In Zeiten wie diesen sind Lehrerinnen und Lehrer die perfekten Schuldigen: Erstens kennt jeder aus der eigenen Schulzeit ein Negativbeispiel, das sich als Repräsentant für eine gescheiterte, faule Profession eignet. Und zweitens wird das massive Versagen der Bildung an den Lehrer*innen konkret. Nachdem die Pädagog*innen für die verschlafene Digitalisierung verantwortlich gemacht worden sind, sollen sie nun samstags und in den Ferien den „Stoff“ nachholen. Wie immer in den letzten Monaten des Lehrerbashings zeigt sich an den Aussagen so mancher „Experten“ vor allem eines: Die Ahnungslosigkeit über den Beruf. Ein Gegen-Kommentar. 

Eminem lässt grüßen

Machen wir es zunächst so wie Eminem in seinem letzten Battle, also seinem Rap-Wettkampf, im Film 8 Mile. Weil er wusste, dass er an vielen Stellen angreifbar war, legte er sie dar, damit sein Kontrahent sie ihm nicht aufs Brot schmieren konnte. Hier also zunächst: Wir Lehrerinnen und Lehrer wissen, dass nicht alle gleich viel machen. Wir wissen, dass es nicht wenige Lehrer*innen gibt, denen die Digitalisierung nachgetragen werden musste und muss. Und jeder kann mir glauben, wenn ich sage: Wir sind genau so wütend über jene Kolleg*innen, die ihre Privilegien – ja, auch von denen wissen wir – nutzen, um sich auf ihnen auszuruhen.

Auch wissen die meisten, dass die Fächer nicht gleich viel Zeit brauchen (ein Problem, dem beispielsweise in Hamburg mit der Verrechnung der Stunden Rechnung getragen wird). Sowohl in der Vor- als auch in der Nachbereitung. Und wir wissen auch, dass der Beamtenstatus da nicht gerade hilfreich ist. Denn er soll gewährleisten, dass Lehrer*innen (zumindest jene, die Beamte sind) im Voraus für ihren unabhängige Lehrauftrag bezahlt werden. In der Praxis bedeutet das: Je weniger ich arbeite, desto besser werde ich bezahlt. Das ist ein systemischer Fehler. Lehrer wie Jan-Martin Klinge meinen, dass die Verbeamtung beinhalte, dass man eben auch samstags arbeiten müsse. 

Wir Lehrer*innen wissen auch, dass diejenigen, die ein A13- und ein A14-Gehalt beziehen, gut bezahlt werden. Ich lasse nun die zahlreichen Wenns und Abers aus, die im Dickicht des Bildungsföderalismus zeigen würden, dass das natürlich mitnichten auf alle zutrifft. Wir halten fest: Wir wissen um die Defizite, wir sind uns ihrer bewusst, aber wir hätten uns schon vor einiger Zeit gewünscht, dass jene Lehrer*innen, die es „nicht bringen“ nicht in jedem zweiten Artikel als Beispiele für die Profession herhalten. Nun lasse ich das Mikrofon fallen (in Englisch ist es schöner: *micdrop) und leite sanft zu meinem wütenden Unverständnis über.

Wissensvermittler

Früher, als ich noch ein wissbegieriger und zu jeder Zeit aufmerksamer Schüler war (so wie alle, die sich zu Wort melden und davon ausgehen, dass Lernen nur daran hängt, was der Lehrer sagt), war mir klar: Lehrer kommen in den Raum und wissen eine oder eineinhalb Stunden, was zu tun ist. Das ist ihr Job. Im Ernst. Das dachte ich wirklich. Also in dem Sinne, dass Lehrer arbeiten, wenn sie in der Klasse sind.

Nun ist das heute leicht unangenehm, aber ich war eben jung und kein Bildungsjournalist (Klammer auf, nicht alle Bildungsjournalisten sind natürlich böse Lehrerbasher, Klammer zu). Die naive Vorstellung von dem, was Lehrer*innen zu tun haben, hält sich aber durchgehend. Jede Lehrperson, die schon einmal beim nach Hause kommen von seinem Nachbarn mit den Worten: „Na, Feierabend!“ begrüßt wurde, wenn er oder sie wusste, was noch zu tun ist, kann ein Lied davon singen. Und auch von der Frage, die sich jede/r Lehrer*in dann stellt: Muss ich es nochmal sagen? Muss ich es erklären? Lasse ich es so stehen? Reagiere ich sachlich, schnippisch?

Der Punkt ist: Wer meint, das Lernen Wissensvermittlung ist (ist es nicht), dass es bei Lehrern nur um diese Vermittlung geht (geht es nicht), dass Unterricht, also die didaktische Planung der Einzelteile bis hin zur Einheit vom Himmel fällt (tut es nicht) und dass es keine anderen Tätigkeiten gibt, die man als Lehrer*in zu tun hat (so ist es nicht), der kann fordern, dass Lehrer*innen samstags und in den Ferien arbeiten sollen.

Sonntags frei

Denn der für die meisten Lehrer*innen, die ich kenne, gar nicht so lustige Punkt ist: Das tun wir sowieso schon. Wann sollen wir denn sonst unseren Unterricht planen? Wann sollen wir die Bücher lesen, die wir in den Klassen lesen? Wann sollen wir Rückmeldungen und Feedback geben? Wann sollen wir die Konferenzen vorbereiten? Wann sollen wir uns fortbilden? Wann sollen wir pädagogische Gespräche führen? Wann sollen wir mit Eltern schreiben? Wann sollen wir Listen führen? Wann sollen wir Noten eintragen? Wann, zum Teufel, sollen wir korrigieren? Wann sollen wir Rückmeldungen zu den Klausuren schreiben? Wann, zum Teufel, sollen wir das tun?

Kein Wunder also, dass nach der Überschrift der Bildzeitung viele schrieben: Geil, dann haben wir sonntags frei.

Wir müssen über Inhalte sprechen

Letztlich ist die Forderung nach Samstagsunterricht und Ferienbetreuung nichts anderes als ein Störfeuer, das von den richtigen Fragen ablenkt. Denn machen wir uns nichts vor: Natürlich schaffen wir nicht all den „Stoff“. Genauso wie Generationen von Schüler*innen geklagt haben, dass sie nicht denselben „Stoff“ in acht Jahren hinkriegen wie in 9. Nur soweit ich mich erinnere, hörte man bei der Verkürzung von G9 auf G8  nicht, dass „Bildungsbiographien zerstört werden“.

Wer am System nichts ändert, muss die darin Arbeitenden so lange dort hinein pressen, bis sie passen. Und das heißt: Natürlich ändern wir nichts an den Inhalten (MAN STELLE SICH VOR, MAN WÜRDE DIE FABEL IN DEUTSCH NICHT IN DER 7.KLASSE MACHEN! BILDUNGSARMAGEDDON!).

Wir überlegen uns einfach, wie man das bestehende System aufrecht erhalten kann, damit  nichts geändert werden muss als die Lehrer*innen. Und, naja, die Schüler*innen, aber um die geht es doch in der letzten Zeit sowieso nicht wirklich, oder? Zwinkersmiley.

Helau, die falschen Fragen sind da

Mit genügend Ahnungslosigkeit darüber, was Lehrer*innen machen müssen und wie viel – bzw. wie wenig sie arbeiten -, hat man also nun endlich die zwei wichtigen Dinge für einen „Faule-Säcke“-Diskreditierungsdiskurs. Erstens, die falsche Frage: Wieso sollten die Lehrer*innen eigentlich nicht auch samstags arbeiten?

Und zweitens: Jede/r Lehrer*in, die sich wehrt, ist eine Bestätigung der These, dass Lehrer*innen zu wenig arbeiten. Kinsky-Stimme: DU WILLST DICH NICHT SAMSTAGS AUFOPFERN, DU DUMM SAU!?

Insofern ist es nur konsequent, wenn der Zentralelternbeirat in Bremen meint, dass sich das Mitgefühl für die Lehrer*innen in Grenzen halten würde. Mitgefühl. Besser kann man eine von Fakten auf falsch verstandene Moral übertragene Ahnungslosigkeit gar nicht fassen. Mitgefühl könnte man übrigens in der Tat momentan jetzt schon mit jenen Lehrer*innen haben, die nicht mehr können. Weil sie sich in der letzten Zeit so aufgerieben haben. Aber was weiß ich schon.

Anekdotische Eloquenz

Seien wir ehrlich: Eigentlich geht es darum gar nicht. Wir haben ein riesiges Problem: Eine weltweite Pandemie ist auf ein ohnehin überkommenes Bildungssystem getroffen. Das rächt sich nun. Es ist wie bei erdbebensicheren oder eben nicht sicheren Gebäuden. Diejenigen, die am wenigsten flexibel sind, stürzen als erstes ein. Der Unterschied ist: Die Debatten über die Architekten halten sich in Grenzen.

Worum es geht, ist ein Narrativ aufzubauen, mit dem die meisten Menschen was anfangen können. Und das in möglichst schöne Worte zu packen. Und das heißt: Faule Lehrer wollen nicht, deshalb geht es nicht. Und da, wie oben gesagt, jeder einen „Failed Teacher“ kennt, kann man den dann gleich für die wenig konstruktiven Vorschläge nutzen. Apropos Nutzen: Der Nutzen ist 0!

Oder ist das ernst gemeint? Sollen wir am Samstag in die Schule? Denn arbeiten tue ich samstags auch so schon (falls das zwischen den Zeilen entgangen sein sollte). Was sich ändern wird, wäre in einem solchen Fall der Unterricht der restlichen Woche. Denn den kann ich dann leider nicht mehr so vorbereiten, wie ich es jetzt tue. Oder soll ich bis in die Nacht arbeiten? Ich bin halt kein Roboter. Oder doch? Das ist die Idee:

Wir setzen die Schüler*innen einfach vor Youtube. Das ist doch genau dieselbe Wissensvermittlung, die die Lehrer*innen leisten. ZWINKERSMILEY!

35 KOMMENTARE

  1. Das ist wirklich nett das sie für Lehrer so warme Worte finden, die Lüge das die sich nach den ersten Jahren fortbilden und Unterricht vorbereiten hätten Sie nicht glauben müssen, aber ja: vielleicht sind wirklich nur 75% faule Säcke und ein paar sind auch bestimmt motiviert. Der Gedanke das die am WE arbeiten sollen ist Quatsch, wenn die unter der Woche ganze 8 Stunden Tage arbeiten würden wäre schon viel. Hier das einzig wahre Problem und der Grund warum es nie gelöst werden wird: Lehrer können im Unterricht machen was sie wollen und werden nicht rausgeschmissen. Kein Mensch kontrolliert die und was ist das schlimmste was einem Lehrer der, was weiss ich, mit ner Schülerin rum macht, passieren kann? Er wird versetzt, schockschwere Not! Was ist mit denen die schlechte Lehrer sind und immer noch Matheaufgaben mit DM rechnen lassen weil sie zu faul sind das zu ändern? Nichts. Das kann man auch nicht ändern, weil sie fast nirgendwo anders arbeiten könnten. Und das wissen die. NOCHMAL: gibt Gute und Schlechte in JEDEM Job, aber die schlechten, faulen, versoffen, dummen Lehrer bleiben bis zur Rente, woanders fliegt jemand mit der Arbeitsmoral eines Lehrers einfach raus.

    • Aus der Wut, die diesem Kommentar zugrunde liegt, kann ich Erfahrungen vermuten, die mir sehr leid tun. Was die Grundthese angeht: Ja, wenn es so schlimm ist, sollte das wirklich anders laufen können. Ob die Tonlage insgesamt etwas zur Diskussion beiträgt, weiß ich aber nicht genau. Und auch die Zahlen sind, nun ja… Sie wissen schon. Insofern: Bringen Sie sich ein, gestalten Sie mit, prangern Sie an! Aber wenn Sie ins Gespräch kommen wollen, fürchte ich, dass eine andere Stimmlage zu mehr Erfolg führen könnte…

      • Das Problem unserer Arbeit ist doch: wir sind unsichtbar – unsere Ergebnisse,outcomes, oder wie immer wir das nennen wollen sind unsichtbar. Wesentliche Teile unserer Arbeitszeit sind unsichtbar. Manchmal auch für uns selber. Wann ist „Arbeitsbeginn“ wann ist Ende? Sonntags morgens vor dem Aufstehen der Familie noch schnell ein paar Korrekturen, der letzte Schliff an einer Präsentation – unsichtbar. Die Recherche zu einem neuen Thema auf dem abendlichen Sofa nach der Tagesschau – sehr unsichtbar ( hoffentlich auch für meine Frau die sonstiger schimpft ich solle jetzt mal loslassen)… Ich kenne kaum eine Kollegin oder Kollegen die /der brutto unter den vereinbarten Stunden bleibt. Das die Digitalität = Professionalität oft hinten runter fällt ist wirklich eine Katastrophe aber in erster Linie ein Steuerungsversagen der Schulbehörden. Und die werden in einem demokratischen Staat nun mal politisch gesteuert……..

      • Das mit dem Einbringen habe ich an der Schule meiner Tochter versucht.
        Fazit: Aus meiner Idee, Chancen und Risiken von aufkommendem SocialMedia Gedöns aus IT Sicht zu erklären, wurde im Gespräch die Bitte, dem Lehrkörper dich mal Word und Excel zu erklären. Und wie man den Scanner bedient, damit man die gewohnten Folien auf den Laptop und den Beamer bekommt.
        Also ein guter Ansatz, der sich aber leider von außen gesehen als nicht durchführbar darstellt.

        • Sehr schade. Dennoch: Nicht aufgeben. Was die Kooperationsbereitschaft angeht, haben wir in der Tat noch einen sehr langen Weg zu gehen.

    • Und noch ein kleiner Nachtrag: Ich spreche hier auch von mir. Insofern ist es keine Lüge in dem Sinne. Ich habe das nicht vom Hörensagen, sondern sehe es bei mir selbst und bei vielen meiner Kolleg*innen.

      • Echt jetzt? An sowas sollte man sich doch wirklich nicht aufhängen… Genug Selbstbewusstsein und dann verkraftet man als Frau auch die männliche Allgemeinform 🙂

    • Ich versuche mal, wertschätzend zu bleiben, und antworte deshalb nicht vollumfänglich auf jeden verhohlenen Vorwurf, sondern anekdotisch.

      Bevor ich ins Referendariat gegangen bin, habe ich ein halbes Jahr „Luft“ genutzt, um als Werkstudent zu arbeiten. Nach kurzer Zeit (vielleicht 2-3 Wochen) hatte ich mir ein Vier-Augen-Gespräch mit meinem Abteilungsleiter eingefangen, Inhalt: Ich soll mich nicht so enthusiastisch auf die Arbeit stürzen, weil die etablierten Kollegen dadurch ziemlich schlecht dastehen, es fielen 2-3 Namen. Auf meine Irritation hin wurde mir dann erklärt, dass die Kollegen halt schon lange hier wären, man wisse schon, dass die nicht genau das leisten, was sie sollten, aber man wird sie nicht los, weil sie halt das Minimum machen, was nötig ist, um keine Gründe für einen Rauswurf zu liefern.

      So viel zu der Mär, dass man in der freien Wirtschaft rausfliegen würde „mit der Arbeitsmoral eines Lehrers“.

      Der große Unterschied ist vielleicht der: wenn in der freien Wirtschaft ein einzelner Mitarbeiter versagt und nur behalten wird, weil man ihn nicht los wird, dann bekommen das vielleicht 10-20 Co-Worker mit, die täglich mit dem Problem konfrontiert sind. Wenn an einer Schule ein einzelner Lehrer objektiv versagt und nur behalten wird, weil man ihn nicht los wird, dann erfahren das pro Jahr ca. 200 Schüler und etwa doppelt so viele Elternteile.

      Dazu kommen dann noch die Fälle, in denen ein einzelner Lehrer gar nicht objektiv versagt, sondern in denen einzelne Schülerinnen und Schüler mit der Methodik oder der Person nicht gut zurecht kommen – also subjektiv empfundenes Lehrerversagen, das keiner objektiven Betrachtung Stand hält. Kennt man in der freien Wirtschaft sicher auch, dass man nicht mit der Arbeitsweise eines Kollegen / einer Kollegin einverstanden ist, während das nicht objektiv genug ist, dass das alle so sehen.

      Eine weitere Anekdote, um das zu stützen: Ich hatte im Referendariat eine zehnte Klasse, in der mir ein paar Fehler unterlaufen sind, die mit mangelndem Detailblick bei der Vorbereitung zu tun hatten. Konkret sind mir immer wieder falsche Musterlösungen durchgerutscht, weil ich die nicht auch noch selbst geschrieben habe (ich hatte im Referendariat ziemlich viel sonst um die Ohren), sondern mich auf ein Buch verlassen hatte, das man dem entsprechenden Verlag am besten einfach wieder hinterher geworfen hätte. Auch solche Lerneffekte gehören im Referendariat dazu. Jedenfalls, um es kurz zu machen: Einige SchülerInnen haben mir das übel und persönlich genommen, und sich über die Eltern beim Klassenlehrer beschwert, dass mein Unterricht nicht ausreichend vorbereitet wäre. Ich habe die Kritik angenommen und das umgesetzt – aber nicht mal eine Woche nach der Beschwerde beim Klassenlehrer habe ich unter der Hand von einem Schüler einen Zettel zugeschoben bekommen, auf dem er und seine Eltern mir schrieben, dass sie die Aufregung mitbekommen hätten und es gar nicht verstehen können, weil ich der beste Mathelehrer sei, den Sohnemann je gehabt hätte, und endlich würde er was verstehen.

      Die Anekdote zeigt: Die Wahrnehmung einer einzelnen Lehrkraft und eines einzelnen Unterrichts kann sich innerhalb einer einzigen Lerngruppe extrem unterscheiden – von ausdrücklicher Bewunderung zu bitterböser Beschwerde, einfach aufgrund subjektiver Wahrnehmung und aufgrund subjektiver Empfindungen der Faux-Pas, die – wie in jedem anderen Beruf, in dem Menschen arbeiten – immer wieder passieren. Nimmt man die subjektiven Einschätzungen einer ganzen Klasse an Schüler, die ihre 14 Lehrkräfte pro Jahr alle unterschiedlich bewerten, und konzentriert sich auf die einzelnen Beschwerden, entsteht leicht der Eindruck, dass alle diese Lehrkräfte nichts taugen müssen.

      Multipliziert man auch das jetzt wieder mit der Anzahl SchülerInnen, die man so pro Jahr sieht, erklären diese Anekdoten ziemlich gut, warum einige, genau wie dieser Kommentar hier, das legitime Gefühl haben, 75% der Lehrkräfte seien faul, dumm, oder vergleichbar – obwohl das mit den objektiven Tatsachen leider absolut gar nichts zu tun hat.

      Wir Lehrkräfte stehen viel mehr in der Öffentlichkeit als die meisten anderen Berufsklassen. Das macht uns offenkundig angreifbar. Ich kann mich dem Blogbeitrag von Bob Blume nur anschließen: Anekdotische Eloquenz.

    • Wow, sie müssen eine krasse Schulzeit gehabt haben, wenn sie so einen Hass auf Lehrer/innen haben.
      Übrigens, wenn sie Hilfe bei Orthographie-Problemen brauchen (was sie dringend benötigen), da gibt es tolle Seiten im Netz, die beim Unterscheiden von dass-das und auch bei der Pluralbildung helfen.
      Ich fühle mich glücklicherweise von ihrem Post nicht angesprochen. Aber irgendwie könnten sie einem fast Leid tun. Aber nur fast.

  2. Schön, dass jede:r meint, über den Beruf der Lehrkraft Bescheid zu wissen und wie man es besser macht!
    Kleiner Tipp an Herrn Marquardt: Es herrscht gerade Lehrermangel, also die Chance für Leute wie Sie, uns mal zu zeigen, wie man den Job richtig macht!

  3. Ich bin auch Lehrerin und kann @Alexander Marquardt leider nur Recht geben. Ich bin schockiert über den geringen Einsatz vieler Kollegen und Kolleginnen. Gerade in der aktuellen Situation ist es total frustrierend, wie wenig der Großteil der Lehrer an meinem Gymnasium in RLP leistet. Digitaler Fortschritt wird vollkommen abgelehnt. Es wird immer nur gemeckert und nichts getan – Aufgaben werden noch per Email verschickt. Vielleicht schickt der ein oder andere auch mal eine Lösung… Das ist einfach unglaublich. In eigentlich allen Branchen bangen Menschen um ihre Zukunft und ihre Jobs. Ich finde es peinlich, dass sich Lehrer in der jetzigen Situation überhaupt beschweren.

    • Was ich versuche zu sagen: Bei mir ist es anders. Das gesamte #twitterlehrerzimmer ist voller engagierter Kollegen. Wir sollten alle nicht den Fehler machen, unsere eigene Erfahrungen auf alle zu übertragen. Wenn ich sowas höre wie bei Ihnen: Ja, das macht mich wütend. Schreibe ich ja auch. Aber es ist eben nicht überall so. Also will ich auch nicht lesen, dass es überall so ist.

    • Das berechtigt aber nicht, über alle Lehrer ein Pauschalpreis zu fällen. Da muss dann eben der Schulleiter reagieren. An meiner Schule arbeiten alle, selbst Kollegen, die nächstes Schuljahr aufhören.

    • Das kann ich überhaupt nicht bestätigen. Ich arbeite auch an einem großen Gymnasium in RLP und unser Kollegium leistet Großartiges, bildet sich fort, arbeitet zusammen an Konzepten, hilft sich gegenseitig bei technischem Unverständnis oder Problemen… und alle zusammen kümmern wir uns darum, dass unsere Schüler*innen einen angemessenen Fernunterricht erhalten.

      Ausnahmen gibt es natürlich auch bei uns, aber die kann man an einer Hand abzählen. Und die gibt es auch in jedem Werksbetrieb und jedem Büro. In der freien Wirtschaft läuft es ja auch nicht anders. Ich habe da auch einige Jahre Erfahrung – da gibt es genau die gleichen Minderleister, die auch nicht gekündigt werden (können), da wird oft auch eine Arbeitsmoral an den Tag gelegt, für die man sich schämen sollte. Den Bericht von oben, nachdem Praktikanten gebeten werden, ihren Enthusiasmus zu zügeln, weil sie in einer Woche mehr wegschaffen als drei Vollzeitstellen in zwei Wochen (ist meinem Bruder bei einem deutschen Großkonzern so passiert) kann ich also nur bestätigen.

  4. Lehrer sind auch, nur und vor allem MENSCHEN! Fehler, vermeintliche Inkompetenz und Lustlosigkeit, die Lehrpersonen so häufig vorgeworfen wird, führt dazu, dass all das irgendwann wirklich droht einzutreten.
    Natürlich habe auch ich während meiner Schulzeit schlechte Erfahrungen gemacht, weshalb ich manchen Unmut nachvollziehen kann und doch habe ich als angehende Lehrerin Lust, Motivation und Ehrgeiz, viele Dinge anders und vielleicht sogar besser zu lösen.
    Ich weiß nicht, wie es anderen Leuten geht, persönlich geht es mir jedoch besser, wenn die geleistete Arbeit mit Anerkennung und gegenseitigem Respekt erfolgt! Und eben daran mangelt es, viel zu oft muss eine Rechtfertigung erfolgen…und als meinen Job sehe ich es vor allem an, Kinder auf ihrem Weg zu begleiten, in einer solchen Ellbogengesellschaft sprachfähig zu sein bzw. zu werden!
    Dazu gehört weitaus mehr als das bloße Unterrichten, denn auch dieser Unterricht muss vor- und nachbereitet werden. Über den Unterricht hinaus muss bzw. wird so viel mehr geleistet, was NICHT gewertschätzt wird und das ist traurig! Ohne Anerkennung und Dank schwindet die Bereitschaft, mehr zu leisten, verständlicher Weise, oder?
    Ich möchte stark sein, stark für die Schüler und Schülerinnen, die diesen Job so erstrebenswert machen. Lasst uns die Chance dazu und verurteilt nicht die gesamte Lehrerschaft aufgrund einzelner schlechter Erfahrungen 🙂

  5. Ich als Lehrerin muss mich nun nach dem Kommentar von Herrn Marquardt auch mal melden.
    Ich schildere mal meinen „normalen“ Homeschooling-Wochentakt:
    Montag: 4 Stunden Notbetreuung, 1 Stunde kopieren und Bereitlegen der Wochenaufgaben für Schüler, die zu Hause nicht kopieren können, 2 Stunden Videomeeting, 1 Stunde Telefonate mit Eltern, 3 Stunden Rückmeldung an Schüler zu Wochenaufgaben
    Dienstag: 7 Stunden Notbetreuung, ca. 3 Stunden Rückmeldung an Schüler für die Wochenaufgaben
    Mittwoch: erst faulenzen (mich um meine eigenen Homeschooling-Kinder zu Hause kümmern), dann ca. 6 Stunden Rückmeldung an Schüler für Wochenaufgaben
    Donnerstag: 5 Stunden Teamsitzung mit Kollegin für neue Wochenaufgaben, ca. 5 Stunden Vorbereiten der PowerPoint für Videomeeting Freitag
    Freitag erst wieder faulenzen (Homeschooling meiner eigenen Kinder), 2 Stunden Videomeeting, 3 Stunden betreuen meiner Enkeltochter, nur ca 3 Stunden Vorbereiten der Wochenaufgaben (Arbeitsblätter erstellen usw.)
    Samstag: Ca. 3 Stunden Vorbereiten der Wochenaufgaben, 2 Stunden Telefonate mit Eltern
    Sonntag: ca. 9 Stunden Finale Vorbereitung der Pläne, verschicken per Mail, Hochladen der Aufgaben, Vorbereiten der PowerPoint für Videomeeting Montag
    Sind die privaten und dienstlichen Stunden zusammengerechnet worden?
    Ich beklage mich nicht, sondern mache einfach nur meinen Job.
    Aber es geht mir sowas von auf den Zeiger, dass wir Lehrer immer so faul dargestellt werden.
    Sicher gibt es immer sehr faule Kollegen, aber der große Teil der Lehrer reibt sich gerade in der aktuellen Zeit echt auf.
    Also bitte sucht Euch eine andere Berufsgruppe zum kritisieren!
    Wir machen so gut es geht unseren Job!
    Wir Lehrer Maßen uns auch nicht an, andere Berufe niederzumachen!

  6. Forderungen nach Samstagsarbeit oder nach einem Sonderprogramm ‚Bildungsstart nach Corona’ (Rossmann) befeuern leider die zündstoffhaltige Auffassung, damit vermeintliche Lernlücken schließen zu können. Viel hilft viel und vor allem allen. Im Gleichschritt. Die Ahnungslosigkeit was lernen bedeutet, ist noch viel größer, als die Ahnungslosigkeit darüber, was Lehrer:innen machen. Aber das kann man niemandem vorwerfen. Ich habe auch von vielem keine Ahnung und gebe dennoch gerne meinen Senf dazu. Die Aufstellung der Bayern zum Beispiel. Oder Skiballet. Sei es drum.
    Was Schule angeht, so lässt sich ganz im Sinne von Andreas Müller das Tor zur Veränderung ohnehin nur von innen öffnen. Offen ist es schon ein gutes Stück. Insofern lassen wir uns nicht beirren und geben weiterhin Gas!

  7. Danke Bob, für die konstruktive Herangehensweise.
    ein Blick aus meiner Praxis zeigt, es gibt immer gute und schlechte Arbeitskräfte.
    Im Schuldienst hat es meist keine Konsequenzen, da aufgrund des Lehrermangels praktisch jede halbwegs geeignete Lehrkraft genommen werden muss, damit kein Unterricht ausfällt.
    Es ist schon eigenartig, wenn ein so gut bezahlter Job, mit so viel Freizeit kaum Nachwuchs findet.
    Es gibt statistische Erhebungen, dass es in der Schule (wie in jedem Unternehmen) eine unterschiedlich motivierte und flexible Belegschaft gibt. Es gibt bei Neuerungen diejenigen die „vorangehen“ , diejenigen die sich „mitreißen“ lassen, diejenigen die skeptisch sind und „überzeugt werden“ müssen und diejenigen die sich „nicht verändert“ wollen. Nach meinen Erfahrungen an 3 Schulen passt das prozentuale Verhältnis 10/20/50/20 recht gut. Hier fällt der jeweiligen Schulleitung die wichtige Aufgabe zu, positives Verhalten zu verstärken und Mut zu machen. Ich kann aber auch Kollegen verstehen, die entnervt aufgeben haben.
    Da gefühlt jede Legislaturperiode eine neue „Reform“ durchs Dorf getrieben wird, die im Endeffekt „Mehrarbeit“ für die Lehrer bedeutet. Seit ein paar Jahren ist es „Inklusion“ und nun eben „Digitalisierung“ bzw. Distanzunterricht.
    Das Bildungssystem wurde in den vergangenen Jahrzehnten kaputt gespart (ich kann mich an 4 Bildungsminister im Bundesland mit teilweise guten Ideen erinnern, die jeweils am zuständigen Finanzminister gescheitert sind). Es fehlt nicht nur an gut und modern ausgebildeten Nachwuchs, oder modern ausgestatteten Räumen, oder der notwendigen Technik (bei uns teilen sich 70 Lehrer 3 Drucker, die im Wechsel funktionieren).
    Der Digitalpakt ist ohne Expertenunterstützung kaum umzusetzen, daher wurde auch nur ein Bruchteil abgerufen.
    Weder haben Lehrer Dienstgeräte, noch Schüler passende Endgeräte für digitalen Unterricht.
    Im Januar hat unsere Schule (800 Schüler) 40 Ipads erhalten, natürlich uneingerichtet, für die „Notfälle“ unter den Schülern. Anhand von Umfragen wurde ermittelt , dass ca. 1/3 unserer Schüler ausschließlich mit ihrem Smartphone am Distanzunterricht teilnehmen.
    Ein normaler Lehreralltag sieht bei mir und vielen jüngeren Kollegen so aus, dass ich von 8-15 Uhr im Unterricht bin (27 Wochenstunden), von 16-20 Uhr Familie (Schul- und Kindergartenkind), 20-23/24/1 Uhr Unterricht vorbereiten, Aufgaben kontrollieren, + alle weitere administrativen Aufgaben vorbereiten (z.B. Konferenzen, Beurteilungen, Schullaufbahnempfehlungen, Klassenplanung, etc.). Klausuren (die in der Sek II, durchaus 10-15 Seiten umfassen, können nur an Wochenenden oder in den Ferien kontrolliert und ausgewertet werden. Fortbildungen laufen ebenfalls nur nach Feierabend oder in den Ferien. Allein in diesem Jahr habe ich an 6 teilgenommen, um mich digital fortzubilden. Viele davon sind leider für den Lehreralltag eher ungeeignet. Ein paar Interessante gab es dennoch, wobei einige leider aufgrund des Datenschutzes wieder kassiert wurden.
    Es krankt leider (wie auch in der Diskussion) daran, dass jeder eine andere Vorstellung hat, wie Schule funktionieren sollte, und was Lehrer leisten sollten. Die wenigsten Entscheidungsträger (ob Schulamt, Ministerium, KMK) haben noch einen Einblick in den Schulalltag und noch weniger Mut, sich den wirklichen Baustellen zu widmen.
    Dennoch hoffe ich, dass die Pandemie einen Blick auf die Probleme wirft und zu richtigen Entscheidungen für die Zukunft führt.

  8. Liebe Lehrer*innen,
    Ich würde mich freuen, die Diskussion mal wieder auf das Ursprungsproblem zurückzubringen.
    Wir haben eine pandemische Lage, die unter anderem normalen Schulbetrieb verhindert.
    Das Strecken auf einen weiteren Wochentag könnte – vielleicht- dazu führen, dass eine größere Anzahl Kinder in den Genuss von Präsenzunterricht kämen.
    Und Ferienangebote könnten helfen, die Schere zwischen schwachen und lernstarken Schüler*innen wenigstens etwas zu schließen.
    Und wenn man auf bewährte Formate wie die deutsche Fernschule zurückgreifen würde, könnte der Vorbereitungsaufwand deutlich reduziert werden.
    Wahrscheinlich habt Ihr es lägst erraten:ich bin keine Lehrerin, sondern Ärztin.
    Und seit Beginn der Pandemie bin ich dankbar, wenn ich meine nicht Coviderkrankten Pat. Wenigstens einigermassen versorgen kann. Das ist keine optimale Versorgung, aber immer noch besser als gar keine.
    Könnte das eine Herangehensweise für Schulen sein? Bekanntlich ist das Konstrukt Gesundheitswesen in Deutschland genauso verkrustet wie das Bildungswesen.
    Gutes Durchhalten und bleibt gesund!

  9. Das hieße ja, dass ‚normaler Unterricht‘ in Präsenz die Lücken und Scheren schließen könnte. Das kann er leider nicht. Jedenfalls nicht in einem absurd selektiven, auf Noten und Wissensvermittlung ausgerichtetem Bildungssystem. Und auch nicht solange es Glückssache ist, an welchen Lehrer Kinder geraten. Wir müssen Schule konsequent vom Kind aus denken. Das heißt Schule als Ort der Potentialentfaltung, als Ort an dem Bildung ganzheitlich gedacht ist. Als Kulturort in dem für neue kulturelle Errungenschaften zügiger Raum ist. Ganz aktuell die Digitalität. Schule ist im Wandel. Glücklicherweise! Zu erwarten, dass Lernen in Distanz von Beginn an die Versäumnisse der Vergangenheit egalisiert, ist ebenso falsch, wie zu erwarten, dass Präsenzunterricht an Samstagen das kann. Ich würde sofort unterschreiben, dass es überhaupt keine Ferien mehr gibt und Schule ganzjährig und ganztägig geöffnet ist. Wenn damit nur einher ginge, dass mehr Chancengerechtigkeit zu erreichen wäre. Mit flexiblem Urlaubsanspruch für alle selbstverständlich (; Das hätte auch den Charme, dass das Lernen zwangsweise nicht im Gleichschritt erfolgen könnte! Selektive Pädagogik gehörte der Vergangenheit an.. Die Idee sprengt den Rahmen! Ich verweise gern auf Bücher und Erkenntnisse von Andreas Müller. Guter Mann!

  10. Sehr geehrter Herr Marquardt,

    in jedem Beruf gibt es diese Menschen, die Sie beschreiben. Menschen, welche die Freude an ihrem Beruf verloren haben. Sie machen aber mit absoluter Sicherheit nicht 75% aus.
    Leider ist es so, dass die Menschen, die sich so verhalten, es den LehrerInnen schwer machen, die noch Freude an ihrem Beruf haben.
    ABER: Dieser Beruf fordert die Menschen die ihn ausüben in einem solchen Maße, dass manche einfach nicht anders können als sich so zu verhalten. Überlebensstrategie könnte man sagen.
    Fakt ist, dass ein Großteil der Bevölkerung den Beruf der LehrerIn gar nicht ausüben wollen würde.
    Ihre Darlegung wird tatsächlich schon allein durch den akuten Lehrermangel widerlegt.

  11. Ich denke das Grundproblem ist deutlich politischer als es viele sehen wollen.

    Das Lehrer zu Hauptschuldigen gemacht werden, ist dem üblichen (sry politischer Kampfbegriff) „neoliberalen“ Konzept von „modernen“ Schulen zu verdanken.
    In diesem Modell glauben manche (besonders FDP-Politiker) tatsächlich, dass Lehrer (und Schulen) für alles alleine zuständig sein sollten (Inhalte, Technik, Software usw.).
    Das dies eine ziemlich dumme Idee ist, sollte eigentlich offensichtlich sein, schließlich wäre zentralere Planung dieser Dinge einfacher, günstiger und besser.

    Somit haben wir es hier schlichtweg mit falscher Ideologie zu tun, wie der Bildungssektor zu organisieren ist.

    Als kleine Anmerkung: Ich bin selber kein Lehrer und ebenfalls mit so mancher Arbeitsmoral von Lehrern (von denen ich sogar einige im Freundes- und Bekanntenkreis kenne) unzufrieden, dennoch löst das reine Lehrerbashing die grundlegenden Probleme des Bildungssektors nicht.

  12. In meiner gesamten Schullaufbahn hatte ich ganze 2 Lehrerinnen, die ich wie die Pest gehasst habe. Ja, das kann ich komplett zugeben. Ich hatte 2 Jahre lang (8. + 9.) keinen Geschichtsunterricht, weil der Lehrer Dauerkrank war und es keinen Ersatz gab. Aber die Restlichen Lehrer waren „echt gut“ bis „mega“. Und jetzt erlebe ich das alles durch das Kind in der Sekundarstufe erneut. Auch er hat seine Vorlieben bei Lehrern (ganz normal also) und würde am liebsten nicht mehr aus dem HomeSchooling raus (soll es ja auch geben 😅). Fakt ist, die Lehrer*innen reiben sich auf. Vorbereitung zuhause, Notbetreuung bei gleichzeitigem Distanzunterricht, Vorbereitung aller Fächer für 3 Beschulungsmodelle. Nicht selten bekommen wir Emails der Lehrerin weit nach 22:00h (die armen arbeiten DOCH nachts!).
    Es ist extrem schade, dass die Lehrer, die wirklich übermenschliches Leisten immer noch so durch den medialen Kakao gezogen werden (wie gesagt: nur 2 von ca 50 waren bei mir Mist…). Die Lehrer sind auch nur Menschen wie wir alle und wir anderen wären schon längst auf die Barrikaden gegangen, würde man so mit uns umspringen… Das muss man sich eben auch mal klar machen.

  13. „Wir setzen die Schüler*innen einfach vor Youtube. Das ist doch genau dieselbe Wissensvermittlung, die die Lehrer*innen leisten. ZWINKERSMILEY!‘

    Genau das passiert bei uns. Eine halbe Stunde Zoom Meeting, ansonsten Videos auf YouTube und Arbeitsblätter sie vom vielen Kopieren schon fast unleserlich sind. Wir soll man da ein Loblied singen? (2. Klasse Grundschule, sehr junge Lehrerin)

  14. Ich versuche das Lehrerbashing abprallen zu lassen, weil ich weiß was mein Kollegium (GS in Nds) und ich seit fast einem Jahr leisten und erarbeitet haben. Bei uns ist die Eltern- und SchülerInnenzufriedenheit groß und dennoch passiert sowas:

    Eine wütende E-Mail eines Vaters nachdem meine Fachkollegin ausnahmsweise 2 Zusatzarbeitsblätter per E-Mail verschickt hatte. Sinngemäß: ‚Von Eltern könne man nicht erwarten, dass sie etwas ausdrucken und als Eltern müsse man offenbar alles selbst machen… !‘

    Ich habe dann sachlich darauf hingewiesen, dass ich bislang jedes Material für die Kinder vorbereitet, vieles selbst bezahlt und alles direkt übergeben habe. Wenn die Eltern oder Kinder es nicht abholen konnten bin ich zu den Familien (auch mehrfach zu dieser) gefahren und habe es vorbeigebracht. Wenn Kinder technische Probleme mit den Videokonferenzen o.ä. hatten, habe ich mit ihnen eine Lösung gefunden.

    Der Vater hat sich dann entschuldigt und beschämt geantwortet, dass die Zeit gerade frustrierend ist und er in dem Moment einen „Schuldigen“ zum Dampf ablassen brauchte…

    Das gibt mir dann schon zu denken, was das öffentliche Lehrerbashing mit der Wahrnehmung der Menschen machen kann :-/

  15. Nachdem ich im Netz den Bremer Kommentar: „wer systemrelevant sein will, soll auch Samstags arbeiten“ gelesen hatte, wollte ich „sofortundganzschnell“ eine Antwort darauf schreiben. Wie viele meiner Kollegen auch. Gut, dass Bob Blume das für uns auf sehr eloquente Art und Weise getan hat. Und ich wollte mich hier eigentlich nur mal schnell bedanken, aber nun……
    …. reiße ich mich am Riemen und versuche mich höflich auszudrücken……. verkneife mir alle Kommentare zu Herrn M und möchte ihn stattdessen ganz herzlich dazu einladen mal bei mir ein Praktikum zu machen. Ehrlich, das macht Spaß, morgens kurz Youtube Videos abspielen, mittags frei und „saufen“.
    Oder doch nicht?
    Praktikumsvoraussetzungen: Man kaufe sich erstmal vom eigenen Geld einen PC, Headset und etliche andere Utensilien und Programme, die man fürs Fernlernen plötzlich braucht.
    Dann bitte eignet man sich von jetzt auf gleich Kenntnisse zum jeweiligen Fernlernsystem an und macht zwei drei Schulungen dazu.
    Um dann auch wirklich fit zu sein, macht man in seiner Freizeit noch eine paar nicht kostenfreie FoBi. Und schon kann das Praktikum losgehen.
    Während 3 Kinder rumschwirren und teils selbst Fernlernen betreiben, dürfen Sie, Herr M, jetzt nach Stundenplan unterrichten. Damit es ihnen nicht langweilig wird, gibt es immer schöne Systemstörungen, also bitte gründlich voraus planen und behalten Sie bitte die Schüler im Blick, die nichts machen oder kein gutes Internet haben, schön interaktiv bleiben.
    Danach sitzen sie eine Weile, um die ganzen eingereichten Aufgaben zu korrigieren. Bitte ignorieren Sie das Kindergeschrei im Hintergrund, abfüttern und weiter geht es.
    Elternmails, manche im Stil ihres Kommentars, manche einfach nett schnell beantworten, Unterricht vorbereiten und den Referendar betreuen. Mist, jetzt ist die Zeit um? Dann müssen Sie die Klassenlektüre eben heute Abend im Bett lesen. Und ja, wir haben auch Konferenzen, mehr als man denkt.
    Ich spare mir weitere unnötige Ausführungen, und ja, ich habe schon mal in der „freien Wirtschaft“ gearbeitet, hat Vor- und Nachteile, zu wenig Arbeit ist übrigens kein Vorteil des Lehrerberufs. Und „faule Säcke“ gibt es überall anders auch.
    Herr M, wo nehmen Sie eigentlich die Zeit her, Kommentare zu schreiben?

  16. Ich finde, dass in der Diskussion oft eines übersehen wird. Lehrende sind nicht „Produktionsfaktoren“ in einer Bildungsindustrie. Die Lehrenden sind vor allem mal Menschen und zwar mit allen positiven und negativen Begleiterscheinungen. Viele der Lehrenden sind selber Eltern und haben sich in den letzten Monaten aufgerieben. Aufgerieben im Einsatz für die Lernenden und für ihre eigenen Familien und Kinder. Ihnen wurde von politischer Seite oft nicht die notwendige Unterstützung zu Teil, ihnen wurden Ferien (Erholungsurlaub) wegen der Notbetreuung gestrichen und sie haben notwendige Infrastruktur aus eigener Tasche gezahlt, weil die Kommunen und Länder dies nicht geleistet haben.
    Darüberhinaus werden viele Lehrer und Lehrerinnen gar nicht nach A13 oder A14 bezahlt. Viele der Grundschullehrenden beziehen lediglich A12.
    Wenn diese Lehrer und Lehrerinnen jetzt im auch noch wieder im Sommer und an den Wochenenden in den Schulen, in Präsenz, arbeiten sollen, so sind die Familien und Kinder dieses Personenkreises die Verlierer.
    Die Belastungsgrenze ist bereits bei vielen LuL erreicht und schon lange überschritten. Wenn man diese Grenze immer weiter überstrapaziert, so wird das nicht lange gut gehen!

  17. Dumme Frage (Ich kenne das schon: „Es gibt keine dummen Fragen, nur törichte Antworten.“):
    Wenn eine Lehrer:in das leisten kann, was Bob Blume leistet; warum stellt man eigentlich nicht nur solche Leute ein?
    Ich hätte mir dann jedenfalls manchen pädagogischen Ärger erspart.

  18. Anders gesagt: Bobs Hinweis, dass eine Forderung von unbezahlten Überstunden weder im Gesundheitssystem noch im Bildungssystem noch bei der Altenbetreuung bei der Lösung der gegenwärtigen Probleme hilft, ist völlig berechtigt.
    Ebenso berechtigt ist es, wenn auf Twitter Beispiele dafür gesammelt werden, dass Distanzunterricht für einen Teil der Schüler:innen ein Segen sein kann.
    Wenn hier jeder aufzählt, wie fleißig er ist, ist das ein verständlicher Reflex auf eine überzogene Kritik an „den“ Lehrer:innen. Aber es bleibt das Problem bestehen, dass für einen großen Teil der Schüler Distanzunterricht nicht die beste Lösung ist.
    Gut finde ich, dass Bob seinerseits nicht in ein Bashing der Schulbürokratie verfallen ist, denn gegenseitige Schuldzuweisungen helfen nicht weiter.
    Andererseits ist ein Selbsthilfenetz für Lehrer:innen, wie es das Twitterlehrerzimmer darstellt, auch nicht eine Lösung für alle.
    Die gegenwärtige Krise hat aufgezeigt, dass über das Netz mehr möglich ist, als es zuvor den Anschein hatte. Dass das allein die schon vorher vorhandenen Probleme nicht lösen kann, liegt nahe. Während der Krise können die nicht beseitigt werden, aber es kann deutlich werden, wo Spielraum für Verbesserungen liegt. Erhöhte Selbstausbeutung zu fordern, ist mit Sicherheit keine Lösungsstrategie.

  19. Die Orthographie- und Syntaxprobleme des Herrn M., offenbar hat er auch im fortgeschrittenen Erwachsenenalter seine vermeintlichen Legasthenieprobleme bedauerlicherweise nie in den Griff bekommen, zeigen doch ganz deutlich seine intellektuelle „Beschaffenheit“. Sorry, aber wir haben es doch nicht nötig, uns von solchen Elternteilen den Job erklären zu lassen. Das kann man nur noch weglächeln, als andere ist Zeitverschwendung!

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