DIGITAL: Treffen der ehemaligen Twitterer

Bob Blume
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15. Juni 2026
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Wie schön war die Zeit, in der es noch das Twitterlehrerzimmer gab. Jenen Hashtag, der Menschen, Meinungen, Thesen und Themen verband und nicht nur zu Austausch, sondern zu echten Freundschaften führte. Diese Zeit ist schon lange vorbei. Was geblieben ist, sind die Menschen. Und die bleiben nicht nur online in Kontakt, sondern treffen sich auch immer mal wieder. Für den Austausch, fürs Zusammensein, ja sogar fürs gemeinsame Singen. Der Termin ist schon längst vorbei und ich habe es nicht geschafft, den Beitrag eines Kollegen hochzuladen. Das hole ich nun nach. Ein Bericht über eine schöne Zeit. 

Weinen und Lachen

Zum dritten Mal trafen sich viele Lehrkräfte in Kassel, um sich auszutauschen und aber auch, seien wir mal ehrlich: einfach eine gute Zeit zu haben. Dass dabei auch fachliche Dinge zur Sprache kamen, liegt in der Natur der Sache und man nimmt so auch manchmal eher ungewollt sehr viel mit. Genau das macht auch den Reiz dieses Treffens aus. Mal redet man über die Kinder zu Hause (die einen werden noch von der Schule erwartet, die anderen machen schon anzügliche Bilder und klagen ihren Insta-Account zurück) und plötzlich ist man in einer Schulkultur-Debatte gelandet, weil man sich umgedreht hat. Dabei findet alles so harmonisch statt, dass man es teilweise kaum glauben kann, immerhin kennt man sich ja eigentlich gar nicht richtig; ein bisschen Bluesky hier, mal ein Kommentar da, mal den Blog aus Versehen dort gelesen, das war’s.

Auch wenn es in Nuancen unterschiedliche Ansichten, Meinungen und Erfahrungen gibt, so merkt man doch: im Kern ticken wir alle recht ähnlich. Dabei ist die Spannbreite recht hoch. Schulleitungen, B3-Bomber-Pilotinnen (sog. Politikerinnen), Grundschule bis Sek-II, Referendarinnen, Sonderpädagoginnen, unterschiedlichste Bundesländer, von 1,60m bis 2m, you name it. Und vielleicht ist das auch der Reiz, warum man immer wieder zu diesem Treffen fährt: in entspannter Atmosphäre neue Dinge kennenlernen, neue Ansichten, neue Meinungen, aber ohne das Gefühl zu haben, einen Kampf ausfechten zu müssen. Zumindest geht es mir so, wie ich feststellen musste. Dieses Treffen unterscheidet sich fundamental von meinem „richtigen“ Leben. Das ist durchgetaktet bis zum geht nicht mehr, permanent muss ich meine Ansichten und Meinungen verteidigen, erläutern, warum dies und das besser ist (natürlich ist meine Meinung besser!) und sehr oft kommt der Humor dabei zu kurz.

So ist es für mich auch immer am spannendsten, mit Schulleitungen zu sprechen. Ganz einfach, weil das eine Instanz ist, die ich qua Amt erst mal blöd finde. Dass die Menschen dahinter aber wirklich auch nett sein können, habe ich dieses Jahr so richtig(!) realisiert, weil ich zufällig häufig die Gelegenheit hatte, mit einer Schulleitung alleine spazieren zu gehen. Dann die anderen Ansichten in Ruhe erläutert zu bekommen, auch andersherum hoffe ich, hilft. Aber genau das ist auch der Moment, in dem das Weinen und Lachen sich den Weg bahnt. Das innerliche Weinen, wenn man feststellt, dass es gute Ansichten gibt, sogar von Schulleitungen, die man teilt, wo man mitgehen kann, aber realisiert, dass es im richtigen Leben zu Hause nicht so ist. Stichwort „schlechte Führung“. Man hofft ja immer, dass es schon nicht so schlecht ist zu Hause in der eigenen Schule. Aber Kassel haut einem jedes Mal die Faust ins Gesicht, was das angeht.
Auch gemütliche Gespräche zu dritt beim Kaffee respektive Bier in der Orangerie fühlen sich tief und gut an und geben einem viel mit für das eigene Bild, das man mit sich rumschleppt. Brenne ich also erst das ganze Gebäude ab oder liefere ich kleine Erfolge, um die Leute anzufixen, dass sich Wandel lohnt, auch, wenn er weh tut?

Momente des Weinens sind aber zum Glück nur eine kleine Randnotiz während der Kasseler Zeit. Sehr viel häufiger wird geweint vor Lachen. Wenn der DJ dann doch zu laut spielt und man sich gegenübersitzend per Sprachnachrichten unterhält, eine KI fragt, was bitte eine Stadtpolizei ist, sich Mrs. B3 über die Preise beschwert, nachdem sie bestellt hat, Tschechische Kronen dubios gewechselt werden müssen und über sehr, sehr, sehr viele andere Dinge, die der sog. Situationskomik zuzuordnen sind. Wichtig hierbei: es gab dieses Jahr gar keinen Tomaten-Mozzarella-Salat-Gate.

Man hat gemerkt, dass man sich nach all der Zeit (die ja auch kontaktlos zwischen den Treffen liegt) gut versteht, harmoniert und doch auch irgendwie mag. Wenn man von einer Person, die gesichtsblind ist und die eigene Schwester auf deren Hochzeit nicht erkennt, direkt erkannt wird, dann ist das schon ein kleines Highlight und zeigt, dass bei diesem Treffen Dinge entstehen. Es ist nicht untertrieben, dass ich einige wirklich vermisse und es bedauere, dass dieses Treffen nur alle zwei Jahre stattfindet.

Mir bleibt nicht mehr zu sagen, als: Flieden sein mit Dir.

Bis dann. Mit Schiebermütze, Mantel und Gehstock.

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