An dieser Stelle werden immer wieder Schüler*innenarbeiten veröffentlicht, von denen ich annehme, dass andere davon profitieren könnten. Diese Teilanalyse basiert auf einer Aufgabe zur literarischen Erörterung. Da es bei literarischen Erörterungen wie sie in Baden-Württemberg geschrieben werden, wichtig ist, den Außentext zu verstehen (und auseinanderzunehmen), war die Aufgabe zunächst, einen solchen Außentext zu konstruieren. Diese von Schüler*innen erstellen Außentexte wurden dann wiederum analysiert. 

Der Außentext

Die Schülerin, die die Erörterung verfasst hat, geht auf ihren eigenen Außentext ein. Aus diesem Grund nennt sie sich selbst „Literaturkritikerin“. Da der Außentext momentan nicht vorliegt, muss dieser aus den Ausführungen hergeleitet werden.

Das Ganze heißt übrigens „Teilerörterung“, weil die Erörterung nicht vollständig ist. Es geht in den Übungsphasen, in denen dieser Text entstanden ist, immer um eine möglichst konzentrierte Arbeit an Teilbereichen, die ich mit Rückmeldungen, Feedback und Kritik begleite. Über Kommentare und Rückmeldungen bin ich dankbar.

Teilerörterung 

Goethes Lebenswerk „Faust“, in welchem ein vom Erkenntnisdrang geplagter Wissenschaftler einen Pakt mit dem Teufel eingeht, zählt zu den bedeutendsten Werken der deutschen Literaturgeschichte.

Weshalb dies so ist lässt sich nicht eindeutig beantworten. Für manche sei es die Komplexität in sowohl Aufbau, Inhalt als auch Figurengestaltung, welche das moderne Wesen des Menschen versucht zu verdeutlichen. Für andere ist es schlichtweg der Identifikatons- und Wiedererkennungswert, den beinahe ein jeder in der Hauptfigur des Faust finden kann.

Der Gelehrte Faust, welcher das höchste Maß an intellektueller Weiterbildung der Zeit erreicht hat, verfällt in eine tiefe Depression, da seinem Streben nach göttlicher Erfahrung die irdische Gewalt des begrenzten Mensch-Daseins im Weg steht. Er lässt sich auf einen Pakt mit Mephisto, dem Teufel, ein, welcher ihm die Erfüllung all seiner Wünsche verspricht. Als Gegenzug soll Faust ihm seine Seele verkaufen, indem er ihm im Jenseits diene. Inwiefern die Wette endet, wird im Buch nicht aufgelöst aber die Handlung nimmt eine dramatische Wendung als Faust einem Wunsch Dauer verleihen will.

Die Literaturkritikerin Janis Huber widmet sich in ihrer Reflexion dem Werk und charakterisiert die Figur Faust als „in einem unendlichen Kreislauf der Zwei-Seelen-Problematik“ gefangen. Letztendlich stellt sie die Behauptung auf, Faust scheitere durch das ganze Werk hinweg. Dies sei bereits im „Prolog im Himmel“ angedeutet durch den Herrn.

Inwiefern dies zutrifft, kann von zwei Perspektiven aus betrachtet werden: Einerseits kann „scheitern“ als ein persönliches Scheitern Fausts betrachtet werden. Ein zentraler Aspekt, welcher für Hubers These des unendlichen Scheiterns spricht, ist die Gegensätzlichkeit seiner Wünsche. Auf der einen Seite sehnt sich Faust, die „unendliche Natur“ (V.455) zu fassen, also körperlose Geistigkeit zu erfahren. Die Sättigung an „diesem Bücherhauf“ (V.402) treibt ihn dazu, die Welt verstehen zu wollen und zu erkennen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“ (V. 382/383).

Gegensätzliche hierzu verspürt er den Drang nach der Polariät des Lebens, da diese ihm aufgrund von völliger Isolation fehlt. Somit ist es bereits zu Beginn der Handlung fraglich, inwiefern ein Gelingen Fausts überhaupt möglich sei. Da seine beiden Wünsche einander fast schon ausschließen, gibt dies den Hinweis darauf, dass Faust durch das gesamte Werk zu keiner dauerhaften Befriedigung gelangen wird.

Faust ist sich dessen durchaus bewusst, denn aufgrund von subjektiver Gewissheit, dass selbst der Teufel Mephisto ihm dies nicht verschaffen könne, bietet er ihm die Wette an.

Eine etwas direktere Art des Scheiterns sind Fausts Entgrenzungsversuche. Weder das Fassen des Erdgeists, noch der Selbstmordversuch gelingen ihm. Selbst Mephisto, der vorerst in der Szene „Studierzimmer I“ sein „Gefangener“ (V.1404) ist, weist den Gelehrten mithilfe von schwarzer Magie in seine Schranken. Gegen die Geister Mephistos kann ein Mensch wie Faust nichts ausrichten. Somit bestätigt sich die These des Scheiterns in dieser Hinsicht, da Faust ununterbrochen mit der menschlichen Begrenztheit seiner Existenz konfrontiert wird. Dies geschieht in Form vom Scheitern seiner Versuche, die natürlichen Grenzen des Menschseins zu überwinden.

In ihrem Text äußert Huber ebenfalls die Aussage, der Herr deute Fausts Scheitern bereits zu Beginn an: „Es irrt der Mensch, solang er strebt.“ (V. 317) Unumstritten ist, dass Faust als Objekt des göttlichen Schöpfungsplans fungiert. Er „dient (dem Herrn) auf besondre Weise“ (V. 300). Als Repräsentant der Menschheit dient er Mephisto und dem Herrn dazu, ihre verschiedenen Menschenbilder zu bestätigen und die Debatte über das wahre Wesen des Menschen fortzuführen.

Vor diesem Hintergrund beginnt die These Hubers etwas an Wahrheit zu verlieren. Denn es kommt die Frage auf, ob das vermeintliche Scheitern Fausts in seiner Lebenskrise, die exakte Widerspiegelung von menschlichen Problemen ist. Er bestätigt damit das göttliche Menschenbild des „gute(n) Mensch(en) (der sich) des rechten Weges wohl bewusst“ (V. 328) sei. Der Herr vertraut auf Faust, dies äußert sich in der Gärtnermetapher, die er zu Beginn gebraucht: „Weiß doch der Gärtner, wenn das Bäumchen grünt, dass Blüt und Frucht die künft´gen Jahre zieren.“ (V. 310/311) Das bedeutet trotz Fausts momentanem, persönlichen Scheitern wird er seine Aufgabe als Repräsentant vor Gott erfüllen.

In dieser Hinsicht stimmt die Behauptung Hubers nur teilweise. Es ist von Wichtigkeit zu benennen, inwiefern man Scheitern definiert. Persönlich scheitert Faust durch das gesamte Buch hinweg aber in seiner möglichen göttlichen Bestimmung könnte man von Gelingen sprechen.

Von Janis Huber

3 KOMMENTARE

  1. Lieber Herr,
    Konten Sie bitte“Außentext“ definieren. Steht in den Worterbuch nicht. Danke.
    Herr Logue
    Kalifornien

    • Sure. You could probably say „Secondary text“. The theses are give here and have to be checked with regards to the primary text.

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