Das war eine freudige Überraschung, als ich heute von meiner Nominierung zum “Blogger des Jahres” erfuhr. Anders als man meinen könnte, geht es bei der Nominierung aber nicht vornehmlich um diesen Blog, sondern um einen eher spontan entstandenen TikTok-Account, über dessen Entstehung ich aus gegebenem Anlass kurz schreiben möchte. 

Über den “Goldenen Blogger”

Die Auszeichnung “Goldener Blogger”, über die es auf Wikipedia heißt, dass sie “der älteste Social Media-Preis Deutschlands” ist, bekam ich zum ersten Mal richtig mit, als Jan-Martin Klinge mit seinem Halbtagsblog nominiert worden ist. 

Die Idee der Auszeichnung selbst fand ich schon damals toll, weil die Macher selbst die Vielfältigkeit des Internets in den Blick nehmen wollen, wie sie auch in der Einleitung zur diesjährigen Nominierung schreiben:

„Unsere Königskategorie ‘Blogger des Jahres’ demonstriert, dass im Social Web Themen tiefgründig und doch unterhaltsam vermittelt werden können“, sagt Franziska Bluhm, Digitalberaterin, Mit-Gründerin und -Ausrichterin der Goldenen Blogger. 

Dass ich darunter falle und als “multimedialer Oberstudienrat” vorgestellt werde, “der auf TikTok gegen Fake News [kämpft], [und] in seinem Blog Fachinformationen für Pädagogen und im Social Web Einblicke in den Lehrerberuf [liefert]”, freut mich dabei natürlich ungemein. Wie aber kam es eigentlich zu dem Auftritt auf TikTok?

TikTok-Windmühlen

Anlass

In meiner Kolumne für das neueste ExcitingEdu-Magazin schrieb ich zwar schon von meiner Begeisterung für TikTok, aber eben auch davon, dass ich es nur konsumieren würde.

Schon davor hatte ich auf Bildung.Table darauf hingewiesen, dass ich einen pädagogischen Nutzen sehe, allerdings datenschutzrechtliche Bedenken für den Schulgebrauch habe.

Dennoch: Als ich Ende November zusagte, einen Vortrag zu Medienwelten der Schüler:innen zu halten, nahm ich mir vor, den aktiven TikTok-Gebrauch nochmals zu versuchen. Nichts finde ich unangenehmer als Vorträge über den Mediengebrauch, die nicht auf tatsächlichen Erfahrungen beruhen. Vor einigen Monaten hatte ich zwar versucht, kurze Tutorials in den Äther zu sprechen, hatte das Ganze dann aber wieder aufgegeben.

Im Zuge der immer anstrengenden Coronamaßnahmen und dem wohl allseits bekannten Gefühl, dass wir doch endlich aus dieser Pandemie herauskommen müssen, nahm ich ein Video auf, in dem ich mich – zugegeben sehr polemisch – dafür bedankte, dass sich immer noch zu wenige Menschen geimpft hätten.

Algorithmen

Dann passierte etwas, dass ich in mittlerweile 10 Jahren auf Twitter und einigen Jahren auf Instagram in dieser Form noch nicht erlebt hatte: Das erste Video bekam innerhalb eines Tages über 100.000 Aufrufe und tausende Kommentare, die von zustimmend bis massiv beleidigend reichten.

Auf TikTok gibt es die spannende Funktion, mit einem Video auf Kommentare zu antworten, was ich dann auch tat. Ich fragte offen nach Alternativen, erklärte meinen Standpunkt mittels Quellen und Schlussfolgerungen und versuchte, gegen die massiven FakeNews-Mühlen, von denen wir alle schon gehört haben, anzukämpfen.

Zwischen Anfang und Ende Dezember wuchs der Kanal so auf über 20.000 Follower. 

Sinn und Zweck

Immer wieder werde ich gefragt, wieso ich gegen die Windmühlen kämpfe und dass es nichts bringe, mit Menschen zu sprechen oder Argumente vorzubringen, die nicht mehr erreichbar sind. Und ja: Meine Erfahrung in diesen intensiven Monaten zeigt mir, dass einige wirklich für den Diskus verloren sind.

Weitermachen tue ich dennoch. Vor allem, weil mir immer wieder Menschen schreiben, dass Sie aus den Videos Argumente ziehen, Perspektiven erlangen oder froh darüber sind, dass den Schwurblern und Verschwörungserzählenden nicht das Feld überlassen wird (und nein, nicht alle, die sich nicht impfen lassen, fallen unter diese Kategorie. Ich hatte auch schon einige, wenige sehr konstruktive Gespräche).

Im Zuge meiner Aktivität habe ich mich mit dann zudem den tollen Büchern von Katharina Nocun und Pia Lamberty beschäftigt und auch das Buch von Mai Thi Nguyen-Kim ausgiebig studiert.

Aber dieses “Hobby”, wenn man das so nennen kann, hat auch zu ganz grundlegenden Fragen geführt, die ich an anderer Stelle versucht habe, so zu fassen:

Woran fehlt es Menschen, die es für angemessen halten, in Sozialen Medien Corona zu leugnen, tausende Tote in Ordnung zu finden, der Wissenschaft nicht zu trauen, Informationen nicht wahrzunehmen?

Diese Frage wird nicht nur unbeantwortet bleiben, sondern wird uns wohl auch noch sehr lange beschäftigen. Denn mit dem Ende von Corona werden die Verschwörungen, wird die Polarisierung, werden die Falschinformationen nicht aufhören.

Und nun?

Wenn ich ganz ehrlich bin, rechne ich mir für den tatsächlichen Gewinn der Auszeichnung keine hohen Chancen aus, da die beiden anderen nominierten den Preis nicht nur mehr als verdient haben, sondern auch eine enorm starke inhaltliche Auseinandersetzung auf ihren Kanälen bieten:

Diana zur Löwen beschäftigt sie sich multimedial und tiefgründig mit Themen wie Politik, Depression, Geldanlage und Emanzipation. Leon Enrique Montero berichtet auf TikTok, Instagram und Twitter von Anti-Corona-Demonstrationen und recherchiert in der Szene der Studentenverbindungen.

Aber egal wie es ausgeht: Für mich ist die Nominierung als einer von 2500 vorgeschlagenen Blogger:innen – gerade mit diesen beiden Teilnehmer:innen –  schon eine Ehre und eine Freude.

Die große Gala zur Verleihung der Goldenen Blogger 2022 steigt am 4. April im Museum für Kommunikation in Berlin und wird in einem Livestream übertragen, über den man auch voten kann. Das kann ja nur spannend werden.

 

7 Kommentare

  1. Jetzt ist mir auch klar, weshalb du bei Beginn der Weihnachtsferien halbwegs gestresst warst. Der Dank für solche Zusatzarbeit sollte mehr als Beifallsklatschen sein.
    Viel Erfolg!

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