch schon ausprobiert, leider bin ich immer nur kurz an den Punkt des „ernsthaften“ Gesprächs gestoßen. Aber so ist es wohl, wenn etwas neu ist.
    viele Grüße,
    Mandy

  3. Andrea sagt:

    Ich würde für alle Beteiligten zunächst einen geschützten (Zwei-)Account empfehlen, bei dem sich alle die Erlaubnis zum gegenseitigen Folgen erteilen. In diesem relativ geschützten Raum, der von den einzelnen Schüler_inne_n je nach Interesse erweitert werden kann, könnte das „ernsthafte“ Twittern eingeübt werden. Die „Twitter-Welt“ kann so zwar eingesehen und eingeladen werden, die große Öffentlichkeit bliebe aber (zunächst) außen vor.

  4. Herr Rau sagt:

    >Nutzen alle (oder fast alle […]) Twitter mit einer gewissen Ernsthaftigkeit, so

    Genau da sehe ich das Problem. Dass Twitter in Bayern für den Dienstgebrauch verboten wäre, ist Kinderkram – aber wie kriegt man die Schüler dazu, Twitter ernsthaftig (oder: bewusst, absichtlich, mit Überlegung) zu nutzen?

    • Bob Blume sagt:

      Das wird sich zeigen. Letztlich folgt man sich ja gegenseitig, das heißt absolute Offenheit. Man könnte es auch Selbstzensur nennen. Man kann als Schüler (oder Lehrer) ja auch einen Zweitaccount nutzen.

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