POLITIK: Warum in eine Partei eintreten?

Ich habe es getan. Ich bin in eine Partei eingetreten. Welche, spielt erst einmal keine Rolle. Es ist schon etwas her und ich wollte ein wenig Einblick erhalten, bevor ich darüber schreibe. Hier erläutere ich kurz, warum ich eingetreten bin und was ich mir erhoffe.  

Als ich das erste Mal zu einem Treffen der Jungorganisation der Partei ging, in die ich eingetreten bin (ich bin nämlich gerade noch jung genug, um noch nicht bei den Alten dazuzugehören), war ich etwas desillusioniert. Nicht etwa, weil die jungen Leute, die da um mich herumstanden, ohne Engagement und Ideen waren. Ganz im Gegenteil. Sondern weil wir nicht gerade viele waren. Das liegt, so stellte ich später fest, auch an dem Alter. Allerdings sind gerade junge Leute im rechten Lager voller Energie, seit sie merken, dass ihre menschenverachtende, volkstümliche und allzu oft auch bloße rassistische Weltanschauung immer mehr Anklang finden.

Und hier findet sich auch der Grund meines Eintritts. Viele Menschen um mich herum und in meinem Freundeskreis sagen laut und deutlich, dass man „wieder was machen müsse“. Aber wenige machen etwas. Das ist keine Anklage, da man, wenn man nicht gerade in einer politischen Organisation Geld verdient, schlicht anderes um die Ohren hat. Partner und Kinder, Mütter und Väter und im schlimmsten Fall Angehörige, die gepflegt werden müssen. Für diejenigen, die einem Beruf nachgehen, ist es schwierig, nach Feierabend noch Energie aufzubringen, und wenn, dann richtet diese sich aus gutem Grund an die Familie. Und das darf man keinem zum Vorwurf machen.

Andererseits ist es schlicht unerträglich zu sehen, wie eine der seit Ender des 2. Weltkriegs stabilsten Demokratien der Welt[1] vor allem von der neuen Rechten, von Nationalismus und Neo-Faschismus angegriffen wird.

Dabei geht es eben nicht darum zu sagen, dass alles gut läuft, im Gegenteil. Polizeigewalt, Gewalt gegen Migranten, der NSU-Prozess, langsam verlaufende Verhandlungen in der Großen Koalition zu vielen gesellschaftspolitischen Themen von der Gleichstellung der Frau bis zum Teilhabegesetz, unübersichtliche Außenpolitik und viele andere Probleme zeigen, dass man sich nicht auf dem, was die Bundesrepublik erreicht hat, ausruhen kann.

Allerdings ist es eben nicht damit getan, „die da oben“ anzugreifen, abzulehnen und sich so seiner eigenen Verantwortung zu entziehen. Es reicht nicht, Verschwörungen zu wittern, den Staat zu verteufeln, oder resigniert mit dem Kopf zu schütteln, da man ja sowieso nichts ändern kann. Man muss aktiv werden, handeln! Auch wenn man keine Zeit hat.

Aus diesem Grund bin ich eingetreten. Ich versuche zwar, aktiv teilzunehmen und das winzige Bisschen, das ich beitragen kann, so gut es geht einzubringen. Aber selbst wenn ich es nicht kann, freue ich mich, dass mein Mitgliedsbeitrag dabei hilft, dass sich andere für den Erhalt und die Wehrhaftigkeit der Demokratie einsetzen.

Natürlich habe ich mir meine Partei, die SPD, nicht willkürlich ausgesucht. Man wird aber ins Leere laufen, wenn man versucht, mich für jede Entscheidung, diese Partei und die einzelnen Personen, die in ihr arbeiten, zur Verantwortung zu ziehen. Ich bin kein Lobbyist. Ich sehe manche Dinge anders. Aber viele Perspektiven sind mir eben nahe.

Aus diesem Grund würde ich auch nie versuchen, jemanden zu überzeugen, dass nur die eine Partei die wahre ist. Stattdessen fordere ich die Menschen, die überlegen, in eine Partei einzutreten auf, es zu tun, solange es eine demokratische ist.

Und noch ein letztes: Demokratisch bedeutet für mich, dass in der Partei keine Menschen geduldet werden, die antisemitisches, rassistisches oder nationalsozialistisches Gedankengut weiterverbreiten, gutheißen oder das anderer ignorieren. Hier gilt die Entschuldigung, dass man diese Meinung nicht teile, nämlich nicht. Wer die Grundwerte der freiheitlichen demokratischen Ordnung mit Füßen tritt, darf kein Verständnis erwarten.

Ich habe die Hoffnung, dass immer mehr Menschen begreifen, in welcher Situation wir uns befinden und dass es Zeit ist zu handeln.

[1] Edgar Wolfrum spricht in einem Standardwerk der Geschichtsschreibung, das von Egon Bahr als „rundum geglücktes Werk“ und von Heinrich August Winkler als „großer Wurf“ gefeiert wurde, von der „geglückten Demokratie“.

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2 Kommentare zu POLITIK: Warum in eine Partei eintreten?

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