Wie es immer mal wieder so ist: Über Social-Media kommt man ins Gespräch, in diesem Fall darüber, was passiert, wenn man das Referendariat zunächst nicht besteht. Ein heikles Thema, über das die betreffende Person hier berichtet. Ich denke, ein Mehrwert für alle, die sich in einer solchen Situation befinden uns sich Sorgen machen. 

Referendariat (und Corona) – was machen, wenn es nicht klappt?

Als am 20.12.2020 der Gastbeitrag auf dem Netzlehrer-Blog zu den vergessenen Refis in der Corona-Zeit veröffentlich wurde, befand ich mich gerade in der anstrengendsten Zeit meines Lebens – der Verlängerung des Referendariats unter Pandemiebedingungen. Um mich selbst etwas anzustacheln und zu motivieren, nahm ich mir vor, den Netzlehrer zu kontaktieren, wenn ich den 2. Versuch erfolgreich hinter mich gebracht habe, um anderen mit meinen Erfahrungen weiterhelfen zu können. Doch erstmal der Reihe nach.

Ich habe im Mai 2019 in NRW mein Referendariat begonnen. Mit 9 weiteren Mitstreiter*innen war es eine anstrengende, aber auch sehr lehrreiche und interessante Zeit. Und dann kam, just als für uns die Hälfte des Marathons geschafft war, der Schlag: Corona, Schulschließung, geplatzte UBs und vor allem: Unverbindliche und lückenhafte Kommunikation seitens des Seminars. Mit all diesen Punkten konnten wir uns alle arrangieren, aber unsere Zweifel am Seminar setzten uns zunehmend unter Druck und steigerten unsere Nervosität vor dem Examen.

Am 18.09.2020 war es dann soweit, ich hatte die beiden Stunden für die UpP nach bestem Wissen und Gewissen vorbereitet und – „wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass Sie nicht zum Kolloquium zugelassen sind.“ – damit brach für mich eine Welt zusammen. Nicht nur, weil ich mich schämte, zwischen all meinen frisch examinierten Kolleg*innen durchzufallen, sondern auch, weil ich mich schon so sehr auf die Möglichkeiten und Wege nach dem Ref gefreut hatte.

Das, was ich danach gemacht habe, ist eine Möglichkeit, mit dem Nicht-Bestehen umzugehen. Das, was für mich wirklich gut funktioniert hat, muss nicht für alle, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, gleich gut klappen. Ich bin allerdings der Meinung, dass wir Referendare und Referendarinnen nicht ausreichend darüber aufgeklärt werden, was unsere Rechte und Möglichkeiten sind, wenn wir das Examen nicht bestehen. Das habe ich leider am eigenen Leib erfahren müssen, deshalb möchte ich im Folgenden darauf aufmerksam machen, was MÖGLICH ist, wenn man sich für die Verlängerung entscheidet.

Noch am selben Tag stand für mich fest, dass ich die Schule und auch das Seminar wechseln wollte. Die Schule, weil ich mit dem Branding des „Nicht-Bestehens“ nicht zurechtgekommen wäre und das Seminar, weil sich durch die Unverbindlichkeit und schlechte Kommunikation so viel Misstrauen in mir gesammelt hatte, dass ich mein Glück nicht erneut in die Hände dieses Seminars legen wollte.

Deshalb stellte ich 3 Tage nach dem Examenstag einen Antrag auf einen Seminarwechsel. Dieser steht euch zu! Ihr dürft das Seminar wechseln. Es ist natürlich mit einem gewissen Aufwand für das Seminar verbunden, aber ihr dürft einmalig das Seminar wechseln, wenn ihr nicht bestanden habt. Es ist gut möglich, dass die Seminarleitung damit nicht einverstanden ist und euch Steine in den Weg legt (Wie sie es leider auch lange bei mir gemacht hat). Wenn ihr merkt, dass ihr Gegenfeuer bekommt, holt euch schnell einen Beistand von einer Gewerkschaft. Ich war positiv überrascht davon, wie sehr sich die Personalräte für mich einsetzten und persönlich beim Seminar auf der Matte standen.

Ab diesem Punkt solltet ihr unbedingt wissen, zu welchem Seminar ihr gehen wollt. Im Zweifel sind die Fristen immer sehr knapp und man muss schnell woanders vorstellig werden oder ein schriftliches Statement bei der Bezirksregierung einreichen, in dem man die Beweggründe für den Wechsel erläutert. Ich habe mich auch dafür entschieden, bei meinem neuen Wunschseminar anzurufen und meine Lage kurz zu erläutern, ob für jemanden wie mich Platz wäre. Das KANN man machen, ob das meinem Anliegen dienlich war, kann ich nicht beurteilen – mir hat es Sicherheit gegeben, weil ich nun genau wusste, wie das neue Seminar zu mir steht und ich mir keine Infos von meinem alten Seminar einholen musste.

Das Ganze klingt vermutlich erstmal überwältigend, es ist auch anstrengend, vor allem, wenn man bedenkt, dass man auch noch das nicht bestandene Examen parallel verarbeiten muss. Ich für meinen Teil kann aber sagen, dass es die beste Entscheidung war, die ich hätte treffen können. Am 21.04.21 habe ich das 2. Staatsexamen mit guten Noten, an einem neuen Seminar, mit neuen Fachleitern und mit großartigen Kolleg*innen bestanden. Dieses Gefühl stellt die Anstrengung und den Aufwand aus dem letzten Jahr in den Schatten.

Sollte dieser Weg für dich infrage kommen, behalte unbedingt diese Punkte im Auge:

  • Der Seminarwechsel steht dir zu – auch wenn das aktuelle Seminar seinen Unmut darüber äußert
  • Hab so früh wie möglich vor Augen, wo du hinwillst und hole ggf. proaktiv Informationen ein
  • Hole dir Beistand von einer Gewerkschaft, wenn du das Gefühl hast, es alleine nicht schaffen zu können – das ist ok!
  • Die Lage sieht zwischendurch vermutlich belastend und aussichtslos aus, es ist in Ordnung zwischendurch wütend und verzweifelt zu sein, lass diese Gefühle nur nicht die Oberhand gewinnen.

2 KOMMENTARE

  1. Ein hervorragender Beitrag! Die Referendarzeit wurde mir schon vor 50 Jahren von meinem Pädagogikprofessor als „pädagogische Hölle“ vorgestellt. In meiner ersten Lehrprobe bestand am Schluss der Stunde das Tafelbild aus 2 Worten. Dennoch ging es bei mir persönlich danach gut weiter. In der nachfolgenden Generation wurde nach 1 im ersten Staatsexamen die Referendarzeit in diesem Fach wenn nicht zur Hölle, so doch zum Purgatorium. Nach dem Examen dann vorzeitige Beförderung usw. – Gerade in Coronazeiten fällt es Referendaren schwer, sich zu beweisen, und Prüfern schwer, Leistungen zu beurteilen. – Da ist es gut, wenn jemand Mut macht. Ganz herzlichen Dank im Namen aller Referendar*innen!

  2. Ich hab die Erfahrung in BW gemacht – durch die zweite Lehrprobe gefallen, was dann hier bedeutet, trotzdem alle anderen Prüfungen noch abzulegen.
    Hier konnte man die nicht bestandene Prüfung noch im laufenden SJ nachholen, wenn der Durschnitt insgesamt unter 2,5 lag.
    Ich hatte Gott sei Dank große Unterstützung von der Schulleitung (das Gutachten zählt auch mit rein) und habe mich dann, auch wenn es schwerfiel, mit meinem Lehrbeauftragten und dem Dekan nochmal zusammengesetzt, die mich auch geprüft hatten. Sie dürfen zwar nichts mehr direkt zur Prüfung sagen, haben mich aber nochmal beraten und es hat mir geholfen, mich nicht zu verkriechen.
    Ich hatte aber auch den Rückhalt der Familie und meine eigene Überzeugung, dass es viele andere Alternativen gibt und ich mich frei entscheide, die Prüfung zu wiederholen, statt alles abzubrechen.
    Jetzt, ein paar Jahre später weiß niemand, dass ich es erst „im zweiten Anlauf“ geschafft habe – wobei ich mich auch nicht immer zurückhalte, davon zu erzählen und deutlich zu machen, dass ich an diesem Punkt im Ref einfach überlastet war und bei der Vorbereitung der Stunde quasi wie gelähmt war.
    Viel Glück allen, die Ähnliches durchmachen….

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