Die Diskussion, ob, wie oder wann oder auch unter welchen Bedingungen digitale Medien und Inhalte in der Schule implementiert werden, ist (wieder einmal) in vollem Gange. Sie werden oftmals dadurch erschwert, dass die Akteure unterschiedliche Auffassungen von dem haben, was Unterricht unter den Bedingungen der Digitalität überhaupt ist. Aus diesen Schwierigkeiten ergab sich für mich die Ausgangsfrage: Worüber sprechen Pädagoginnen und Pädagogen, wenn Sie über digitale und nicht-digitale Unterrichtsszenarien sprechen? Und wo würde man sich verorten? 

Nach den ersten Rückmeldungen auf Twitter wurde aus Personen Szenarien. Im Folgenden wird das Schaubildung und dessen mögliche Funktion erläutert.

Das Koordinatensystem selbst ist (wie die Übersicht zu den Dimensionen der Medienbildung) zunächst einmal nicht mehr als eine Gedankenübung, die oben genannten Diskrepanzen zwischen den Akteuren sichtbar zu machen (und so vielleicht auf bessere Lösungswege zu kommen). Von besonderem Interesse war für mich, dass die digitale Offenheit nicht zwangsläufig mit der Offenheit gegenüber Kulturformen (und Kulturaneignungsformen) zu tun hat.

Die Achsen

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Die Begriffe „konservativ“ und „progressiv“ sind hier im engsten Sinne angeführt. Wenngleich Begriffe nie wirklich neutral sind, handelt es sich hier also um die relativ schlichte Aussage, ob jemand – wie am Rand ausgeführt – pädagogisch, inhaltlich oder sozial eher erhaltend ist (z.B. was die ausgewählten Lernformen, die Inhalte oder die Lehrerrolle angeht) oder fortschrittlich – egal, ob man diesem „fortschrittlichen Zugang“ nun positiv oder negativ gegenüber steht.

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Auf der Y-Achse wird die Haltung gegenüber digitalen Arbeitsweisen und Inhalten angezeigt. Hier geht es vornehmlich darum, ob jemand dem digitalen Wandel gegenüber aufgeschlossen ist oder nicht.

Die Ecken

In den Ecken stehen zwei Plakative Aussagen: Zum einen solche, die zeigen, inwiefern das Digitale in den Unterricht implementiert wird. Zum anderen ein Beispiel, das diese Implementierung zeigt.

links unten

Am einfachsten zu verstehen ist die Ecke links unten. Sie ist das, was schon die Eltern der heutigen Lehrer und Schüler erlebten. Aus diesem Grund ist das plakative Szenario der „Frontalunterricht“ und der Stoff die physischen „Bücher“. Wichtig ist auch hier, dass dies, auch wenn es so scheint, zunächst keine Wertung des Szenarios darstellt und nichts darüber aussagt, ob der Unterricht Lernerfolg bringt oder nicht. Was allerdings dieser Lernerfolg ist, steht auf einem anderen Blatt.

Insgesamt sind die Akteure der linken unteren Ecke hinsichtlich der Veränderungen des Unterrichts eher kritisch.

rechts oben

Durch den roten Pfeil markiert ist die rechte obere Ecke jene, die die größtmögliche Veränderung will. Also neue Inhalte und neue Methoden, die weder an Klassen noch an Fächer gebunden sind. Hier könnte man das ansiedeln, was unter dem Schlagwort der „zeitgemäßen Bildung“ diskutiert wird.

Insgesamt sind die Akteure dieser Ecke genauso kritisch gegenüber der für sie stattfindenden Stagnation.

Beide Ecken werden im öffentlichen Diskurs am meisten wahrgenommen.

links oben

Weniger ist das schon bei der Ecke links oben der Fall. „Alte Inhalte, neue Methoden“ verdeutlicht, dass sich hier diejenigen tummeln, die gerne möglichst abgeschlossene, aber digitale Systeme wollen, mit denen man den „Stoff“ oder den „Bildungsstandard“ besser abarbeiten kann. Man könnte sagen, dass sich hier diejenigen aufhalten, die den „Mehrwert“ fordern. Sie sind also gleichsam offen für digitale Arbeit, während sie an den vorgegebenen Inhalten festhalten wollen. Auch hier gilt, dass dies weniger wertend ist, als es sich vielleicht anhört.

rechts unten

Einfach gesagt könnte man hier auch diejenigen ansiedeln, die zwar wollen, aber nicht können. Das, was ich schon bei den Dimensionen der Medienbildung immer wieder wiederhole, dass man nämlich das Digitale auch in den Unterricht holen kann, ohne es technisch zu können, findet hier statt. Platt also: Einen Text von Sascha Lobo über die Digitalisierung als ausgedruckten Text lesen und Antworten in ein Heft schreiben (merke: würde der Lehrer keine Fragen dazu aufschreiben, sondern diese entwickeln lassen, würde das Szenario automatisch weiter nach oben rücken).

Und jetzt?

Was bringt dies? Zum einen hilft mir dieses System nicht nur zu sehen, wo ich mich befinde, sondern auch, wo sich die anderen befinden und auch, warum sie nicht zueinander kommen. Insofern kann eine solche Visualisierung verdeutlichen, über welche Szenarien man überhaupt spricht, wenn man über Veränderungen des Systems redet.

Mein eigenes Koordinatensystem wird den einen oder anderen erstaunen.

Dadurch, dass wir an der Schule eher weniger technische Ausstattung haben, mir eine Beschäftigung mit digitalen Inhalten aber sehr wichtig ist, zeigt sich mein „Bewegungsfeld“ wie folgt:

Interessant wäre es, wenn dieses System anhand von Fragen „lebendig“ würde, sodass eine Automation einen an die jeweilige Stelle brächte. Dafür reichen meine Pogrammierfähigkeiten leider nicht aus (was ein Euphemismus dafür ist, dass ich gar keine habe). Wer sich in der Lage, befähigt und motiviert fühlt, ist gerne eingeladen.

Ansonsten bin ich wie immer gespannt auf konstruktive Rückmeldungen.

 

 

 

 

 

 

 

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