Apple Watch und Co. Spicken mit der Smartwatch

Auch wenn das Wetter nicht ganz mitspielt: Die böse digitale Entwicklung taugt immer, um ein Sommerloch zu füllen. Jetzt ist es die „Welt“, die Schulen und Universitäten aufgrund der Smartwatches vor einem „Riesenproblem“ sieht. Und das lässt sich sogar mit einer Zahl ausdrücken.

Ich erinnere mich sehr gut daran, wie ich spickte. Das Fach war Geschichte. Ich hatte mir Mühe gemacht und ein ganzes Din-A 4 Blatt beschrieben. Beidseitig! Ganz ohne irgendwelche Hilfsmittel oder Tricks legte ich mir das Blatt auf den Schoß und verrenkte mich, damit der Lehrer es nicht sah. Es war eine Qual. Ich schwitzte, hatte Herzklopfen und ein sehr schlechtes Gewissen. Aber ich schaffte es. Eine ganze Seite konnte ich abschreiben. Die Überraschung folgte später.

Heute haben es die Schülerinnen und Schüler vermeintlich einfacher (wenn sie die paar Hundert Euro parat haben, die eine smarte Watch kostet). Sie schauen einfach auf die Uhr und schon wissen sie alles, was gefragt wird. Easy! Und da das so einfach ist, müssen die Schule und Universitäten das tun, was getan werden muss: Mit Verboten!

Diese Verbote sind schneller in Schulgesetzen implementiert als man „Umdenken“ sagen kann. Dabei wäre selbiges gar keine so schlechte Idee. Denn welche Fragen sind es, die man mit einer Smartwatch lösen kann? Sind Prüfungen, die so einfach durch „Einflüstern“ oder ein ein paar Zentimeter großes Display gelöst werden können, tatsächlich der Bildungsanspruch, den man Schüler_Innen und Studenten stellt.

Die „Welt“ zitiert im letzten Absatz immerhin jemanden, der einen konstruktiven Vorschlag vorbringt:
Für Philologen-Chef Meidinger ist deshalb klar, dass die Schulen und Hochschulen auf- und umrüsten müssen: „Es braucht Prüfungen, die so gestaltet sind, dass es nicht auf richtig oder falsch ankommt, sondern auf mehr. Die zunehmende Verbreitung der Ankreuzprüfungen ist da der falsche Weg.“
Welche wahnwitzige Idee. Das da keiner früher drauf gekommen ist.

Einen Satz später geht es dann jedoch auch schon wieder um flächendeckende Störsender (in der Tat lustiger, als man annehmen könnte, warten doch die meisten Schulen  auf funktionierendes W-Lan; aber immerhin ein komplexes, durch das Land organisiertes System).

Momentan reagieren die Behörden, wie sie gerne reagieren. Restriktiv. Ich bin sehr gespannt, was in, sagen wir, 10 Jahren passiert. Dann nämlich, wenn die Mikros in den Pulli eingesteckt, Google in der Brille haben  oder für nur die ausführende Person auf dem Fernseher sichtbar ist. Aber da gibt es bestimmt zahlreiche Ideen für Verbote. Oder man muss dem einen oder anderen das Gadget aus dem Auge operieren. Wer würde schon darauf kommen, dass sich Bildung und deren Prüfung nach der Zeit richten könne, in der sie geschieht?

Sodann kann ich den 10% Schülern, die nach Information der Zeit mit dem Handy gespickt haben (im Vergleich zu was? Ach, egal) nur gratulieren.
Denn als ich damals meine Arbeit wiederbekam, hatte ich anstelle der 10 Punkte nur einen Smiley und einen „Gummipunkt“. Mein Lehrer erklärte mir auch sehr schnell, warum. Ich verstand.

Ich hatte die falsche Seite abgeschrieben.

Dieser Beitrag wurde unter B-Schreibbar veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Apple Watch und Co. Spicken mit der Smartwatch

  1. Pingback: Wenn Spicken erlaubt ist | Bob Blume

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.