Fragen an die liberale Demokratie: eine Blog- und YTParade

Es ist schon über ein Jahr her, da ich versuchte, die letzte Blogparade ins Leben zu rufen. Damals wurde das Angebot, sich über Lernlust Gedanken zu machen, sehr rege angenommen. Dieses Mal steht die Blogparade ganz im Zeichen der unruhigen Zeiten überall auf dem Globus. Die Fragen, die ich gerne allen, die sich gerne Gedanken machen, stellen möchte, sind an das gerichtet, das unser aller Zusammenleben bisher ermöglicht hat: An die liberale Demokratie. 

Ich möchte alle Blogger – und dieses Mal, auch wenn ich nicht weiß, ob dies angenommen wird – alle Youtuber, die Lust haben, aufrufen, sich den folgenden Fragen anzunehmen. 

Für die Schnellen: Hier die Fragen:

Fragen, deren Antwort die liberale Demokratie zur Zeit schuldig bleibt:

1. Wie schafft man die Kehrtwende gegen den zunehmenden Rechtspopulismus?
2. Warum bestimmen die Rechtspopulisten die wahlentscheidenden Themen?
3. Wie gewinnt man mit Fakten Wahlen?
4. Wie bricht man die Hegemonie der organisierten Rechten in sozialen Medien?
5. Wie verankert man langfristig und nachhaltig liberale Gedanken in der Bevölkerung?
6. Wie schützt man Minderheiten vor Angriffen und politischem Missbrauch in Wahlkämpfen?
7. Wie begeistert man eine Gesellschaft für differenzierte Debatten?
8. Wie versieht man liberale Werte mit einer neuen Attraktivität / Anziehung?
9. Wie bindet man Menschen an demokratische Institutionen, wie Parteien oder Vereine?
10. Warum schenken wir den Wahlforschungsinstituten mehr Glauben, als den Gefühlen, die viele äußern und der offensichtlichen Kräfteverschiebung im Netz?

Nach AfD-Ergebnis bei Landtagswahl, Brexit und Trump würde ich darüber gerne ein bisschen mehr diskutieren.
Mit allen, die Lust auf Freiheit und Gerechtigkeit für alle haben.

(Gesamter Text vom Facebook-Account von Matthias Zeller)

Da es manchmal dauert, bis Blogparaden Fahrt aufnehmen (wenn sie es überhaupt tun), aber auch Weihnachten vor der Tür steht, setze ich die Deadline auf den 20. Dezember 2016. Alle bis dahin eingereichten Artikel oder YouTube-Videostatements können mir zugeschickt werden. Sie werden daran anschließend hier verlinkt und erklärt.

Auf Twitter und Facebook können sie unter dem auf der Demonstration in Kehl zufällig entstandenen Hashtag #nichtmituns gepostet werden.

Ich bin sehr gespannt auf eure Beiträge.

Für die Langsamen: 

Während ich mit Matthias Zeller, dem Kreisvorsitzenden der Jusos Mannheim und Präsidiumsmitglieds der Landesausschuss, im Auto saß, sprachen wir über die Bedrohungen, derer sich unsere Demokratie gerade erwehren muss.

Dabei sagte Zeller einen Satz, der ich bemerkenswert fand. Er sprach von der Frage, wie wir die Mobilisierung des Verstandes schaffen würden. Diese Aussage hat zwei bemerkenswerte Seiten.

Zum einen geht sie auf das ein, was Philippe Wampfler anmahnt, wenn er fordert, dass Sachlichkeit und Faktizität im Umgang mit jenen, die auf einen Gefühlsdiskurs aufbauen, nicht verloren gehen darf; denn so mache man sich gemein. Implizit ist dies auch eine Forderung an den seriösen Journalismus, nicht in die Fahrschneise des Hypes und des Klickbaiting zu geraten (bzw. aus ihr herauszufinden).

Zum anderen ist die Forderung die nach einer aktiven Partizipation. Momentan geschieht diese nur sehr eingeschränkt und dort, wo sie stattfindet, ist sie oftmals gegen die Demokratie, demokratische Strukturen oder deren Repräsentanten gerichtet. Die „Elite“, das „Establishment“, die „politische Klasse“ werden in einen Topf von abgehobenen Snobs geworfen, die „das Volk“ verraten haben, nicht mehr ernst nehmen oder sogar gegen es arbeiten.

Kurz: Es geht darum, wie wir die „schweigende Mehrheit“, die „schlafende Mitte“, aus ihrem Jahrzehnte langen Schlaf befreien.

Auf der Facebook-Seite von Zeller fand ich die vorliegenden Fragen, die die Problematik noch stärker umreißen und konkretisieren. Es sind die richtigen Fragen, auf die eine Antwort zu finden kein leichtes Unterfangen ist. Mittels dieser Blogparade hoffe ich, dass wir Ideen sammeln, Bestandsaufnahmen machen und reflektieren können, wie wir unser Zusammenleben in dieser Demokratie, aber auch in anderen Demokratien dieser Erde von den eruptiven Kräften der Rechten schützen können.

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10 Kommentare zu Fragen an die liberale Demokratie: eine Blog- und YTParade

  1. Mufflkuchen sagt:

    Lehrertypisch auf den letzten Drücker mein Beitrag:

    http://www.finalcurtain.net/blog/?p=2824#more-2824

    Besten Dank für die Blog-Parade!

  2. Pingback: Fragen an die Demokratie - mein Senf dazu ⋆ adenauerhut

  3. Uwe sagt:

    Nun, die Antwort auf Frage 1 ist einfach: Frage 10 nicht stellen.
    Zu Frage 2: Weil ein Verkehrsunfall mehr Aufmerksamkeit erregt als fließender Verkehr.
    Frage 3 ist falsch gestellt. Richtig ist: Warum verliert man trotz Fakten Wahlen? Antwort: Weil Frage 10.
    Zu Frage 6: Inwiefern bedarf z.B. die Minderheit der quartalszahlenorientierten Gewinnverschieber eines besonderen Schutzes?
    Zu Frage 8: Liberale Werte als solche sind keine Werte. Ohne sie mit sozialen Werten in Einklang und Balance zu bringen. Und das ist bildungsabhängig im gesamtgesellschaftlichen Sinne (womit ich aber nicht das Kleine Einmaleins abgewertet wissen will).
    War es nicht Brecht, der uns die Antwort darauf gab, was zuerst kommt: was Spannendes oder was zum Spielen oder Schokolade?
    Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen, und behaupten, dass 100% liberal (ich lass jeden machen, was er will, koste es *wen* es wolle) sozial weitgehend ausschließen würde. Wohingegen 100% sozial (ich schau, dass es allen gleichermaßen so gut wie möglich geht, ohne sich gegenseitig auf die Füße zu treten) am Ende ausreichend „liberal“ zur Verfügung stellen würde. Und wer das dann nicht für ausreichend hält, wird das „sozial“ einschränken müssen.
    Die Frage kann also nicht sein, ob der Sklave in meinen Kakao bluten darf (normal) oder nicht (Utz-zertifiziert), sondern ob ich liberal bin und dem Sklaven die Selbstverantwortung (beliebter Euphemismus bei den Liberalen) für sein Dasein überlasse, oder sozial bin und dem Sklaven zur Selbstbehauptung verhelfe.
    Aber wo gibt es schon 100% außer bei Baumwolle?

  4. Uwe sagt:

    Nun, die Antwort Abfrage 1 ist einfach: Frage 10 nicht stellen.
    Frage 3 ist falsch gestellt. Richtig ist: Warum verliert man trotz Fakten Wahlen? Antwort: Weil Frage 10
    Zu Frage 6: inwiefern bedarf z.B. die Minderheit der quartalszahlenorientierten Gewinnverschieber eines besonderen Schutzes?
    Zu Frage 8: Liberale Werte als solche sind keine Werte, ohne sie mit sozialen Werten in Einklang und Balance zu bringen. Und beide sind bildungsabhängig im gesamtgesellschaftlichen Sinne (womit ich aber nicht das Kleine Einmaleins abgewertet wissen will).
    War es nicht Brecht, der uns die Antwort darauf gab, was zuerst kommt: was Spannendes oder was zum Spielen oder Schokolade?

  5. Der Zyniker fragt sich bei
    „3. Wie gewinnt man mit Fakten Wahlen?“ direkt:
    Wann war denn das das letzte Mal?

    Als 1990 (+/-) jemand „blühende Landschaften“ versprach, wurde die Person gewählt. Die Person, die sagte, „Wiedervereinigung wird teuer“, wurde nicht Kanzler.

  6. Pingback: “Political Correctness” im Lehrerberuf.

  7. Pingback: Generation: Egal | Bob Blume

  8. Jan sagt:

    Puhh.. da machst du ja ein Fass auf.
    Ich grübel mal eine Weile drüber.
    (Unglücklich bin ich aber mit Frage 10, die in Kontrast zu Frage 1 steht. Stichwort „postfaktisch“. Natürlich lagen die Institute daneben – aber das ist kein Grund, zukünftig noch mehr Krakenorakel zu erzeugen und aus Bierstuben Prognosen zu erfragen.)

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