DISKUSSION: Ein Gedanke zu differenziertem Unterricht

Egal mit wem ich spreche: Viele Lehrerinnen und Lehrer, denen Unterricht eigentlich Spaß macht, vermissen etwas. Oftmals wissen sie nicht, was es ist. Je mehr ich in AGs unterrichte, desto mehr weiß ich es. Denn das, was dort passiert, ist unglaublich. Ein Gedanke. 

Mittelköpfe und 10-G-Unterricht

Schon mein allererster Artikel auf diesem Blog hatte die einfache These, dass Noten „echtes“ Arbeiten in der Schule verhindern bzw. andersherum: dass es ein Zeichen für Gelingen von Projekten ist, wenn nicht nach der Note gefragt wird. Warum? Weil dann das Interesse im Vordergrund steht. Aber wie soll Interesse und Neugier in einem Unterricht im Vordergrund stehen, in dem alle dasselbe machen müssen.

Pirmin Stadler definiert in seiner Zertifikatsarbeit, die unbedingt lesenswert ist, wie Unterricht heutzutage und eben auch schon seit ein paar Hundert Jahren funktioniert.

Zertifikatsarbeit
CAS Unterrichts- und Schulentwicklung, Pädagogische Hochschule Luzern, S.9

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Standardsekundärliteratur, die sich an „modernem“ Unterricht ausrichtet, stellt diese Gs nicht in Frage. Dabei ist Binnendifferenzierung immer entweder Stillarbeit (tatsächlich, denn die Schüler arbeiten alleine und können dies so schnell machen, wie sie wollen). Oder eben eine Expertenaufgabe für „die Schnellen“ oder „die Guten“.

Echte Differenzierung – echtes Lernen

Warum nun gerade darüber schreiben? Meine 10.Klasse hat im Rahmen der Texterörterung – die im Bildungsplan steht und die man im Abitur abrufen muss kann – Leserbriefe geschrieben, die ich in meinem Klassenblog veröffentlicht habe.

Notizen für den Leserbrief, analog

Der einzige Unterschied zum „normalen“ Unterricht war, dass sie völlig frei waren, sich das Thema auszuwählen. Die Ergebnisse sind nicht nur überzeugend, sondern man merkt ihnen, wie ich finde, das an, wonach man in der Schule so oft und vergebens strebt: Relevanz und Bedeutung.

Eine schreibt über Fahrradhelme, einer über die Wirtschaftspolitik der AfD. Die nächste über RB Leipzig und der nächste über Depressionen. Und das, was dabei herauskam, war wieder einmal das Gefühl, dass die Schüler dadurch, dass sie wählen konnten, mehr gemacht haben, als sie mussten.

Step by Step

Warum ist das nun alles so wichtig? Deshalb, weil sich hier zeigt, wie Schule auch funktionieren kann. Damit kommt man wieder auf das Problem der Notengebung zurück, denn wollte ich nun alles benoten (was ich nicht tue, obwohl ich viele explizit gelobt habe) müsste ich 21 verschiedene Glossen lesen und 21 verschiedene Rückmeldungen schreiben (was ich bei Arbeiten tue).

Was aber geschieht, wenn Schüler arbeiten können und man ihnen die Verantwortung überträgt, zeigt sich hier, und: Was digitales Arbeiten leisten kann. Klar, man könnte auch mit allen zusammen in eine Bibliothek. Aber jeden Tag?

Hier zeigt sich wieder das, was ich als „echte digitale Bildung“ (man könnte es auch „zeitgemäße Bildung“ nennen) verstehe. Die Möglichkeiten auf Wissen zuzugreifen, den Lehrer als Beistand zu haben, der Hilfestellungen gibt, aber eben nicht monothematisch alles vorgibt, was abgehandelt werden muss.

Aber…

Es bleiben kleine Schritte. Aber gerade die sind es, die mir so viel Freude und Hoffnung machen. Natürlich, könnte man sagen, mussten die Schülerinnen und Schüler trotzdem eine Erörterung bzw. einen Leserbrief schreiben. Es war sogar vorgegeben, wo sie (am besten) Glossen finden. Dennoch finde ich, dass die Ergebnisse zeigen, was möglich ist, wenn nicht jedes kleine Stück, das Schüler tun, vorgegeben ist.

Ich hoffe, dass ich weitere, kleine Schritte in diese Richtung gehen werden kann.

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