Während der gemeinsamen Arbeit mit meiner 10.Klasse sind mir durch die zahlreichen sehr guten Nachfragen in Bezug auf das Thema unserer nächsten Klassenarbeit – der Texterörterung – einige Kompetenzbereiche deutlicher geworden, die man sehr schnell als gegeben voraussetzt, die aber gar nicht so einfach sind, wenn man die Textsorte ganz neu kennenlernt. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle – auch als späte Hilfe für die Schüler*innen – einige Punkte dazu erläutern. Ich hoffe, es ist wie gewohnt: Nachvollziehbar und klar.

Was ist eine Texterörterung?

Dies soll keine langatmige, wissenschaftliche Abhandlung über die Texterörterung sein, sondern im besten Fall das Gegenteil: Eine klare und deutliche Abgrenzung der (schulischen) Textsorte der Texterörterung. Schulisch übrigens deshalb, weil die mittlerweile prominente Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl auf Twitter unter dem Hashtag #natsanalyse ihre Analysen zu den unterschiedlichsten Texten äußert, die meist von Politikern öffentlich gemacht worden sind (beispielsweise als Rede, Interview oder sonstige öffentliche Äußerungen). Strobl zerlegt hier die Argumentation und die Wortwahl, um zu zeigen, was sich zwischen den Zeilen oder im Subtext verbirgt. Genau das könnte man Texterörterung nennen.

Denn genau das ist der Kern der Texterörterung: Man zerlegt den Text in seine Bestandteile und reagiert auf diese. Im Abitur fällt unter die Texterörterung auch die Analyse. Das heißt: Während man in der Analyse erläutert, wie der Text aufgebaut ist (rhetorisch, strukturell etc.), nimmt man in der Texterörterung Bezug auf die herausgearbeiteten Thesen.

Abgrenzung zu weiteren Formen der Erörterung

Und genau das ist zentral: Schüler*innen in der Mittelstufe kennen die „einfache“ lineare, dann die dialektische Erörterung. Während in der ersten ausschließlich in die eine (Pro- oder Contra-) Richtung argumentiert wird, wägt man in der anderen, dialektischen, Pro und Contra ab. Allerdings: Aus sich selbst heraus!

Das heißt: Wenn die konkrete Frage, ob in Geschäften Masken getragen werden sollten, erörtert werden sollte, würde die Erörterung in dem Fall

a) Argumente für Pro, Argumente für Contra (linear)

b) Argumente für Pro und für Contra (dialektisch)

beinhalten. Diese Form der Erörterung ist aber frei. Frei insofern, als dass man als Schreiber*in nur mit dem arbeitet, was schon da ist. Das ist auf der einen Seite gut, weil man sehr frei entscheiden kann, welches Argument wichtig (und dementsprechend auch in der Struktur am Ende) und welches weniger wichtig ist.

In der Texterörterung ist die zentrale Frage, also in unserem Fall: „Sollten in Geschäften Masken getragen werden“, nur der Bezugspunkt bzw. die Grundlage für die Erörterung der Meinung von jemand anderem. Das heißt: Während man bei der einfachen Erörterung selbst Argumente hervorbringt, geht es in der Texterörterung darum, schon formulierte Argumente herauszuarbeiten und auf diese Bezug zu nehmen, indem man sie erörtert.

Mit anderen Worten: Im ersten Fall ist der Gegenstand der Arbeit die Fragestellung. Im zweiten Fall ist der Gegenstand der Arbeit die Reaktion eines anderen auf die Fragestellung.

Vorbereitung und Vorgehen

Was machen wir nun damit? Nun, es bedeutet, dass der Schreibende sich nicht mehr „nur“ mit der Fragestellung, sondern auch mit dem Text befassen muss. Das schließt aber nicht aus, dass man sich vor der Bearbeitung mit der gestellten Frage befassen sollte. Kommen wir zurück zu der Fragestellung: „Sollten in Geschäften Masken getragen werden?“ In Zeiten von Corona erscheint es einem rational denkenden Menschen möglicherweise merkwürdig, überhaupt über die Sinnhaftigkeit, andere zu schützen, nachzudenken. Aber wie wir alle aus den verschiedensten Netzdiskussionen wissen, ist dies nicht der Fall.

Zurück zur Vorbereitung. Folgendermaßen kann vorgegangen werden:

  1. Aufgabenstellung lesen und verstehen
  2. Erste Überlegungen über das Thema formulieren
  3. Erste Argumente für beide Seiten aufgeschrieben
  4. Text genau. lesen und markieren
  5. Argumente herausschreiben

Ab dann kann geschrieben werden.

Struktur der Texterörterung

Eine Texterörterung ist nicht anders strukturiert als andere Textarten auch. Dennoch der Vollständigkeit halber.

  1. Hinleitung (Aufmerksamkeitserreger mit Bezug zur Problemstellung)
  2. Einleitung (Titel, Autor, Textart, Thema/ Konflikt, Erscheinungsjahr
  3. Gliederung/ Inhaltsangabe
  4. Hauptteil
    1. Herausarbeitung der Argumente
    2. Reaktion auf die einzelnen Argumente (Zustimmung, Ablehnung oder teilweise Zustimmung und/ oder Ablehnung)
  5. Schluss (Fazit, Zusammenfassung, Ausblick)

Eine Bemerkung zum Hauptteil: Man sollte a) in der Lage sein, den Argumentationstyp herauszuarbeiten, also entscheiden können, ob es sich um ein ad hominem Argument, ein normatives Argument, ein Analogieargument, ein Faktenargument oder ein Strohmannargument handelt. Eine bloße Benennung reicht aber nicht, weil man mit der Bezeichnung selbst ja das Argument schon (ab-)qualifiziert. Das heißt, dass in der Erwiderung, die, wie oben gesagt, zustimmend oder ablehnend ausfallen kann, das Argument auch erläutert wird, bevor man dann das eigene Argument anschließt.

Übrigens: Die Reaktionen auf die Argumente des Textes, den man bespricht, können chronologisch, also nach und nach dem Textverlauf entsprechend oder aber auch neu strukturiert aufgeschrieben werden.

Beispiel

Leider kann aus Zeitgründen hier keine komplette Texterörterung geschrieben werden. Eine schon bestehende Texterörterung, die allerdings für die Oberstufe verfasst wurde, findet sich hier. 

Fazit

Gerade in Bezug auf die Diskussionen in der Klasse bleibt das Wichtigste einer Texterörterung nochmals hier festzuhalten: Es geht nicht um die Fragestellung alleine! Der Gegenstand der Erörterung ist der Text, der sich auf das Thema bezieht. Erst in der Ablehnung oder der Zustimmung der Argumente des Textes spielen dann die eigenen Gedanken zu der Fragestellung die entscheidende Rolle.

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