Was viele befürchtet haben, ist nun das erste Mal passiert: Eine Lehrerin aus Gelsenkirchen-Horst ist aufgrund von chronischer Unterforderung im ersten Jahr als Lehrerin friedlich eingeschlafen.[1] 

Als erstes wunderten sich Nachbarn darüber, dass spät am Abend kein Licht mehr im Büro der 28-jährigen brannte: „Wir wissen ja, dass Lehrerinnen einen relativ einfachen Job haben, deshalb nahmen wir sowieso an, dass die Lampe an einen Zeitschalter angeschlossen war. Dass das Licht nun für immer aus ist, finden wir tragisch. Wir hoffen, im Himmel findet sie endlich etwas mehr Arbeit“, so eine neben der Lehrerin Wohnende.

Auch in der Schule weckte die tragische Nachricht spontan einige Beamte aus dem Mittagsschlaf auf. Der Schulleiter der Chantelle-Chayenne-Schule Gelsenkirchen, dessen Beruf, Alter und Schule aus Gründen des Datenschutzes nicht genannt werden darf, sagte: „Ich bin mit meinen 54 Jahren mittlerweile lange dabei, aber das übersteigt alles, was ich bisher erlebt habe. Klar, wir haben hier nicht viel zu tun. Die Schülerinnen und Schüler sind immer top vorbereitet, motiviert und lernbegierig, insofern haben wir seit längerem aufgehört, den Unterricht zu gestalten. Dadurch, dass die Eltern ihre Kinder zu selbständig handelnden Bürgern erziehen, fällt auch das weg. Da fällt einem schonmal die Decke auf den Kopf. Aber dass das so endet, das ist schon heftig“, so Wolfgang Müller.

Der eine oder andere mochte jedoch nicht verhehlen, dass er sich schon zu Beginn des Referendariats Sorgen um die junge Frau gemacht hatte: „Wir wissen alle, dass im Referendariat  immer die Gefahr besteht, dass man sich langweilt. Die meisten kommen aus einer so praxisnahen Universitätskarriere, dass sie im Prinzip nichts zu lernen brauchen. Der Unterricht steht nach einigen Minuten, die Durchführung ist kein Problem. Da werden die Reflexionsgespräche zu einem Kaffeekränzchen“, so ein alter Mitstreiter.

Die Lehrerin, deren Name aufgrund der neuen Datenschutzgrundverordnung aus allen amtlichen Registern gelöscht werden musste und nur noch in öffentlichen Homepages, den sozialen Medien und diversen Newslettern zu finden ist, was dem Systemadministrator endlich einmal Arbeit einbrachte, war aufgrund eines sehr ruhigen Schlafes bei fast allen Kollegen beliebt.

Eine ehemalige Kollegin erklärte auf Anfrage: „Die Petra (so hieß die Entschlafene) hatte im Gegensatz zu Jürgen und mir einen sehr ruhigen Vormittagsschlaf. Und sogar nach dem kurzen Snack, der bei uns weit in die vierte Stunde reicht, hatte sie eine sehr tiefe Schlafphase.“

Mittlerweile sind diverse Gewerkschaften auf den Fall aufmerksam geworden und schlagen Alarm: „Das muss uns aufwecken, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes“, so Gisela Erika Walpurgisnacht. Wir sehen hier, dass Lehrerinnen und Lehrer heutzutage einfach nichts mehr zu tun haben. Und das beginnt schon mit dem Referendariat: Zu wenig Arbeit, zu hohe Bezahlung und ein viel zu großer Respekt innerhalb der Gesellschaft sorgen für eine gradezu römische Dekadenz. Ein erster Schritt wäre, die Ferien abzuschaffen und den Lehrerinnen und Lehrern die Möglichkeit zu geben, endlich mal richtig zu arbeiten.“ Ein Beispiel hat die Sprecherin auch schon parat: „In den Ferien könnten Lehrerinnen als Erzieherinnen und Erzieher arbeiten. Klar, der Job ist auch relativ einfach und keineswegs stressig, aber er ist ja im Prinzip dasselbe“.

Wie die weitere Entwicklung aussehen wird, steht auch nach diesem tragischen Ereignis in den Sternen. Erste Ideen gibt es jedoch. So ist geplant, die Arbeitszeit der Referendare so weit zu erhöhen, dass sie nicht auf die Idee kommen, es sich jeden Tag gemütlich zu machen. Auch einfache Nebenjobs wie Altenpfleger, Krankenschwester oder Hebamme sind angedacht. „Aber bis wir da sind, wird diese massive Unterforderung noch etliche Opfer fordern“, so Gerhard Schröder, den wir in einer Badewanne voll warmen Rohöl erwischten. „Faule Säcke bleiben eben faule Säcke“.

[1]Wer was lustig findet, ist eine schwierige Sache. Ich bitte dennoch darum, dass sich jene, die zu Bluthochdruck neigen, ein wenig gelassen zeigen oder bei allzu brachialen Gemütsausbrüchen den Postillon kontaktieren und dort den ihre Wut ablassen.

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