Eines vorweg: Classroom-Management ist eine komplizierte Aufgabe, zu der es viel gute Literatur gibt. Ich bin kein ausgewiesener Experte. In den letzten Jahren praktischer Umsetzung habe ich jedoch einige Erfahrungen gemacht, die ich hier gerne teilen möchte. Sie sind als kurze Thesen formuliert, die wiederum kurz ausgeführt werden. 

1. Erst der Lehrer, dann der Classroom

Damit ist nicht gemeint, dass der Lehrer an erster Stelle steht – im Gegenteil. Es bedeutet lediglich, dass die Lehrperson „alles aus dem Wege“ räumen muss, das den Fokus auf das Wichtigste – die Klasse, die Schüler und deren Umgang miteinander – stört. Insofern sollte der Unterricht gut geplant und die Lehrperson eine sehr gute Struktur haben. In der Schule geht es oftmals um Fokus und Aufmerksamkeit. Wer minutenlang nach dem richtigen Zettel, dem richtigen Dokument oder dem richtigen Unterrichtsplan sucht, verschwendet nicht nur Zeit, sondern verschenkt Aufmerksamkeit.

2. Das Klassenzimmer ist Teil des Unterrichts

Gute Architekten wissen, dass Raum mehr ist als eine große Leerstelle. Es geht im wahrsten Sinne des Wortes um Lebensraum. Aus diesem Grund sollte man nicht unterschätzen, wie viel das Klassenzimmer zur Unterrichtsstruktur beiträgt. Das beginnt bei einfachen Gegenständen wie einer Uhr oder einer Pflanze und hört bei Bildern von Projekten, Lernplakaten oder anderen Schülerprodukten (sie so wertgeschätzt werden) auf. In den meisten weiterführenden Schulen ist ein Klassenzimmer, das Differenzierung ermöglicht, leider nicht möglich. Ansonsten ist eine Aufteilung sehr zu begrüßen, in der es einen Ruhebereich, einen Stillbereich -kurz: individuell zu gestaltende Räume gibt.

3. Classroom-Management ist wertschätzendes Verhalten

Der Begriff „Classroom-Management“ klingt danach, dass man eigentlich nur delegieren muss. Dabei stellen sich viel mehr Fragen.

  • Wie kommt man selbst in den Raum? Was passiert danach?
  • Wie begrüßt man sich?
  • Welches Ritual gibt es?
  • Wo sind die Materialien?
  • Welche Materialien müssen auf dem Tisch sein?
  • Was passiert, wenn jemand aufs Klo muss?
  • Was passiert bei einem Regelbruch?
  • Was passiert, wenn Gruppen gebildet werden?
  • Was passiert, wenn sie wieder auseinander gehen sollen?
  • Welches Material wird verwendet? Wann?
  • Welche Rollen gibt es?
  • Wer ist Klassensprecher? Wer macht den Tafeldienst?
  • Wie wird gelobt? Wie wird bei Unruhe reagiert?

Diese Liste ließe sich noch lange weiterführen. Das Wichtigste dabei ist: Dinge, die man als Kleinigkeiten wahrnimmt, sind so klein nicht, wenn man nicht darüber nachgedacht hat. Als Beispiel kann ich sowohl das Ritual als auch die Gruppenbildung nehmen.

Ich begrüße meine Schüler und diese mich auf eine ganz bestimmte Weise, eine bestimmte Betonung, die schwer zu beschrieben ist. Warum? Sie wissen: Nun beginnt der Unterricht. Bevor wir uns begrüßen, versuche ich, jeden einzelnen anzuschauen. Jeder soll wissen, dass ich weiß, dass er oder sie da ist. Das braucht ein, zwei Minuten, ist mir aber wichtig, damit es nicht „einfach so“ losgeht.

Gruppenbildung auf der anderen Seite ist ein absoluter Zeitfresser. Und zwar so sehr, dass viele aus dem Grund, dass es so lange dauert, gar keine Gruppenarbeiten mehr machen. Das ist natürlich fatal, weil so eine wichtige Sozialform flöten geht. Die Alternative ist, die Gruppenbildung aktiv einzuüben. Bis sie klappt. Das kann eine ganze Stunde dauern, aber wenn man es geschafft hat, hat man das ganze Jahr über etwas davon. In einigen Klassen habe ich (zugegeben etwas militärisch) eingeübt, dass ich kurz pfeife und dann schnipse. Nach dem Pfeifen war klar, dass alle bereit sind und nach dem Schnipsen wurden die Tische in einer Weise verrückt, wie es vorher geübt wurde. Wir machten einen „Sport“ daraus. Das Ergebnis war Gruppenbildung in unter 15 Sekunden (zugegeben: 10 weitere dafür, dass sich alle über die neuen Rekorde freuten).

4. Classroom-Management ist Vertrauen

Sehr viel, was man an didaktischen und pädagogischen Überlegungen oder an methodischen Umsetzungsmöglichkeiten angeboten bekommt, fußt auf einem guten Schüler-Lehrer-Verhältnis. Letztlich ist es eben kein Management, sondern wertschätzender Umgang, der ein Klima erzeugt, innerhalb dem man seine Wünsche und Erwartungen umsetzen kann. Dies bedeutet aber vor allem auch, dass man die Klasse einbezieht, Feedback einholt und dieses transparent bespricht. Auf einer gemeinsamen Grundlage lässt sich viel besser Zusammenarbeiten, deshalb sind Rückmeldungen und konstruktive Kritik wichtige Bestandteile von Classroom-Management.

5. Regeln sind wichtig

Auch gemeinsam Regeln zu erarbeiten, ist extrem wichtig. Und zwar so, dass alle mitreden können. Natürlich kann die Lehrperson Vorstellungen formulieren, aber es ist doch oftmals überraschend, wie viel von dem, was man für das gelingende Lernen einfordert, direkt aus dem Schülermund kommt. Das bedeutet nicht, dass das dann immer perfekt funktioniert, aber die Akzeptanz ist sicherlich höher.

Das sind nur einige Impulse, aber ich hoffe, dass sie diejenigen helfen, die zunächst etwas orientierungslos in Bezug auf Classroom-Management sind – oder hoffentlich waren. Ich freue mich besonders, wenn an dieser Stelle weitere Ergänzungen als Kommentare dazu kommen.

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