Anbei finden sich einige Ausführungen zu den Darstellungsformen, Erzählperspektiven und Gedankenwiedergaben in der Epik. 

Weitere Ausführungen zum Thema Kurzgeschichten gibt es in dem Band „Endlich Kurzgeschichten verstehen“. Dabei handelt es skdpich um eine Schülerhilfe, mit präzisen Tipps für bessere Interpretationen, Interpretationshilfen, vollständigen Interpretationen und einem großem Methoden- und Fachglossar.

Endlich Kurzgeschichten verstehen: Interpretationen und verständliche Tipps für eigene Interpretationen (Mittelstufe bis Oberstufe)
  • Fianke, Bob Blume/ Sarah (Autor)
  • 71 Seiten - 06.08.2019 (Veröffentlichungsdatum) - Independently published (Herausgeber)

Darstellungsformen und Rede- und Gedankenwiedergabe

Der Erzähler verfügt über unterschiedliche Darstellungsformen, um dem Leser das Geschehen zu präsentieren. Er kann selbst erzählen oder aber er lässt seine Figuren sprechen, z. B. in direkter oder in­direkter Rede, in „erlebter Rede“ oder „innerem Monolog“.

Erzählperspektive

Die Erzählperspektive ist die Position des Erzählers (Blickwinkel) gegenüber den von ihm erzählten Geschehnissen (Nähe, Abstand/ Distanz). Diese können aus der Innen- oder Außenperspektive erzählt werden.

Darstellungsformen (Erzähler) Rede- und Gedanken­wiedergabe (Figuren)
Bericht

straffe, geraffte Darstellung der Handlung in zeitlicher Abfolge

direkte Rede

wörtliche Wiedergabe dessen, was eine Person spricht (Zeitdeckung; Redezeichen oft weggelassen)

Beschreibung

anschauliche Darstellung z.B. von Schauplätzen, Figuren, Gegenständen

indirekte Rede

verkürzte Wiedergabe dessen, was eine Person sagt oder denkt (Zeitraffung)

Der Erzähler wertet und setzt Schwerpunkte. Der Konjunktiv schafft Distanz.

szenische Darstellung

breite Erzählweise, meistens mit erzählter Figurenrede und Entfaltung der Situation (vgl. Szene im Drama)

Erlebte Rede

Wiedergabe von Gedanken und Gefühlen einer Figur in der 3. Person Indikativ Präteritum (ohne direkte oder indirekte Rede)

Die erlebte Rede steht zwischen direkter und indirekter Rede. Es heißt nicht: „Muss ich mit dem Zug fahren?“ oder: Sie fragte, ob sie mit dem Zug fahren müsse. Formal berichtet zwar der Erzähler (Erzählerbericht), aber die Perspektive verlagert sich zur Erzählfigur. Der Erzähler tritt ganz in den Hintergrund.

Kommentar

Eingreifen des Erzählers mit Bemerkungen, Urteilen oder Überlegungen

Innerer Monolog

Wiedergabe von Gedanken und Gefühlen einer Figur in der 1. Person Präsens

Muss ich mit dem Zug fahren? Gibt es keine andere Möglichkeit? Ich vertrage doch die vielen Menschen nicht.

Bewusstseinsstrom

Unmittelbare Wiedergabe von Gedanken, Gefühlen, Assoziationen, Erinnerungen einer Person. Der Erzähler tritt ganz zurück und gibt den Blick frei in das Innere der Person. Oft kommt es zur Zeitdehnung. Häufig verzichtet der Autor auf eine festgefügte, klare Syntax. Auch Halb- und Unterbewusstes kommt zur Darstellung. Nähe zum Film!

 

Erzähler

Von einer Erzählperspektive spricht man, wenn es darum geht, wie viel ein Erzähler über sich und die Figuren weiß. Der sogenannte auktoriale, bzw. allwissende Erzähler weiß – wie der alternative Name schon sagt – alles. Er kennt die Gedanken aller Figuren und kann zwischen Innen- und Außenperspektive wechseln. Das bedeutet beispielsweise auch, dass er Dinge weiß, die die Figuren selbst nicht wissen. Mithilfe der Erzählhaltung (siehe Kapitel weiter unten) kann er zudem eine kritische Distanz zu dem Erzählten einnehmen (gut zu erkennen in den meisten Kurzgeschichten von Sibylle Berg).

Der personale Erzähler ist die Perspektive auf eine der Figuren beschränkt. So weiß der Leser beispielsweise, wie eine bestimmte Figur denkt, aber kann über deren Horizont hinaus nichts sagen. Anders als beim auktorialen Erzähler ist die Sicht hier also eingeschränkt. Die Erzählhaltung ist eng mit demjenigen verknüpft, der eben jene Figur ist, aus deren Sicht gesprochen wird. Der Erzähler kann in der Ich-Form, aber auch in der Er-/Sie-Perspektive sprechen.

Der neutrale Erzähler übernimmt keine Position innerhalb der (Kurz-)Geschichte. Es findet keine Reflexion des Geschehens statt. Stattdessen wird alles ohne Wertungen oder Urteile berichtet. Hier  herrscht eine Außensicht auf das Geschehen vor. Normalerweise herrscht eine Er-/Sie-Erzählform vor, wobei die Figuren durchaus sprechen können und so die Neutralität für die Zeit ihrer eigenen Aussage unterbrechen.

Erzählform

Der Autor oder die Autorin wählt mit dem Erzähler eine bestimmte Erzählform (Er-/Sie- bzw. Ich-Erzähler). Diese Form kann verschiedene Wirkungen haben, die den Leser beeinflussen. Sie kann Intimität erzeugen (Ich-Erzähler), aber eben auch dazu führen, dass man dem Leser nicht glauben kann, was er berichtet (unzuverlässiger Erzähler), weil er entweder nicht die Wahrheit sagt oder bestimmten Beschränkungen unterliegt.

Erzählhaltung

Die Erzählhaltung ist die Einstellung, mit der der Erzähler dem Leser die fiktionale Welt vermittelt (sachlich, ironisch, humorvoll, kritisch, melancholisch. … ). Diese wirkt sich auf die Art der Darstellung und die Sprachverwendung aus.

 

Figurenkonstellation

Der Erzähler plant die Beziehungen zwischen den Figuren sorgfältig, sodass man diese in einem Figurenkonstellationsschema abbilden kann. Es gibt Haupt- und Nebenfiguren. Dabei kommen Grundkons­tellationen immer wieder vor: Protagonist vs. Antagonist (Spieler -Gegenspieler); „Held“ (Zentralfigur); Dreiecks­konstellation

Der Erzähler kann seine Figuren (Personen) auf vielfältige Weise gestalten, er kann sie z.B. direkt charakterisieren (beschreibend oder wertend) oder eine Figur eine andere (direkt) charakterisieren lassen; er kann sie auch indirekt charakterisieren, so dass sich der Leser aus dem Verhalten und den Äußerungen der Figur selbst ein Bild von dessen Charakter machen muss.

Der Gestaltung einer Figur liegt eine bestimmte Figurenkonzeption zugrunde: Figuren können gestaltet sein als Typen, individuelle Charaktere, statisch oder dynamisch (Entwicklung) etc.

 

 

Zeitgestaltung

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Erzählzeit – also der Zeit, die man braucht, um die Kurzgeschichte oder die Passage zu lesen und der erzählten Zeit – also der Zeit, die durch die Kurzgeschichte umfasst wird.

In Extremfällen könnte eine Kurzgeschichte also nur zwei Minuten in Anspruch nehmen, aber über mehrere Jahre handeln. Bei Dialogen sind die beiden Formen der Zeitstrukturierung hingegen Deckungsgleich. Dabei spricht man von Zeitdeckung.

Bei der Zeitdehnung hingegen ist die Erzählzeit länger als die erzählte Zeit. Dies kann einen Effekt erzeugen, den man in Filmen als Slow Motion kennt. Bei der Zeitraffung ist die Erzählzeit kürzer als die erzählte Zeit.

Kurzgeschichten können dabei die zeitliche Struktur noch insofern verändern, als dass es auch möglich ist, am Ende zu beginnen (in ultima res), also nicht chronologisch, sondern asynchron zu erzählen. Auch Vorausdeutungen (Prolepsen) und Rückschauen (Analepsen) sind möglich, um das Geschehen spannend zu gestalten oder anderweitig zu verändern.

 Weitere Aspekte

Weitere Aspekte kann man in dem Artikel „Aspekte der Analyse von Kurzgeschichten“ lesen.

 

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