Ich bin mir relativ sicher, dass mein Kurs mich momentan „cringe“ findet. So bezeichnet man ein Gefühl der Peinlichkeit, das einen überkommt. Etwa bei Lehrern, die versuchen cool zu sein. Oder eben (möglicherweise) bei mir. Denn bei jeder Videokonferenz frage ich zuerst jeden (oder die meisten) wie es ihnen geht. Die Antworten sind meistens etwas achselzuckende „Geht schon!“. Aber das macht nichts. Denn während es in der Krise zuvor hauptsächlich um die Aufrechterhaltung von Unterricht ging, sind nun andere Aufgaben wichtiger. 

Es ist wahrscheinlich die schwierigste Aufgabe, Nähe über Distanz zu übertragen. Das weiß jeder, dessen Partner schon einmal hunderte oder tausende Kilometer weit weg war. Aber es geht. Oder zumindest geht es in Ansätzen. Genau diese Aufgaben haben nun hunderttausende Lehrerinnen und Lehrer.

Denn momentan wird ersichtlich, dass das, was in der Schule passiert, viel mehr ist als Hausaufgabenüberprüfung, Testdurchführung und Stoffvermittlung. Schulen sind Orte der Begegnung, Orte der emotionalen Nähe, Orte der Ermutigung. Zumindest sollten sie das sein. Und diese Ermutigung, die doch dann am besten wirkt, wenn sie Auge in Auge geschieht, ist nun weg. Keiner weiß, wie es gerade in den verschiedenen Heimen aussieht. Klar, bei manchen funktioniert der Online-Unterricht. Bei manchen ist es schwierig. Aber meistens läuft es trotz der Lehrerinnen und Lehrer und nicht wegen ihnen.

Das liegt nicht unbedingt am Willen, sondern am Fokus. Da für alle die Situation so dermaßen neu und überfordernd ist, war der erste Reflex verständlicherweise der, dafür zu sorgen, dass alle Kinder Aufgaben haben. Puh, die Versorgung ist gesichert.

Nun aber kommt es auf andere Dinge an. Darauf, dass die Lehrer*innen den Kindern signalisieren, „wir sind für euch da.“ Und signalisieren ist dabei das wichtigste Wort. Wie können Lehrerinnen und Lehrer das tun?

Zunächst einmal ist es meiner Ansicht nach wichtig, dass es nicht um Aufgaben geht, sondern darum, zu fragen, wie es läuft, wie es geht, was die Kinder so machen.

  • Es kann einfach ein netter Text geschrieben werden.
  • Oder es kann ein Bild gemacht werden, mit einer netten „Message“ (Lehrer*innen und Lehrer sammeln gerade auf Instagram unter dem Hashtag #flaschenpostaneuch Nachrichten an die Schüler*innen).
  • Es kann eine Audionachricht sein (ich selbst habe eine Nachricht an meine Klasse per Messanger geschickt, in der ich darüber spreche, was ich an jedem einzelnen vermisse. Wem da zu viel ist, ein einfacher Gruß ist auch schon ein Signal).
  • Es kann ein Video verschickt werden, vielleicht mit mehreren Lehrerinnen und Lehrern zusammen.
  • Und ja, die Lehrerinnen und Lehrer können sich auch ruhig weitere kreative Dinge einfallen lassen.

„Was soll ich denn noch alles machen?“, mag sich mancher Lehrer fragen. Klar, das ist schon viel. Und vielleicht muss nicht jeder für jede Klasse alles machen, was hier vorgeschlagen worden ist.

Aber wenn ich lese, dass mancher Lehrer vor drei Wochen Aufgaben verteilte und ab dann nichts mehr von sich hören ließ, dann verstehe ich das ehrlich gesagt nicht.

Auch wenn aus meiner Sicht Lehrerinnen und Lehrer selbst darauf kommen könnten, dass die Aufrechterhaltung von Nähe, die Beziehungspflege also in diesen Zeiten für (einige) Klassen sehr wichtig sein könnte, besonders für die Kleinen, sollte man die Lage berücksichtigen – aber handeln.

Aus Elternsicht könnte man einfach nachfragen und die eine oder andere Art der Beziehungsgestaltung vorschlagen. Auch wenn es blöd ist, das extra zu betonen: Lehrer*innen sind gerade vielfach überfordert, d.h. man sollte, wenn möglich, sachte vorgehen. In einem gemeinsamen Spirit. Denn immerhin geht es darum, das Beste für jene herauszuholen, die gerade am meisten belastet sind: Die Kinder!

Ich finde, sie haben es verdient, dass sich alle anstrengen, auch über die Distanz für Unterstützung, Hilfe und irgendwie auch Nähe zu sorgen.

 

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Eine neue #Challenge, aber mehr als das: Eine Gemeinschaftsarbeit! 🤩❤️👨🏽‍💻 #flaschenpostaneuch Was uns allen wohl immer klarer wird: Soziale Kontakte kann man nicht einfach ersetzen. Aber wenn wir das wissen, was ist die Konsequenz? 🤨 Ich habe heute beschlossen, dass ich meiner 6.Klasse nicht nur eine weitere Audiodatei schicken, sondern ihnen etwas über mich und meinen Tag erzähle. 🥰 Und dann habe ich noch jedem einzelnen gesagt, was ich vermisse. 😏Es ging nicht um Aufgaben, sondern darum, ihnen zu sagen: Ihr seid wichtig! Ich vermisse euch! Wir kriegen das hin! 😎🤩 Ich glaube, das sollten wir neben den ganzen Aufgaben und Digitalem und so weiter nicht vergessen, auch wenn es nicht mehr ist als eine digitale Flaschenpost. 📝 Hier wäre die Nachricht eigentlich zu Ende gewesen, aber nun die Idee: Was würdet ihr den Schüler*innen gerne sagen? 😊Schreibt es auf ein Blatt und postet es mit einer Erwähnung in Post und Story unter #flaschenpostaneuch 😊Am Ende der Woche können wir alle Beiträge nehmen, eine (im besten Fall) riesige Collage machen und sie unseren Schüler*innen (mit in die Ferien) geben! 🤩Das fände ich großartig? Was meint ihr? Seid ihr dabei? 🙏🏼🙏🏼🙏🏼 P.S. Wir müssen immer mal wieder checken, wer was gepostet hat, damit wir nicht zu viele Messages doppelt haben… 𝐇𝐚𝐬𝐡𝐭𝐚𝐠𝐬 🌟 #wirfüruns #netzlehrer #inspiration #instalehrer #leadership #lehrerblog #lehramtsstudium #lehramt #referendariat #vernetzung #lieberlehramt #unterrichtdigital

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