Manchmal sind es die kleinen Ideen, die einen großen Unterschied machen. Zumindest ist dies meine Hoffnung, während in diesen kleinen Impuls für die Arbeit im Unterricht schreibe. Es geht um die Neuvertonung von Videos im Fachunterricht. Die Idee selbst ist im Englischunterricht entstanden, lässt sich aber, wie ich glaube, auch auf andere Fächer übertragen. 

Über den Mut zu teilen

Bevor ich die Idee beschreibe, die sich im Unterricht mit Tablets oder iPads eignet, ein Satz zu dem Mut, Ideen zu teilen und der Genese der Idee.

Durch das sogenannte #wowdw, das von Sebastian Schmidt erdacht und von Verena Knoblauch und Tobias Raue auf Twitter verbreitet worden ist, habe ich einen Motivationsschub bekommen, wieder mehr konkrete Ideen mit anderen zu teilen. Dennoch überkam mich der Gedanke, dass das folgende Beispiel vielleicht nicht “innovativ” genug sein könnte, oder nicht “groß” genug. Warum schreibe ich das? Nun, ich glaube, dass im #twitterlehrerzimmer (oder #twlz) viele tolle Ideen nicht geteilt werden, weil jemand den gleichen Gedanken hat. Deshalb meine Empfehlung: Nur Mut! Auch (und gerade) kleine und niedrigschwellige Ideen können anderen helfen, den Unterricht weiter voranzubringen.

Entstehung

Die folgende Idee entstand während des Fernunterrichts als eine leicht veränderte Form der Aufgabe: Es gibt Landschaftsvideos, in denen “nur” die Landschaft eines bestimmten Landes in verschiedenen Perspektiven zu sehen ist. Aufgabe der Schüler*innen war es, diese live mit Informationen zu unterlegen, die sie zuvor im Englischunterricht herausgearbeitet hatten. Eine Art Live-Präsentation also.

Bei dem Aufgabenformat geht es nicht nur ums Sprechen an sich, sondern auch darum, dass die zuvor durchgeführte Erarbeitung bedeutsam wird. Denn es geht eben nicht “nur” darum, etwas stupide herauszuarbeiten, sondern die Kopplung mit dem Video, das als ein zweiter Schritt begutachtet und nach passenden Szenen abgesucht wird, sorgt dafür, dass die Erarbeitung zuvor zielgerichtet ist. Der Fachdidaktiker Frank Haß schreibt dazu in seinem Standardwerk “Fachdidaktik Englisch”:

“Wenn Lehrende das Interesse ihrer Schüler wecken und Motivation im Fremdsprachenunterricht aufbauen wollen, so geht dies nur über für Lernende bedeutsame Inhalte.”

Dass dies nicht nur für den Englischunterricht zutrifft, sollte klar sein. Die Kopplung einer Live-Unterlegung erwirkt so, so jedenfalls meine Erfahrung, eine neue Bedeutsamkeit.

Übertragung auf Arbeit mit Tablets

Eine solche Live-Unterlegung ist auch für den Unterricht vorstellbar. Können Schüler*innen aber auch mit Tablets arbeiten, ist auch eine Weiterentwicklung möglich. So können die Schüler*innen mittels einer einfachen Bildschirmaufnahme ein Video von einer bestehenden Aufnahme machen, zurechtschneiden und dann neu vertonen. Die Originaltonspur wird dabei komplett stumm geschaltet.

Neben einer solchen Aufgabenorientierung, die die Vorarbeit, wie erwähnt, in eine neuen Rahmen überträgt (es geht nicht um ein “willkürliches Herausarbeiten”, sondern die Erarbeitung dient dem Ziel einer größeren Aufgabe), trägt die Aufgabe selbst dadurch, dass sie Kommunikation unter den Teilnehmenden motiviert, zu dialogischem Lernen bei.

Em Ende der Stunde(n) steht also eine mittels Informationen (aus dem Buch oder aus dem Internet) unterlegte Neubearbeitung eines schon bestehenden Videos. Dieses kann dann natürlich nicht veröffentlicht werden, sofern die Aufnahmen nicht einer Creative Commons-Lizenz unterliegen.

Holzschnittartig sieht die Unterrichtssequenz dann so aus:

  1. Vorentlastung zum Thema
  2. Informationen zum Thema
  3. Filmimpuls
  4. Besprechung des Filmimpulses/ Vergleich zum Ausgangstext
  5. Neuanordnung und Unterlegung des Films
  6. Präsentation

Aus dem Sprachenunterricht meine ich sagen zu können, dass eine solche Arbeit motivierend auf die Erarbeitung wirkt. Und zwar nicht nur des Films, sondern auch des Zieltextes.

Überfachliche Anwendung

Nun bin ich außerhalb meiner Fächer kein Experte für didaktische Besonderheiten. Aber aus meiner Sicht fällt es nicht schwer, dieses Unterrichtssetting auf andere Fächer zu übertragen. Aus dem Ärmel geschüttelt könnte ich mir vorstellen:

  1. Dass man im Biologieunterricht den Film über ein komplexes Thema neu vertont und dazu Informationen aus einem erarbeiteten Text entnimmt, der zuvor strukturiert wurde.
  2. Dass man in Geschichte Dokumentationsmaterial oder sogar Quellenmaterial auswertet und mit Kontextinformationen versieht.
  3. Dass man im Geographieunterricht Informationen zu Ländern und/ oder landesspezifischen Besonderheiten zeigt, während man diese mit Informationen aus (unterschiedlichen) Texten bespricht.

Weiterführende Überlegungen

Das Schöne an einer solchen Erarbeitung ist, dass die Produkte möglicherweise sowohl als Lernvideos weiter gebraucht werden können oder sogar als alternative Leitungsmessung dienen könnten. Dann müssten allerdings die Kriterien festgelegt werden. Vorstellbar ist aber ein Szenario, in dem die Neuordnung, die Strukturierung der Hintergrundinformationen und der Gehalt des Endproduktes bewertet werden.

Ich würde mich sehr über Rückmeldungen oder weitere Ideen zu diesem Impuls freuen.

Ideen aus dem Netzwerk

Als Reaktion auf die Idee kam eine weitere Idee für den Politikunterricht. Hier hat der betreffende Kollege bestehende Filme insofern anders vertont, als dass durch das Voice-Over eine kritische Besprechung durchgeführt wurde. Eine weitere, schöne Idee, die für viele Fächer anwendbar ist.

 

 

2 Kommentare

  1. Ich finde die Idee super, das man auch mal „einfache“ best practice Beispiele teilt. Wie oft hab ich schon ein Tool, eine Idee gesehen die vorgestellt wurde und mir fest vorgenommen, dass probiere ich im Unterricht aus. Dann wurde Sie vergessen oder irgendwo abgespeichert und nie erprobt. Durch deine Art ein Praxisbeispiel vorzustellen, sehe ich wie ich eine Methode wo einsetzen kann und welche Vor- und Nachteile Sie hat. Es wäre super wenn mehr KuK solche Beispiele wieder teilen um einfach Lehrer*Innen zu inspirieren und manches vergessene wieder in den Vordergrund zu rücken. Manchmal sind es gerade die Kleinigkeiten die viel ändern können …

  2. Mir kam beim Lesen spontan die Idee, das mal im Religionsunterricht einzusetzen: Im Themengebiet “Israel – Land und Leute” könnte man Videos mit eigenen Informationen neu besprechen.
    aber auch bei der Vorstellung des Tempels.
    Oder bei einem Jesus-Clip die geschichte neu erzählen lassen.

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