Mit der Fachseminarleiterin und Lehrbeautragten Regina Steinborn habe ich heute auf Instagram in einem Live-Gespräch (noch etwa einen halben Tag auf meinem Account zu sehen) über die „neuen“ Kolloquien gesprochen. Dabei ging es auch um die Vorbereitung auf die neuen Prüfungsformate. Eine kurze Empfehlung. 

Förderalismus und Schulunterschiede

Zunächst ist es wichtig daran zu erinnern, dass es natürlich starke Unterschiede zwischen den Prüfungsformen deutschlandweit gibt. Regina Steinborn sprach aus der Sicht einer Fachbeauftragten für das Fach Deutsch in Niedersachen, die momentan Grundschulreferendar*innen betreut. Auf der anderen Seite hat Steinborn auch Erfahrungen mit Realschullehrer*innen und Gymnasiallehrer*innen. Dennoch: Während in NRW ganze Teile der Unterrichtssituation simuliert werden, geht es in Niedersachsen um eine ausschließlich mündliche Prüfung, bei der aber das Auftreten zeigen soll(te), inwiefern der Prüfling auch in der Lage ist, wertschätzend mit Kindern umzugehen (Dass es sich hier nich um eine Ersetzung handeln kann und dass die „normale“ Situation besser wäre, ist selbstverständlich).

Was gleich bleibt: Referendar*innen sollten in der Lage sein, Unterricht zu planen, den Unterrichtsentwurf anzufertigen und alle Teile des Unterricht zu reflektieren (Einstieg, Erarbeitung, Sicherungsphase etc.). Dass eine Prüfung so ablaufen kann wie ich mir eine digitale Lehrprobe vorstelle, bestätigte Steinborn auf Anfrage.

Vorbereitung des Kolloquiums

Aus dem Gespräch ergaben sich drei zentrale Fragen, die, und das sollte hervorgehoben werden, mit anderen Referendaren zusammen geprobt werden sollten (z.B. auf Zoom).

Die Frage nach dem Was

Zunächst geht es um die Frage nach dem Was. Was ist der zentrale Lernzuwachs, die zentrale Kompetenz? Man sollte auf jeden Fall in der Lage sein, seine Unterrichtsplanung von dieser Frage ausgehend zu besprechen (man kann diesen Teil je nach Form des Kolloqiums üben). Deshalb ist es wichtig, auch die Vorstellung mit Referendar*innen zusammen zu üben, die ehrlich mit einem sind und die auch sagen könnten: Moment, das ist unlogisch oder nicht nachvollziehbar. Denn in der Situation der Übung kann man nochmals zurück zum Anfang.

Es bietet sich an, eine schon gehaltene Besuchsstunde vor Corona mal in dieser Form durchzugehen, auch und gerade was die anderen Fragen betrifft.

Die Frage nach dem Warum

Die Frage nach dem Warum ist zentral. Fachleiterin Steinborn bestätigte, dass sie diese Frage auch stelle, um zu überprüfen, inwiefern zentrale Entscheidungen überdacht worden sind. Wieso dieser Einstieg, diese Sozialform, diese Sicherungsphase etc.? Das sollte einen in dem Kolloquium nicht verunsichern, weshalb es wichtig ist, auch diese Nachfragen und deren Beantwortung zu trainieren. Im besten Fall ist auch die fachspezifische Kompetenz so gesichert, dass man „quasi im Vorbeigehen“ bis zu den Details kommen kann. Also beispielsweise weiß, warum man hier eine konvergente Frage gellt hat oder inwiefern die Gelenkstelle sich angeboten hat.

Die Frage nach dem Inwiefern

„Inwiefern“ ist die gemeinste Frage eines Prüfers. Es ist jene Frage, die ich als Deutschlehrer oft den Schüler*innen an den Rand ihrer Aufsätze schreibe. Es ist die Frage nach einer weitergehenden Reflexion. Wenn ich im Kolloquium gesagt habe, inwiefern ein Bild als Impuls für eine Gruppenarbeit herangezogen worden ist und der Referendar beschrieben hat, warum eben eine Form (welche?) der Gruppenarbeit sich hier anbietet, weil beispielsweise das Thema in Teilkompetenzen unterteilt wurde, wäre die Frage, inwiefern dies ein Vorteil ist.

Das sind natürlich alles ein wenig konstruierte Beispiele, die sich anhand eines konkreten Gegenstands messen lassen müssten. Aber das Live-Video zeigt, dass es eben jene Fragen sind, die bei der Vorbereitung zentral sind.

Spätere Prüfungen

Die Frage danach, wie spätere Prüfungen ab September aussehen werden, ist noch nicht abschließend geklärt. Aber auch hier wird alles, was getan wird, egal ob es dann „aufs Parkett“ gebracht wird oder nicht auf einem sehr gut durchdachten Entwurf fußen, weshalb jeder einzelne Teil (von dem Entwurf bis zur Sachanalyse) geübt werden kann.

Fazit

Alles in allem ist die Situation sicherlich für alle Beteiligten schwierig, das ist keine Frage. Aber da alle versuchen, dass Beste daraus zu machen, sollte man den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern damit beginnen, proaktiv das zu tun, was auf jeden Fall vonnöten sein wird. Und das ist eben das Erstellen des Entwurfs (und das Beherrschen der zugehörigen didaktischen Theorie) auf der einen und die Durchführung eines solchen Gesprächs (oder auch die Imitation von Teilen) auf der anderen Seite.

Ich wünsche allen erfolgreiche Prüfungen.

P.S. Wenn es weitere Informationen über die Prüfungen aus den anderen Bundesländern gibt, dann bitte ich euch, diese in die Kommentare zu posten. Dann helft ihr auch anderen.

P.P.S. Eine Sammlung der wichtigsten Blogbeiträge auch zum Thema „digitaler Fernunterricht“ findet ihr im neuen Buch „Wegweiser Referendariat“. Auch der Online-Kurs „Einmaleins des Referendariats“ bietet Möglichkeiten der Vorbereitung (mit dem Gutscheincode NETZKOLLOQIUM ist er momentan rabattiert).

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