Die Themenauswahl beim “materialgestützten Schreiben argumentierender Texte”, also beim Verfassen eines Kommentars, der sich auf vorliegendes Material beziehen muss und die Texte für die Analyse und die Erörterung, sind seit einiger Zeit domänenspezifische. Das bedeutet, dass bei diesen Aufgabenformaten Gebiete thematisiert werden, die den Deutschunterricht betreffen (hier eine Liste der Themen). Anstatt den Schüler*innen des Deutschkurses die Themengebiete passiv vorzusetzen, war es ihre Aufgabe, sich eines der Themen zu erarbeiten. Mehr noch: Sie sollten es in einer Weise tun, die es ermöglicht, dass die andere mit dem Material lernen und sich vorbereiten können. An dieser Stelle möchte ich dieses gesammelte Material zur Verfügung stellen, so dass auch andere damit arbeiten können. Es ist mit dem Kurs abgesprochen. 

Inhalt

Aufgabenstellung

Offenes Arbeiten und Kompendium: Domänenspezifische Themen der Textanalyse

Zielsetzung

In der offenen Arbeit zu den domänenspezifischen Themen der Textanalyse ist es ihre Aufgabe ein Teil eines Kompendiums(eine Art Sammlung zu unterschiedlichen Themen) zu erstellen, dass dann zusammengenommen als Vorbereitungsmappe für den Kurs dienen kann.

Die Themenbereiche sind die Folgenden und können über den QR-Code abgerufen werden:

Die von den unterschiedlichen Gruppen vorbereiteten Themen werden dem gesamten Kurs vorgestellt. Dabei geht es darum,das zusammengestellte Material zu einem Teilgebiet sinnvoll vorzustellen.

Vorgehen

Nach der Auswahl eines Themas sollen seine unterschiedlichen Aspekte so von Ihnen recherchiert und aufbereitet werden, dass jemand, der sich das Thema nicht selbst erarbeitet hat, die wichtigsten Aspekte, Definitionen und Bereiche versteht, einen Beispieltext hat und mit angemessenen Fragestellungen üben kann.

Aus diesem Grund muss der jeweilige Teil folgende Aspekte enthalten (das Ganze kann natürlich noch mit weiteren Aspekten erweitert werden, die für das jeweilige Thema spannend, interessant oder sinnvoll sind, beispielsweise Statistiken, Übersichten etc.). Denken Sie daran, immer Quellen anzugeben.

Aspekte

Allgemeine und spezifische Definitionen

·       Um welches Thema handelt es sich?

·       Welche Teilbereiche spielen in dieses rein?

·       Welche Begriffe sind für das Verständnis relevant?

Erklärung der gesellschaftlichen Relevanz

·       In welchem Zusammenhang spielt das Thema eine Rolle?

·       Welche Besonderheit hat es?

·       Wo verlaufen Konfliktlinien?

Analyse von Beispielen

·       Was sind typische Positionen?

·       Wie werden diese begründet?

·       Welche Gegenteilige Auffassungen gibt es?

Darstellung von Aufgaben

·       Vorbereitung eines oder mehrerer Texte

·       Vorbereitung zugehöriger Aufgaben

·       Vorbereitung von Lösungen

Verschiedenes

·       Literatur, Video- oder Audiotipps

·       Quellenangaben

 

Themenkompendium

1 Fiktionalität

Von Jonas, Nico und Samuel

„Denn der Geschichtsschreiber und der Dichter unterscheiden sich nicht dadurch voneinander, dass sich der eine in Versen und der andere in Prosa mitteilt (…); sie unterscheiden sich vielmehr dadurch, dass der eine das wirklich Geschehene mitteilt, der andere, was geschehen könnte.“ (Aristoteles)

Allgemeine und spezifische Definitionen

  • Um welches Thema handelt es sich?

Es handelt sich um Fiktionalität, die Schaffung einer eigenen Welt auf Grundlage von realen Tatsachen oder wahren Begebenheiten, die erweitert und ausgeschmückt werden.
Fiktional können Literatur, Film oder Malerei sein (bspw. Romane). Ein fiktionaler Text usw. kann aufgrund dieser Merkmale und Textsignale direkt leicht erkannt werden. Der Text wird fiktional, wenn man ihn ansieht als den einzigen Zugang zu der „Welt“, die er beschreibt. Zwischen Fiktionalität und Faktualität (Tatsachenwidergabe) verläuft der Übergang jedoch fließend.
Erklärvideo: https://www.youtube.com/watch?v=pfDcUOJcRkI

Wichtige Begriffe

Fiktivität: Etwas im fiktionalen Text Dargestellte.
Fiktionalitätssignal: Hinweis in der Realität(z.B. Bezeichnung „Roman“)
Fiktivitätssignal: Hinweis in fiktionalem Text (unmöglich reale Sache)
Faktualität: Gegenteil zu Fiktionalität (schließen sich nicht aus), real

Fiktionale Aspekte

Kann sich auf Sachverhalte oder Orte der nicht textuellen Wahrheit beziehen.
Bezieht sich ausschließlich auf Sachverhalte und Orte der nicht textuellen Wahrheit.
Wird meist im Präteritum oder Imperfekt verfasst, damit sich der Leser besser in die Situation hineinversetzen kann.
Kann in fast allen Zeitformen geschrieben sein, abhängig vom beschriebenen Sachverhalt.
Der Autor weiß über den Gefühlsstand und die Gedanken der Figuren Bescheid.
Der Autor weiß über den Gefühlsstand und die Gedanken der Figuren nicht Bescheid, außer es handelt sich um ihn selbst (z. B. Biografie).
Wird häufig in der dritten Person geschrieben (erste Person ist aber auch möglich).
Wird meist in der dritten Person geschrieben.
Viele Verben der Wahrnehmung, um die Umgebung oder Gefühlslagen zu beschreiben.
Verben der Wahrnehmung werden eher selten verwendet.
Der Leser braucht ein gewisses Vorwissen, um die Verhältnisse in der fiktionalen Welt zu verstehen, welche in der Regel im Text erklärt werden.
Der Leser braucht eventuell ein gewisses Vorwissen, welches oft vorausgesetzt wird (z. B. politische Ereignisse etc.)

Erklärung der gesellschaftlichen Relevanz

  • Inwiefern spielt das Thema eine Rolle?

Fiktionale Werke sind meist zur Unterhaltung und zum Zeitvertreib gedacht und geschaffen, behandeln aber häufig auch kontroverse Themen in der Gesellschaft.

  • Was hebt diese Kunstform von anderen (literarischen) Werksformen ab?

Die Texte erheben keinen Anspruch darauf, an der außersprachlichen Wirklichkeit überprüfbar zu sein.
Andere literarische Formen unterscheiden sich in ihrer sprachlichen Form (Gedicht, Kommentar…), fiktionale Texte dagegen grundlegend im Inhalt und dem, was erzählt wird.

  • Wo sind mögliche Konfliktlinien?

Was faktualer Text darf nicht lügen, bestimmte Grenzen sind ihm aufgrund der Realitätgesetzt. Doch wie sieht es mit fiktionalen Texten aus?
Gerade durch ihre fiktionalität können diese Werke besondere Kritik an der Gesellschaftundauch der Politik ausüben. Sie sind und waren ein wichtiger Wegindirekt Meinung zu vermitteln.
Diese Tatsache, gewollt oder ungewollt vom Autor, kann zu Kontroversität führen und die Gesellschaft spalten.
Positionen zur Fiktionalität

Fiktionalität soll in erster Linie die Phantasie anregen und den Leser unterhalten. Obwohl ein Text von unwahrscheinlichen Dingen handelt, hat er aufgrund seiner sprachlichen Struktur für den Leser eine nachvollziehbare Logik.
„Er will durch die mitgeteilten (erfundenen) Geschichten und deren sprachliche Gestaltung unterhalten werden und seine Einbildungskraft anregen lassen. Er ist damit einverstanden, dass sein Leben, seine ihm zugängliche kleine Realität, gleichsam um die der literarischen Helden erweitert wird.“ – lernhelfer.de
Daraus schließt sich die Frage, ob dieser Phantasie überhaupt ein Nutzen vorliegt, oder ob es reiner Zeitvertreib ist. Obwohl sich die Mehrheit auf einen genügenden Nutzen in der Unterhaltung einigen können, könnte man den Punkt anführen, dass Fiktionalität nicht die Realität darstellt und dementsprechend keinen Mehrwert beinhaltet.

Aufgrund der Fiktionalität, und damit der Realitätsferne, hilft uns der Text/ das Werk nicht dabei, die Welt besser zu verstehen, sondern kann als lediglich eine Flucht aus der Realität beschrieben werden.
Andererseits kann man den Mehrwert auch darin sehen, dass die „Flucht aus der Realität“ uns gerade dabei hilft, die Realität besser zu verstehen. Durch moralischen Mehrwert und Übertragbarkeit auf das hier und jetzt können wir einen abgesonderten Blick auf die Dinge werfen und der teils auf der Realität basierende Fiktionalität so einen Mehrwert geben.

Beispielaufgaben

Der süße Brei

Es war einmal ein armes frommes Mädchen, das lebte mit seiner Mutter allein, und sie hatten nichts mehr zu essen. Da ging das Kind hinaus in den Wald. Dort begegnete ihm eine alte Frau, die kannte seinen Jammer schon und schenkte ihm ein Töpfchen, zu dem sollte es sagen “Töpfchen, koche.” so kochte es guten süßen Hirsebrei, und wenn es sagte “Töpfchen, steh.” so hörte es wieder auf zu kochen. Das Mädchen brachte den Topf seiner Mutter heim, und nun waren sie ihrer Armut und ihres Hungers ledig und aßen süßen Brei so oft sie wollten.
Einmal war das Mädchen ausgegangen, da sprach die Mutter “Töpfchen, koche.” da kochte es, und sie aß sich satt; nun wollte sie, dass das Töpfchen wieder aufhören sollte, aber sie wusste das Wort nicht. Also kochte es weiter und der Brei stieg über den Rand hinaus. Es kochte die Küche und das ganze Haus voll, und das zweite Haus und dann die Straße, als wollte es die ganze Welt satt machen.
Endlich, wie nur noch ein einziges Haus übrig war, da kam das Kind heim, und sprach nur “Töpfchen, steh.” da hörte es auf zu kochen; und wer wieder in die Stadt wollte, der musste sich durchessen.

  • Gebrüder Grimm

A1
Beweise, dass der Text fiktional ist und nenne die Textart.

A2
Arbeite eine mögliche Moral heraus, und/ oder die gewollte Wirkung des Textes auf den Leser und erkläre diese. (z.B. um den Leser zu bilden/ aufzuklären etc.)

Lösungen:

A1
Fiktivitätssignale: Topf, welcher auf Ausrufe reagiert.
Topf, welcher ohne Zutaten kochen kann
Topf, welcher ohne Hitze kochen kann
Topf, welcher unendlich viel kochen kann
Straße wird überflutet von Hirsebrei
Fiktionssignale: Bezeichnung als „Märchen“

Weitere Hinweise:Im Präteritum verfasst

A2
Der Geschichte ist keine eindeutige Moral auszunehmen.
Demnach verfolgt sie hauptsächlich das Ziel, den Leser zu unterhalten.
Wollte man dennoch eine Moral finden, könnte man das Überfluten der Stadt mit Hirsebrei als positiv ansehen und zu dem Entschluss kommen, dass die alte Frau gnädig zu dem armen Mädchen war und nun selbst eine Belohnung erhielt.

Quellen

Weitere hilfreiche Links:
https://kurzelinks.de/nn1z
https://kurzelinks.de/ypck
https://kurzelinks.de/wv2w
https://kurzelinks.de/l3io

2 Film

Zum Thema Film hat keine Gruppe gearbeitet.

3 Medial vermittelte Welt

Von Isabell, Josefine, Hellen, Sophie

Definitionen, Themen, Inhalte und Aufgabenstellung

Um welches Thema handelt es sich?
Allgemeine und spezifische Definition:
    
  • Medien: Trägersysteme zur Informationsvermittlung [z. B. Presse, Hörfunk, Fernsehen]
  • Filterblase: Das Konzept der Filterblase ähnelt einem anderen Phänomen, welches als Relevanzparadoxon (englisch relevance paradox) beschrieben wird. Demzufolge suchen Personen und Organisationen Informationen, die von Anfang an für relevant gehalten werden, sich dann aber als nutzlos erweisen oder nur von teilweisem Interesse sind.
  • Fake News: Als Fake News werden manipulativ verbreitete, vorgetäuschte Nachrichten bezeichnet, die sich überwiegend im Internet, insbesondere in sozialen Netzwerken und anderen sozialen Medien, zum Teil viral verbreiten.

Medial vermittelte Welt

Wir leben in einer medial vermittelten Welt, der sich keiner entziehen kann – mit all ihren Chancen und Risiken. Egal, wo du dich befindest oder was du tust, in der medialen Welt geht es immer um Daten; wir geben freiwillig darüber Auskunft und überlassen die persönlichste aller Ressourcen anderen.

Themenbereiche:

  • Demokratisierung
  • Strukturen &  Veränderungen durch digitale Medien 
  • Social Media
  • Fake News
  • Filterblase
  • Hate Speech
  • Cancel Culture

Erklärung der gesellschaftlichen Relevanz

In welchem Zusammenhang spielt das Thema eine Rolle?
Gesellschaftliche Vielfalt ist heute sichtbarer als früher. Mehr Menschen haben und nutzen die Möglichkeiten, sich an öffentlichen Debatten zu beteiligen. Dabei werden Sprechpositionen, Verhalten, Denkmuster auf neue Weise befragbar.
heutzutage läuft ein großteil unserer Kommunikation und Leben über Medien ab. Medien gelten als vierte Gewalt, da sie Informationsvermittler sind. Dabei beeinflussen sie die Meinungsbildung der Menschen. Dabei gibt es verschiedene Schwierigkeiten wie folgende
Konfliktlinien rund ums Thema:
Fake News  (Bsp. Trump https://bit.ly/3uvIDNC)
Cancel Culture (Bsp. Kathleen Stock https://bit.ly/35TYR8U )
Filterblase (Bsp. Ken Jebsen https://bit.ly/3AYu9Ha https://bit.ly/3gpofFt )

Cancel Culture

übersetzt.:  Anullierungs-Kultur 
Kultur erklärt: “Kultur nenne ich das Bündel, die Gesamtheit der Gegenstände bzw. Artefakte (materiell, physisch wie ideell, geistig), die zu dem jeweiligen „Betriebssystem“ gehören, vermittels dessen sich die Menschen (bzw. Menschheit) zu einer gegebenen Zeit (historisch) an einem bestimmten Ort (räumlich) ihre notwendige Gesellschaftlichkeit organisieren. Kultur ist also etwas Gesellschaftliches (Soziales), das einerseits überhaupt die Menschheit als Kollektiv(e) und insgesamt als Spezies konstituiert und am Leben erhält und andererseits jedes einzelne Individuum zur Person, zum Mitglied dieser Gesamtheit werden lässt. Kurz: Menschheit und Einzelmenschen gibt es nur mit Kultur. Und Kultur ist immer historisch konkret bedingt durch das, was die Menschheit sich bisher schon als Formen ihrer Gesellschaftlichkeit geschaffen hat einerseits und andererseits durch die Begrenzungen, die jeweils historisch konkret die Umwelt ihnen bietet, diese Potenziale zu realisieren. Aber auch durch die Herausforderungen durch ihre Umwelt (äußere und innere), die sie zwingen, über diese Begrenzungen hinauszugehen.  […]
Der Zugang zu einer Kultur ist die grundlegende Voraussetzung für die Teilhabe an ihr. Teilhabe heißt: Verstehen, Benutzen (Genießen) und Mitgestalten. Diese drei sind nicht in einer Reihenfolge zu sehen, sondern gehören im Lebensvollzug zusammen: Ich verstehe nur, indem ich benutze und m

https://zumpad.zum.de/p/Medial_Vermittlete_Welt

Außentext und Musterlösung: https://zumpad.zum.de/p/Tichyseinblick

4 Kommunikation

Von Nelly und Manjolla

Definition

Kommunikation ist die Verständigung und der Austausch, die zwischen Menschen durch Sprache und Zeichen verlaufen. Der Sender (einer Nachricht) steht innerhalb der Kommunikation immer mindestens einem Empfänger gegenüber.

Kommunikation kommt immer zustande, auch ohne Sprache.
Verbal: Die Sprache
Sprechtempo
Sprechweise
Tonfall
Akustik der Stimme
Nonverbal: Gestik und Mimik
–> Nonverbale Kommunikation ist durch Menschen aber auch Massenmedien möglich.

Sie kann erfasst werden durch verschiedene Modelle: Eisbergmodell (Paul Watzlawick), 4-Ohren-Modell bzw. 4-Seiten-Modell (Friedemann Schulz von Thun),
Transaktionsanalyse (Eric Berne), Sender-Empfänger-Modell (Claude Shannon und Warren Weaver)

(4-Seiten-Modell)

Paul Watzlawick entwickelte auch 5 Axiome, die als Grundlage für Kommunikation gelten:

  1. Man kann nicht nicht kommunizieren, denn sobald man einen Menschen sieht, befindet man sich mit diesem in einer Kommunikation.
  2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und Beziehungsaspekt, da der Sprecher einen gewissen Inhalt übermittelt und sich passend zur Situation verhält.
  3. Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung, da man immer in einer gewissen Form auf die andere Personen reagiert. Ursache davon ist das Gesagte und die Wirkung die Reaktion darauf.
  4. Kommunikation ist analog und digital. Digital: Es geht um die Information(en), die vermittelt werden soll(en), weshalb man digitale Kommunikation auf der Inhaltsebene betrachtet.
    Analog: Hiermit wird die Gestik und Mimik bezeichnet, weshalb es sich um die Beziehungsebene handelt.
  5. Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär. Symmetrisch: Die Kommunikation findet auf Augenhöhe statt. Komplementär: Die Unterschiede der Gesprächspartner werden deutlich, da es einen über- und einen untergeordneten Partner gibt.

Teilbereiche

• Digitale Welt / Medien / Digitalisierung
• Gesellschaft / Öffentlichkeit
• Politik (Bsp. Kommunikation in Corona)

Rolle des Themas

• Politische Kommunikation in der Corona-Pandemie
• Kommunikation ist immer allgegenwärtig
• Lösen von Problemen
• Bindemittel zwischen Menschen
• Verständigung wird möglich, weshalb es einfacher ist zu neuen Ideen/Innovationen zu gelangen
• Kommunikation am Arbeitsplatz: Wenn Mitarbeiter richtig miteinander umgehen und offen sprechen, so wird das gesamte Unternehmen nach vorne gebracht.

Besonderheiten

• Selbstoffenbarung: Der Sender offenbart entweder gewollt oder zufällig die Wünsche, Gefühle und Bedürfnisse seines Selbst. Problem hierbei ist, dass beispielsweise Aussagen wie ,Mir ist kalt“ von der anderen Person nur auf der Sachebene aufgenommen und verarbeitet werden, weshalb es gewisse Augenblicke dauert bis die Aussage auf einer anderen Ebene verstanden wird und der Empfänger die Grundaussage ermittelt. Ist dies jedoch nicht der Fall, (da der Empfänger die Nachricht nicht auf einer anderen Ebene versteht), so kommt es wieder zu Missverständnissen und möglichen Konflikten.
• Auch die Beziehung von Sender und Empfänger kann mithilfe von Kommunikation (verbal, nonverbal) ermittelt werden.
• Der Ton, in dem man seinem Partner begegnet, macht das Gespräch.
• Kommunikation wird durch den Eindruck, den Menschen voneinander haben, beeinflusst.
• Aufrichtigkeit und Vertrauen sind mit die wichtigsten Voraussetzungen für eine gelungene Kommunikation.
• Sie ist so wichtig, dass sich Menschen darüber unterhalten und auch abstimmen, welche Sprache zur Kommunikationserleichterung zur Weltsprache gekürt werden sollte.

Konfliktlinien

• Störungen in der Kommunikation können dadurch entstehen, dass die empfangende Person den Sarkasmus seines/ihres Gegenübers nicht erkennt oder die Ausdrucksweise dieser Person so vage ist, dass der Interpretationsraum groß ist und Missverständnisse sich häufen.
• Entgegnet man seinem Gegenüber keine Wertschätzung, so kann es schnell zu komplexen Konflikten kommen. Das Ganze gilt auch, wenn der eine den anderen nicht ernst nimmt.
• Unterschiedliche Sprachkenntnisse oder Sprachen im allgemeinen, können die Kommunikation einschränken. Damit einhergehend ist es möglich, dass Kulturen aufeinandertreffen, die sich so stark unterscheiden, dass es zu einer Kommunikationshinderung kommt.
• Gespräche unter Zeitdruck enden oft nicht vorteilhaft.
• Digitale Konversationen (mit Emojis) können vom Empfänger falsch/anders interpretiert werden (Beispiel: Großbuchstaben werden vom Sender verwendet, um seine/ihre Aufregung zu verdeutlichen. Der Empfänger interpretiert dies jedoch als Wut ihm gegenüber, da er davon ausgeht angeschrien zu werden).
• (Starke) Emotionen können dafür verantwortlich sein, dass Kommunikationen nicht so verlaufen wie gewollt (Schlechte Laune könnte beim Partner Lustlosigkeit signalisieren, weshalb dieser empfinden könnte, dass sein Gegenüber kein Interesse am Gespräch hat.
→ Allgemein bilden sich Konflikte durch die bei der Kommunikation entstandene Missverständnisse heraus.

Typische Positionen und gegenteilige Auffassungen
• Missverständnisse treten auf, weil die gemeinten Worte beim Gegenüber falsch ankommen
• Man kann nicht nicht kommunizieren
• Kommunikation hängt von beiden / allen Beteiligten ab
• Digitale Kommunikation findet auch nach dem klassischen Modell ähnlich statt
• Framing beeinflusst die Kommunikation – Bei gleichem Inhalt kann man eine Botschaft verschieden anfärben
Zitat, passend zum Thema
Das größte Problem in der Kommunikation ist, dass wir nicht zuhören, um zu verstehen. Wir hören zu, um zu antworten.
Wir müssen miteinander reden, nicht gegeneinander.

Texte, Fragen und Antworten

Text: Kommunikation ohne Framing. Unmöglich!

Spätestens nach den US-wahlen, aber auch nach der öffentlichen Diskussion über das von der ARD beauftragte Gutachten zum Thema Framing, haben wir schon etwas von diesem Thema gehört. Trotzdem stoße ich stets auf Unwissenheit, wenn ich das Thema Framing bei Briefings anspreche. Ich behaupte: Wir betreiben immer Framing – wir geben unserer Kommunikation immer eine Färbung. Wer Framing bewusst einsetzt, sichert sich die Deutungshoheit über die Wirklichkeit. Klingt gruselig, kann aber auch verantwortungsbewusst eingesetzt werden. Hierzu wird oft der Philosoph Roland Barth zitiert: „Sprache ist niemals unschuldig“. Aus diesem Grunde sollte sich jeder über sein Mindset bewusst sein, wenn er vor Menschen spricht.
Framing ist nicht verwerflich, es ist der Treibstoff unserer Geschichten
Framing – der Situation einen Deutungsrahmen geben – passiert in uns ganz automatisch. Ein harmloses Beispiel: Oma Elisabeth fährt mit dem Benz in die enge Garage. Unsere Erfahrungen lassen uns sofort Bilder im Kopf erscheinen. Jeder stellt sich eine Oma vor. Zudem bekommt die Oma sofort ein anderes Aussehen, denn sie steuert ja einen Benz. Und viele denken sich sicher, warum muss sie da selber in die Garage zirkeln. Weil wir Omas selten gute Fahrkünste zutrauen. Das ist grob umrissen der Frame.
10 % Sterberisiko oder 90 % Überlebenschance
Jedem wird klar, wie gezielt wir Worte einsetzen können, um unsere Zuhörer in bestimmte Welten zu führen. Wir können die Rahmen positiv oder negativ setzen. Oder durch bestimmte Begriffe den Fokus setzen. Wenn wir Argumente und Behauptungen wiederholend einsetzen, sprechen wir von Manipulation. Dagegen sollten wir dann als Zuhörer schnellstens argumentieren.
Wenn wir uns nicht über unseren Sprachgebrauch bewusst sind, wird es gefährlich
Es ist ein Tanz auf dem Drahtseil, aber ich erlebe immer wieder, dass Redner bestimmte Wörter benutzen. Beispielsweise: Bombenwetter, Asyltourismus, Blutbad, Steuerlast, Klimakiller, Landesvater. Viele Wörter und Redewendungen sind bei uns seit unserer Kindheit hinterlegt. Da sollten wir uns auf die Spurensuche begeben und schauen, welche Begriffe sollten wir zukünftig mit mehr Bedacht aussprechen. Gar nicht so einfach.
Studien beweisen, dass körperliche Framings am stärksten wirken
Es ist bekannt, dass uns negative Schlagzeilen schneller und intensiver erreichen als positive Nachrichten. Das ist bei uns evolutionär geprägt, dass erhöht unsere Überlebenschancen. Logisch, dass ein eher ängstlicher Mensch, eine stärker ausgebildete Amygdala hat, also mehr Platz für Angst und Stress im Gehirn hat. Die Verwesung der deutschen Mittelschicht, oder das terroristische Blutbad, hat für uns eine stärkere Wirkung, weil jeder von uns Erfahrungen mit Krankheiten hat. Bitte jetzt nicht an eine rote Hüpfburg denken – ohje schon passiert.
Wie gehen wir nun mit Frames um?
Negative Frames, auch Lügen gehören dazu, verankern sich bei uns im Gehirn durch Wiederholungen. Den sollten wir auf der Spur sein. In Diskussionen sollten wir Lügen nicht mit einem Nein oder öffentlicher Abneigung begegnen, sondern mit unseren eigenen Werten kontern. „Sie sind ein egoistisches Schwein!“ – könnten wir damit kontern, dass wir für unsere Meinung stärker vertreten und uns nicht so leicht abbringen lassen. Und vielleicht noch einen draufsetzt, dass man Vegetarier ist. Die Zuschauer verzeihen einem in diesem humorigen Fall. Wir verwenden keinesfalls in unserer Antwort die Begriffe: Egoistisch oder Schwein. Greifen wir die Wörter unseres Gesprächspartners auf, verstärken wir die Argumentation unseres Gegenübers.
Sollten wir von Flüchtlingen hören, befinden wir uns schon implizit im Framing. Der Flüchtling ist männlich. Alle männlichen Merkmale werden bei dem Wort in uns hervorgerufen. Aus der Situation können wir aussteigen, indem wir das Wort die Geflüchteten benutzen. Wir haben den Frame durchbrochen. Nächstes Beispiel: Erneuerbare Energien impliziert, dass wir Sonne, Erde und Wind abnutzen, um dann wieder durch uns erneuert zu werden. Positiv und ehrlich wäre, saubere und unendlich verfügbare Energiequellen.
Schneckentempo versus Schrittgeschwindigkeit
Im Säuglingsalter werden Begriffe verankert, wie hell und dunkel, oben und unten. Diese Primär-Metaphern sind lange vor unserem Spracherwerb in unserem Bewusstsein verankert. Das veranschaulicht die Bedeutung des Framings. Säuglinge wissen, dass es oben gut und unten gefährlich ist, da sie am Boden hilflos sind. Deshalb sagen wir ja auch, wir sind niedergeschlagen oder ich habe ein Gefühlshoch. Metapher, die hier wirkt: Die Preise steigen in den Himmel. Die Wirtschaft geht in den Keller. Weiteres Beispiel: Ein süßer Hund (anstelle von lieb) aktiviert die Geschmacksregion und folglich positive Gefühle.
Achtung Frames sind nicht immer Metaphern – metaphorische Frames
Ein wissenschaftlicher Versuch belegt: Bei der Benennung von Wirbelstürmen, werden die Unterschiede deutlich. Heißt der Wirbelsturm Harry, haben die Menschen mehr Angst vor dem Sturm und evakuieren schneller, als bei der Benennung nach dem Namen Susi. Fazit: Ist der Name des Unwetters männlich, können mehr Menschen überleben.
Wie setzen wir Frames bewusst ein?
Wenn wir Menschen motivieren wollen, stellen wir die Fragen ganz anders. Es geht darum Dinge und Sachverhalte umzudeuten, zu framen, um Zukunftsvisionen und Innovationen in unseren Köpfen hervor zu rufen.
Ein Beispiel:
Drei Jahre Baustelle, Verkehrschaos und ausufernde Kosten. Was ist das? Ein öffentliches Bauprojekt. Nicht ganz, das würde zehn Jahre dauern und es käme zur Kostenexplosion.
Anders gedeutet geht es jetzt um das Ziel:
Nach dreijähriger Bauzeit sparen wir täglich 30 Minuten Fahrzeit, wenn wir in die City wollen. Barrierefrei, leise und klimatisiert. Im rollenden Wohnzimmer mit Entertainment-System und einer zugfreien Frischluftbelüftung ans Ziel. Weniger Verkehr, mehr Platz für Bäume und Bänke – mehr Lebensraum usw. … Natürlich etwas überspitzt dargestellt, um die Richtung zu verdeutlichen.
Um Innovationen einem breiten Publikum vorzustellen, muss man reframen. Altbekanntes in einem neuen Bild zusammenstellen. Framing ist wie eine Mona Lisa, es kommt auf den Blickwinkel an.
(…)
4. November 2020
Von Henning Harfst

Fragen:
Was kennzeichnet Frames und inwiefern beeinflussen sie die zwischenmenschliche Kommunikation?
Was gibt es an dem Artikel des Autors zu kritisieren?

Antworten: Kommunikation ohne Framing. Unmöglich!

Was kennzeichnet Frames und inwiefern beeinflussen sie die zwischenmenschliche Kommunikation?
Henning Harfst bezeichnet Framing als einen Deutungsrahemn für eine Situation, was somit insbesondere dem Sender eine wichtige Rolle der Situationsinterpretation verleiht. Durch Framing kann derselbe Inhalt auf verschiedene Weisen präsentiert. Ein Beispiel dafür ist der Vergleich von 10% Sterberisiko oder 90% Überlebenschance. Die Situation bleibt gleich, aber die hervorgehobenen 10% Sterberisiko übertönen durch ihre negative Färbung die 90 % Überlebenschance.
Hier kann man direkt einen weiteren Punkt ablesen: Negative Frames und „Erfahrungsframes“ haben (aus evolutionären Gründen) eine bessere Wirkung als positive Frames. Man hat Angst vor dem Tod und vergisst dabei die hohe Überlebensquote.
Was vielen zu entgehen scheint, ist, dass auch im Alltag bereits geframed Begriffe bzw. Redewendungen vorhanden seien, so Harfst. Der Gebrauch dieser kann unbewusst der Situation eine gute oder aber insbesondere eine schlechte Färbung geben.
Geframed können diese insofern sein, als dass sie andere Assoziationen mit dem Wort und somit mit der Situation hervorbringen. Somit funktionieren Frames z.T. dadurch, dass sie sich auf weit verbreiteten Vorstellungen und deren Zusammenhang untereinander stützen. D.h. ein Wort ruft Assoziationen hervor, welche weitere Eigenschaften mit sich bringen, die automatisch auf den Umstand, in dem das Wort gefallen ist, übertragen werden.
Auch sind Frames im Alltag in unbewussten Metaphern vorzufinden. Ein Beispiel dafür sind die Begriffe von oben und unten. Oben wird als gut und unten als schlecht wahrgenommen, weswegen man sich auch niedergeschlagen fühlt oder in einem Gefühlsloch ist.
Ein allgemeines Merkmal von Frames ist jedoch, dass sie durch Wiederholung sich mehr und mehr verankern, das gilt v.a. für negative Frames. Um also diese zu entkräften, bspw. in einer Diskussion, muss man das Aufgreifen dieser vermeiden.
Frames geben also bereits vor, wie eine Situation vom Empfänger gedeutet werden soll. Somit kann man sie eigentlich als Manipulationswerkzeug bezeichnen. Aber trotz der oben genannten negativen Nutzen von Framing, muss das nicht unbedingt schlecht sein. Wie auch Harfst in seinem Fazit hervorhebt, kann man durch Frames Menschen motivieren. Abgesehen davon, wird deren Wirkung entschärft, sobald man ein Frame als ein Frame erkennt und nicht nur als eine möglichst objektive Darstellung der Realität. In diesem Moment kann der Empfänger versuchen die Situation aus anderen Blickwinkeln zu betrachten.

Was gibt es an dem Artikel des Autors zu kritisieren?
Der Artikel von Harfst gibt Auskunft über Framing sowie dessen Gefahren und Nutzen. Das Problem an seinem Text ist, dass er seine Thesen nur ganz wenig stützt. Z.T. bringt er keine Argumente ein, sondern nur Beispiele, die er als Begründung zu nutzen versucht. So behauptet er zwar, dass Redewendungen geframed sind und somit eine Gefahr in sich bergen, aber inwiefern das der Fall sei, führt er nicht aus. Der Leser muss es sich selbstständig erschließen. Auch spricht eine der Teilüberschriften Studien an, die aber an keinem Punkt erwähnt werden.
Auch ist in manchen Passagen der Zusammenhang zum Thema des Framings schwer nachvollziehbar. Ein Beispiel dafür ist der Teil, an dem Harfst Lügen zum Framing hinzuzählt. Es wird nicht beschrieben, wieso das der Fall sei. Dennoch führt er dann anhand eines Beispiels für Lügen aus, wie man ein Framing kontert. Es fällt schwer zu folgen, was gemeint ist.
Die Teilüberschriften erschweren das Verständnis, indem auf sie nicht eingegangen wird. Es ist in Teilen nicht verständlich, was der Zusammenhang zwischen der Teilüberschrift und dem Inhalt der folgenden Passage sein soll.
Allgemein hat Harfst gute Behauptungen, doch begründen kann er sie nicht. Argumente fehlen ganz oder werden vorgetäuscht. Das Verständnis wird durch die Kürze des Textes erschwert.

Text: Sichere Kommunikation im Alltag

Die Kommunikation prägt seit Urzeiten den Menschen und bezeichnet den Austausch von Informationen in verbaler und nonverbaler Form. Es wird ständig und überall kommuniziert, was den Informationsfluss zu einer selbstverständlichen Handlung macht. Dennoch wirken manche Menschen äußerst selbstsicher in ihrer Kommunikation und andere nicht. Durch Unsicherheit entstehen gelegentlich Missverständnisse. Eine solide und sichere Kommunikation lässt sich durchaus trainieren, um solchen Irrtümern aus dem Weg zu gehen.
Sprachlich selbstbewusst kommunizieren
Die Basis einer selbstbewussten Kommunikation ist die harmonische Verbindung zwischen der Tonalität und der gewählten Worte. Dazu sind unmissverständliche Aussagen nötig. Wer in einer beruflichen leitenden Funktion gern die Worte „könnte eventuell jemand“ oder „hätte vielleicht einer“ benutzt, verrät seine eigene Unsicherheit.
Eine sichere Kommunikation steht auf den Pfeilern einer selbstbewussten Wortwahl. Wenn es eine Aufgabe zu delegieren gilt, dann ist die Frage „Würden Sie das bitte erledigen?“ nicht unbedingt selbstbewusst formuliert. „Bitte erledigen Sie diese Aufgabe“ zeugt von einer selbstbewussten Ausstrahlung und der Gegenüber weiß genau, was er zu tun hat.
Selbstverständlich kann eine Arbeitsanweisung freundlich und höflich ausgesprochen werden, dennoch sollte sie als oberste Priorität stets unmissverständlich sein.
Den Gedanken Ausdruckskraft verleihen
Wer seine Kommunikationsstärke im Alltag verbessern möchte, kann dieses Ziel mit ein paar einfachen Maßnahmen erreichen. Das Wissen um die eigene Wertschätzung bildet dabei den soliden Grundstein, auf dem sich aufbauen lässt. Nur wer vor sich selbst Respekt hat, strahlt ein gesundes Selbstbewusstsein aus und kann rhetorisch überzeugen. Für den Anfang eignet sich der Blickkontakt wunderbar, um etwaige Hemmschwellen effektiv abzubauen.
Die bildhafte Vorstellung hilft hier weiter. Wer seine Kommunikation auf sichere Beine stellen möchte, formuliert seine Worte in Gedanken vor, bevor er sie klar und ruhig ausspricht. Sehr unsichere Personen „üben“ mit dem Aufbau von Blickkontakt zu völlig fremden Menschen, etwa im Bus oder im Supermarkt. Im nächsten Schritt könnte ein unverbindlicher Satz den Bogen zu einem Gespräch schlagen.
Als ein effektives Training dient das Fragen wildfremder Menschen nach dem Weg oder Ähnlichem. Wer jede Möglichkeit nutzt, mit Fremden ins Gespräch zu kommen, baut ein stabiles Gerüst für eine sichere Kommunikation im Alltag.
Die nonverbale Kommunikation
Der Körper spricht eine deutliche Sprache. Strotzen die Worte zwar vor Selbstbewusstsein, doch der Körper wirkt verschlossen und introvertiert, macht dies keinen guten Eindruck. Ein offener Blick symbolisiert Interesse. Dabei sollten weder die Hände zu Fäusten geballt werden noch die Arme vor der Brust verschränkt werden. Sichere Kommunikation im Alltag geht nur in einträchtiger Harmonie zwischen Körper, Geist und Seele.
Von David Raczinski
Antworten: Sichere Kommunikation im Alltag

Wie ist der Text inhaltlich aufgebaut?
Der Autor steigt mit einer Hinführung ein, in welcher er darauf eingeht, dass gewisse Menschen beim Kommunizieren unsicher rüber kommen, weshalb Missverständnisse entstehen können. Um dies auszuschließen sollte man daher die sichere Kommunikation (an)trainieren.

Im folgenden legt er seinen Fokus auf drei Punkte. Der erste beschäftigt sich mit dem sprachlich selbstbewussten Kommunizieren. Ausschlaggebend hierbei sind Tonalität und Wortwahl. Anstatt beispielsweise zu sagen: ,Würden Sie bitte…?“, ist der Gebrauch von: , Erledigen Sie bitte…“ im Hinblick auf das Selbstbewusstsein vorteilhafter. Zusätzlich weiß der Gegenüber sofort, was er zu tun hat. Höflich und gleichzeitig unmissverständlich zu kommunizieren ist somit das Ziel.

Daraufhin führt er seinen neuen Punkt an: Den Gedanken Ausdruck verleihen. Besonders zu beachten ist hier, dass man zuerst eine Wertschätzung für sich Selbst benötigt, da nur so Selbstbewusstsein und Überzeugung möglich ist. Anfangen kann man, nach Autor, mit Blickkontakt. Zusätzlich ist er der Überzeugung, dass es sinnvoll ist seine Gedanken zunächst im Kopf zu formulieren und zu ordnen bevor man sie ausspricht. Kommt man mit fremden Menschen ins Gespräch, so entwickelt man nach und nach ein sicheres Kommunikationsgerüst.

Ganz zuletzt verweist er auf die nonverbalen Kommunikation. Unser Körper besitzt nämlich auch eine Sprache, die unsere Worte entweder untermauern oder auch unsicher wirken lassen kann. Wenn Körper, Geist und Seele miteinander harmonieren, spricht man von einer sicheren Kommunikation.

Text: Missverständnisse in der Kommunikation vermeiden

Missverständnisse in der Kommunikation entstehen im beruflichen wie im privaten Alltag. Im Beruf können sie uns aber das Leben besonders schwer machen, da wir uns Arbeitskollegen nicht aussuchen können. Schnell reagiert jemand anders als man das erwartet hätte und man fragt sich, womit man diese Reaktion eigentlich hervorgerufen hat. Wir haben uns der Frage gestellt: Was passiert, wenn wir miteinander kommunizieren?
Zwischenmenschliche Kommunikation klingt zunächst einmal ganz leicht. Sie besteht nach Luhmann aus drei Schritten: Sie findet zwischen zwei Personen statt, wobei am Anfang eine Information steht, die eine Person mitteilt und eine weitere Person versteht. Allerdings kann die übermittelte Information richtig oder eben falsch verstanden werden. Aber woran liegt das?
Sachliche Ebene der Kommunikation
Unter anderem vermitteln wir natürlich reine Informationen. Wir tauschen uns über Inhalte aus und verbalisieren beispielsweise Beobachtungen. Das ist in unserem Alltag auch notwendig: Auf diese Weise schaffen wir Orientierung für uns und andere, da Mitteilungen in beide Richtungen funktionieren. So weit, so gut. Wenn das alles wäre, dann würde es wohl keine nervenaufreibenden Meetings und keine Auseinandersetzungen mit dem Kollegen mehr geben.
Schauen wir uns das einmal anhand eines Beispiels an: Ein Ehepaar sitzt im Auto, die Frau am Steuer, der Mann auf dem Beifahrersitz. Der Ehemann sagt: „Die Ampel ist grün.“ Wie könnte die Frau diese Aussage nun verstehen?
Sicher, auf der Sachebene wird eine Aussage darüber getroffen, welche Farbe die Ampel anzeigt. Aber würden Sie das auch so verstehen?
Die nonverbale Ebene
Wie wir etwas verstehen, hängt nämlich nicht unbedingt davon ab, welchen Inhalt das hat, was wir sagen. Hinzu kommen noch die Dinge, die wir auf der nonverbalen Ebene mitteilen. Gemeint sind damit all jene Dinge, die wir zwar nicht aussprechen, aber trotzdem vermitteln. Dazu gehören:
• das Blickverhalten
• die Mimik
• die Gestik
• die Art und Weise, wie wir unser gegenüber berühren (Taktilität)
• die räumliche Distanz (interpersonaler Raum), die wir einnehmen
• stimmliche Merkmale (Tonfall, Sprechgeschwindigkeit, Betonungen, Pausen, etc.)
Sie glauben das nicht? Denken wir noch einmal an das Beispiel mit dem Ehepaar im Wagen und wie unterschiedlich die Aussage „Die Ampel ist grün“ durch nonverbale Signale wirken kann:
1. Beispiel: Der Ehemann kneift die Augenbrauen zusammen und deutet mit einer heftigen Armbewegung auf die Ampel und sagt „Die Ampel ist grün.“
2. Beispiel: Der Ehemann berührt seine Frau am Oberschenkel, nickt in Richtung der Ampel und sagt lächelnd „Die Ampel ist grün.“
Im ersten Beispiel drückt der Ehemann aus, wie genervt er davon ist, dass seine Frau nicht bemerkt hat, dass die Ampel grün ist, und suggeriert damit vielleicht sogar, dass sie beim Fahren andauernd unaufmerksam ist. Im zweiten Beispiel dagegen macht der Ehemann freundlich darauf aufmerksam, dass seine Frau vielleicht zu sehr in Gedanken war, um zu bemerken, dass die Ampel grün ist.
Die paraverbale Ebene
Welche Bedeutung eine Aussage hat, hängt also ganz entscheidend davon ab, welche Signale wir unserem Gesprächspartner außerdem senden. Natürlich ist das nicht immer so überspitzt wie in den oben genannten Beispielen. Meistens sind uns die Signale, die wir senden, sogar nicht mal bewusst. So kann es passieren, dass man eine Aussage mit einem anderen Gesichtsausdruck paart als man eigentlich beabsichtigt hat – und schon hängt der Haussegen schief.
Als ob das nicht schon kompliziert genug wäre, kommt jedoch noch eine weitere Ebene hinzu: die Parasprache. Gemeint sind damit die individuellen Eigenschaften eines Sprechers. Diese schlagen sich unter anderem in seiner Stimmlage, dem Sprechverhalten wie der Artikulation, der Lautstärke, dem Sprechtempo und der Sprachmelodie nieder.
Das lässt sich leicht nachvollziehen, wenn man sich jemanden vorstellt, der sehr langsam und monoton spricht. Da fällt es eher schwer, sich von einer solchen Person mitreißen zu lassen. Als Verkäufer könnte es jemand, der so spricht, daher schwer haben.
Nonverbale und paraverbale Kommunikation nutzen
Es ist zum Glück aber nicht so, dass man dadurch bloß Missverständnisse auslösen kann. Die nonverbale und paraverbale Ebene der Kommunikation sind sogar sehr wichtig, damit wir klarmachen können, was wir sagen wollen. Sie setzen das, was wir sagen, quasi in den richtigen Kontext. Aber was kann man nun eigentlich dagegen tun, dass man falsch verstanden wird?
Kommunikation verstehen
Wann immer kommuniziert wird, bietet das Raum für Missverständnisse. Das liegt nicht nur daran wie der Sprecher etwas sagt und welche Stimmlage er dabei hat etc. Das liegt vor allem daran, dass Kommunikation immer zwischen Personen stattfindet, die jeweils eigene Überzeugungen mit in das Gespräch einbringen. Leichter wird es, wenn man versteht, was beim Kommunizieren eigentlich geschieht.
Ein Beispiel dafür wäre eine Frau, der es nicht gefällt, wenn sie kurze Haare trägt. Leider hat ihr Friseur die Haare viel zu kurz geschnitten. Wenn ihre Freundin ihr also sagt „Schöne Frisur, viel kürzer als beim letzten Mal!“, dann kann es leicht dazu kommen, dass sie dies als Kritik auffasst. Schließlich bewertet sie „kürzer“ als etwas Negatives, wohingegen ihre Freundin das gar nicht so bewerten muss.
(…)
Wege aus der Kommunikationsfalle
(…)

  1. Nicht verallgemeinern
    Bestimmte Aussagen sind Gift für eine erfolgreiche Kommunikation. Dazu gehören verallgemeinernde Aussagen wie immer, nie, andauernd usw. Wenn Sie einen Appell an eine andere Person mit diesen Wörtern versehen, ist Stress beinahe vorprogrammiert. Versuchen Sie daher unbedingt, nicht zu verallgemeinern und bei der konkreten Situation zu bleiben.
  2. Ich-Aussagen
    Viele sprechen gar nicht konkret von dem, was sie persönlich wollen. Stattdessen verfallen sie in einen Singsang aus „Du-Aussagen“ wie zum Beispiel „Du hast den Müll nicht runtergebracht“ oder „Kannst du nicht…?“
    Schnell entsteht bei der anderen Person dann der Eindruck, dass sie mit Vorwürfen konfrontiert wird. Versuchen Sie Ihr Anliegen daher lieber in Ich-Aussagen (oder Wir-Aussagen) umzuwandeln. Das sorgt dafür, dass sie sich sprachlich nicht so sehr von der anderen Person abgrenzen und somit für eine wohlwollendere Atmosphäre.
  3. Die Signale beobachten
    Dass jeder beim Kommunizieren auch Signale sendet, wissen wir nun. Interessant wäre es nun, diese auch noch bewusst zu registrieren und dadurch womöglich richtig(er) zu deuten. Versuchen Sie daher, die Gestik, Mimik etc. der anderen Person genau zu reflektieren. Ist diese Person wirklich sauer oder wirkt sie nicht vielleicht doch eher unsicher?
  4. Fragen stellen
    Wichtig ist nicht nur, dass sie sich richtig ausdrücken, sondern auch, dass sie sicherstellen, die Aussagen Ihres Gegenübers auch auf der Sachebene richtig zu verstehen. Stellen Sie daher auch Rückfragen, wenn etwas nicht ganz klar geworden ist. So vermeiden Sie unnötige Missverständnisse.
  5. Richtig zuhören
    Das ist wohl das, das den meisten am schwersten fällt: Das richtige Zuhören. Jeder möchte gerne mitteilen, was er mitzuteilen hat – zum Zuhören bedarf es aber dem nötigen Maß an Geduld und Feingefühl. Gehen Sie daher nicht einfach über das hinweg, was Ihr Gesprächspartner sagt. Signalisieren Sie, dass Sie interessiert sind!
    Das kann darin bestehen, die andere Person nicht zu unterbrechen, aber auch darin, mit Ihrer Gestik und Mimik zu zeigen, dass Sie wirklich zuhören. Das können Sie erreichen, indem Sie Augenkontakt halten, nicken und Rückfragen stellen. Klingt einfach – schaffen die meisten Menschen aber kaum!
    Fazit
    Kommunikation ist sehr komplex und bietet viel Raum für Missverständnisse. Wenn man aber näher betrachtet, was beim Kommunizieren passiert und schief laufen kann, wird einem klar, dass die meisten Missverständnisse völlig unnötig sind und hätten vermieden werden können.
    (…)
  6. Januar 2017 von Julia Koch

Antworten: Missverständnisse in der Kommunikation vermeiden
Wie ist der Text inhaltlich aufgebaut?
Zu Beginn wird in Form einer Hinführung eine mögliche Berufssituation dargestellt, die in Bezug auf misslingende Kommunikation die Relevanz von dieser verdeutlicht.
Zudem wird Luhmanns Kommunikationsmodell angeschnitten. Es beinhaltet die Tatsache, dass ein gewisser Inhalt von einer Person einer anderen mitgeteilt wird, sodass diese ihn versteht. Problem dabei ist letzter Schritt, da das Verständnis vom Individuum abhängig ist. Somit ist hier die Grundlage für ein mögliches Missverständnis geschaffen.
Daraufhin thematisiert der Autor die sachliche Ebene der Kommunikation. Kurz und prägnant ausgedrückt: Wir übermitteln bei einem Gespräch Informationen. Allerdings kann nicht jede Aussage auf dieser Ebene verstanden werden, weshalb die nonverbale Ebene angeschlossen wird. Selbst, wenn wir nicht sprechen, teilen wir etwas mit. Dies geschieht aufgrund von beispielsweise Gestik, Mimik, Blickverhalten und vieles mehr. Daher können Aussagen im Zusammenhang mit diesen Faktoren anders vom Empfänger aufgenommen und verarbeitet werden.
Die paraverbale Ebene greift individuelle Eigenschaften eines Lesers auf wie Stimmlage, Sprechtempo, Lautstärke und weiteres, weshalb auch hier wieder leicht und schnell Missverständnisse aufkommen können.
Der Autor ist jedoch der Meinung, dass die paraverbale und nonverbale Ebene in Gesprächen relevant sind, da diese unser Gesagtes untermauern.
Daraufhin geht er auf gewisse Auswege von Kommunikationsfallen ein. Erst einmal muss Kommunikation verstanden werden. Assoziationen von einem Selbst müssen beiseite gelegt werden, sodass man in Aussagen nicht etwas anderes/falsches interpretiert.
Diese Erkenntnis als Basis eröffnet dem Autor fünf Möglichkeiten zum Beheben von möglichen Missverständnissen.
Seiner Meinung nach sollte in einem Gespräch nicht verallgemeinert werden, da gewisse Ausdrücke wie immer, nie, und so weiter dafür sorgen, dass der Gegenüber etwas falsch versteht und diese Redewendungen auch auf die konkrete Situation bezieht.
Du-Aussagen assoziieren viele als Vorwürfe. Der Redende sollte allerdings auf Ich-Aussagen umsteigen, damit der Gegenüber nicht den Eindruck hat aktiv angegriffen zu werden. Somit äußert man zusätzlich seine Empfindungen und macht sich selbst angreifbar, aber gleichzeitig schafft man eine angenehme Stimmung.
Der Autor fordert auf besonders auf Signale von anderen während der Kommunikation zu achten, da so die wahren Intentionen beziehungsweise Emotionen des Partners entdeckt werden können.
Fragen zu stellen ist immer gut. So beugt man Missverständnisse vor und signalisiert dem Gegenüber, dass man auch wirklich Interesse am Gespräch hat. Man sollte jedoch darauf achten, dass man diese klar und deutlich formuliert und möglichst auf die Sachebene bezogen.
Der letzte angeführte Punkt ist, dass man dem Anderen richtig zuhören sollte. Dabei wird viel Geduld gefordert, aber im Endeffekt verhilft dies dem gegenseitigen Verständnis und die Gesprächspartner bekommen den Eindruck, dass ihre Aussagen relevant sind.
In seinem abschließenden, kurzen Fazit äußert der Autor die Aussage, dass Kommunikation zwar komplex ist, aber viele Missverständnisse unnötig und vorher aufhaltbar sind.

Text: Digitale Kommunikation: Das Ende oder die Revolution von Watzlawick

Kathinka Fabigan, 13.01.2016
5 Axiome auf dem Prüfstand
Wie die Artikel “Auf Kurs gebracht oder auf offener See versenkt?”, “Jetzt mal Butter bei die Fische: Wieso transformiert ihr euch nicht?” und “Open Space für jeden?” zeigen, leben wir mit und in dem digitalen Wandel. Die Digitalisierung hat fast alle Lebensbereiche „erobert“ und dringt weiter voran. Sie beeinflusst uns als Menschen, unsere Kommunikation und unsere Zusammenarbeit in Unternehmen. Kommunikation verbindet Menschen und stellt eine der wichtigsten Eigenschaften menschlichen Verhaltens dar.
Facebook, Twitter und Co. haben unsere Kommunikation verändert per WhatsApp sind wir mit allen Kontakten im permanenten Austausch. Die Nachrichten werden immer „schneller“, sind an jedem Ort zu jeder Uhrzeit via unterschiedlicher Medien und mobil verfügbar. Kommunikation hat sich rasant beschleunigt. „Always on – Always in Touch“ ist das Motto. Früher war das einzige digitale Kommunikationsmittel die E-Mail, heute kommunizieren wir per Chats und Collaborationtools. Das kann überfordern. Wir müssen alles „sinnvoll“ unter einen Hut bringen. Zwischenmenschliche Kommunikation ist eine komplexe Angelegenheit. Wie ich in dem Blogartikel „Feedback ist mehr als ein Wurstbrot“ beschreibe, ist Kommunikation (Feedback) ein Lernprozess in dem es um das Kennen und Können geht – die tatsächliche „Anwendung“ will dabei gelernt sein. Beim Feedback geht es darum ein besseres Miteinander und eine optimierte Zusammenarbeit zu erreichen.

Digitale Kommunikation erhöht den Grad an Komplexität. Viele kommunikationsentscheidende Aspekte der „analogen“ Kommunikation (Mimik, Gestik, Stimmlage, etc.) entfallen. Digitale Kommunikation ist gesellschaftsfähig geworden – aber zu welchem Preis?

Paul Watzlawick schaffte in den 60er Jahren die Basis für viele Kommunikationstheorien, in dem er 5 Axiome der Kommunikation definierte.

Die erste E-Mail wurde 1971 von Ray Tomlinson erfunden. Ist das Modell von Watzlawick, der bei der Entwicklung seiner Theorie noch nicht erahnen konnte wie die Kommunikation des 21 Jahrhunderts aussieht, nun überflüssig geworden? Oder kann dieses Modell auch „digitalisiert“ werden? Hierzu schauen wir uns die Axiome etwas näher an:

  1. Der Mensch kann nicht nicht kommunizieren. Kommunikation umfasst weit mehr als Worte. Menschen kommunizieren auf unterschiedlichen Ebenen miteinander. Neben den Worten, bestimmen Gestik, Mimik, Blicke, etc. die Kommunikation. Jede noch so untätige Körpersprache ist Kommunikation. Sitzen zwei Menschen in einem Zugabteil und einer der beiden blickt “stur“ aus dem Fenster, signalisiert das für den Sitznachbarn etwas anderes, (z.B. „lass mich in Ruhe“) als wenn der Nebenmann lächelnd Blickkontakt sucht. Wie ist das, wenn Sie eine E-Mail schreiben – es also keinen zwischenmenschlichen face to face Kontakt gibt? Können Sie hier nicht nicht kommunizieren? Gilt dieses Axiom auch für die digitale Kommunikation? Meiner Meinung nach: ja. Eine Fehlende Antwort auf eine E-Mail, stellt beispielsweise auch eine Art der Kommunikation dar. Nach dem Motto: keine Antwort ist auch eine Antwort.
  2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei der letztere den ersten bestimmt. Neben den reinen Worten wird auch ein Beziehungsaspekt kommuniziert. Dieser sagt aus, wie die Beziehung zwischen den Gesprächspartnern ist – und bestimmt wie der Empfänger die Botschaft versteht. Sagt beispielsweise eine Dame zu einer anderen Dame „oh Sie tragen aber eine schöne Perlenkette“ kann dies abhängig von der Beziehung als Bewunderung oder als Missgunst interpretiert werden. Das heißt, die Art der Beziehung beider Kommunikationspartner beeinflusst das gegenseitige Verständnis. Nun, worüber wir uns einig sein werden, ist, dass ich über E-Mail/digitale Kommunikation keine Tonlage oder Blicke übermitteln kann (Skype/Television ausgenommen), die Rückschlüsse auf meine Gefühlslage zulassen. Aber wie sieht es mit einem Beziehungsanteil aus? Eine zwischenmenschliche Beziehung besteht außerhalb der Kommunikation. Meist baut sie sich über einen längeren Zeitraum auf und ist durch Erfahrung geprägt. Daher denke ich, gilt auch hier das Axiom von Watzlawick für die digitale Kommunikation. Die Art der Beziehung zwischen den Kommunikationspartnern bestimmt das gegenseitige Verständnis einer Nachricht.
  3. Jeder Kommunikationsprozess ist von der Interpunktion der Kommunikationspartner abhängig. In der Natur des Menschen liegt es, sein eigenes Verhalten als reaktiv zu beschreiben. Jeder hat das Gefühl, sein Verhalten ist eine Reaktion auf ein vorangegangenes Verhalten des Anderen. Ein Beispiel: Die Ehefrau sagt, sie nörgle nur, weil ihr Mann sich immer mehr zurückzieht. Der Mann jedoch sagt, er ziehe sich zurück weil die Frau ständig nörgelt. Was hier deutlich wird, ist, dass beide Partner eine andere Reihenfolge (Startpunkt) des Verhaltens beschreiben – sie setzen unterschiedliche Interpunktionen. Reduziert man die Kommunikation rein auf den digitalen Prozess, so ist es möglich festzustellen, wer die erste digitale Nachricht (E-Mail, WhatsApp, etc.) geschrieben hat. Eine unterschiedliche Interpunktion scheint gar nicht möglich – so, dass dieses Axiom für die digitale Kommunikation nicht gilt. Beachtet man jedoch, dass digitale Kommunikation in den meisten Fällen die analoge Kommunikation ergänzt – und nicht vollständig ersetzt, ist auch hier davon auszugehen, dass es Diskussionen und unterschiedliche Interpunktionen geben wird. Und sei es, dass die digitale Kommunikation als Reaktion auf ein analoges Verhalten/Kommunikation zu sehen ist. Rein auf die digitale Kommunikation gesehen verliert das Axiom allerdings seine Gültigkeit.
  4. Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten. Digitale Kommunikation vermittelt den Inhaltsaspekt (Worte) und analoge Kommunikation vermittelt nonverbale Anteile (Mimik, Gestik, etc.). Sagt ein Bauer beispielsweise „es regnet“ so ist das eine Feststellung. Abhängig davon wie der Satz ausgesprochen bzw. von Mimik begleitet wird, (erleichtert oder enttäuscht) erlangt er erst im Gesamten seine Bedeutung. Wie ist das nun, wenn ich digital Kommuniziere? Klar ist, ich kann Worte übermitteln. Egal, ob in einer E-Mail, WhatsApp oder auf Twitter. Wie sieht es nun mit dem analogen Anteil aus? Handelt es sich hierbei um eine Kommunikationsverarmung oder kann dem Mangel an reinem Text entgegengesteuert werden. Emoticons stellen eine Kompensationsmöglichkeit dar. So kann der Satz „es regnet“ abhängig vom ausgewählten Emoticon seine Bedeutung erlangen. „Es regnet“ 🙁 oder „es regnet“ 🙂 . Dem Empfänger wird durch das Emoticon deutlich, welches Gefühl der Sender bei dem Satz „Es regnet“ empfindet. Auch hier behält das Axiom seine Wirkung.
  5. Kommunikationsprozesse sind entweder symmetrisch oder komplementär strukturiert. Die Beziehung zwischen zwei Gesprächspartnern basiert entweder auf Gleichheit (symmetrisch) oder auf Unterschiedlichkeit (komplementär). In einer symmetrischen Beziehung besitzen beide Gesprächspartner gleiche Eigenschaften im Gespräch. Bei einer komplementären Beziehung wird das Verhalten des einen, durch das Verhalten des anderen ergänzt. Beispielsweise korrespondiert die Überlegenheit des einen Gesprächspartners mit der Unterwürfigkeit des anderen Gesprächspartners. Digitale Kommunikation kann symmetrisch stattfinden, in dem ähnliche Kultur und Verhaltensnormen sowie Fähigkeiten vorliegen. Digitale Kommunikation ist dann komplementär, wenn ein Gesprächspartner dem anderen Gesprächspartner in seinen Fähigkeiten überlegen ist bzw. sich in der Wortwahl sehr dominant ausdrückt und der andere darauf unterwürfig antwortet. Das Axiom ist auch für die digitale Kommunikation gültig.

Fazit

Watzlawick goes digital. Die vorrangegangene Diskussion zeigt, dass die Axiome von Watzlawick auch für die digitale Kommunikation Aussagekraft besitzen. Es ist ja auch nicht so, dass textbasierte Kommunikation erst im 21. Jahrhundert erfunden worden ist (Briefe, etc.). Durch die technologische Entwicklung hat diese Form der Kommunikation jedoch an Häufigkeit deutlich zugenommen. Face to Face Kommunikation wird ergänzt oder teilweise gänzlich durch digitale Kommunikation ersetzt. Digitale Kommunikation hat die Welt verändert – und einen großen Mehrwert geschaffen. Jeder, der die technischen Voraussetzungen hat, kann was er will, von wo er will und mit wem er will, kommunizieren wann er möchte. Eigenverantwortlich und asynchron. Nach dem Motto „schneller, höher, weiter“. Die Ergebnisse einer Studie aus den 60er Jahren von Albert Mehrabian zeigen, dass Kommunikation hauptsächlich aus nonverbalen Anteilen besteht (Wörter 7%, Stimme 38% und Mimik, Gestik 55%). Via Emoticons können wir auch digital 100 Gefühle und Eindrücke vermitteln, aber sie werden keine 93% der wichtigen Anteile der Kommunikation auffangen. Auch wenn die Ergebnisse dieser Studie kritisch diskutiert werden, sind sich Kommunikationswissenschaftler einig, dass der nonverbale Anteil in der Kommunikation, der entscheidendere ist.

Durch das Fehlen der nonverbalen Anteile, der bestehenden erhöhten Schnelligkeit, der Erreichbarkeitsdruck, unterschiedliche Interpretationsrahmen und Erwartungen und das Verschwinden der Grenzen von Raum und Zeit sind Missverständnisse „vorprogrammiert“. Direkte Reaktionen des Empfängers auf eine Nachricht sind für den Sender oftmals erst asynchron festzustellen. Viele Missverständnisse können schon „schwelen“, bevor darüber – wenn überhaupt – gesprochen wird. Für den Sender ist es fast unmöglich darauf zu achten, wie das Gesendete vom Empfänger dekodiert wird. Auch wenn Kommunikation scheinbar „leichter von der Hand geht“, müssen wir achtsamer und reflektierter kommunizieren. Es sollten gemeinsame Regeln geschaffen werden, die unterschiedlichen Interpretationsschemata berücksichtigen. Hier bedenke man auch den Generationenmix, Alter, Einkommen, Berufsgruppen, Geschlecht, etc. Es ist eine Herausforderung alle Kommunikationsbeteiligten und deren unterschiedlichen Fähigkeiten, Bedürfnisse und 115 Erwartungen zu berücksichtigen und die immer schneller werdende Kommunikation zu begleiten und in die Unternehmen zu integrieren. Kommunikation wird zunehmend interaktiv, d.h. die Medienbenutzer möchten aktiv teilhaben und eigenverantwortlich mitgestalten. Sie erstellen eigene Inhalte, erweitern andere oder kommentieren bzw. liken einen Beitrag. Je nach Bedürfnis und Interessenslage. Eine weitere Herausforderung ist die Vernetzung unterschiedlicher Technologien mit Berücksichtigung der privaten und beruflichen Situation der Mitarbeiter. Die Digitalisierung hat einen enormen Einfluss auf unsere Erwartungen und unser Handeln. Kurz und schnell muss es sein – Agilität, flache Hierarchien, Umgang auf Augenhöhe werden erwartet. Die klassische Kommunikationskompetenz muss um eine digitale erweitert werden. Es gilt die Vorteile der digitalen Kommunikation zu nutzen und mögliche Nachteile durch einen intelligenten und zielgerichteten Umgang abzufangen.

Fragen:
Wie ist der Text aufgebaut und in welchem Zusammenhang führt die Autorin die 5 Axiome an?
Ist das 5 Axiome Modell auf die digitale Kommunikation übertragbar? Beziehe Stellung anhand eines Axioms.

Antwort: Digitale Kommunikation: Das Ende oder die Revolution von Watzlawick

Wie ist der Text aufgebaut und in welchem Zusammenhang führt die Autorin die 5 Axiome an?
Der Text beginnt mit einer erläuternden Einleitung, wieso Digitalisierung zunehmend an Bedeutung gewinnt, und wie diese die Kommunikation beeinflusst (Z.1-20). Das leitende Kommunikationsmodell von Watzlawick wird aufgegriffen und in Frage gestellt (Z.21-26). Alle 5 Axiome werden nach und nach durchgearbeitet: 1. Axiom (Z.27-36), 2. Axiom (Z.37-50), 3. Axiom (Z.51-65), 4. Axiom (Z.66-77), 5. Axiom (Z.78-88). Dabei behält sie immer dieselbe Struktur ein: Axiom nennen und beschreiben, ein Beispiel geben, Problem und Lösung in der digitalen Kommunikation finden. Der Text wird abgerundet durch ein Fazit, in dem Fabigan
beschreibt, dass in der digitalen Kommunikation der nonverbale Anteil an Umsetzung großflächig verliert (Z.89-104). Auch entstehen viele Missverständnisse, die es abzuschaffen gilt, indem man die Vorteile der digitalen Kommunikation sinnvoll nutzt (Z.105-126).
Somit wird das klassische Kommunikationsmodell von Watzlawick auf die moderne, digitale Kommunikation übertragen und verglichen, inwiefern dieses noch aktuell ist, und wie sich die Kommunikation verändert hat.

Ist das 5 Axiome Modell auf die digitale Kommunikation übertragbar? Beziehe Stellung anhand eines Axioms.

  1. Ja, aber nur bedingt. Das Modell von Watzlawick ist gedacht für analoge Kommunikation. Am Beispiel des ersten Axioms wird deutlich, dass der Mensch immer kommuniziert durch bspw. Mimik, Gestik, o.Ä… Diese fallen bei der digitalen Kommunikation (ausgenommen sind Videocalltools) weg. Zwar ist, wie Fabigan behauptet, keine Antwort auch eine Antwort, so aber nur eingeschränkt: Durch Gestik und Mimik lässt sich eine feinere Abstufung davon beschreiben, wie eine Person zu einem Thema steht. Fabigans Einstellung beschreibt aber eigentlich nur zwei Zustände von Interesse bzw. Desinteresse an einem Thema. Somit ist es nicht eindeutig und lässt mehr Raum für Missverständnisse zu.
    Allgemein sollte man allerdings beachten, dass digitale Kommunikation oft die analoge ergänzt und nicht gänzlich ersetzt. Das wird wichtig, wenn man von Beziehungsaspekten ausgeht.

  2. Ja, das Modell lässt sich übertragen. Betrachtet man beispielsweise das fünfte Axiom, welches besagt, dass Kommunikation entweder komplementär oder symmetrisch ist, so lässt sich dies auch in der digitalen Kommunikation wiederfinden.
    Symmetrisch kommuniziert man beispielsweise mit Freunden. Dabei verwendet man Jugendsprache, Abkürzungen, Emojis und lässt die Zeichensetzung oft beiseite.
    Komplementär kommuniziert man auf der anderen Seite zum Beispiel mit Lehrern. Man achtet besonders auf seine Wortwahl, Grammatik, Zeichensetzung, etc. Somit sind im Gegensatz zur symmetrischen Kommunikation beide Gesprächspartner nicht auf einem Level, sondern der eine hebt sich vom anderen ab. Feststellen lässt sich dies digital anhand der Ansprache und dem Gruß am Ende.

Quellen

https://karrierebibel.de/kommunikationsmodelle/
https://www.nachhilfe-team.net/lernen-leicht-gemacht/wp-content/uploads/2021/04/4-Ohren-Modell-Darstellung.png
https://www.psychologie-heute.de/themen-a-z/kommunikation.html
https://www.experto.de/businesstipps/sichere-kommunikation-im-alltag.html
https://www.faktumblog.de/2017/01/missverstaendnisse-in-der-kommunikation-vermeiden/
https://www.veda.net/blog/artikel/digitale-kommunikation-das-ende-oder-die-revolution-von-watzlawick/
https://www.abiweb.de/deutsch-methoden/thematisches-vorwissen/kommunikation/kommunikation-definition.html
https://www.henningharfst.de/framing/
https://emotionen-lesen-lernen.de/wp-content/uploads/2018/01/5-Axiome-Paul-Watzlawick-Erklärung.jpg

5 Gesprochene und geschriebene Sprache

Von Lara M. und Vanessa

Allgemeine und spezifische Definitionen

Koch und Oesterreicher weisen den Begriffen Mündlichkeit und Schriftlichkeit eine zweifache Bedeutung zu. Einerseits können diese als eine mediale Realisierung sprachlicher Äußerungen verstanden werden, so dass unter mündlich die phonische und unter schriftlich die grafische Realisierung einer Äußerung erfasst wird.
Sprache der Distanz – Sprache der Nähe (Modell Koch, Österreicher)
https://www.youtube.com/watch?v=n14_y6pYSnk (Verständnishilfe)
gesprochen geschrieben
graphisch Alltagssprache Bildungssprache
phonisch Alltagssprache Bildungssprache

Medium (vermittelndes Element) Konzeption (Ausführung)
Graphisch = schriftlich gesprochen (mündlich) = Sprache der Nähe
Phonisch= mündlich geschrieben (schriftlich)= Sprache der Distanz
Beispiele:
Graphisch + gesprochen = WhatsApp Nachricht an Freundin
Graphisch + geschrieben = Aufsatz
Phonisch + gesprochen = vertrautes Gespräch mit Freund
in
Phonisch + geschrieben = Vortrag
Merkmale:
Konzeptionell mündlich: Konzeptionell schriftlich:

  • Deiktische Elemente z.B das da, dieser hier – Planungsaufwand,
  • Interjektionen z.B ach, ähm, Mensch, okay – Überarbeitungsmöglichkeiten,
  • Gestik und Mimik (phonisch) – Objektivität und
  • Emojis bei WhatsApp Nachrichten (graphisch) – Komplexität sprachlicher Mittel wie Nominalstil ausgeglichen
  • präzise Formulierungen und führt u.a. zur häufigen Anwendung spezifischer Konnektoren (damit, deshalb, je … desto, obwohl usw.)

Teilbereiche

  • Jugendsprache (Konzeptionelle Mündlichkeit)
  • Verbale Gewalt
  • Mobbing & Cyber Mobbing
    Jugendsprache
    Merkmale:
  • Anglizismen „adden“, „cool“ …
  • Stark verkürzte Sätze „Bist’n Schatz“
  • Denglisch (Eingedeutschte Wörter aus der englischen Sprache)
  • In ständiger Entwicklung
  • Standardsprache ist die Grundlage
    Einflussfaktoren:
  • Situationsabhängig + Gruppenabhängig
    (ein „mündlich konstruiertes, von Jugendlichen in bestimmten Situationen verwendetes Medium der Gruppenkommunikation“)
  • Alter
  • Soziale Herkunft
  • Geschlecht Region
  • Medien („Jugendsprache als Spielzeug der Medien“)
    Sonstiges:
  • Kreativ
  • Abgrenzung zu älteren Generationen -> Zusammengehörigkeitsgefühl -> Identitätsbildung
  • Jugendwörter des Jahres seit 2008

Standardsprache -> Umgangssprache -> Jugendsprache
(„Sprache der Öffentlichkeit“) (geprägt von Dialekten) (verschiedene Sprech- und Schreibweisen
von unterschiedlichen Jugendgruppen)

Cybermobbing und verbale Gewalt
Beleidigungen mithilfe…

  • Angreifer müssen Opfern nicht in die Augen blicken und gegenübertreten
  • Vergleiche, Metapher und Hyperbel
  • Auch rhetorische Fragen wie ,Bist du dumm?‘‘ oder Ellipsen wie ,Schon reudig!‘‘
  • Phonisch-gesprochen/ Graphisch-gesprochen
  • Konzeptionell mündlich
  • Komparativ (z.B „Du bist der dümmste, der mir je begenet ist“)
  • Diminutiv (z.B „Du Feigling“)

Meinungen zur Jugendsprache

KONTRA
Jugendsprachkritiker beanstandet (in abnehmender Häufigkeit) vor allem:
➢ die Verwendung von Entlehnungen,
➢ die angebliche Entstehung von „Verständnisbarrieren“ durch Jugendsprache,
➢ eine grundsätzliche oder zunehmende Aggressivität im jugendlichen Sprechen,
➢ Jugendsprache als Zeichen sinkender Sprachkompetenz,
➢ mangelnde Differenziertheit bzw. lexikalische Armut,
➢ Jugendsprache als restringierte Comicsprache und
➢ angeblich „altersfeindliches“ Vokabular.
Joachim Kutschke
• „Bedrohung des Deutschen“; weiterer Spiegel-Titel „Rettet dem Deutsch!“
Eva Neuland
• „Die Verlotterung der Sprache“ (Spiegel 2006)
NEUTRAL
Christa Dürscheid
• „Die Forschung ist darin einig, dass der Versuch, sich eine eigene Identität zu schaffen, ein zentrales Merkmal der Adoleszenz ist … Der Sprache kommt dabei, neben Kleidung, Gestik, gemeinsamen Musikinteressen u.a. eine zentrale Rolle zu. Anderseits ist die Konstruktion einer (Selbst-) Identität und damit einhergehend die Abgrenzung von der anderen Alterität ein Merkmal, das für alle Peer- Gruppen gilt.“
Eva Neuland
• „… gesellschaftliche Verhältnisse werden vielschichtig in Jugendsprachen gespielt und gegengespielt.“ (2003)
PRO
Positive Einstellungen zur Sprache der Jugend:
➢ Jugendsprache wurde von den Jugendlichen zur Abgrenzung der Erwachsenwelt verwendet und bilde einen wichtigen Teil der jugendlichen Identität,
➢ Jugendsprache sei kreativ,
➢ eine homogene Jugendsprache, wie sie die Jugendsprachkritiker suggerierten, gebe es gar nicht, die Jugendsprachkritik ziehe also auf ein Scheinphänomen explizit.
➢ Jugendsprache gefährde keineswegs die Alltagssprache, die die Jugendlichen sie nur in bestimmten Situationen, vor allem innerhalb der jeweiligen Peer-Group, verwendeten und darüber hinaus durchaus auch noch anderer Stile mächtig seien.
➢ Jugendsprache sei ein Ausdruck normalen Sprachwandels sie sei „immer schön“ anders gewesen als die Sprache der Erwachsenen und
➢ Jugendsprache sei authentisch.“
➢ Wie es schon behandelt wurde, ist Jugendsprache eine Sprache der Gruppe, die von ihr geschöpft wurde, damit sie, weit von den Erwachsenen, ihre Gedanken, Gefühle und Emotionen ausdrücken könnten. So kann jeder Peer – Gruppe ihr eigenes sprachliches Register erzeugen, das als individuelles Erkennungszeichen ihrer Mitglieder fungiert. Insbesondere diese Kleingruppen, die in der Regel durch gleiche bzw. ähnliche Interessen, soziale Herkunft und Alter gekennzeichnet sind, gelten für die soziale Entwicklung eines Menschen außerhalb der Familie als besonders wichtig.

Luisa Welsch
• „Die heutige Jugendsprache ist kreativ, flexibel, hoch aktuell. So verändert sich stetig und ist oft Themen der Gegenwart angepasst.“ (Neuland,E., 2014)

Aufgabe / Texte
• Arbeite die wichtigsten Thesen aus dem/den Text(en) heraus und nimm begründet Stellung
Text zu Jugendsprache
Joachim Kutschke:
https://www.spiegel.de/panorama/hast-du-n-rad-ab-oder-was-a-d7ba869a-0002-0001-0000-000013683054 (ganzer Text)

Text zu verbaler Gewalt
Claudia Mäder
https://www.nzz.ch/feuilleton/hate-speech-sprache-kann-verletzen-aber-ganz-anders-als-gewalt-ld.1537688 (bis „Wie entsteht die Handlung“ )

Lösungen
Lösungen: verbale Gewalt
„Ob solcher Sprachgebrauch gesetzlich reglementiert werden soll, wenn er homosexuelle Menschen trifft, steht zurzeit zur Diskussion, und der Verlauf derselben ist ein Trauerspiel.“
„Nein, sie stellen eine eigene Form von Gewalt dar, die es zu bekämpfen gilt: «Angriffe gegen einen sensiblen Teil der eigenen Identität» sind «psychische Gewalt» und richten als solche beträchtliche Schäden an.“
„Letztlich geht es um die Sprache, und gerade die Befürworterseite scheint ein bemerkenswert unterkomplexes Verständnis von diesem Gegenstand zu haben: Hier ist ein quasimagisches Konzept am Werk, das die Kraft der Rede überschätzt, die Funktionsweisen der Sprache nicht genau hinterfragt – und dadurch zuletzt das Subjekt degradiert.“
„Es revolutionierte die Sprachphilosophie, denn sein Autor zeigte auf, wie Sprache die Welt nicht nur beschreibt, sondern verändert und wie die Sprachbenutzer mit ihren Sätzen nicht nur reden, sondern handeln.“

Lösungen: Jugendsprache
„Noch nie war der Schulunterricht so sehr auf mündliche Kommunikation ausgerichtet – aber diese Generation hat keinen Bock darauf:(…)“
„Auch beim Schreiben, beim Erfinden und Phantasieren gehen ihnen die Worte aus. Was bleibt, sind Sprechblasen, Werbesprüche, Klischees. Phantasie und Sprache werden zugeschüttet.“
„So ist im Zeitalter massenmedialer Kommunikation die Inhaltsleere zum Programm geworden.“
„Dafür werden wir mit Amüsier-Müll zugeschüttet und mental entmündigt. Die Unterhaltungsindustrie macht uns zu passiven, phantasie- und sprachlosen Rezeptoren. Wir sitzen nur noch da und sperren Augen und Ohren auf. Und Animateure halten uns kleine Schildchen hoch, auf denen »Applaus!«, »Lachen«, »Oh . . .!« steht, damit wir das Spiel mitspielen können.“
 Stellungname: individuelle Lösungen

Weitere Hilfen

Quellen

https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/kinder-und-jugend/medienkompetenz/was-ist-cybermobbing–86484 https://www.deutschlandfunkkultur.de/philosophin-ueber-die-kraft-der-sprache-worte-koennen-100.html
https://www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/wissenschaft-expertin-worte-koennen-wie-koerperliche-gewalt-verletzen/2730026.html?ticket=ST-6893116-jr1yyaUjAQS4M0LpWbMy-ap1
https://www.inst.at/trans/23/zu-den-unterschiedlichen-meinungen-ueber-bedeutung-und-rolle-der-jugendsprache/
https://www.kindersache.de/bereiche/wissen/natur-und-mensch/jugendsprache-das-feier-ich

6 Sprachvarietäten

Von Edith und Sina

Bedeutung und Funktion der Mehrsprachigkeit

„Zwei oder mehr Sprachen sehr gut zu beherrschen, ist keine Bedingung für Mehrsprachigkeit – auch wenn das viele denken.“
Eine Person ist mehrsprachig, wenn sie regelmäßig mehr als eine Sprache spricht und gleichzeitig fähig ist, in allen verwendeten Sprachen Alltagsgespräche zu führen. Dabei ist Mehrsprachigkeit als etwas Dynamisches zu verstehen, da sich die Sprachkompetenzen je nach Lebenssituation ändern. Damit ist gemeint, dass man seine Sprachkenntnisse erweitern, aber auch wieder verlieren kann, wenn die Sprache nicht verwendet wird.
Auch wenn sich die Tradition des Monolingualismus in Westeuropa hält, ist Einsprachigkeit weltweit gesehen eine Ausnahme. So nimmt auch in Deutschland der Anteil an Familien, in denen mehrere Sprachen gesprochen werden, zu.
Man unterscheidet zwischen Erst-, Zweit- und Fremdsprache. Eine Zweitsprache definiert sich als Sprache, die man so gut beherrscht, dass sie fließend mündlich und schriftlich angewendet werden kann. Die Fremdsprachen werden hauptsächlich in der Schule beigebracht und nicht im natürlichen Umfeld. Demnach sind sie nicht so sehr im Sprachgebrauch verankert und der Wortschatz minimiert sich oft nach der Schulzeit.
Um mehrere Sprachen sprechen zu können, muss man diese selbstverständlich zuvor lernen. Zudem fordert es nicht nur eine theoretische Auseinandersetzung, sondern auch eine praktische Umsetzung (=sprechen). Für das Erzielen eines großen Erfolges, ist eine Förderung im frühen Kindesalter am effektivsten. Vor allem in den ersten beiden Lebensjahren werden die Sprachen ohne große Probleme erlernt.
Im Zusammenhang der Mehrsprachigkeit sind folgende Begriffe relevant: Multilingualismus bzw. Plurilingualismus, Sprachkenntnis und Code-Switching. Der Anglizismus beschreibt das Hin- und Herwechseln zwischen Sprachen. Diese vermeintlich mangelhafte Beherrschung stellt jedoch nichts Schlechtes dar, sondern ist ein unvermeidbares Merkmal von Mehrsprachigkeit und Ausdruck von Kompetenz.
Auf die Frage, in welchem Zusammenhang Mehrsprachigkeit heutzutage eine Rolle spielt, ist ganz klar die Kommunikation zu nennen. Vor allem in der Berufswelt findet Mehrsprachigkeit die meiste Bedeutung. So spiegelt sich das Prinzip des Plurilingualismus beim Dolmetschen wider, denn dies meint die Übertragung eines Sachverhalts in eine andere Sprache. Darüber hinaus ist es in Bereichen von der Hotellerie bzw. dem Tourismus (Hotelmanagement bis Catering) über Flugbegleiter bis hin zum Journalisten – in dem Fall Auslandskorrespondenten, die im Ausland vor Ort über Ereignisse recherchieren und berichten – ein wertvolles Gut. Aber in allen Branchen ist Mehrsprachigkeit gefragter denn je. Schließlich kommt es im Prozess der Globalisierung zu einer vernetzten Welt, was die Kommunikation unabdingbar macht.
Auch im politischen und gesellschaftlichen Bereich, in Bezug auf Migration, ist Mehrsprachigkeit ein erwähnenswertes Thema. Denn schließlich ist Fremdsprachenlernen ist eine notwendige Konsequenz, ein Muss, wenn man dauerhaft in einem Land leben will mit einer neuen Sprache. Migranten werden spätestens dann mehrsprachig, wenn sie nicht bereits in mehreren Sprachen kommunizieren. Allerdings wird der teils vorhandene Plurilingualismus von der Aufnahmegesellschaft meist nicht anerkannt. Aufgrund dieser resultierenden Fokussierung auf das Deutsche kommt es zu einem Ausschluss von gesellschaftlicher Partizipation der Migranten. Sie können sich nicht treffend ausdrücken, was als Einschränkung für die Migranten empfunden wird. Stattdessen sind immer mehr vereinfachte Formen der neu erlernten Sprache zu hören, wie in Deutschland „Gehst du Bahnhof“. An diesem Beispiel sieht man, dass es vor allem in den vielen Migranten-Deutschs nicht mehr zuerst auf grammatische Korrektheit ankommt, sondern darauf, dass man sich möglichst effektiv verständigen kann. Es ist hier vom Phänomen der „Destandardisierung“ die Rede.

Im Laufe der Zeit haben sich typische Positionen gegenüber Mehrsprachigkeit entwickelt.
Viele Personen stehen dieser Thematik kritisch gegenüber. Einerseits gibt es die Auffassung, dass mehrsprachig aufwachsende Kinder psychologische und sprachliche Probleme erleiden. Vermeintliche Anzeichen hierfür seien intellektuelle Zurückgebliebenheit, Sprachstörungen und soziale Isolation.
Außerdem wird die These vertreten, dass die nationale Einheit geschwächt werde, da die Nationalsprache als Identitätsmerkmal gilt. Vor allem früher grenzte man sich durch seine eigene Sprache nach außen hin ab. Innerhalb der Nation wuchs allerdings das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Radikal Denkende sind auch heute noch der Meinung, dass in einem Land nur die eigene Sprache gesprochen werden solle. An dieser Stelle ist deutlich anzumerken, dass diese beiden Aussagen überholt sind.
Auch die Auffassung, dass Mehrsprachigkeit Verwirrung bei Kindern fördert, ist widerlegt. Die Behauptung, dass Kinder die vielen Wörter den unterschiedlichen Sprachen nicht zuordnen können, hat insofern einen wahren Kern, als dass Schulkinder im Durchschnitt weniger Worte kennen. Allerdings zeigt eine Studie (Lee, P. (1996). Cognitive development in bilingual children: a case for bilingual instruction in early childhood education. The Bilingual Research Journal. 20, 499-522.), dass der anfänglich geringe Wortschatz im Laufe der Grundschulzeit wächst und sich im Vergleich zu einsprachigen Kindern verdoppelt.
Hinzu kommen weitere Vorteile der mehrsprachigen Erziehung, die teilweise in den kognitiven Bereich eingreifen. Zuerst ist zu erwähnen, dass bei Kindern eine größere kommunikative Kompetenz festgestellt wurde. Dies zeigt sich daran, dass sie sorgfältig auswählen, welche Sprache sie mit welchem Gesprächspartner verwenden. Auch können sie sich leichter in den Partner hineinversetzen. Ein durchgeführter Versuch legt dar, dass mehrsprachige Kinder die Position ihres Gegenübers berücksichtigen und in das eigene Verhalten integrieren.
Ein weiterer Vorteil ist, dass sowohl die Sprachaktivität im Gehirn als auch die Kreativität von Mehrsprachigen, durch die Fähigkeit, flexibel zu assoziieren, erhöht ist. Dadurch wird neben der Konzentrationsfähigkeit auch die Effektivität des Gehirns nachhaltig gesteigert, was dafür sorgt, dass das Denkvermögen länger fit bleibt und altersbedingte Abbauprozesse langsamer vorangehen. Beispielsweise kommt es im Durchschnitt 4 Jahre später zu Demenzerkrankungen. Ein pragmatischer Aspekt, der auch aus der Sprachaktivität hervorgeht, ist, dass Mehrsprachige eine differenziertere Sicht auf die Welt haben. Das kommt dadurch, dass in manchen Sprachen ein und derselbe Sachverhalt ganz verschieden ausgedrückt wird. Zum Beispiel, wenn man vom Regen durchnässt ist, sagt man auf Italienisch „sono tutta bagnata“, was ‘ich bin ganz gebadet’ entspricht. Das gleiche gilt auch für viele Redensarten, da man die Ausdrücke zuerst umformulieren muss, damit sie in der anderen Sprache dieselbe Bedeutung haben. Dieses herausfordernde Umformulieren hat wiederum einen Einfluss auf die Sprachaktivität.
Was den kulturellen Teilbereich betrifft, führt die Mehrsprachigkeit zu einem besseren interkulturellen Verständnis durch den Dialog. Es bietet einem die Möglichkeit, mit Menschen anderer Herkunft in Kontakt zu kommen und sich auszutauschen. Beispielsweise ist genau das die Absicht jedes Schüleraustausches. Dies hat eine Horizonterweiterung zur Folge und bedeutet außerdem für einen Auslandsaufenthalt weniger Stress. Egal ob im Urlaub oder auf Geschäftsreise ist es für einen möglich, sich problemlos mit den Einheimischen zu verständigen.
„Sprache ist eine Kraft, die den Menschen die Tür zur Welt öffnet.“ Dies ist ein passendes Zitat von Wilhelm von Humboldt. Das Aneignen einer Sprache ist das Eintauchen in eine neue Kultur mit ihrer eigenen Denkwelt, da sich in jeder Kultur im Laufe der Zeit unterschiedliche Weltanschauungen entwickelt haben. So ist beispielsweise die Weltanschauung in Deutschland naturwissenschaftlich geprägt, während in arabischen Ländern die Einstellung auf der Religion, dem Islam und den strengen Vorschriften, basiert. Folglich ist die Bedeutung von Mehrsprachigkeit immens, denn nur so werden neue Welterschließungs- und neue Wahrnehmungsstrukturen geschaffen.
Des Weiteren bietet die Mehrsprachigkeit den Vorteil, dass neue Sprachen schneller und leichter erlernt werden. Denn durch Vorkenntnisse von bereits beherrschten Sprachen kann man unter anderem die grammatischen Regeln besser verstehen sowie ähnliche Wörter und Satzstruktur herleiten. Hierzu liefern die romanischen Sprachen ein Beispiel. Bemerkenswert ist die große Anzahl an verwandten Wörtern.
In Anbetracht dieser Fakten wird Mehrsprachigkeit als ein Segen und eine Bereicherung wahrgenommen.

[…] 4. Die Bedeutung der Förderung von Mehrsprachigkeit
Neuere Ergebnisse aus der Hirnforschung legen nahe, dass Mehrsprachigkeit generell möglichst früh gefördert werden sollte. So zeigt sich, dass bei Früh-Mehrsprachigen (also wenn die zweite Sprache noch vor
dem sechsten Lebensjahr erworben wird) die Sprachen im Gehirn sehr kompakt repräsentiert sind und sich
fast gänzlich überlappen. Die Sprecher brauchen damit weniger Gehirnareale zu aktivieren, wenn sie die Sprachen sprechen, als Sprecher, die erst spät eine zweite Sprache erworben haben (etwa ab dem Alter von 10 Jahren) und bei denen viel weniger Überlappungen zu finden sind. Auch beim Erlernen einer dritten (oder
weiteren) Sprache haben Früh-Mehrsprachige einen erheblichen Vorteil, weil sie diese an die Areale der
ersten beiden Sprachen direkt „andocken“ können.
Es ist aber auch notwendig, Mehrsprachigkeit gezielt in Institutionen zu fördern, v.a. im Bereich der Schriftlichkeit. Denn im Gegensatz zur oralen Mehrsprachigkeit kann diese Form in der Regel nicht ungesteuert erworben werden, sondern nur durch Unterricht. In vielen mehrsprachigen Gesellschaften ist jedoch die Sprache, in der in der Schule unterrichtet wird, nicht die Muttersprache der Sprecher. Das gilt für die meisten Staaten in Afrika, für Indianer und Indios, Aborigines und eine große Zahl von Sprachminderheiten, denen nicht das Recht auf Schulunterricht in der Muttersprache eingeräumt wird. Ganz im Besonderen gilt dies für allochthone Sprachminderheiten: Die Kinder wachsen in einem Land mit einer anderen Sprache auf, werden in dieser Sprache alphabetisiert und in dieser Sprache unterrichtet. Viele Sprecher, die auf der Ebene des mündlichen Austausches mehrsprachig sind, tendieren daher auf der Ebene der schriftsprachlichen Kommunikation eher zur Einsprachigkeit.
Dies rührt vor allem daher, dass man, um sich in der Sprache auch schriftlich ausdrücken zu können, nicht nur das Alphabet und die Orthographie erlernen muss, sondern auch die ganz speziellen schriftsprachlich geprägten grammatischen Strukturen oder Formulierungsmuster und einen bestimmten Wortschatz, den man im mündlichen Diskurs gar nicht verwendet. Außerdem spielen beim Schreiben von Texten auch pragmatische Konventionen eine Rolle, die kulturspezifisch sind, und die man ebenfalls erlernen muss.
Über die Funktion der Ausdrucksfähigkeit und die neuronalen Grundlagen hinaus gibt es noch weitere wichtige Aspekte, die für die Förderung von Mehrsprachigkeit sprechen:
• Den psychologischen Aspekt: Bei Mehrsprachigen fungiert die Herkunftssprache als Träger der Identität, die Zielsprache ermöglicht Integration in eine andere Sprachgemeinschaft.
• Den sozialen Aspekt: Sprache befähigt Individuen, einander zu „lesen“. Mehrsprachige können eine größere Bandbreite an Sprechern auf diese Weise „verstehen“.
• Den kognitiven Aspekt: Mehrsprachige besitzen ein differenziertes Bewusstsein von Sprache und haben eine andere Art des Sprachzugangs, der weniger regelorientiert und natürlicher ist als der Einsprachiger. Sie besitzen ein starkes metasprachliches Bewusstsein und andere Fertigkeiten, die ihnen auch das Erlernen weiterer Sprachen erleichtern.
• Den pragmatischen Aspekt: Mehrsprachige haben eine differenziertere Sicht auf die Welt. Sie lernen
durch die Brille der anderen Sprache andere Sichtweisen kennen und sind daher flexibler im Handeln.
• Den kulturellen Aspekt: Mehrsprachige, besonders Angehörige von Sprachminderheiten, haben eine
Brückenfunktion als Vermittler zwischen verschiedenen Kulturen. Insgesamt ist aus diesen Überlegungen zu folgern, dass eine möglichst frühe und intensive Förderung von Mehrsprachigkeit in mündlichen wie schriftlichen Diskursen für die autochthone und allochthone Bevölkerung ein vorrangiges Anliegen – sowohl in Familien als auch in Bildungsinstitutionen – sein sollte. […]

https://www.yumpu.com/de/document/view/23920675/newsletter-mehrsprachigkeit-kompetenzzentrum-sprachfarderung/4

  • Warum ist es sinnvoll, die <Mehrsprachigkeit möglichst früh zu fördern und welche Vorteile für die Zukunft ergeben sich daraus?
  • Welche Voraussetzung sollte man lauf Jim Cummins erfüllt haben, um Mehrsprachigkeit überhaupt erfolgreich beherrschen zu können?
  • Nennen Sie die verschiedenen Aspekte, welche durch die Mehrsprachigkeit gefördert werden und erläutern Sie diese kurz anhand von Beispielen.

7 Sprache und Geschlecht

Von Adela, Sharline und Lara D.

Allgemeine und spezifische Definitionen

Um welches Thema handelt es sich?

Allgemein handelt es sich um das Gendern und die gendergerechte Sprache.

Definition: „Geschlechtergerechte Sprache bezeichnet einen Sprachgebrauch, der in Bezug auf Personenbezeichnungen die Gleichbehandlung von Frauen und Männern und darüber hinaus aller Geschlechter zum Ziel hat und die Gleichstellung der Geschlechte in gesprochener und geschriebener Sprache zum Ausdruck bringen will.“ (Wikipedia)

Die Sprache ist ein Ausdruck der Gefühle und Gedanken. Sie beeinflusst unsere Wahrnehmung und Vorstellung. Man muss sich bewusst sein, dass Sprache nicht nur abbildet, sondern die Wirklichkeit formt und verändert.

„Sprache beeinflusst unser Denken, Fühlen und handeln.“ – Pierre Bourdieu                             

Welche Teilbereiche spielen in dieses rein?

Gesellschaftlich

  • gesellschaftliche Strukturen und Sprachgebrauch wirken gegenseitig auf einander ein
  • inklusiver Sprachgebrauch durch genderneutrale Formulierungen und genderneutrale Alternativen, zum Beispiel:

Berufsbezeichnungen:

Putzfrau → Reinigungskraft

Krankenschwester → Krankenpfleger*in

Personenbezeichnungen:

allgemein ausdrucken: Studierende, Interessierte, etc.

Unpersönliche Pronomina:

z.B:  „alle“ statt „jeder“, „niemand“ statt „keiner“, etc.

 Passivformulierungen:

z.B: „ Die Prüfung wird bestanden.“ statt „Der Student besteht die Prüfung.“

Linguistisch

  • generisches Maskulinum- exkludierend

→ Gendern ist linguistisch komplizierter aber dafür klarer und inklusiver; stellt die Beziehung zwischen Sprache und Realität besser dar

  • Sprache Veränderung => lebendige Sprache VS. Sprachtradition sollte gewahrt bleiben
  • Die meisten Linguisten sind gegen das Gendern, da es die Grammatik und die traditionelle Sprache zu viel verändert
  • Genus-Sexus-Debatte: Genus (grammatisches Geschlecht); Sexus (natürliches Geschlecht)

Politisch/Gender Mainstreaming

  • Politiker und Organisationen ergreifen Maßnahmen zur Gleichstellung der Geschlechter.
  • Verwirklichung der Gleichstellung von Mann und Frau unter Berücksichtigung der geschlechtsspezifischen Lebensbedingungen und Interessen. Dabei spielt die gendergerechte Sprache eine wichtige Rolle.

Definitionen

Gendern:

geschlechtsneutrale oder geschlechtsinklusive Ausdrücke verwenden und dadurch Texte so gestalten, dass die Ausgrenzung aufgrund des (sozialen) Geschlechts vermieden wird

Generelles/generisches Maskulinum:

Personen- oder Berufsbeschreibung in der grammatisch männlichen Form

generisch/generell heißt, dass Wort soll als gemeingültiger Oberbegriff gelten

Generisches Maskulinum macht Frauen unsichtbar Wort hat kein Sexus, heißt, es zeigt das biologische Geschlecht nicht an

 

In welchem Zusammenhang spielt die Sprache und das Geschlecht, also das Gendern, eine Rolle?

  • Gesellschaftlich gesehen hängt das Thema mit der Gleichberechtigung bzw der Geschlechtergerechtigkeit zusammen
  • Das Ziel vom Gendern ist es, alle Geschlechter auf eine respektvolle Art und Weise anzusprechen und in der Sprache sichtbar zu machen
  • Sprache beeinflusst unser Denken, Fühlen und Handeln
  • „[…] stellen nicht die grammatikalische Korrektheit, sondern eher die zwischenmenschliche Notwendigkeit, einen Sprachgebrauch zu [erschaffen], bei dem sich alle Menschen angesprochen und repräsentiert fühlen, in den Vordergrund.“

Welche Besonderheiten hat es?

  • Es ist ein wichtiger Schritt zur Gleichberechtigung, nicht nur in Bezug auf die Gleichstellung von Mann und Frau in der Gesellschaft, sondern auch um alle anderen Geschlechter zu inkludieren

Wo verlaufen Konfliktlinien?

  • Wenn man z.B. den Doppelpunkt benutzt um zu gendern, wird dies von Screenreader teils ignoriert/überlesen. Nur die weibliche Form wird vorgelesen, was irreführend exklusiv auf die anderen Geschlechter wirken kann.
  • Das Gendern wird von einigen Redaktionen nicht angewendet, da es das flüssige Lesen unterbricht
  • einige halten das Gendern für unnötig, da sie der Meinung sind, es würde die Sprache unnötig kompliziert machen. Zudem hat das generische Maskulinum nichts mit dem biologischen Geschlecht zu tun
  • Gendern würde die Sprache politisch aufladen und die gegenderte Sprache somit zu einem politischen Statement machen

Analyse von Beispielen

Was sind typische Positionen?

Aktuell noch viele Vorbehalte

1\4 befürwortet

2\3 lehnen ab

Ablehnung gestiegen

höhere Bildung und jüngere Generation=größere Akzeptanz

Pro Contra
Grammatisch mag das generische Maskulinum für alle gelten

psychologische Studien zeigen: meisten Menschen stellen sich Männer vor

–> Sprache lenkt Wahrnehmung

generische Maskulinum ist eine grammatisch männliche Bezeichnung, hat mit dem biologischen Geschlecht aber laut Definition nichts zu tun

Frauen sind rein formal und traditionell in vielen Fällen durch die grammatikalisch männliche Form mitgemeint. Stichwort: „generisches Maskulinum“.

Gendern macht Frauen in der Sprache sichtbar   –>legitime Repräsentation

Gendern ist kein politisches Projekt, sondern betrifft den Grundwert der Gerechtigkeit.

Sprache hat nur begrenzten Einfluss auf reale Verhältnisse
Gendern als Ausdruck gesellschaftlichen Fortschritts hin zu einer zunehmend gleichberechtigten, diversen Gesellschaft Projekt der Gleichberechtigung-Sprache nicht relevant

Gendern führt z.B. nicht zu besserer Bezahlung von Frauen: Eine gerechtere Sprache schafft noch keine gerechtere Welt.

  Die Geschlechtergerechtigkeit von Sprache stellt sich von selbst ein, wenn die gesellschaftliche Realität gleichberechtigt ist. Dann werden auch bei der generischen (männlichen) Form beide Geschlechter assoziiert
  Der Fokus aufs Gendern verdunkelt/missachtet andere mit Ungerechtigkeit behaftete Identitätskategorien, etwa Ethnie; ist also inkonsequent.
Sprache verändert sich ständig; Veränderung gehören seit jeher zur linguistischen Geschichte. Die Sprachtradition sollte gewahrt bleiben
Bei den zunächst für viele ungewohnten Veränderungen einer gegenderten Sprache stellt sich Studien zufolge relativ schnell Gewöhnung ein. Sprachempfinden: Gegenderte Sprache wirkt künstlich und ungewohnt. Sie ist umständlich, hässlich, holprig und unpoetisch.
Erfahrung, was einen guten Lesefluss ausmacht, ist veränderlich und passt sich dem veränderten Sprachgebrauch an

nicht allein durch Substantive in Sonderformen gekennzeichnet sein, sondern können durch zahlreiche kreative Formulierungen und Mittel ihre Intention erreichen

Gendern lenkt von den Inhalten ab, indem es den Lesefluss behindert.

Nutzung spezieller Substantivformen – etwa mit Sternchen, Doppelpunkt, Unterstrich oder Binnen-I – führt die Aufmerksamkeit auf die technische Ebene der Sprache und schadet so gerade narrativen, eintauchenden Texten.

 

Aufgabenstellung

  1. Suchen Sie aus dem vorliegenden Textauszug aus „Warum Gendern? Eine Stellungnahme“  von Luisa Wirth die wichtigsten Thesen.
  2. Geben Sie Pro und Contra Argumente zu diesen.

Warum gendern? Eine Stellungnahme 

Das Thema Gendern ist aktueller denn je. Oft werden wir von Diskussionen gestreift  und es begegnet uns täglich in unterschiedlichen Formen in Texten. Die oder der  Einzelne fragt sich: Wieso gibt es verschiedene Formen? Was haben diese mit der  aktuellen Gender-Debatte zu tun? Und warum soll ich als Einzelne_r gendern? Von  Luisa Wirth. 

Unsere Sprache ist meist nur männlich (bestes Beispiel: das kleine Wörtchen „man“… warum wird nicht ebenso „frau“ verwendet?), dadurch wird die  männliche Form als normal und repräsentativ wahrgenommen. Dies  reflektiert ein ungerechtes Denken und ist ein klares Zeichen dafür, dass  unsere Gesellschaft die patriarchialisch geprägte Sprache internalisiert hat.  Dies schlägt sich z.B. im „generischen Maskulin“ (maskulines Nomen bzw.  Pronomen, welches sich auf mehrere Menschen nicht bekannten Geschlechts bezieht) nieder, welches jegliche Vielfalt ausschließt und so das weibliche Geschlecht und andere Geschlechter unsichtbar macht. Die Menschen eines Textes werden automatisch als Männer interpretiert, es entsteht ein entsprechendes Bild im Kopf, das im Gedächtnis bleibt und unser Denken prägt. Es wirkt ausgrenzend und verfestigt bestehende Denkmuster. Die Sprache spiegelt Denkmuster wider, legt gesellschaftliche Bewertungen offen, reproduziert und bestätigt sie gleichzeitig. Das manifestierte alltägliche Ignorieren von Frauen und anderen Geschlechtern in der Sprache erscheint vielen normal; dieser Umstand zeigt, wie sehr die Sprache durch gesellschaftliche Muster geprägt ist.

Gleichwertiges Mitdenken aller Menschen 

Sprache bildet nicht einfach unsere Welt ab, sondern formt sie entscheidend mit, argumentieren die Sprachwissenschaften. Sprache und Realität beeinflussen sich gewissermaßen gegenseitig. Auch in der Sozialpsychologie wird erforscht, wie sich Sexismus in der Sprache auf die soziale Wahrnehmung und das Verhalten auswirkt. Mit dem Gebrauch von Sprache bezieht jede_r immer automatisch Position und prägt die weitere Kommunikation und das Denken der anderen. Je nachdem wie Menschen angesprochen, bezeichnet oder auch sprachlich ignoriert werden, beeinflusst dies nicht nur die betroffene Person, sondern auch ihr soziales Umfeld.  Nicht alle Menschen können oder wollen sich in der bipolaren Geschlechteraufteilung unserer Gesellschaft wiederfinden. So leben allein in Deutschland je nach Schätzung bis zu 800.000 intersexuelle Menschen, die schon rein biologisch weder als „weiblich“ noch „männlich“ bezeichenbar  sind. Nur eine geschlechtergerechte Sprache macht Frauen, Männer und  andere Geschlechter in der Sprache sichtbar und erlaubt so ein  gleichwertiges Mitdenken aller Menschen. Darum ist es wichtig, sich auf  neue Formulierungen einzulassen, Alternativen zu suchen und den Umgang  mit der eigenen Sprache bewusster zu gestalten – für uns als studentische  Zeitschrift ist das ein besonderes Anliegen. Beginnt jede_r auf diese Weise  einseitige Assoziationsmuster aufzubrechen und neu zu gestalten, kann  Sprache als Schlüssel für eine Änderung im gesellschaftlichen Bewusstsein  dienen bzw. das vorhandene Bewusstsein für die Thematik schärfen,  welches althergebrachte Denkmuster kritisch hinterfragt.

Wie gendern? 

Es geht darum, geschlechtergerecht zu formulieren: Der Mann darf  sprachlich nicht in den Vordergrund gestellt werden, Frauen und andere  Geschlechter müssen gleichberechtigt in der Sprache sichtbar gemacht  werden. Auch darf die Sprache in keiner Weise sexistisch sein: Die Frau darf nicht als das „schwache Geschlecht“ dargestellt werden, der Mann nicht als  das „starke Geschlecht“ und er darf nicht zur Norm werden. Tabu sind Sprachbilder, die Rollenstereotypen entsprechen sowie homophobe und  heteronormative Formulierungen. Ältere Formen des Genderns sind z.B. die Paarform (Studentinnen und Studenten), das Binnen-I (StudentInnen) oder  das Splitting (Student/innen). Es reicht jedoch nicht, nur Frau und Mann zu nennen, da durch die aufeinanderfolgende Nennung von zwei Geschlechtern immer eine Ungerechtigkeit entsteht (egal in welche Richtung) und weil die  Vielfalt an Geschlechtern größer ist als die Dualität von Frauen und  Männern (Intersexuelle, Transgender, Transsexuelle, Bi-Gendered, …).  Daher sind weitere Differenzierungen nötig, um an traditionellen Geschlechterrollen im Denken zu rütteln und möglichst allen Menschen gerecht zu werden. Geschlechtsneutrale Formulierungen (die Studierenden, „für die Bewerbung muss ein Antrag ausgefüllt werden“ statt „die Bewerber  müssen einen Antrag ausfüllen“) sind eine Möglichkeit, die Lesbarkeit von  Texten zu verbessern, da sie aber nicht explizit auf die Geschlechter jenseits  von Frau und Mann verweisen, sollten auch andere Formulierungen  verwendet werden; auch wirken neutrale Formulierungen manchmal  distanziert und stellen nicht die Vielfalt der Geschlechter heraus.  

Mehr als Frau und Mann 

Die aktuell gebräuchlichste Form des Genderns ist die Gender Gap:  Zwischen der männlichen und der weiblichen Schreibweise wird ein Unterstrich eingefügt (Student_innen). Existierende Geschlechter, die bisher verdrängt wurden, sind sichtbar, sie haben gewissermaßen Platz in der Lücke. Ähnlich dazu ist der Gender Star: zwischen der männlichen und der weiblichen Schreibweise wird ein Stern eingefügt (Student*innen), der Stern steht, wie die Lücke bei der Gender Gap, für die Vielfalt der Geschlechter.  Eine neue, kaum verbreitete Form ist das dynamische Gendern: der dynamische Unterstrich befindet sich nicht immer an der gleichen Stelle im Wort (Student_innen, Stu_dentinnen, Studentin_nen, usw.) und verhindert, dass der Unterstrich weiterhin die maskuline Form hervorhebt. So verdeutlicht er, dass es nicht einen festen Ort gibt, an dem ein Bruch in Zweigenderung stattfindet. Gender Gap und Gender Star reproduzieren den Befürworter_innen zufolge durch ihre Position innerhalb des Nomens die geschlechtliche Binarität, teilen Worte genau da auf, wo das generische Maskulin aufhört und der feminine Zusatz „-in“ beginnt, so wird die Zweigeschlechtlichkeit als stabile Größe verfestigt. Um die Vielfalt des Gender(grenzen) abzubilden, wird daher irgendwo zufällig im Wort gegendert und nicht an einer allgemein definierten Position. Diese Form ist umstritten, da man sich durch die zufällige Setzung des Strichs nie an eine  Form gewöhnen kann und die Lesbarkeit erheblich erschwert wird.

Eine weitere, kaum verbreitete Form des Genderns ist die Ersetzung des Wortes „man“. „man“ stammt vom Nomen „Mann“ ab und wird daher auch als sexistisch betrachtet*. Eine Alternative ist „frau“, wobei dies wieder die Zweigeschlechtlichkeit untermauern würde, daher wird es in manchen Texten durch „mensch“ ersetzt. Eine Erweiterung dieser Maßnahme ist die Verwendung des Wortes „mensch“ auch in Formen wie „jemand“ oder  „niemand“, die zu „jemensch“ oder „niemensch“ werden.

Ein Bruch der Gewohnheit 

Oft wird kritisiert, dass die Genderformen ungewohnt und umständlich sind, doch genau dies zeigt die Notwendigkeit des Bruchs. Alles, was neu ist,  wird zunächst als „unbequem“ empfunden, kann aber genau wie die jetzt  vorherrschende maskulin geprägte Sprache zur Gewohnheit werden. Die neuen Sprachformen prägen sich ein, beeinflussen das Denken und schaffen  eine Sensibilität für das Problem. Wenn konsequent gegendert wird, wird es  normal, Nicht-Gendern wirkt störend; diese „Reform“ in der Sprache ist so  die Behebung eines Missstandes, der sich über lange Zeit entwickelt hat.

Gendern ist jedoch nicht alles: Es ist ein Ansatz, um die Sprache gerecht für  Menschen jeglicher Geschlechter zu gestalten, um ein Umdenken zu  bewirken, Bewusstsein zu schaffen und zu sensibilisieren.

Lösungsvorschlag

„Sprache als Sprache bildet nicht einfach unsere Welt ab, sondern formt sie entscheidend mit“

„Schlüssel für eine Änderung im gesellschaftlichen Bewusstsein“

Pro Contra
Grammatisch mag das generische Maskulinum für alle gelten

psychologische Studien zeigen: meisten Menschen stellen sich Männer vor

–> Sprache lenkt Wahrnehmung

generische Maskulinum ist eine grammatisch männliche Bezeichnung, hat mit dem biologischen Geschlecht aber laut Definition nichts zu tun

Frauen sind rein formal und traditionell in vielen Fällen durch die grammatikalisch männliche Form mitgemeint. Stichwort: „generisches Maskulinum“.

Gendern macht Frauen in der Sprache sichtbar   –>legitime Repräsentation

Gendern ist kein politisches Projekt, sondern betrifft den Grundwert der Gerechtigkeit.

Sprache hat nur begrenzten Einfluss auf reale Verhältnisse

Projekt der Gleichberechtigung-Sprache nicht relevant

Gendern führt z.B. nicht zu besserer Bezahlung von Frauen: Eine gerechtere Sprache schafft noch keine gerechtere Welt.

Die Geschlechtergerechtigkeit von Sprache stellt sich von selbst ein, wenn die gesellschaftliche Realität gleichberechtigt ist. Dann werden auch bei der generischen (männlichen) Form beide Geschlechter assoziiert

 

„Unsere Sprache ist meist nur männlich (bestes Beispiel: das kleine Wörtchen „man“… warum wird nicht ebenso „frau“ verwendet?)“

  • Falsche Information:

das unpersönliche Pronomen ist wie in altengl. man und altfrz. ma eine Abschwächung des Begriffs → Mann in der allgemeineren Bedeutung „Mensch“, aus frz. on, aus lat. homo „Mensch“; die Bedeutung wandelte sich von „ein beliebiger Mensch“ zu „jeder beliebige Mensch“ und wird heute sowohl im Singular als auch im Plural gebrauch

„Daher sind weitere Differenzierungen nötig, um an traditionellen Geschlechterrollen im Denken zu rütteln und möglichst allen Menschen gerecht zu werden.“

Pro Contra
Gleich schon zu Beginn komplett angepasst ändern Die Mehrheit der Bevölkerung ist bereits gegen das Gendern, das „nur“ das weibliche Geschlecht noch miteinbezieht, deshalb wird das Durchsetzen weiterer Regelungen schwieriger werden.

 

      Aufgabenstellung

  1. Suchen Sie aus dem vorliegenden Textauszug aus „Der schwangere Patient ” von Karin Dalkadie wichtigsten Thesen.
  2. Geben Sie Pro und Contra Argumente für diese an.


Der schwangere Patient

Wer die Augen aufmacht, sieht: Die Welt ändert sich – und mit ihr die Sprache. Manche Debatte hat sich damit erledigt. Jetzt reden wir über Mut.

  • Gendern verändert die Sprache in der Gesellschaft.
  • Die FR bemüht sich, möglichst viel gendergerechte Sprache zu verwenden.
  • Viele Konservative wollen weiterhin nur männliche Formen benutzen.

Als wäre es gestern gewesen, hallen die Worte in mir nach. Dabei ist es fast 21 Jahre her. Zusammen mit 50 bis 60 anderen schwangeren Frauen und ihren Partnern sitze ich im Hörsaal eines Universitätsklinikums. Ein Anästhesist erläutert das Betäubungsverfahren PDA bei Geburten. Und spricht von Patienten – oder sogar von Patientengut. Ungelogen: In seinem Vortrag kommt nicht eine einzige Patientin vor. Zunächst bin ich irritiert: Ist der Mann in den falschen Hörsaal geraten, will er eigentlich über Prostata-Operationen reden? Dann steigt Ärger in mir hoch. Ich spüre den Impuls, „Augen auf“ zu rufen. Schüttele dann aber nur den Kopf, fassungslos. Wie mein Mann neben mir.

Sprache in der Gesellschaft: Gendern wird immer leichter

Keine Ahnung, ob dieser Arzt heute noch so redet. Ich kann es mir nicht vorstellen, unverbesserliche Optimistin, die ich bin. Was nicht heißt, dass er nun tatsächlich die Augen aufmacht und die Frauen wahrnimmt, die da vor ihm sitzen und vielleicht später im Kreißsaal dieser Klinik ein Kind zur Welt bringen werden. Der falsche Mann am falschen Platz. Nicht der Einzige im deutschen Gesundheitswesen. Aber das ist ein anderes Problem.

Bleiben wir beim Thema Sprache. Reden wir über die Frankfurter Rundschau. Fängt sie jetzt an zu gendern? Nein, sie fängt nicht damit an, die FR tut es bereits. Nicht immer, also ehrlicherweise nicht konsequent. Aber immer öfter.

Denn es wird immer leichter: Studierende, Auszubildende, Lehrende – es gibt viele Formen, das generische Maskulinum zu ersetzen. Neben Partizipialformen sind vor allem Doppelnennungen, geschlechtsneutrale Begriffe oder der Wechsel zwischen männlichen und weiblichen Formen das Mittel der Wahl. Die Sprache ist gerechter geworden, in der FR und in weiten Teilen der Gesellschaft. Im Privaten wie in Institutionen, Verbänden, Firmen, Behörden, in der Wissenschaft.

Gendergerechte Sprache: Viele Konservative verwenden ausschließlich männliche Formen weiterhin

Natürlich gibt es noch viele konservative Menschen, die ausschließlich männliche Formen benutzen – Frauen seien mitgemeint. Wer das nicht akzeptieren wolle, verstehe den Unterschied zwischen dem grammatischen und dem biologischen Geschlecht nicht, sagen sie. Nur zu: Diese Debatte dürfen sie gerne miteinander führen, die Damen und Herren, sie dürfen wissenschaftliche Studien über das Verhältnis von Sprache, Wahrnehmung und sozialen Zuschreibungen ignorieren, die nicht in ihr Weltbild passen. Ja, sie dürfen so tun, als stünde die Welt seit Jahrzehnten still. Aber bitte ohne mich. Ganz ehrlich: Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Wenn ich „mitgemeint“ höre, kommt mir wieder der schwangere „Patient“ in den Sinn, der ich einmal war. Passé.

Zurück in der Gegenwart stellt sich die Frage: Wenn die FR also längst gendert, worüber diskutieren wir dann noch? Am Ende reden wir über Mut. Denn die gebräuchlichen Paar- und Partizipialformen sind zwar manchmal umständlich, aber doch ziemlich unauffällig, sie regen (fast) niemanden mehr auf. Was auffällt und aufregt, sind Sternchen, Doppelpunkt, Unterstrich und andere Formen. Der eine macht es so, die andere so, zunehmend auch in der FR. Denn wir haben Interviewpartnerinnen und Gastbeitragsautoren, die es sich verbitten würden, wenn wir ihre Antworten und Texte ändern wollten. Fast jede dritte Zuschrift an unseren Leserbrief-Redakteur Bronski ist gendergerecht formuliert, mehr oder weniger auffällig, oft mit Genderstern; Tendenz steigend. Und vor allem die jüngeren FR-Kolleginnen und Kollegen, geprägt von den Standards an den Universitäten, sind es leid, sich in ihren Artikeln „herum zu mogeln“ um inklusive Zeichen. Diese umfassen auch diejenigen, die weder als Mann noch als Frau angesprochen werden wollen. Recht haben sie! Die Serie „Zukunft hat eine Stimme“ zum FR-Jubiläum täte sich schwer, glaubwürdig zu sein, spräche sie die Sprache der Vergangenheit. Deshalb hat sich dort quasi über Nacht der Doppelpunkt eingeschlichen – das ist neben dem Genderstern die Form, die sich aktuell immer stärker verbreitet.

Gerechtigkeit fängt bei der Chancengleichheit in Schulen an – und ist ohne Geschlechtergerechtigkeit nicht zu denken

Der Sprachwandel in der FR, für die das Thema Gerechtigkeit zentral ist, folgt einer inneren Logik. Denn Gerechtigkeit fängt bei der Chancengleichheit in Schulen an, hört bei der weltweiten Vermögensverteilung nicht auf – und ist ohne Geschlechtergerechtigkeit nicht zu denken. Gendern ist ein politisches Statement. Das Sternchen oder den Doppelpunkt kategorisch auszuschließen, wäre es auch. Nicht nur die falsche Botschaft, sondern auch verstörend inkonsequent für eine sprachsensible Redaktion. Die sich immer wieder darüber verständigt, wie sie redet und schreibt, um nicht in politische Sprachfallen zu tappen. Deshalb schwellen in FR-Artikeln keine „Flüchtlingsströme“ an und es „drohen“ keine Streiks, weil die Redaktion sie nicht bedrohlich findet.

Fast alle Zeitungen scheuen den Schritt, konsequent zu gendern, um einen Teil ihrer Leserschaft nicht zu verprellen. Verständlich, aber das Gegenteil von mutig. Der Hörfunk tut sich etwas leichter. Mehr und mehr verwenden die öffentlich-rechtlichen Radiosender das Gendergap, das ist diese kleine irritierende Pause zwischen dem Wortstamm und der Endung -innen. Das blieb lange unbemerkt, auch bei der TV-Moderatorin Anne Will, die seit Monaten so spricht.

„Genderwahn! Sprachzensur! Feministische Diktatur!“ Geht es auch eine Nummer kleiner?

Wenn es dann aber auffällt, kochen die Emotionen hoch. „Haben wir keine anderen Sorgen?“, heißt es dann. Doch haben wir, jede Menge, aber Geschlechtergerechtigkeit sollte nicht unsere geringste Sorge sein. „Genderwahn! Sprachzensur! Feministische Diktatur!“ Geht es auch eine Nummer kleiner? „Die Sprache wird verhunzt. Punkt. Ende der Debatte.“ Verhunzt? Es ist kein Zufall: Viele von denen, die mit Furor gegen das Gendern polemisieren, zeigen selbst wenig Bewusstsein für die ästhetischen Möglichkeiten von Sprache – leider. Sie formulieren weder elegant, noch spielerisch, sondern oft brachial: Sprache werde „vergewaltigt“. Bei diesem Thema eine evident unpassende Wortwahl. Nein, hier geht es nicht um die Liebe zur Sprache. Hier artikuliert sich oft hilflose Wut, dass die Welt nicht so bleibt, wie sie ist.

Nicht falsch verstehen: Das ist kein Pauschalurteil über alle, die sich am Gendern stören, weil es ihren Schreib- und Lesefluss stört. Auch mich nerven unzählige Sternchen, Unterstriche, Klammern oder was auch immer. Auch der von mir favorisierte Doppelpunkt ist so ein Stolperstein – allerdings einer, über den ich mittlerweile kaum noch stolpere. Weil sich mit dem Wandel des allgemeinen Sprachgebrauchs auch meine Gewohnheiten schneller geändert haben, als ich es mir vorstellen konnte. Zugleich bin ich überzeugt: Weniger ist mehr.

Übrigens: Dieser Text, konsequent gegendert, hätte fünf inklusive Doppelpunkte gehabt, bei insgesamt 1005 Wörtern. Darüber reden wir also. (Karin Dalka)

Sprache ist Haltung. Inklusives Reden und Schreiben sind eine Frage der Gerechtigkeit – dieser Meinung ist FR-Chefredakteur Thomas Kaspar. Kathrin Gunkel-Razum, Leiterin der Duden-Redaktion, erläutert im Interview, warum richtig Gendern wichtig ist.

Lösungsvorschlag

Thesen aus „Der schwangere Patient“

„Die Sprache ist gerechter geworden (…).“ – Indem wir das generische Maskulinum ersetzen, wird die Sprache gerechter.

PRO CONTRA
  • Gendern macht Frauen in der Sprache sichtbar, bedeutet ihre legitime Repräsentation. Gendern ist damit kein politisches Projekt, sondern betrifft den Grundwert der Gerechtigkeit. -> Inklusion

 

  • Grammatisch mag das generische Maskulinum für alle gelten. Viele psychologische Studien zeigen aber: Dabei stellen sich die meisten Menschen Männer vor. Und somit stellt es die Welt nicht so divers dar, wie sie heute ist. Sprache lenkt die Wahrnehmung.

 

  • Sprache schafft Wirklichkeit. Wer sprachlich unterrepräsentiert ist, verliert an Bedeutung. Zudem wissen viele Menschen gar nicht, dass es außer Mann und Frau auch intersexuelle Menschen gibt.

 

·      Das generische Maskulinum ist eine grammatisch männliche Bezeichnung, hat mit dem biologischen Geschlecht aber laut Definition nichts zu tun.

 

·      Durch Gendern wird das Geschlecht überbetont. Auch in Fällen, in denen das Geschlecht gar keine Rolle spielt. Dadurch könnten Unterschiede noch mehr in den Vordergrund treten.

 

„Nein, hier geht es nicht um die Liebe zur Sprache. Hier artikuliert sich oft hilflose Wut, dass die Welt nicht so bleibt, wie sie ist.“ – Die, die nicht gendern, wollen eine konservative Welt haben.

PRO CONTRA
·      Sprache verändert sich, seit es Sprache gibt. Wir benutzen heute Wörter, die es vor ein paar Jahren noch nicht gab. Im aktuellen Duden sind 3000 neue Wörter, darunter „gendergerecht“ und „transgender“. Wir passen die Sprache an die Welt an, in der wir leben.

 

·      Die Zeiten des Patriarchats sind vorüber, auch in der Sprache. (Die Ablehnungen des Genderns sind lediglich patriarchale Rückzugsgefechte.)

 

·      Die geschlechtergerechte Sprache ist ein wichtiger Aspekt, um die Gleichbehandlung der Geschlechter zu fördern.

 

 

·      Für das Projekt der Gleichberechtigung ist Sprache nicht relevant. Gendern führt z.B. nicht zu besserer Bezahlung von Frauen: Eine gerechtere Sprache schafft noch keine gerechtere Welt.

 

·      Die Sprachtradition sollte gewahrt bleiben.

Frauen sind rein formal und traditionell in vielen Fällen durch die grammatikalisch männliche Form mitgemeint.

 

·      Sprachempfinden: Gegenderte Sprache wirkt künstlich und ungewohnt. Sie ist umständlich, hässlich, holprig und unpoetisch.

 

 

„Weil sich mit dem Wandel des allgemeinen Sprachgebrauchs auch meine Gewohnheiten schneller geändert haben, als ich es mir vorstellen konnte. Zugleich bin ich überzeugt: Weniger ist mehr.“ – Die kleine Veränderungen in der Sprache ändern unsere Gewohnheiten/Perspektive.

PRO CONTRA
·      Studien zeigen: Sprachen, die von Grund auf neutraler sind, könnten dafür sorgen, dass Menschen offener über Geschlechterrollen denken.

 

·      Kleinigkeiten wie Gender-Zeichen können viel Unterschied machen. Da die Gesellschaft nicht nur aus Menschen besteht, die sich als Mann oder Frau definieren, sind Gender-Zeichen die richtige Wahl. Selbst wenn es sich nur um wenige Menschen handelt, wird dadurch die sprachliche Inklusion offener.

 

 

·      Sprachnutzer und selbst sprachliche Multiplikatoren sollten nicht bewusst in Sprachverhalten eingreifen, sondern eine natürliche Entwicklung von Sprache zulassen.

 

·      Sprachempfinden: Gegenderte Sprache wirkt künstlich und ungewohnt. Sie ist umständlich, hässlich, holprig und unpoetisch.

 

 

 

Quellen

https://www.uni-osnabrueck.de/universitaet/organisation/zentrale-verwaltung/gleichstellungsbuero/verknuepfte-seiten/sprache-und-geschlecht/

https://www.infratest-dimap.de/fileadmin/_processed_/4/9/csm_BUS_WamS_KW20_Folie9_6c6033d65a.png

https://www.geo.de/magazine/geo-magazin/pro–und-contra-liste-was-spricht-fuer-und-gegen-das-gendern–30675936.html

https://www.lpb-bw.de/gendern#c76344

https://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/350483_0109_Abi3.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechtergerechte_Sprache

https://www.fr.de/politik/der-schwangere-patient-90037253.amp.html

 

8 Sprache und Macht

Von Katharina und Fiona

„Mächtige haben das Sagen. Machtlose haben nichts zu sagen“

Thema

Erklärung:
Zusammenhang von Sprache mit ihren Möglichkeiten und der
tatsächlichen Umsetzung dieser Möglichkeiten im Dienste der Ausübung von Macht nachzugehen. Sprache ist demnach also eine Bedingung für Machtausübung.

Definitionen

Macht:

    • wird für Abhängigkeits- oder Überlegenheitsverhältnisse verwendet
    • die Möglichkeit der Macht-Habenden, ohne Zustimmung, gegen den Willen oder trotz Widerstandes anderer die eigenen Ziele durchzusetzen und zu verwirklichen
  • Sprache:

    • Mittel zum Ausdruck von Gedanken und Gefühlen
    • wichtigstes Kommunikationsmittel des Menschen
  1. Teilbereiche

2.1. Politik

  • Propaganda (durch fehlende Presse- und Meinungsfreiheit politische
    Führung absichern)
  • Führungskräfte, die von „Wir“ oder „Uns“ sprechen, erzeugen durch ihre
    Sprache Verbundenheit
  • Schaffung einer Basis des Wir-Gefühls
    → gleichzeitig eine Schaffung des
    Ihr-Gefühls: Das, was wir wollen, wollt in Wahrheit ihr.
  • sie kann Wissen vermitteln oder Fake-News verbreiten. Mit Sprache wird
    Krieg geführt und Frieden geschlossen
  • sobald mehrere Leute ihre Meinung aussprechen, wird Macht mehr verteilt
    → je mehr Leute einer Meinung sind, desto eher wird diese auch
    umgesetzt (z.B. Klimaschutz)
  • Benutzen von Wörtern mit denen in den meisten Fällen Positives assoziiert
    wird
    → z.B. Erderwärmung (warm→ angenehm) oder Steueroase (Oase→
    grüne Stelle an einer heißen Stelle)
  • Benutzen von harmlosen Wörtern um eine Stellung zu entschärfen
    → z.B. “Islamskeptiker:innen“ statt “Islamgegner:innen“
  • Benutzen von Wörtern mit denen etwas negatives assoziiert wird
    → z.B Flüchtlingswelle (Welle→ Gefahr, Naturkatastrophe)

2.2. Social media

  • Anonymität: mehr Leute trauen sich ihre Meinung zu äußern
    → es kommt häufig zu Außeinandersetzungen zwischen unterschiedlichen
    „Bubbles“
    → Leute die eine Meinung/Gedanken durchsetzen wollen, können durch
    virale Posts an Aufmerksamkeit gewinnen
  • Politiker versuchen durch soziale Medien eine größere Menschenmenge zu
    erreichen
    → z.B.Trump verbreitete Fake-News, um Leute entweder zu verunsichern
    oder in ihrer Meinung zu bestärken
  • schwierig Desinformation und Hassrede zuverhindern
  • Verschwörungstheorien, Polarisierung und Hass verbreiten sich viel
    schneller

2.3. Gesellschaft

Konfliktlinien

„auffällige“ Diskriminierung:

  • durch Beschimpfungen, Beleidigungen oder abwertende Witze

„unauffällige“ Diskriminierung:

  • Jemanden nicht ausreden lassen, nicht beachten, jemanden nicht mit Namen nennen ( von „dem da“ oder „der da“ sprechen )
    → verletzende und abwertende Auswirkung
  • „Du kommen zu mir und reparieren Heizkörper.“
    → Abwertendes „Du“
    Vereinfachte Sprache mit „Fremden“ oder Personen, die man für Fremde
    hält („Foreigner-Talk“)

„Wollen wir uns duzen?“
→ Freundschaftliches „Du“
Zeichen der Anerkennung durch „höherstehende“ Person, z.B. Chefin gegenüber Angestellten

-> Macht auf andere Menschen ausüben durch Unterdrückung und Diskriminierung

  1. Besonderheiten

  • oft unbewusst → Sprache wird so eingesetzt, dass es Personen nicht
    bemerken

    • wird meist benutzt, um Personen zu beeinflussen oder zu manipulieren
  1. Analyse von Beispielen

  2. Position:
    Durch Sprache kann man gezielt Macht ausüben. Mithilfe präziser Betonung, Artikulierung und Wortwahl kann man Menschen manipulieren und Macht ausüben.

Argumente:

  • Reden in der Politik (siehe: Teilbereich Politik→ Führungskräfte)
  • Propaganda → durch gezielte systematische Verbreitung politischer und
    weltanschaulicher Ideen und Meinungen, beeinflussen Politiker:innen ihre
    Bürger:innen und versuchen diese in eine bestimmte Richtung zu lenken
  1. Position:
    Mit jeder Konversation beeinflusst man seinen Gesprächspartner. Dies kann entweder bewusst, aber auch unbewusst erfolgen. Man versucht oft seinen Gegenüber von etwas zu überzeugen, sei es um Macht auszuüben oder einfach um eine Beziehung aufzubauen.

Argumente:

  • oft wird z.B. nach der „wirklichen“ Herkunft gefragt (siehe: „unauffällige
    Diskriminierung“)
  • durch Lügen oder Versprechen Menschen zu einer Aktion anregen
  • durch Komplimente der Person schmeicheln, um z.B. die Person in ihrer
    Meinung etc. zu bestärken
  1. Aufbereitung des Materials

5.1. Aufgaben

  • Analysiere die Rede Angela Merkels unter Berücksichtigung, dass sie ihre Bürger:innen in eine bestimmte Richtung lenken will

5.2. Text

https://www.nwzonline.de/politik/berlin-corona-rede-im-wortlaut-lesen-sie-hier-merkels-ansprache-an-die-nation_a_50,7,2821516659.html#

5.3. Lösungen (nicht chronologisch)

  • „Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger“ ; „… alle Bürgerinnen und
    Bürger …“
    → „umgeht“ das Gendern (da es ein umstrittenes Thema ist), schließt aber
    trotzdem alle mit ein; jeder soll sich angesprochen fühlen
    → direkte Anrede: „Liebe …“ schafft Nähe zu den Zuhörer:innen; wirkt
    persönlicher und vertrauter als z.B. „sehr geehrte …“

  • „das Coronavirus …“
    → spricht bereits zu Beginn an um was es geht

  • „… in unserem Land …“ ; „Unsere Vorstellung von …“ ; „ Uns allen
    fehlen …“ ; „… jeder von uns …“
    → richtet sich direkt an die Zuhörer:innen; durch Pronomen wie „wir“
    schließt sie alle mit ein; sie versteht die Lage in der sich die
    Bürger:innen befinden; sie ist ein Teil der Gesellschaft und stellt sich
    nicht über die Bürger:innen

  • „Unsere Vorstellung von Normalität, von öffentlichem Leben, von sozialen
    Miteinander …“
    → sie zählt die Verluste des alltäglichen Lebens auf und geht damit auf die
    Beschwerden der Bürger ein

  • „Millionen von Ihnen können nicht zur Arbeit, Ihre Kinder können nicht zur
    Schule oder in die Kita, Theater und Kinos und Geschäfte sind
    geschlossen. Uns allen fehlen die Begegnungen, die sonst
    selbstverständlich sind“
    → sie zählt wieder die Folgen des Lockdowns auf, geht aber mehr ins
    Detail; sie kennt die Lage der Bürger:innen

  • „… all das wird auf die Probe gestellt wie nie zuvor“
    → sie sagt nicht, dass wegen der Pandemie alles verloren ist, sondern dass
    die Gesellschaft vor einer Herausforderung steht,

9 Sprache und Denken

von Eleni und Anna

Allgemeine und spezifische Definitionen

Um welches Thema handelt es sich?
Zusammenhang von Sprache, Denken und Wirklichkeit

Welche Teilbereiche spielen in dieses rein?

Philosophie
Sprachwissenschaften

Welche Begriffe sind für das Verständnis relevant?
Sprache: beliebige (= normalerweise keine Eingrenzung (Universum), Wort ist nicht an Wort gebunden, sondern daran, wie viele Leute das Wort gleich bezeichnen), flexible Verknüpfung von einer Vorstellung und einem Lautbild, für die es min. Einen Empfänger und einen Sender geben muss, die durch ihre Motivation sich so verständigen, dass beide einengender verstehen
Denken: alle Vorgänge, die aus einer inneren Beschäftigung mit Vorstellungen, Erinnerungen und Begriffen eine Erkenntnis zu formen versuchen, bewusst werden dabei meist nur die Endprodukte des Denkens, nicht aber die Denkprozesse, die sie hervorbringen
Wirklichkeit: der Zustand, der tatsächlich so eintritt und den man beobachten bzw. wahrnehmen kann, anders formuliert – die Realität der erlebten Welt.

Confirmation bias: psychologischer Denkfehler, der unsere Wahrnehmung verzerrt , sorgt dafür, dass wir neue Informationen nur selektiv aufnehmen und an einmal gefassten Überzeugungen festhalten
Denk- und Erinnerungsmuster
Informationsgewinnung: Man sammelt nur Informationen, die in eigene Annahme stützten
Erinnerung: Man erinnert sich nur an Informationen, die mit der eigenen Meinung vereinbar sind.
Framing: man interpretiert neueInformationen so, dass sie zur bisherigen Einstellung passen.
Überprüfen: Man verzichtet auf Gelegenheiten, die eigene Meinung zu hinterfragen.
Verwerfung: Man verwirft Informationen, die mit den eigenen Überzeugungen nicht übereinstimmen.
Kognitive Verzerrung: systematisch auftretende Denk- und Wahrnehmungsfehler die menschliche Entscheidung beeinflussen (unbewusst durch Vorannahmen des Gehirns)
Confiramtion bias/ kognitive Verzerrung aufgrund von Sprache?

Erklärung der gesellschaftlichen Relevanz

In welchem Zusammenhang spielt das Thema eine Rolle?
-Inwiefern beeinflusst vor allem unsere Muttersprache unsere Denkweise?
neigen Menschen die eine bestimmte Sprache sprechen eher zu rassistischem Verhalten als ander? Z.B. während der Flüchtlingswelle 2015/2016 haben Wörter wie “Asyltourismus” dazu geführt, dass die Menschen dachten, dass die Flüchtenden freiwillig nach Deutschland kommen. Darauf basierend wurde der Anschein erweckt, dass als Folge dessen auch eine Abweisung der Schutzbedürftigen in Ordnung wäre https://www.quarks.de/gesellschaft/psychologie/so-beeinflusst-die-sprache-unser-denken/;https://www.spiegel.de/panorama/seehofer-entscheidet-immer-wieder-mit-seinen-worten-menschen-bewusst-auszuschliessen-a-5c48e267-cf78-4731-add2-dfe99fc60ab6
Wir haben immer noch rassistische Sprichwörter; sagt dies etwas über unsere Denkweise aus https://www.focus.de/panorama/welt/panorama-deutsche-redewendungen-sind-oft-rassistisch-was-man-noch-sagen-kann_id_9444597.html
basiert unser Weltverständnis auf unserer Muttersprache? https://www.zeit.de/zeit-wissen/2012/06/Sprache-Worte-Wahrnehmung?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F
Gendersprache würde die Inklusion von Minderheiten auch auf mentaler Ebene ermöglichen https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/mehr-sichtbarkeit-fuer-moerder-innen
Manipulation durch Sprache https://dewiki.de/Lexikon/Sprachmanipulation;https://www.deutschlandfunk.de/wortgewalt-im-nationalsozialismus-100.htmlSprahmanipulation zur NS-Zeit (Bezug zu dem Buchstabieralphabet, das wir auch heute noch nutzen); https://m.bpb.de/politik/grundfragen/sprache-und-politik/42752/sprache-zur-ns-zeit(Sprachmanipulation im Nationalsozialismus; vor allem am Ende des Textes ist eine gute Zusammenfassung);https://m.bpb.de/politik/grundfragen/sprache-und-politik/42752/sprache-zur-ns-zeit (Vergleich Sprachgebrauch NSDAP und AfD; Absatz 3.2.1 äußerst empfehlenswert)
Welche Besonderheit hat es?
Es basiert auf der Linguistik, der Psychologie und der Philosophie, sodass es nur Theorien aber keine allgemeingültige richtige Antwort auf Problemfragen gibt. Die Begriffe Sprache und Denken sind nur schwer voneinander zu trennen.

Wo verlaufen Konfliktlinien

Ausprägung der Abhängigkeit von Sprache und Denken und was hängt von was ab.
Die meisten Aussagen sind nicht verifizierbar und die Beweislage ist meistens fragwürdig bis mangelhaft.

Interessante Denkanstöße und Ideen für Gegenargumente:
Sprichwörter sagen etwas über die Denkweise einer Sprachgemeinschaft aus*
Die Sprache selbst gehört mit zur Umwelt
Die Sprache ist die Verbindung zwischen Gedanken und Sprache (Wittgenstein in seiner Anfangszeit)
Man lügt nicht, wenn einem nicht wichtig ist, dass das was man sagt richtig ist (Harry Frankfurt in “On bullshit”)
Eine Lüge ist die falsche Darstellung meines Gedankenguts (“)

Zu den Sprichwörtern: Sprichwörter haben tatsächlich oft einene mentalitätsgeschichtlichen Hintergrund (z.B. in Amerika das Wahl- und Leistungsprinzip oder der american dream

Analyse von Beispielen

Was sind typische Positionen?, Wie werden diese begründet?, Welche gegenteiligen Auffassung gibt es?

Grundpositionen

Relativismus
Sprache beeinflusst das Denken auf unterschiedliche Art und Weise
Keine Gedanken, die man nicht in Worte fassen kann
= Denken hängt von Sprache ab

Sapir-Whorf-Hypothese (Edward Sapir und Benjamin Lee Whorf (1884/1941))

Hauptaussage: Sprache formt das Denken – Muttersprache bestimmt Denkweise und
Weltanschauung
Hauptthesen:
Die Wirklichkeitswahrnehemung muss durch das linguistische System in unserem Geist organisiert werden – Kategorisierung
Individuum ist auf eine bestimmte Interpretationsweise beschränkt
Man kann nicht unparteilich beschreiben, da. Wertung durch die Sprache mit dem dazugehörigen Weltbild
Verwandtschaft bei Sprache – bei ähnlichen linguistischen Herkünften – ähnliches Weltbild
Denken ist nicht das selbe wie Sprache
Aber: Verbindung von Denken und Sprache, d.h. Sprache ermöglicht äußere Formulierungen der bereits innerlich rational formulierten Gedanken

Das Denken ist auf die Sprache angewiesen, die Sprache formt das Denken.
Das linguistische Relativitätsprinzip – Def.: Beeinflussung der Muttersprache
hinsichtlich Beobachtung und unsere Wahrnehmung
D.h. Unterschiedliche Sprachen = unterschiedliche Realität und Weltanschauung
Der linguistische Determinismus – Def.: Hypothese über den Zusammenhang
zwischen Sprache und Denken, d.h. Sprache determiniert (= bestimmt) das Denken,
die Wahrnehmung und die Erfahrung
Nur bedingt!
Determinismus tritt nur dann auf, wenn der Sprecher in einer natürlichen,
unreflektierten Weise spricht
Daraus folgt, dass bedingter sprachlicher Determinismus gilt für Whorf für den naiven
Sprachgebrauch – kann in einem reflektierten Sprachgebrauch erkannt werden
Das linguistische System – Def.: Grammatik
Nicht nur ein reproduktives Instrument zum Ausdruck von Gedanken, d.h. Formt die Gedanken selbst
Formulierung der Gedanken ist von der jeweiligen Grammatik beeinflusst
Die natürliche Logik – Sprache sei nur ein Mittel zur Kommunikation der Gedanken,
aber von Whorf umstritten

Sprache der Hopi-Indianer als Grundlage für Whorfs Forschung
Hopi-Sprache verfügt über kein Zeitkonzept (u.a. Keine Wörter für gestern, heute, morgen)
Daraus resultiert für Whorf ein unterschiedliches Denken z.B. in der Ordnung von Zeit
Beherrschung vieler verschiedener Sprachen weitet das eignende Weltbild aus, führt zu „richtigem“ Denken

-Lera Boroditsky
Sprache und Denken sind universelles menschliches Gemeingut
Durch Sprache werden grundlegende Dimensionen menschlicher Erfahrungen geprägt, wie z.B. Raum, Zeit, Kausalität und Beziehung zu anderen in den jeweiligen Sprachen verschieden
Denkweise prägt die Art, wie wir sprechen, d.h, Einfluss wirkt auch in Gegenrichtung

  • Wilhem v. Humboldt
    Sprache legt Weltsicht fest
    Grundvoraussetzung Denkens
    Erkenntnis von Sprache „eingefärbt“, d.h.jede Sprache hat eine anderer Weltansicht

Denken: Versuch des Geistes in sich frei, unabhängig und vor sich selbst verständlich zu werden
Handeln: Versuch des Willen frei und unabhängig zu werden und sich selber nicht untätig
Denken und Handeln ausgerichtet, so viel Welt wie möglich ergreifen und mit sich verbinden
-Sprache gehört zum Menschen weil er sie verwendet
-Sprache gehört nicht zum Menschen weil sie festgelegt ist und nicht von Individuum geändert werden kann

2.Universalismus

Sprache der Gedanken ist universal und wir denken in einer Metasprache
Angeboren, geerbt
Ohne Gedanken keine Sprache
Sprache ist Werkzeug um Denken zu erleichtern
= Sprache hängt von Denken ab

Steven Pinker zu Whorf
Keine wissenschaftlichen belege
Nonverbalen Denken
Widerspreche Menschenverstand
->D.h. Laut Pinker: Sapir-Whorf-Hypothese falsch
These Pinker (Universalismus) – 1996
Gedankenstriche „Mentahalese“ ist bei allen Menschen gleich
Denken demnach sprachunabhängig
Mentahalese ist angeboren und somit die erste Sprache, die ein Säugling schon beherrscht

-Jerry Fodor
Die repräsentationale Theorie des Geistes mit der Sprache des Geistes („Mentalesisch“)
Analogie zum Computer: Hardware ( die materiellen Komponenten des Computers) = Gehirn und Software (sprich die Programme)= der Geist, Geist und Gehirn eines menschen stehen im gleichen Verhältnis wie Soft- und Hardware

-Dieter E. Zimmer
Kritik an Whorf:
Sprachen unterscheiden sich nicht willkürlich, sprachl. Universalien/ gleiches Gent. Programm liegt allen zugrunde
Bedarf entscheidet
Sprache erleichtert Denken
Sprache gut ineinander übersetzbar, Umschreibungen
Sprache macht Gedanken kombinierbar und mittelbar

-Boas-Jakbson-Prinzip
Sprache – sprachliche Gewohnheiten – Denkgewohnheiten – Denken
Jede Sprache kann alles ausdrücken
Unterschied zwischen Sprachen liegt in den Informationen zu deren Wiedergabe jede
Sprache ihre Sprecher zwingt
Beispiele:
Manche Sprachen zwingen Sprecher, über das Geschlecht eines Menschen zu informieren (Nachbar/in), andere Sprachen (wie Englisch) nicht
Das Englische zwingt Sprecher zur genauen zeitlichen Einordnung eines Geschehens
Daraus folgt: Sprachen verpflichten Sprecher gewohnheitsmäßig zur gedanklichen Berücksichtigung von bestimmten Informationen

-Jean Piaget (1896-1980)
Ausgehend vom Spracherwerb bei Kleinkindern, These: Denken des Kindes geht der
Sprache voraus geht (es lassen sich logische Strukturen des Denkens bei
Kindern erkennen, bevor sie zu sprechen beginnen)

-Noam Chomsky
Menschen sind die fundamentalen Grundlagen der Grammatik angeboren
Gehirn ist mit einem bestimmten Schema zur Grammatikbildung ausgestattet
Diese Universalgrammatik ermöglicht Spracherwerb
Nach Chomskys Hypothese: menschliche Sprachen haben grundlegende Gemeinsamkeiten, d.h. Es gibt im Grunde nur eine Sprache, die in verschiednen Ausprägungen existiert

3.Identisch

  • rationales Denken nur mit Sprache
  • Denken: innere Vokalisierung

Platon (427- 347)
Sprache und Denken bilden eine völlige Identität
Denken als lautlose Form des Sprechens
Gegenseitige Abhängigkeit von Sprache und Denken

Ludwig Wittgenstein (1889-1951)
„Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“
D.h. Der Mensch kann nicht außerhalb seiner Spreche denken

Darstellung von Aufgaben
Text: Framing oder die Macht der Sprache – Wie Wörter unsere Gedanken steuern

Steuerlast, Flüchtlingswelle, Klimawandel: Ohne dass wir es merken, beeinflussen uns diese Begriffe. Sie bilden einen Frame, einen Deutungsrahmen. Wie funktioniert Framing – und warum ist ein bewusster Umgang mit Sprache für die Demokratie lebensnotwendig?
Stand: 20.03.2019 |Bildnachweis

Framing beruht auf einer Erkenntnis: Der Mensch denkt mit seinem ganzen Körper. Er visualisiert Wörter, er hört, schmeckt, riecht sie – und assoziiert damit positive und negative Emotionen. Wer Begriffe gezielt einsetzt, kann also unser Denken beeinflussen, er kann manipulieren, täuschen, beschönigen.

Invasion, Steuerlast, Klimawandel – alles Frames
Wenn Donald Trump einen Marsch von ein paar Tausend Flüchtenden in Richtung USA als Invasion bezeichnet, nutzt er Frames. Auch wer von Steuerlast oder Klimawandel spricht, tut es – weil er Steuern als Bürde statt Solidarleistung der Gemeinschaft definiert, und die Erderwärmung als etwas Umkehrbares.

98 Prozent des Denkens geschieht unbewusst
Die Macht der Wörter und der Metaphern ist immens. Nur geschätzte zwei Prozent des Denkens sind bewusste Vorgänge, erklärt Elisabeth Wehling, Kognitionsforscherin an der US-amerikanischen Universität Berkeley und Autorin eines Standardwerks zum Thema. 98 Prozent unseres Denkens unterliegen demnach unbewussten Prozessen. Menschen treffen soziale, ökonomische und politische Entscheidungen also nicht nach rationalen Erwägungen oder Fakten, sondern durch sinngebende frames.

Die Frames von Populisten nicht wiederholen
Gerade Populisten und Feinde der Demokratie haben dies begriffen. Sie wiederholen “ihre” Wörter so oft wie möglich, damit sich diese ins Gehirn graben. Um dagegen zu kämpfen, sollte man diese nicht wiederholen, sondern von den eigenen Werten argumentieren, sagt Soziologin Wehling. Sonst würde man nur die Frames der Gegenseite aktivieren.
“Ein ganz einfaches Beispiel: Versuchen Sie mal, die folgende Anweisung auszuführen: ‘Denken Sie nicht an Donald Trump!’ Es kann nicht gelingen. Man denkt an Donald Trump.”
Elisabeth Wehling, Soziologin an der US-amerikanischen Universität Berkeley und Autorin des Buchs ‘Politisches Framing: Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht’
https://www.br.de/radio/bayern2/framing-sprache-steuert-gedanken-100.html

Aufgaben
-Was ist die Kernthese des Artikels und wie wird sie begründet?
-In welche der Grundpositionen könnte man den Artikel einordnen und warum?
-Worin liegen die Gefahren von Framing?

Lösungen
Die Kernthese des Textes besteht aus der Behauptung, dass Sprache unser Denken beeinflussen und manipulieren kann. Dies wird an den Beispielen der Wörter Klimawandel und Steuerlast aufzeigt. Bereits bei der Verwendung dieser Begriffe werden Assoziationen mitgeliefert. Redet also ein Politiker von dem Klimawandel, so wir die Vorstellung erzeugt die Erderwärmung wäre etwas umkehrbares. Dies wird mit dem unterbewussten Denken erklärt, welches auf sogenannten „sinnbildenen Frames“ basiert.
Der Text kann in den Relativismus eingeordnet werden, welcher darauf basiert, dass das Denken von der Sprache abhängt. Die Beeinflussung des Denkens durch die Sprache zeigt sich also im Framing. Es findet also der aus der Sapir-Whorf-These beschriebene linguistische Determinismus statt, der besagt das Sprache das Denken und auch somit die Wahrnehmung determiniert.
Eine große Gefahr von Framing ist, dass es zur Manipulation genutzt werden kann, da es die eigene Meinung stark beeinflusst. Des Weiteren schafft es eine große Reichweite für Populisten und kann zu einer gespaltenen Gesellschaft führen. Framing ermöglicht es aus harmlosen Dingen etwas radikales zu schaffen, aber eine besonders große Gefahr ist, dass Menschen Framing meistens nicht bemerken. Niemand kann sich dem entziehen, da es überall vorkommt wie z.B. in alltäglichen Gesprächen und den Medien.

Quellenangaben

Buch „Texte, Themen und Strukturen“ – Cornelsen, S. 488-493
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Denken
https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/wirklichkeit/16874
https://www.ionos.de/digitalguide/online-marketing/verkaufen-im-internet/confirmation-bias-im-marketing/
https://www.ionos.de/digitalguide/online-marketing/verkaufen-im-internet/was-ist-eine-kognitive-verzerrung/
https://www.reclam.de/data/media/978-3-15-015237-9.pdf
https://knowunity.de/
http://www2.csudh.edu/ccauthen/576f12/frankfurt__harry_-_on_bullshit.pdf
https://intrapsychisch.de/chomskys-theorie-der-universalgrammatik/
https://www.hyperkulturell.de/glossar/psycholinguistik-sprache-denken-wirklichkeit/
https://www.psychologie.uni-heidelberg.de/ae/allg/mitarb/jf/Funke_1999_Sprache&Denken.pdf
http://sprawi.at/files/hajnal/Hajnal_Sprache_Denken_Wirklichkeit.pdf

10 Sprachwandel

Nikte, Jan-Philipp

Allgemeine und spezifische Definitionen

Der Sprachwandel, auch Sprachdynamik, bezeichnet die Veränderung oder Entwicklung einer Sprache. Es handelt sich also um einen anhaltenden Prozess, der sich unter stetigem Einfluss unserer Gesellschaft und Kultur befindet.

Unsere Sprache befindet sich also im stetigen Lauf der Veränderung. Über Jahre hinweg addierten sich neue Wörter, Redewendungen oder Schreibweisen hinzu. Der Sprachwandel spielte also nicht nur in den letzten Jahrhunderten eine Rolle, sondern lässt sich auf den Anbeginn der Verwendung von Sprachen zurückführen.

Eines der prägendsten Ergänzungen der Sprachen sind die Anglizismen. Dies sind aus dem Englischen entlehnte Begriffe, die in den deutschen Sprachgebrauch integriert werden. Zu diesen Vokabeln gehören oft genutzte Wörer wie „downloaden“, welche aus unserem alltäglichen Sprachgebrauch kaum mehr wegzudenken sind.

Auch die Gendergerechtigkeit ist ein großer Teil unserer gegenwärtigen Sprachentwicklung. Zum gendern wird häufig die neutrale Form eines Berufes oder einer spezifischen Gruppierung genutzt. So wird aus „Mitarbeitender“ zur genderneutralen Form „Mitarbeitende“. Gegendert wird häufig auch mit einem * bei Begriffen, wie Arbeiter*innen. Diese Methode der Angleichung von Wörtern dient zum Ausdruck der Gleichberechtigung beider Geschlechter.

Ein weiterer Bestandteil des Sprachwandels ist die Kultursensibilität. Dies lässt sich auch auf eine gegenwärtige Debatte hinsichtlich des Wortes „türkischstämmig“ zurückführen. Dies Bezeichnung bezieht sich auf Menschen mit türkischer Abstammung, die jedoch in Deutschland leben und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Für viel Kurden ist das ein Affront. Die Problematik liegt dabei in dr Ableitung des Adjektivs „türkisch“. Damit wird grundsätzlich der Nationalstaat „die Türkei“ gemeint, ist jedoch gleichzeitig eine ethnische Zuordnung. Ein weniger problematischer Begriff wäre türkeistämmig, da damit explizit verdeutlicht, dass der Nationalstaat gemeint ist.

Von Wichtigkeit ist ebenfalls die Anrede von „du“ und „Sie“, welche sich mittlerweile stark in unserem alltäglichem Leben etabliert hat. Wir benutzen das „Sie“ sie aus Höflichkeit, gegenüber höher gestellten Personen oder auch Unbekannten.

Der letzte Punkt von Relevanz ist die Jugendsprache. Sie wird, wie der Name schon sagt; von der jeweiligen jüngeren Generation bestimmt und hat einen großen Einfluss auf die Evolution der Sprache.

Erklärung der gesellschaftlichen Relevanz

In welchen Zusammenhang spielt Sprachwandel eine Rolle?

– „Sprachwandel ist Bestandteil einer lebendigen Sprache, im Gegensatz zu den ‚toten‘ wie Latein und Altgriechisch. Die Welt wandelt sich, also auch ihre Beschreibung“

– Sprache ist da, um uns auszudrücken, mit der Außenwelt und uns selbst (Wahrnehmung, Gefühle, Wünsche

– Veränderungen der Gesellschaft führen zu neuen Ausdrucksbedürfnissen

– neue gesellschaftliche Ordnungen und veränderte Praktiken → Aufkommen und          Verschwinden von Titeln, Anredeformen und andere Konvektionen der Höflichkeit

– Sprachwandel vollzieht sich im kommunikativen Austausch

– Die, die die Sprache sprechen, legen fest, wie sie sich verändert → Sprachwandel geht von der Gesellschaft aus

– was praktisch ist, setzt sich durch

– Wendungen, die der Mensch oft benutzt, werden verändert (Grammatik lässt man unbeachtet) und energiesparender gemacht (Bsp.: „sein“ und „haben“ werden in (fast) alle Sprachen unregelmäßig konjugiert)

Welche Besonderheit hat es?

Beim Sprachwandel unterscheidet man unter natürlichem und gezieltem Verändern der Sprache. Der natürliche Wandel basiert auf dem automatischen Ersetzen unpraktischer Wörter oder Wendungen („was praktisch ist, setzt sich durch). Der gezielte Sprachwandel hingegen basiert immer auf einer bestimmten Intention, wie die Gleichberechtigung der beiden der beiden Geschlechter durch das  „gendern“.

Wo verlaufen die Konfliktlinien?

– politische Dimension:

  • Gendergerechtigkeit
  • gendersensible Formulierungen: wichtig, aber schwierig zu finden/benutzen
  • handelt sich dabei nicht nur um ein paar Begriffe
  • Gleichberechtigung spielt auch eine Rolle
  • Kultursensibilität
  • Integration und rassistische Diskriminierung
  • wird oft nicht wahrgenommen
  • Anrede „du“ oder „Sie“
  • Unsicherheit der Formalität in manchen Fällen
  • Umgangssprache und Grammatik
  • Beflachung des Genitivs bzw. grammatikalische Veränderungen, die als als falsch empfunden werden
  • Zunahme von Umgangs- und Vulgärsprache
  • oft nicht nachvollziehbare Abkürzungen
  • Jugendsprache
  • Angrenzung zwischen Jugend und Erwachsenen durch sog. „Sprachcodes“ → wird kritisiert als umgangssprachlich, unhöflich oder unpassend

Analyse von Beispielen

Was sind typische Positionen? Wie werden diese begründet? Welche gegenteilige Auffassungen gibt es?

– gibt verschiedene Meinungen:

  • manche nehmen Sprachwandel nicht aktiv wahr bzw. es ist ihnen egal
  • nehmen Sprachwandel als solches nicht wahr
  • ignorieren dementsprechend die Konflikte und gehen einfach nur mit dem Strom mit
  • manche betrachten diesen zwar als unvermeidlich, wollen ihn aber soweit es geht aufhalten bzw. nicht gezielt vorantreiben
  • betrachten Sprachwandel = Sprachverfall
  • „klarem und korrektem Deutsch“ wird verdrängt durch Anglizismen, Gendern, Grammatik
  • „Sprache darf kein Spielball politischer Interessen werden“
  • Sprache macht Menschen einzigaritg. Durch Gendern, Kultursensibilität versucht man die soziale Wirklichkeit zu verformen
  • Endungen durch Binnen-I, Genderstern, Unterstrich, Verlaufsformen und permanente Wiederholungen von Geschlechterzuweisungen zu ersetzen, macht die deutsche Sprache grotesk
  • gezielter Sprachwandel ist ein tiefer Eingriff in Kopf-, Körper-, Persönlichkeitsrechte und gewachsene soziale Kommunikationsstrukturen
  • “Geschlechtergerechtes Sprechen” ist ein unmögliches Unterfangen→ Geschlecht und Gerechtigkeit gehören verschiedenen Kategorien an
  • in der Schule beigebrachte Rechtschreibregeln sind schwer abzugewöhnen
  • unbekannte Wörter sind für das Gehirn anstrengender
    • man braucht mehr kognitive Ressourcen
  • durch Gender wird Geschschlecht übertont (in Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt)
    • Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden mehr in den Vordergrund gestellt
  • manche empfinden diesen als Teil der gesellschaftlichen Veränderung bzw. man sollte diesen zur Gestaltung von Gesellschaft aktiv vorantreiben
  • wenn sich die Welt verändert, verändert sich auch die Art und Weise, wie man sie beschreibt
  • Menschen suchen nach neuen Arten, um sich auszudrücken
  • Macht der Gewohnheit: kleine Phasen in denen das Ungewohnte ungewohnt ist, danach betrachtet man es als die Regel
  • Gendern: alle Menschen fühlen sich angesprochen → Geschlechtstereotype werden reduziert
    • das generische Maskulinum wird ersetzt
    • Frauen werden gedanklich mehr einbezogen

Quellen

https://www.quarks.de/gesellschaft/psychologie/was-gendern-bringt-und-was-nicht/

https://www.focus.de/politik/gleichberechtigung-in-der-sprache-gendern-debatte-muessen-wir-jetzt-das-bundeskanzler-sagen_id_13073148.html

https://rcds.de/petition-kein-genderzwang/

https://www.spiegel.de/kultur/welcome-in-blabylon-a-90c98f2c-0002-0001-0000-000019646315

Beispieltext und Aufgaben

https://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-stop-making-sense-a-261738.html

Welche Problematik schildert der Text hinsichtlich des Wandels unserer Sprache?

Inwiefern nimmt Englisch Einfluss auf unsere deutsche Sprache?

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