Wenn man sich mit anderen austauscht, wöchentlich und manchmal täglich seine Gedanken aufschreibt und versucht, sich selbst, seine Haltung und seine professionelle Tätigkeit weiterzuentwickeln, ist es schwierig, dabei nicht zu lernen. Am Ende eines Lernprozesses steht im besten Fall eine Erkenntnis. Diese mag sehr einfach, geradezu banal wirken. Aber je länger der Weg hin zu dieser Erkenntnis, desto mehr zeigt sich in mancher Banalität eine konkrete Handlungsanweisung für die eigene Arbeit und das eigene Tun. Hier meine Erkenntnisse des Jahres. 

  1. Tun und Reflektieren sind dialektisch. Es nützt weder etwas, darauf zu warten, dass Theorien – seien es eigene oder die anderer – fertig sind noch einfach loszulegen und zu hoffen, dass man das Richtige tut. Wenn man sich entwicklen und etwas verändern will, muss man loslegen! Sofort. Und weder danach noch davor, sondern währenddessen abgleichen, was anders werden sollte und kann und wie das gehen soll.
  2. Es braucht eine überzeugende Basis für das eigene Tun. Die meisten Menschen kennen ihre wichtigsten Haltungen. Dennoch geht es mir so, dass das Festhalten der eigenen Auffassungen und Entwicklungen (wie hier in dem Blog oft vorgenommen) dazu dient, einen Punkt zu haben, auf den man sich rückbesinnen kann. Deshalb halte ich nicht nur nach und nach gewonnenen Überzeugungen, sondern auch Prozesse und Erkenntnisse fest (wie eben gerade hier).
  3. Netzwerke sind real. Eine weitere scheinbare Banalität. Dennoch: Auf Konferenzen und Tagungen werden Verbindungen ersichtlich. Das schließt ein, dass so mancher T-Rex nur ein Schoßhündchen ist, wenn man ihm oder ihr die Hand gibt. Vor allem aber bedeutet das, dass die Dinge, die wir zusammen tun, real sind. Das ist für die gemeinsame Arbeit im Netz fantastisch. Das impliziert aber auch, dass man die schrecklichen Entwicklungen im politischen Bereich ernst nehmen muss. Alles, was im Netz passiert, passiert wirklich.
  4. Sympathie ist wichtiger als Professionalität. Ich habe lange gebraucht, dass ich das begriffen habe und sehr viel Zeit damit verbracht, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und Meinungen auszutauschen. Das ist gut und wichtig, aber der Punkt ist: Egal, was die Menschen über ihre Arbeit sagen: Sympathie ist wichtiger als Professionalität. Deshalb verstehen sich Leute, die sich oft auf Netzwerktreffen sehen, auch online besser. Und jene, die es nicht tun, dann nicht, wenn sie im anderen etwas „Falsches“ vermuten. Deshalb werden Konzepte von einigen nicht angegriffen und von anderen schon. „It’s only the friendship, baby.“ Natürlich gibt es Ausnahmen.
  5. Unabhängigkeit ist harte Arbeit. Und nebenbei ist alles andere auch harte Arbeit. Aber solange etwas mit Leidenschaft getan wird, fühlt es sich weniger nach Arbeit an. Unabhängig zu sein bedeutet vor allem im digitalen Diskurs, die Reaktionen derjenigen, die zetern und wettern, nicht mitzudenken, sondern das zu tun, was aus der eigenen Überzeugung erwächst. Versucht habe ich das sehr lange. Aber erst jetzt habe ich das Gefühlt, eine gewisse Form von Unabhängigkeit erreicht zu haben. Das liegt im Übrigen auch an den Punkten 3 und 4.
  6. Manche Eigenschaften lassen sich nicht ändern. Aber man kann lernen, damit umzugehen und manchmal sogar ins Positive zu verändern. Das gilt beispielsweise für meine Sensibilität. Nicht gerade die Eigenschaft, die am besten ist, wenn man weiß, wie viele Leute den Blog und die Social-Media-Einträge lesen und damit auch potenziell Kritik üben können. Aber Sensibilität geht auch mit der Wahrnehmung einher, was Menschen antreibt und wie man selbst wirken kann und könnte. Damit kann man arbeiten.
  7. Gutes zu tun kommt an. Manchmal dauert es, bis es ankommt. Und man weiß vorher auch nicht, wo. Man braucht Geduld. Manchmal kommt es bei einem selbst an, weil man mehr mag, was man tut, auch wenn es einen kleinen Schmerz kostet, das zu verändern. Manchmal kommt es rückwirkend von den Menschen, die profitiert haben und es später erst sagen. Und manchmal ergeben sich Chancen und Gelegenheiten aus dem eigenen Tun, die man vorher nicht für möglich gehalten hätte. Wie gesagt: Man braucht Geduld. Macht weiter! Glaubt daran, dass ihr den Unterschied macht!

Das sind jene Erkenntnisse, die mich persönlich beschäftigt haben. Nicht als einzige, sondern als Basis für all das, was ich weiterhin tun will und tue. Ich freue mich, dass ihr – diejenigen, die diese Gedanken lesen und auch andere – dabei seid und durch euren Input, eure Rückmeldungen und auch eure harte Kritik dafür sorgt, dass ich mich weiterentwickeln kann. Dafür bin ich euch sehr dankbar.

Auf dem Foto: Armin und Henning beim #wildcampen19, mit denen ich nicht nur im regen Austausch bin, sondern auch Projekte unternehme und plane.

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