Auf diesem Blog versuche ich (mittlerweile) die Schule und ihre zahlreichen Bereiche möglichst umfassend zu erfassen, so dass die Besucher Anregungen, Tipps und Impulse erhalten, die von Störungen im Unterricht zu digitaler Arbeit bis zu alternativen Lernformen führen. Für jene Themen, in denen meine Expertise nicht ausreicht, versuche ich immer wieder Experten zu Rate zu ziehen. Das ist mir beim Thema „Elternarbeit“ gelungen. Mit Professor Ehinger schreibt jemand diesen Gastartikel, der sich nicht nur intensiv mit dem Thema befasst hat, sondern auch zahlreiche Bücher und Publikationen zu dem Thema veröffentlicht hat.

VON DER KONFRONTATION ZUR KOOPERATION

ELTERNGESRPRÄCHE PROFESSIONELLER GESTALTEN

Von Wolfgang Ehinger

1 Einleitung

Schule ist ein Ort der Kommunikation. Kommunikation findet statt

  • Zentral im Bereich von Unterricht, Ausbildung und Anleitung.
  • In Aufsicht, Führung und Leitung
  • Bei der Kooperation und Koordination aller am Schulleben Beteiligten
  • Bei Feedbackprozessen und Konfliktmanagement
  • In Supervision-, Coaching- und Beratungsprozessen
  • Bei Beziehungsgestaltung und Beziehungspflege

Gespräche sind auf und zwischen allen Ebenen notwendig und die meisten verlaufen auch ungestört und kooperativ. Das Gespräch ist eine wichtige Form der Kommunikation, Kommunikation beschränkt sich jedoch nicht nur auf Gespräche, ist mehr als miteinander reden.

Neben ausreichenden Kontaktmöglichkeiten zwischen Elternhaus und Schule ist eine ungestörte und professionelle Kommunikation zwischen diesen beiden für Schüler*innen wichtigsten Lebenskontexten unerlässlich.

Das wichtigste Medium jedoch für eine lebendige Kommunikation zwischen Elternhaus und Schule ist das persönliche Gespräch zwischen Eltern und Lehrern.

Das professionelle Lehrer-Eltern-Gespräch stellt sozusagen eine aus lebendigen Prozessen gestaltete Brücke zwischen diesen beiden Kontextvertretern dar über die verschiedene Inhalte transportiert werden können, wie z.B.:

  • Rückmeldung der Lehrkraft an die Eltern über die allgemeine schulische Entwicklung ihres Kindes.
  • Rückmeldung der Eltern an die Lehrer, wie ihr Kind Unterricht und Klima an der Schule erlebt.
  • Rückmeldungen zwischen Eltern und Lehrern im Falle des Auftretens von Schulproblemen (z.B. Teilleistungsstörungen, Verhaltensschwierigkeiten, usw.)
  • Versuche der Lehrerseite das Elternhaus beim Auftreten von Schulschwierigkeiten zur Kooperation zu gewinnen.
  • Beratungswünsche des Elternhauses an die unterrichtenden Lehrer*innen, wie sie ihr Schulkind im häuslichen Bereich bzw. durch Fachkräfte unterstützen können
  • Klärung und Lösung von Konflikten zwischen Elternhaus und Schule.

Eine gelingende Kommunikation wird dabei von folgenden Elementen wesentlich beeinflusst, die in gegenseitiger Wechselbeziehung stehen.

Das zentrale und wichtigste Element ist die Grundhaltung und das Menschenbild. Siebilden das Fundament jeder Kommunikation und den Verlauf der Gespräche. Sie betreffen die gesamte Persönlichkeit. Welche Einstellung besteht zu dem Gesprächspartner? Wie wird er gesehen? Welche persönliche Einstellung besteht bezüglich den Eltern, den Schülern, den auftretenden Schwierigkeiten, dem Beruf, der Welt? Von der Haltung und der persönlichen Erfahrung und Weltsicht hängte es letztlich auch ab, wie belastend bestimmte Inhalte und Themen empfunden werden.

Diese Haltungbestimmt das konkrete Verhalten, die angewandten Methoden und Techniken. Die Gesprächsmethodik muss zu dieser Grundhaltung passen, sonst wirkt sie unecht, nicht kongruent, aufgesetzt und beeinflusst negativ den Gesprächsprozess. Es geht jedoch darum, den eigenen Gesprächsstil und das eigene Repertoire zu erweitern. Dies gelingt letztendlich nur durch Erprobung und Einübung, möglichst in stressarmen Gesprächen und Übungseinheiten.

Der Rahmen und der Kontext, in dem ein Gespräch stattfindet, spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle für den Verlauf der Begegnung. Gemeint sind die Verhältnisse, in denen die Gesprächspartner leben und arbeiten und in denen die Begegnung und das Gesprächs stattfinden. Die bisher gelebte und erfahrene Beziehung der Gesprächspartner zueinander gehört hier selbstverständlich ebenfalls dazu.

Um einen vertrauensvollen Kontakt zu erreichen und um die Gesprächsführung zu professionalisieren ist es permanent notwendig, die eigene Haltung zu hinterfragen und zu reflektieren, das eigene Gesprächsrepertoire zu erweitern und zu erproben.

2 Grundlagen und Grundhaltungen

In der professionellen Gesprächsführung müssen mehrere Komponenten berücksichtigt werden. Zum einen geht es um das Verstehen des Anderen, seiner Sicht- und Denkweise. Es geht dabei um Zuhören können, sich empathisch Einfühlen können, angemessene und geeignete Fragen zu stellen, nachzufragen, Gedanken wiederzugeben und Gefühle ansprechen zu können. Zum anderen ist es aber auch wichtig, das Gespräch zu leiten und zu strukturieren um zur konstruktiven Lösungserarbeitung zu kommen. Dazu gehört auch, klar Stellung zu beziehen, Feedback zu geben, klar zu kommunizieren und bei Bedarf auch die Beziehung zum Gesprächspartner anzusprechen und zu klären.

2.1 Zentrale Grundhaltungen

In diesem Zusammenhang möchte ich den Vorrang der Haltungen vor den Verhaltensweisen (Techniken) betonen. Diese Grundhaltungen tragen wesentlich stärker zum Erfolg eines Elterngesprächs bei als die Gesprächstechniken.Zentrales Ziel eines erfolgreichen Gesprächs ist, die Eltern zur Kooperation zu bewegen. Kooperation bedeutet, dass die Eltern im Rahmen einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Lehrkraft eigenverantwortlich und zielgerichtet passende Schritte unternehmen, die zur Lösung bzw. Verminderung (Deeskalation) der Schwierigkeiten beitragen.

Die in den Sternzacken symbolisierten

Grundhaltungen und Sichtweisen, die in einer wechselseitigen Beziehung zueinander
stehen und nicht isoliert betrachtet werden können, sind die Grundlagen ganzspezifischer Verhaltensweisen, Methoden und Techniken der Lehrkraft.

Empathie:

Dabei handelt es sich um das Einfühlungsvermögen der Lehrkraft in die subjektive Weltsicht der Eltern, die ihr Denken, Fühlen und Handeln bestimmt. Es geht um das Bemühen, die innere Wirklichkeitskonstruktion und Denk- und Fühlweise des Gegenübers nachzuvollziehen, innerlich vorübergehend seinen Standpunkt, seinen Blickwinkel einzunehmen, ohne dass dieser Standpunkt zu dem eigenen gemacht werden muss. Und dass dieses Bemühen beim Gesprächspartner wahrgenommen wird.

Empathisches Verhalten drückt sich dabei nicht nur in Worten aus, sondern meistens auch in der nonverbalen „Sprache“ wie zustimmendem Kopfnicken, in der Mimik und in Gesten.

Die Berücksichtigung des Lebenskontextes:

Lösungsversuche, die konstruiert werden ohne den aktuellen Lebenskontext mit einzubeziehen, scheitern zwangsläufig. Die Ziele und die einzelnen Lösungsschritte zur Erreichung dieser Ziele müssen auf ihre Realisierbarkeit überprüft werden. Der Lebenskontext ist auch oder vor allem bei ausländischen Familien zu berücksichtigen. Hier gilt es, die uns fremden kulturellen Normen und Werte zu respektieren, auch wenn sie nicht unsere Zustimmung und unser Wohlwollen finden. Kontextberücksichtigung heißt auch, die eigene Rolle und die Beziehung zum Gesprächspartner zu reflektieren und zu klären.

Die Betonung der Eigenverantwortlichkeit der Gesprächspartner:

Es geht bei dieser Grundhaltung darum, die Eltern als gleichberechtigte Kommunikations- und Kooperationspartner*innen auf der Erwachsenenebene zu respektieren und zu behandeln. Jeder ist selbst verantwortlich für sein Denken, Fühlen und Handeln. Niemand kann den Eltern, und in altersangemessenem Maße auch den Jugendlichen und Kindern, die Entscheidung für ihr Tun abnehmen, und es ist wichtig, in dem Gespräch diese Eigenverantwortung herauszuarbeiten, zu benennen, zu betonen, zu fördern und einzufordern.

Für den Lernprozess hat nun jeder Beteiligte (Lehrkraft, Erzieher*in, Elternteil, Schüler*in) ihre bzw. seine spezifischen Anteile an Verantwortung. Diese Anteile gilt es in gemeinsamen Gesprächen zu benennen, zu sortieren und abzustimmen.

Ressourcenorientierung:

Hinter dieser Grundhaltung verbirgt sich die Überzeugung, dass jeder Gesprächspartner neben all den Problemen, Defiziten und Schwächen auch Stärken, Ressourcen und positive Seiten besitzt. Ohne diese Ressourcen wären die Betroffenen nicht in der Lage gewesen, vergangene Krisen und Problemsituationen zu bewältigen. Diese Ressourcen gilt es im Gespräch für aktuelle Problemsituationen zu mobilisieren und zu nutzen, frei nach der Devise: „Beim Schweizer Käse nicht auf die Löcher, sondern auf den Käse rings um die Löcher zu schauen.“

Wer ein Problem hat, hat in den meisten Fällen auch die Ressourcen zur Lösung in sich. Sie werden oft nur nicht in den Kontexten genutzt, in denen sie gebraucht werden. Als zentrale Aufgabe des Elterngesprächs ergibt sich daraus, die Aufmerksamkeit auf diese Ressourcen, auf die Ausnahmen vom Problem, auf die Stärken zu lenken, so dass sie von den Betroffenen wieder spontan und mühelos genutzt werden können.

Lösungsfokussierung

Wenn sich das Gespräch zu lange und zu intensiv mit dem Problem beschäftigt, besteht die Gefahr, dass die Beteiligten in eine „Problemtrance“ fallen, einen hypnotischen Zustand, in dem sämtliche Energien und Aufmerksamkeit auf das Problem und nicht auf die Lösung fokussiert sind. Eltern sind es (leider) häufig gewohnt, nur dann zum Lehrergespräch gerufen zu werden, wenn es Probleme gibt und sich dann Klagen und Negatives über ihr Kind anzuhören. Solche Fokussierungen lähmen jede Initiative und Handlung und erhöhen sogartig die Hilflosigkeit und Resignation bei Eltern wie Fachkräften.

Lösungsfokussierung bedeutet demgegenüber, im Gesprächsprozess darauf zu achten, dass nur so viel Zeit und Aufmerksamkeit auf das Problem verwendet wird, wie es unbedingt notwendig ist zur Konstruktion von Lösungsschritten – aber auch nicht länger.

Dabei ist es selbstverständlich nicht die Aufgabe von Lehr- und Fachkräften, für die Eltern „fertige“ Lösungen zu produzieren, sondern gemeinsam mit ihnen Lösungsperspektiven zu erarbeiten und erste Schritte in Richtung Problemreduzierung vorzubereiten.

Dazu gehört auch, das Lösungsinteresse der Betroffenen hervorzuheben und ihre bisherigen Lösungsversuche zu würdigen und positiv zu bewerten. Diese Betonung von etwas scheinbar Selbstverständlichem bedeutet eine Wertschätzung der bisherigen Lösungsversuche und betont gleichzeitig den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen den Gesprächspartnern, nämlich das gemeinsame Interesse an einer Lösungsfindung. Ferner sind frühere Lösungsversuche des Problems schon deshalb von Interesse, weil wir uns durch die Kenntnis und die Bewertung (Erfolg/Misserfolg) früherer Lösungsversuche untaugliche zukünftige Problemlösungen ersparen können. Bisherige misslungene Lösungsversuche geben uns Hinweise darauf, was wir nicht tun sollten.

2.2 Kontakt und Kommunikation – die vier Seiten einer Nachricht

In der menschlichen Kommunikation lehrt uns die Erfahrung, wie störungsanfällig das Miteinander-Reden ist. Missverständnisse und Verständigungsschwierigkeiten führen dabei nicht selten zu Verstimmungen und Konflikten. Bei gelungener Kommunikation geht es also nicht nur um deutliche Aussprache und genaues Hinhören, sondern auch um Verstehen, um Klarheit, um Stimmigkeit. In ein und derselben Aussage können wir unterschiedliche Aspekte transportieren und wir hören nur (heraus), was wir hören wollen.

Das in Abb.2 beschriebene psychologische Modell der zwischenmenschlichen Kommunikation ist eine Adaption des “Vier-Ohren-Modells” von Friedemann Schulz von Thun (2010). Eine Aussage, die in einem Gespräch geäußert wird, hat dabei vier Aspekte bzw. Dimensionen, sowohl auf Seiten des Senders als auch auf Seiten des Empfängers. Bildhaft gesprochen kann man daher auch von dem „vier-mündigen Sender“ und dem„vier-ohrigen Empfänger“ sprechen.

Die Inhaltsdimension

Menschen mit einseitiger Ausrichtung auf diese Dimension hören nur die Sachinformation, reagieren nur auf den Sachinhalt einer Nachricht, suchen die Auseinandersetzung auf der Sachebene. Die Schwingungen der Tonlage, Lautstärke, Gestik, Mimik usw., die auf die anderen Dimensionen hinweisen, werden nicht wahrgenommen.

Die Gefühlsdimension:

Wahrgenommen wird das Gefühl, das der Aussage zugrunde liegt. Es sind die zahlreichen nonverbale Signale, auf die sensibel reagiert wird, wie Tonfall, Lautstärke, Melodie der Stimme, Mimik, Gestik, Haltung usw.

Die Wünschedimension:

Menschen mit übergroßem Ohr für diese Dimension hören in erster Linie die Erwartungen der Gesprächspartner heraus und wollen es ihnen möglichst recht machen, d.h., diese Erwartungen erfüllen. Sie vergessen dabei leider oft ihre eigenen Bedürfnisse und andere notwendige und professionelle Reaktionen. Es fällt ihnen schwer, sich abzugrenzen und sie laufen ständig Gefahr, ausgenützt zu werden.

Die Beziehungsdimension:

Menschen mit großem Beziehungs-Ohr beziehen sofort alles auf sich, nehmen alles persönlich, fühlen sich sofort angegriffen. Sie gehen entweder in eine offensive Verteidigung, sprich Angriff, über oder ziehen sich beleidigt zurück.

Die hierarchische Struktur der Beziehung (formale Beziehung) spielt hier ebenso eine Rolle wie die zwischenmenschliche (informelle) Beziehung. Unklare Strukturen bzw. Beziehungen erschweren dabei die Kommunikation.

Dieses Modell ist nützlich und hilfreich um in Gesprächssituationen Klarheit zu gewinnen. Es hilft einerseits, (als Sender einer Botschaft) „nur mit einem Mund zu reden“, d.h., eindeutige und klare Aussagen zu treffen. Andererseits ist es hilfreich, als Empfänger mit „offenen Ohren“ Gesagtes und Gehörtes zu verstehen bzw. durch Nachfragen zu klären.

Als Sprecher (“Sender”) stellt sich für mich die Frage:

  • Wie eindeutig und klar ist meine Botschaft?
  • Wie übereinstimmend ist das, was ich sage, mit dem, was ich denke und fühle? (Frage der Kongruenz)
  • Steht für mich eine Sachinformation, eine Beziehungsaussage, eine Gefühlsmitteilung oder ein Wunsch an den Gesprächspartner im Vordergrund und habe ich dies auch deutlich zum Ausdruck gebracht? (z.B. “ich sage dir…..”, “Ich denke über dich…..”, “Ich fühle mich…..” bzw. “Ich will von dir…..”)

Als Angesprochener (“Empfänger”) kann ich mich fragen:

  • Welche Dimension(en) der an mich gerichteten Aussage meines Gesprächspartners nehme ich besonders stark wahr?
  • Welche Gedanken, Gefühle, Handlungsimpulse lösen die wahrgenommenen Dimensionen bei mir aus?
  • Welche Dimension(en) werde ich wohl am ehesten ansprechen?
  • Durch welche Frage erfahre ich, ob das, was ich heraushöre, auch so gemeint war?
  • Durch welche Nachfrage kann ich meinen Gesprächspartner dazu bringen, eine klare Aussage zu machen?

3. Methoden der Gesprächsführung

Im Elterngespräch geht es zum einen darum, den bzw. die Gesprächspartner zu verstehen und seine bzw. ihre Sicht der Dinge kennen zu lernen. Dies kann z.B. erreicht werden durch (nonverbales oder aktives) Zuhören, durch geeignetes Nachfragen, durch Rückmelden, was man gehört und verstanden hat. Zum anderen geht es auch um die Leitung des Gesprächs durch Strukturierung und Lenkung, durch Hinführung zu Zielen und Lösungen, durch klare Stellungnahme und mitunter durch Klärung der Beziehung zum Gesprächspartner.

Welche Gesprächsmethode nun auf der Basis der oben beschriebenen Grundhaltungen jeweils zum Einsatz kommt hängt von mehreren Faktoren ab, z.B. von

  • der Beziehung der Gesprächspartner untereinander
  • dem Gesprächsthema und Gesprächsinhalt
  • den Zielen der Gesprächspartner
  • der Phase, in der sich das Gespräch befindet

Es kann an dieser Stelle nicht auf das gesamte breite Spektrum der Gesprächsmethoden eingegangen werden. Verwiesen sei auf die entsprechende Literatur. (z.B. Hennig & Ehinger, 2016)

3.1 Anlässe und Methoden im Elterngespräch

Im Folgenden finden Sie einen kleinen Überblick über unterschiedliche mögliche Gesprächsstrategien und ihren Grad des Zuhörens bzw. der Lenkung in einem Elterngespräch. Je nach Phase und Notwendigkeit zur Strukturierung können sie steuernd eingesetzt werden.

nonverbales Zuhören:

Dies beinhaltet u.a. Blickkontakt, Kopfnicken, Lächeln, zugewandte Körperhaltung. Die nonverbalen Signale zeigen dem Gesprächspartner, dass die Bereitschaft und Aufmerksamkeit vorhanden ist, zuzuhören und zu verstehen.

Aktives Zuhören:

Die Aussagen des Gesprächspartners werden mit eigenen Worten wiedergegeben (“Verstehe ich Sie richtig, dass ….”). Zudem werden wahrgenommene aber unklargeäußerte Gefühle, Wünsche, Befürchtungen usw. angesprochen bzw. nachgefragt, um sie deutlicher zum Ausdruck zu bringen. („Sie haben das Gefühl, dass…?” „Sie sind (z.B. verärgert, traurig, glücklich, enttäuscht, usw.)

Das aktive Zuhören dient zur Klärung der Bedeutung einer Aussage, wenn z.B. Irritationen aufgrund doppeldeutiger oder unklarer Aussagen entstanden sind. Der Lehrer bzw. die Lehrer*in kann damit überprüfen, ob seine/ihre Wahrnehmung und Interpretation der Elternaussage richtig ist.

Offene und konstruktive W-Fragen stellen:

Im Elterngespräch dienen Fragen nicht nur dazu, Informationen zu erhalten, sondern sind eines der wirksamsten Mittel, um:

  • Die Aufmerksamkeit der Eltern in bestimmte, vom Lehrer als nützlich erachtete Richtungen (zum Beispiel auf Ressourcen und/oder Lösungen) zu lenken.
  • Bei den Eltern konstruktive Suchprozesse zu fördern bzw. auszulösen.
  • Informationen zu vermitteln.

Konstruktive „W-Fragen“ fördern diese inneren Suchprozesse. Sie werden so genannt, weil sie mit einem „W“ beginnen (Wo, Wer, Wie, Was, Woran, Welche usw.). Allein das Fragewort „Warum“ sollte vermieden werden, da es in der Regel keine Informationen erbringt und oft Schuldgefühle auslöst.

Vorschläge, Ratschläge, Anweisungen erteilen:

Ratschläge beinhalten meist klare Vorgaben über “Richtig” bzw. “Falsch”. Die Eltern werden symbolisch an die Hand genommen und geführt, die Lehrkraft gibt eindeutig die Richtung und die Lösungen an. Im normalen kooperativen Elterngespräch ist diese Methode in der Regel fehl am Platz. Sinnvoll allenfalls im Gespräch mit kleinen Kindern oder dann, wenn Eltern eindeutig nicht in der Lage sind, selbst Verantwortung zu übernehmen.

3.2 Rückmeldung geben und annehmen

Rückmeldung und Feedbackgeben sind zentrale Elemente der Kommunikation. Zum einen ist es regelmäßig wichtig, den Eltern Rückmeldung zu geben über den Entwicklungsstand, die Leistung oder das Verhalten des Kindes. Andererseits benötigt die Lehrkraft die Rückmeldung der Eltern, ihre Sichtweise und familiäre Faktoren, um sie im Umgang mit dem Kind zu berücksichtigen. Auf der Grundlage dieser Sichtweisen können dann gemeinsame Ziele und Lösungsschritte formuliert und Vereinbarungen getroffen werden.

Einige nützliche Hinweise dazu: (vergleiche auch Prior, 2012)

  • Beschreiben anstatt Zuschreiben, d.h., die Schwierigkeiten, die Anlass zur Besorgnis geben, auf der Verhaltensebene beschreiben. Nicht werten! Sich dabei auf konkrete Beobachtungen, nicht auf Interpretationen oder Spekulationen stützen.
  • Hinzufügen des Wörtchens „noch“ bei den Beschreibungen.
    („Er hat noch nicht gelernt, sich an alle Regeln zu halten.“ „Er hat noch Schwierigkeiten, die Rechtschreibregeln anzuwenden.“) Das Wörtchen „noch“ betont die zukünftige Möglichkeit, dass etwas gelernt und erworben werden kann und erzeugt Hoffnung. Es ist oft erstaunlich wie positiv dieses Wörtchen die Kooperationsbereitschaft der Eltern beeinflusst.
  • Verwenden von ICH-Botschaften („Ich mache mir Sorgen um Paul.“ „Ich ärgere mich,)
  • Eltern aktiv mit einbeziehen und in ihrer Verantwortlichkeit ansprechen.
  • Konkrete Beispiele und praktisches Anschauungsmaterial (Schülerarbeiten) bereithalten.
  • Benennen von Fakten, keine Gerüchte oder Spekulationen weitergeben.
  • Klare Aussagen treffen und Stellung beziehen.
  • In der (Alltags-)Sprache der Eltern und der Kinder sprechen.

3.3 Erwartungen klären

Elternhaus wie Schule haben gleichermaßen einen Erziehungsauftrag. Da bleibt es nicht aus, dass sich Verantwortungen überschneiden. Zum Wohle des Kindes ist es daher notwendig, dass Elternhaus und Schule um einen höchstmöglichen Konsens ringen und die gegenseitigen Erwartungen abklären.

3.4 Konflikte bearbeiten und lösen

Aufgrund der unterschiedlichen Sichtweisen, Zielvorstellungen und der Überschneidung von Verantwortungen bleibt es nicht aus, dass es zwischen Eltern und Lehrkräften bzw. Erzieher*innen zu Auseinandersetzungen kommt. In den meisten Fällen sind die Konfliktparteien darauf aus, die „andere Seite“ mit Argumenten von der Richtigkeit der eigenen Sichtweise zu überzeugen, es kommt zum „Schlagabtausch“ mit wechselseitigen Beschuldigungen und Schuldzuweisungen. Es geht um Sieg oder Niederlage, andere Sichtweisen werden als Kränkung, Verletzung und Beleidigung wahrgenommen. Nachgeben und Kompromisse werden zwangsläufig als negativ bewertet, als Niederlage, als Schwäche. Kampf ist angesagt, bis hin zu Beschwerden oder gar Gerichtsverfahren.

Beide Konfliktparteien reagieren manchmal aber auch mit Vermeidung von Gesprächen, mit Rückzug bzw. Flucht. Eltern sind verunsichert, haben Angst, dass das Kind darunter leiden muss, wenn sie bestimmte Dinge zur Sprache bringen. Lehrkräfte sind verunsichert, weil sie dem Kind nicht mehr unbefangen gegenübertreten können, aus Angst, die Eltern wieder gegen sich aufzubringen. So wird der Konflikt entweder totgeschwiegen oder mit überzogenen Mitteln in Kämpfen gesteigert, Leidtragende sind allemal die Kinder, die beiden Systemen angehören.

Das Kooperative Konfliktgespräch versucht demgegenüber, eine von allen Konfliktparteien akzeptierte Lösung zu finden bzw. gemeinsam systematisch zu erarbeiten.

4  Struktur und Durchführung eines Elterngesprächs

4.1 Vorkontakte und Vorerfahrungen

Das Elterngespräch beginnt nicht erst mit dem Eintreten der Eltern ins Elternsprechzimmer, sondern bereits mit den Vorerfahrungen und Vorkontakten, die vor dem anberaumten Gesprächstermin bereits stattgefunden haben. Waren diese Kontakte eher angenehm und konstruktiv oder verliefen sie spannungsgeladen, konfliktreich und destruktiv? Je nach Verlauf dieser Vorkontakte kommen die Eltern mit einer eher negativ oder positiv gefärbten Erwartungshaltung ins Eltern-Lehrer-Gespräch.

Als wichtige Grundregel kann festgehalten werden: Je konflikthafter und spannungsgeladener die Eltern-Lehrer-Beziehung aufgrund der Vorkontakte ist, desto gründlicher sollten Sie sich als Lehrer*in auf das Elterngespräch vorbereiten.

4.2 Vorbereitung eines Elterngespräch

Eine gute Vorbereitung erleichtert das Gespräch und wird umso notwendiger, je schwieriger das Gespräch assoziiert wird.

Ein flexibles Eingehen auf die jeweiligen Prozesse im Gespräch und die Wirklichkeitskonstruktion der Eltern steht immer an erster Stelle. Eine Gesprächsvorbereitung und eine klare Gesprächsstruktur können die Sicherheit der Lehrperson und die Effektivität des Gesprächs erheblich erhöhen. Unklare Strukturen führen zu unklarer Kommunikation.

In Hennig & Ehinger 2016 finden Sie Checklisten und Arbeitsblätter zu gezielten Vorbereitung von Elterngesprächen. 

4.3 Durchführung eines kooperativen Elterngesprächs

Folgende Checkliste (Spickzettel) über den geplanten Verlauf kann während des Gesprächs sehr hilfreich sein, um die zeitliche Struktur einzuhalten und zu einem (vorläufigen) Abschluss zu kommen.

Ausführliche Informationen zu den hier besprochenen Gebieten findet man in dem Buch „Elterngespräch in der Schule“, das der Autor dieses Gastartikels verfasst hat.

4  Literatur

Bachmair u.a. (2008)  Beraten will gelernt sein
9. Aufl. 2008 Beltz-Verlag Weinheim und Basel,

Ehinger, W (2010) Schulprobleme in der Familie – Familienprobleme in der Schule
6. Auflage CreaSys Tübingen  www.crea-sys.de

Hennig, C & Knödler, U (2007)   Schulprobleme lösen, Beltz-Verlag Weinheim, Basel,

Hennig, C  & Ehinger, W (2011)  Lösungsorientierte Beratung
8. Auflage CreaSys Tübingen www.crea-sys.de

Hennig, C, & Ehinger, W (2016)   Das Elterngespräch in der Schule
8. Auflage. Auer-Verlag Donauwörth

Prior, M & Winkler, H (2012) MiniMax für Lehrer  Beltz, Weinheim und Basel,

Schulz von Thun, F (2010) Miteinander Reden Teil1 Störungen und Klärungen –  Allgemeine Psychologie der Kommunikation      Rowohlt Hamburg

Watzlawik, P (1967)   Menschliche Kommunikation     Huber Stuttgart

 

 

 

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