Lehrerinnen und Lehrer beschweren sich, ob nun zu Recht oder Unrecht, oftmals über die Formulierungen der Schüler*innen. Fehler werden am Rand markiert, nach Klassenarbeiten sollen die Schüler*innen eine Verbesserung schreiben, die oft aber auch nicht mehr ist als ein weiterer Arbeitsnachweis, der mehr guten Willen als tatsächliche Veränderung verdeutlicht. Wie aber kann man sich tatsächlich verbessern? Eine Liste mit Videos zum Thema, einigen Ergänzungen und Formulierungshilfen zum Selbststudium.

Prozessorientierung

Nur ein paar wenige Sätze zu einem abstoßend formalen Wort: Prozessorientierung. Es bedeutet, dass man sich nur verbessert, wenn man den Prozess ernst nimmt, egal, ob es sich ums Schreiben oder ums Computerspielen handelt. Wer besser werden will, muss das tun, in dem er oder sie besser werden will.

Das bedeutet konkret für Schüler*innen, dass Verbesserungen dann etwas bringen können, wenn tatsächlich und intensiv mit jenen Formulierungen gearbeitet wird, die zuvor angestrichen worden sind. Dabei gibt es verschiedene Dinge, auf die man achten kann. Zu jedem der hier aufgeführten Punkte habe ich ein Youtube-Video erstellt, das zusätzlich angeschaut werden kann. An dieser Stelle sollen zu den einzelnen Punkten beispielhafte Sätze und Veränderungen beschrieben werden, die grundsätzlich zur Verbesserung des eigenen Stils beitragen können.

Kürzen

Um den Satz über das kürzen zu kürzen: Kompliziertheit ist nicht Komplexität. Das ist vor allem bei inhaltlichen Aussagen über Werke wichtig. Anstelle einer schwierigen Einbettung eines Zitats in einen ohnehin komplexen Satz ist es angebracht, immer wieder kurze, prägnante Sätze zu schreiben, die den Sachverhalt auf den Punkt bringen.

Zum Beispiel: Fausts Verzweiflung wird durch die Interjektion in seiner ersten Aussage deutlich: „Ach!“ (V.354).

Weglassen

Eigentlich lohnt es sich ziemlich einige Wörter irgendwie wegzulassen, weil sie nicht wirklich Neues bieten. Wer in dem ersten Satz vier Wörter wegstreichen kann, der weiß, worum es geht. Eine Überarbeitung der eigenen Arbeit in dieser Hinsicht ist auf jeden Fall gewinnbringend. Ziemlich sogar. 😉

Schlüsselsätze

Schlüsselsätze bringen das, was man sagen will, auf den Punkt. So wie dieser Satz zu Beginn. Manchmal beginnt man mit etwas anderem: Einer Beschreibung, Hinleitung oder Ausführung. Aber generell steigert man den Grad seiner Präzision ungemein, indem man Schlüsselsätze übt, die dem Leser sofort zeigen, worum es im kommenden Absatz gehen wird.

Hinweise zur Überarbeitung des Aufsatzes

Am meisten bringt es etwas (wie ich in den meisten Videos auch sage), wenn man seine eigenen Aufsätze überarbeitet, indem man die problematischen Stellen definiert (meist durch die Korrekturzeichen definiert) und diese überarbeitet, indem man sie mithilfe der angegebenen Hilfe für die Verbesserung der Formulierung umschreibt.

Dies gelingt beispielsweise dadurch, dass man folgende Punkte berücksichtigt:

In der Sache:

Sind die Ausführungen …

– im Ergebnis ergiebig und überzeugend?

Erklärung: Ergiebigkeit bedeutet, dass die Analyse etwas zutage gefördert hat, was zuvor noch nicht gegeben hat. Das Gegenteil von Oberflächlichkeit also. Hier ist Präzision in der Formulierung gefordert. Eine solche kann nur erreicht werden, wenn man inhaltlich im Thema ist.

– wichtig / unwichtig in Bezug auf die Deutungshypothese?

– differenziert oder undifferenziert und oberflächlich?

– an Textstellen belegt?

Die Textstellenbelege sind in puncto Formulierung besonders deshalb wichtig, weil hier zahlreiche Fehlerquellen lauern. Beispielsweise in der Art, wie man die Zitate einbindet, einführt und erläutert. Im folgenden Video wird diese Thematik nochmals vertieft.

Sind die Analyseergebnisse in ihrer Funktion für die Aussage erschlossen?

In der Struktur:

  • Ist die Entfaltung der Gedanken im Aufsatz

Hierzu kann man sich das Video zu den „Schlüsselsätzen“ nochmals durchlesen, denn durch diese sowieso durch die konsequente Einteilung in Absätze wird die Gedankenführung deutlich klarer. Mit einer besseren Formulierung hat das weniger zu tun, betrifft diese aber doch insofern, als dass eine stringente Gedankenführung bessere Formulierungen begünstigt. Also:

– in der Gliederung klar und schlüssig (Abschnitte)?

– klar/unklar in der gedanklichen Entwicklung?

– unangemessen lang/kurz (bezogen auf zentrale und eher nebensächliche Aspekte)?

  • Gibt es orientierende Leserlenkung („Zentral wichtig scheint mir …“/„In den Mittel­punkt stelle ich …“/„Besonders hervorheben möchte ich …“)?

In der Sprachgebung:

  • Wirkt der Aufsatz

– flüssig und klar formuliert?

– in Wortwahl und Ausdruck flüssig und angemessen?

  • Erkennt man den gedanklichen Zusammenhang auch in der sprachlichen Darstellung (Konnektoren wie: weil/deshalb/jedoch/aber/…)?
  • Sind Wiederholungen vermieden (z.B. Satzanfänge, gleiche Wörter)?
  • Stimmen die Anforderungen an die Textnorm und an den Text:

– Präsens, Sachlichkeit im Stil, Fachbegriffe, korrekte Zitierweise

– Sprachrichtigkeit: Satzbau, Grammatik (z.B.: Konjunktiv bei der indirekten Rede)?

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here