Sowohl im mittlerweile „alten“ als auch im neuen Bildungsplan des Faches Deutsch als auch in neuen Überarbeitungen, nehmen Lektüren (oder Ganzschriften, wie der schreckliche Fachausdruck heißt) eine zentrale Rolle ein. An ihnen können die Schüler viele Kompetenzen erwerben, die über ein bloßes Lesen hinausgehen. Auch dieser Beitrag (wie jener zu Unterrichtsstörungen) entstand aus dem Impuls aus der Facebook-Seite und widmet sich der Frage, wie man Lektüren auswählt und was dabei eine Rolle spielt.

Vorbemerkung

Der schulische Alltag lässt häufig wenig Spielräume für theoretische Annäherungen oder eine zeitintensive Vorbereitung verschiedener Romane, Dramen oder Novellen. Das ist oft schade, denn es gibt wenig, was so lehrreich ist, wie einen Roman oder eine andere Lektüre selbst zu didaktisieren, den Inhalt zu erarbeiten und die methodischen Entscheidungen selbst zu treffen (Hier findet sich eine selbst erstellte Didaktisierung verwiesen; hier lässt sich eine kurze Annäherung lesen, die vom Autor zu einem damals noch nicht didaktisierten Buch erstellt wurde). Ein Buch für Schüler zugänglich zu machen, ist die Königsdisziplin. Nebenbei hilft es, didaktische Entscheidungen jener Autoren besser nachzuvollziehen, die in didaktischen Heften Bücher zugänglich machen. EinFach-Deutsch Hefte sind beispielsweise sehr hilfreich, um Lektüren schon mit viel Material und mit verschiedenen Bausteinen gemeinsam mit der Klasse zu lesen. Bevor wir jedoch eine solche Unterrichtseinheit verwenden können, sollten einige Fragen geklärt werden.

Kompetenzen

Ob man sich mit dem Begriff der „Kompetenz“ nun schwertut oder nicht – er ist eine Hilfestellung, um das, was Schüler (im besten Fall) während einer Stunde an Lern- oder Wissenzuwachs erhalten, zu konkretisieren. Die Kompetenzen, die während der Lektüre eines geeigneten Buchs geschult werden, sind sehr vielfältig. Hier kann viel gewonnen werden, nicht zuletzt die Lust am Lesen, der immer noch wichtigsten Kulturzugangstechnik überhaupt. Wer gut liest, kann sich im Mediendschungel orientieren, seinen Weg finden, mit anderen Kommunizieren und nicht zuletzt die eigene Identität finden.

Der Philosoph und Schriftsteller Peter Bieri schreibt der Sprache in dem essayistischen Büchlein „Wie wollen wir leben?“ eine fundamentale Rolle der kulturellen Aneignung und damit auch einen „Zuwachs an gedanklicher Transparenz“. Auch wenn solcherlei fundamentalen Gedanken nicht bei jeder Entscheidung über eine Lektüre eine Rolle spielen müssen, ist es doch wichtig, sich darüber bewusst zu sein, wie wichtig die richtige Auswahl sein kann. Es geht nicht nur um eine nette Geschichte, sondern um die Erkenntnis von Entscheidungsprozessen anderer Menschen, neue Perspektiven und nicht zuletzt dem Zugewinn an Selbsterkenntnis und Unabhängigkeit.

Auswahlkriterien

Es würde der Lektüre also nicht gerecht, würde man sie nur aufgrund von technischen Kompetenzen auswählen. Es bietet sich immer an, einige Fragen zu stellen, bevor man (entweder mit oder ohne die Klasse) eine Lektüre auswählt (Für die gemeinsame Entscheidung steht mit Sicherheit der demokratische Gedanke; andererseits bietet die alleinige Entscheidung auch die Möglichkeit, die Lektüre so auszuwählen, wie es den Konfliktlinien einer schwierigen Klasse entspricht):

  • Wie ist die Zusammensetzung der Klasse?
  • Welche Interessenbereiche liegen vor?
  • Wo sind besondere Stärken, wo besondere Schwächen der Gruppe?
  • Welche sozialen Probleme sollten angegangen werden?
  • Welches Niveau hat die Klasse bisher beim Lesen gezeigt?
  • Welche Themen sind für einen Großteil der Klasse besonders interessant?
  • Worauf muss die Klasse evtl. thematisch vorbereitet werden?

Außer dem letzten Punkt, der vor allen die institutionellen Gegebenheiten berücksichtigt, also die Frage danach, inwiefern ich beispielsweise in der 10. Klasse mit einer Lektüre epochales oder literarisches Wissen vorentlasten kann, um ein Fundament für die Kursstufe zu legen, berühren die anderen Fragen vor allem den sozialen Bereich.

So bietet sich beispielsweise das Lesen des Buches „Vorstadtkrokodile“ nicht nur aufgrund seiner lebendigen Sprache, sondern vor allem unter dem Aspekt des inklusiven Umgangs an. Oder der für die Mittelstufe interessante Roman „Luke und Jon“ (eine etwas mildere Variante des immer noch absolut empfehlenswerten Romans „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf) unter dem Aspekt der Ausgrenzung. Oder Erebos, wenn es um Computerspiele und ihr Suchtpotenzial geht.

Lehrer als Lerner

All die hier vorgestellten Fragen (derer mit Sicherheit noch mehr gestellt werden können) setzen ein breites Spektrum an Kenntnis vom Lehrer voraus. Das kann entweder bedeuten, dass vor einer Lektüreeinheit Buchvorstellungen nicht nur den Schülern, sondern auch dem Lehrer zeigen, was sich momentan auf dem Jugendbüchermarkt tut. Das bedeutet andererseits aber auch, dass sich die Lehrer selbst mit verschiedenen Jugendbüchern befassen und diese lesen (eine sehr schöne Beschäftigung, nebenbei). Der Lehrer sollte sich – wie eigentlich bei allen thematischen Schwerpunkten der sich heute schnell verändernden Welt – also grundsätzlich als Lerner verstehen.

Praktikabilität

Natürlich schließen diese Anmerkungen auch nicht aus, dass man, aufgrund von Zeitmangel oder anderen widrigen Gegebenheiten Auszüge aus einer Lektüre liest, wie sie schon in Schulbüchern vorgegeben sind. Oder dass man eben mit einer schon komplett fertigen didaktischen Ausarbeitung arbeitet. Allgemein zeigt sich aber, dass der Besitz eines eigenen Buches, das man auch in der Freizeit lesen kann, ein anderes Gefühl evoziert als Lesen in einem von Vornherein schulischen Unterrichtsbuch.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die gemeinsame Arbeit mit Lektüren eine Vielzahl von positiven Aspekten haben kann. Aus diesem Grund sollte die Auswahl wohlüberlegt erfolgen.

 

 

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Die auf beiden Seiten dogmatisch geführte Debatte um den Gebrauch von Mobiltelefonen übersieht Grundlegendes. Ein Hinweis.

Wir kennen die Situation: Eine Familie – zwei Kinder, zwei Erwachsene – sitzen in einem Restaurant. Lokalisieren wir es an einen romantischen Ort, das Ufer eines Sees, an dessen Gehsteig Zitterpappeln und Wacholder in der sanften Abendbrise schaukeln. Dieser Hintergrund ist wichtig, weil die menschlichen Teilnehmer dieses Stilllebens nur passiver Teil der Umgebung sind, weil sie auf ihr mobiles Gerät starren, bis das Essen den pausenlosen Umgang auf die Minuten der Nahrungsaufnahme aussetzt.

Nun gibt es zwei grundlegende Interpretationen dieser natürlich schon beabsichtigt tendenziösen Beschreibung.

Die erste ist die absolute Kritik, die schon in der Verhinderung jeder Wahrnehmung (und deren Ersetzung durch quadratische Instagram-Motive als Vergewisserung des Dagewesenseins) und jeder Kommunikation den Untergang des sozialen Miteinanders durch die Technik und deren unerschöpflichen Möglichkeiten unterhaltsamer Nichtigkeiten sieht. Eine durchaus ernstzunehmende Einschätzung, vor allem deshalb, weil sie so vielfach geteilt wird und so einen kreativen Umgang mit der Technik in Schule und Arbeit verhindert.

Die zweite Interpretation ist die kritiklose Absolution. Denn wenn man das Smartphone als Kulturzugangsgerät umdeutet, dessen Potential bloße Abbildung und Teilung von eigenen Erfahrungen bis in die Entwicklung der eigenen Identität samt Wissens- und Kulturschatzes erweitert, ist gleichsam jede Form der Nutzung legitimiert. In unserem Fall kommuniziert die Familie zwar nicht miteinander, aber sie kommuniziert, erlebt Werte und Wirkung eigener Ansichten. Das Medium – so ein oftmals geäußertes Argument gegen den Umgang mit Smartphones – ist egal, denn die Familie könnte ja auch stumm auf unseren See und die Zitterpappeln starren. Oder auf ein Buch.

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Mir scheinen beide Ansichten nachvollziehbar, wenngleich mir beide auch zu kurz greifen. Eine erste Anmerkung mag sein, dass auch die Dauerzufuhr von Kultur einem Familienabend nicht zwangsläufig den Rang ablaufen sollte. Die zweite ist – und man möge mir das Offensichtliche der Beobachtung verzeihen – Smartphones sind nicht nur smart, womit sie unsere Lust an eigenen und durch kollektive Rückmeldung goutiertes Ich erhöhen. Sie sind auch mobil; immer da.

Das simple Vorhandensein der Befriedigungsmaschine (womit auch immer) ist ein Faktor, den Bücher genauso wenig haben wie andere Medien.

Natürlich ist es wunderbar, immer und überall informiert zu sein, sich mit Freunden zu unterhalten und zu messen, zu diskutieren und zu spielen. Aber es wäre schön, wenn wir anerkennen würden, dass da Dasein des mobilen und smarten Geräts auch dafür sorgen kann, dass wir weniger da sind. Und weniger fragen, wie es uns, der Familie, geht. Oder wie diese Pflanze am Ufer heißt. Und dass es schön ist, hier zu sein, am Ufer bei einer leichten Brise.

Aber vielleicht ist das auch schon technikfeindlich,

Geschrieben mit meinem iPhone.

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Wer viel mit dem Notizbuch Evernote arbeitet, der weiß, dass manche Informationen nicht geeignet sind, um sie in einer amerikanischen Cloud zu speichern. Es sei allerdings direkt gesagt: Wem es tatsächlich nur um „geheime“ Informationen geht, der sollte sowieso auf ein Tool zugreifen, dass eine Komplettverschlüsselung anbietet (Und zwar außerhalb des Passwortschutzes für den Cloud-Dienst oder das iPad oder Tablet.

Geht es allerdings darum, kurze Passagen zu codieren, hat Evernote eine einfache Hilfe. Mit einem Doppelklick auf die Notiz (auch wichtig, wenn man Notizen miteinander verbinden will) kann man Passagen mit einem Passwort schützen. Eine Hilfe für das Passwort setzt man dann direkt darunter, da die Daten ansonsten bei Verlust unwiederbringlich verloren sind.

Das Verschlüsselungssystem funktioniert gut und einfach, allerdings natürlich auch nur dann, wenn die Passwörter einigermaßen sicher sind.

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Eigentlich bin ich blogtechnisch gerade ziemlich ausgelastet mit der kontroversen Blogparade zu Lehrern und Lehrerausbildung; ich halte jedoch die Diskussion um die Demokratie in Deutschland, wie sie gerade durch einige Twitterer angestoßen wird, für sehr wichtig, da eine konstruktive Besprechung derselben zumeist auf ablehnende Weise oder in Ablehnung anti-demokratischen Handelns passiert.

Der Fokus dieser wenigen Gedanken richtet seinen Fokus – soweit dies möglich ist – explizit auf Deutschland und lässt den natürlich sehr wichtigen, aber das Thema zu weit ausweitenden europäischen Rahmen weitestgehend beiseite.

Konservative in der Rückwärtsbewegung

Als demokratisches Land ist Deutschland – und mir ist klar, dass es viele gibt, die dies anders sehen – sehr gefestigt. Damit meine ich nicht, die nationalen und rechten Strömungen, die es zweifelsohne gibt, sondern die innerhalb der Parteien bestehende Verschiebung vormals dominanter Werte. Während sich z.B. die Grünen klar in Richtung Mitte und bürgerlichen Mittelstand orientiert haben – eine Entwicklung, die sich seit der Regierungsbeteiligung noch deutlicher zeigte als in in der Oppostion – hat sich eine Volkspartei wie die CDU soweit in Richtung sozialdemokratischer Werte orientiert – man denke an die (erzwungene, aber immerhin durchgeführte) Energiewende – dass die SPD auch im letzten Wahlkampf Probleme damit hatte, sich in einer generalisierbaren Art und Weise zu positionieren.

Entgegen der Landläufigen Meinung (ohne europapolitische und wirtschaftliche  Erwägungen) ist die deutsche Demokratie in ihrer parlamentarischen Zusammensetzung zusammen gerutscht. Die Diskussion über Probleme, die es natürlich gibt und geben sollte, werden zumindest meistens in respektvoller Weise diskutiert.

Veränderung durch Veränderung

Dies heißt natürlich nicht, dass es nicht genügend Dinge gibt, die zu verändern sind. Allerdings bedeutet Veränderung nicht immer einen so radikalen Umbruch, wie er sich in Teilen Europas abzeichnet.

Veränderungen, die sich nicht innerhalb des institutionellen Spektrums von Regierungsarbeit und derer gelegentlichen Unterbrechung durch Wahlen – deren Wichtigkeit sich allein schon aus der Singularität des Ereignisses und dessen idealen Wertes widerspiegelt – sind schwer herbeizuführen. Denn Veränderung, die wirklich aus demokratischem Geiste passiert, entsteht aus dem Diskurs der Teilnehmenden Vielen. Auch in nicht direkt demokratischen Systemen wie der deutschen repräsentativen Demokratie, ist die positive Mobilisierung von Interessengruppen, wie sie zunehmend möglich ist, immer eine Chance der direkten politischen Einbindung. Denn wenn genügend Menschen einen bestimmten Wert, oder konkret, eine z.B. durch eine herbei geführte online Petition aufgenommene Forderung, unterstützen, kann mithilfe medialer Verbreitung auch direkter politischer Einfluss entstehen.

Aus diesem Grunde ist eine mögliche Einschränkung dieser virtuell-sozialen Einrichtungen, wie sie der türkische Premierminister Erdogan nun vorhat, auch so drastisch für eine funktionierende Demokratie. Veränderung kann nur durch Veränderung von unten entstehen.

Verantwortung von Teilgebenden

Der Begriff der Teilgebers hat sich längst für die twitternden Teilnehmer von öffentlichen Chats entwickelt. Er meint, dass es sich nicht bloß um Zuhörer handelt, sondern um Menschen, die aus einem gemeinsamen Interesse gegenseitig Dinge austauschen, die die anderen in ihrer Sichtweise weiter bringen können. Genau ein solcher Meinungsaustausch, der in konstruktiven Erkenntnissen mündet, ist so wichtig für eine funktionierende Demokratie.

Auf dem richtigen Weg

Sieht man sich an, was heutzutage aus der Netzgemeinde hinein in die „Realität“ von Politik und Medien übertragen wird, und zwar in fast allen Bereichen des menschlichen Lebens – von Bildung bis hin zu internationaler Politik – denke ich, dass man von einem deutschen Standpunkt aus davon sprechen kann, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Eines der Ziele sollte im Sinne einer funktionierenden Demokratie sein, dass sich die verschiedenen Mitstreiter über Strukturen und Inhalte weiter miteinander vernetzen, damit das gemeinsame Forum für den so wichtigen Austausch nicht verloren geht.

Natürlich kann man der Politik vorwerfen, dass sie reaktionär oder opportunistisch ist. Aber die passive Ablehnung ist die gleiche Seite der Medaille. Die andere Seite ist aktive Mitarbeit für lohnenswerte Inhalte und Strukturen. Und dies kann auf vielfältigen Ebenen passieren. Direkt in der Politik, auf dem Nachbarschaftsfest oder durch eine respektvolle Diskussion in Foren oder Blogs.

Bei Interesse an den historischen Strukturen der deutschen Demokratie, kann ich dieses Buch sehr empfehlen: Edgar Wolfrum: Die geglückte Demokratie.